Wahrhaftiger Glaube
Wahrhaftiger Glaube - Johannes Weg Inhalt

Wahrhaftiger Glaube

Johannes Weg

Wahrhaftiger Glaube

Wien 2012

Weg, Johannes

Wahrhaftiger Glaube

17. berarbeitete Ausgabe

Wien 2012

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Johannes Weg, Wien 2012

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1. Einleitung

Die in diesem Text grob skizzierten Gedanken beruhen auf einer fr mein Empfinden existentiellen Erfahrung. Im Zuge von Gewissensfragen geriet ich nmlich nach einer Kindheit und Jugend als fundamentalistischer Christ in eine groe Glaubenskrise, die schlielich im Verlust vermeintlicher Gewiheiten mndete. Was mein Leben bis dahin bestimmt hatte, erschien pltzlich wie eine bloe Fiktion. In der Folge pendelte meine berzeugung zunchst in Richtung eines atheistischen Materialismus im Sinne der Physik des 19. Jahrhunderts. Deren Infragestellung durch Quanten- und Relativittstheorie fhrten mich zu einer intensiven Beschftigung mit Erkenntnisproblemen, teilweise auch deshalb, weil ich in jener Zeit ber die eher zufllige Lektre eines Klassikers der systemischen Psychotherapie[] auf den sogenannten radikalen Konstruktivismus (der nicht mit dem Konstruktivismus der Erlanger Schule zu verwechseln ist) gestoen war. In der Auseinandersetzung mit dessen Thesen fand ich es jedoch bemerkenswert, wie wenig und oft nur oberflchlich die meisten seiner Vertreter bislang darauf eingingen, da diese Erkenntnistheorie konsequenterweise ihrerseits als Konstruktion zu betrachten sei, und das, obwohl die Zirkelbehaftetheit des menschlichen Denkens von den Konstruktivisten sonst sehr ausfhrlich diskutiert wird.[]

Beim kritischen Rationalismus Karl Poppers[] , mit dem ich mich ebenfalls beschftigte, fiel mir auch ein Mangel in der Selbstreflexion auf, und zwar im Hinblick auf eine meiner Meinung nach nicht gerechtfertigte Leugnung jeglicher Elemente mit induktivem Charakter.[] Obwohl ich keiner Methode die verlliche Annherung an eine unter allen Umstnden tragfhige Wahrheit zutraue, lehne ich den totalen Anarchismus eines Paul Feyerabend[] ab. Die Rechtfertigung meiner diesbezglichen Ansicht gehorcht dabei ihr selbst innewohnenden Grundstzen und entspringt letztlich zumindest scheinbar erfahrenen, kritisch gegeneinander abgewogenen Erlebnissen. Bei allen berlegungen in diesem Kontext war mir die Reflexion ber die Konsequenzen in religiser, ethischer und gesellschaftspolitischer Hinsicht das eigentlich Wesentliche.

2. Was wei ich wirklich?[]

Nach dem Zusammenbruch meines religisen Weltverstndnisses und der Unhaltbarkeit eines zwischenzeitlichen naiven Materialismus infolge der modernen Physik machte sich in mir eine generelle Unsicherheit breit. Wer garantiert, da die neueren Theorien, die teilweise dem sogenannten gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheinen, nicht ebenfalls falsch sind?

Zum einen ist es so, da ein groer Teil der von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten publizierten experimentellen Befunde von mir einfach geglaubt und in der Regel mit einer vorgefertigten Deutung bernommen werden mssen, da mir Mittel, Zeit etc. fehlen, um diese zu prfen. Vielfach sprechen vereinzelte punktuelle persnliche Erlebnisse oder technische Errungenschaften fr eine gewisse Glaubhaftigkeit der behaupteten Sachverhalte. Bei manchem, etwa die Relativittstheorie betreffend, habe ich allerdings Vorbehalte.

Zum anderen ist aber auch dem eigenen sinnlichen Eindruck oft nicht zu trauen. Besonders faszinierte mich in diesem Zusammenhang eine schlicht gestaltete Anordnung in einem technischen Museum, die dort vermutlich im Zuge einer Sonderschau gezeigt wurde. Es handelte sich um einen in Graublau gehaltenen Guckkasten. Dabei blickte das linke Auge direkt durch eine ffnung auf eine Comicfigur in grellen Farben an der sonst eintnigen Rckwand, whrend der Blick des rechten Auges durch einen Spiegel in 45 Anordnung auf die rechte Wand des Kastens im gleichen Graublau gelenkt wurde. Es war bereits seltsam festzustellen, da man beim gleichzeitigen Blick mit beiden Augen nicht merkte, da das optische Bild der Comicfigur nicht ins rechte Auge gelangte. Noch verblffter war ich, als ich anweisungsgem meine rechte Hand durch eine ffnung in die Box hielt, direkt an die Stelle, die ber den Spiegel vom rechten Auge eingesehen wurde. Solange die Hand ruhig gehalten wurde, war diese nicht zu erkennen. Wurde sie jedoch bewegt, so verschwand die grelle Comicfigur aus dem Gesichtskreis und die Hand tauchte an ihrer Stelle auf. Bei erneutem Innehalten wurde letztere wieder von der erwhnten Figur aus dem Blickfeld verdrngt. Das Phnomen war ohne Probleme reproduzierbar und machte auf mich einen strkeren Eindruck als unzhlige andere Beispiele fr optische Tuschungen, Effekte um den blinden Fleck etc., die man ja von Kindheit auf kennt.

Es gibt etliche weitere Experimente, die das Gehr, das Wrmeempfinden und vieles mehr betreffen, welche ebenfalls zeigen, da man eigenen Wahrnehmungen nicht vllig vertrauen kann. Der erkenntnistheoretische radikale Konstruktivismus fhrt in seiner Argumentation neben zum Teil physiologisch bedingten Verzerrungen der menschlichen Wahrnehmung auch andere, die sich rein aus unserer psychischen Konstitution oder sozialen Eingebundenheit ergeben, ins Treffen. In diesem Kontext wrden Phnomene wie etwa selbsterfllende Prophezeiungen auftreten, fr die man retrospektiv durchaus eigene Erlebnisse wiederfindet oder zumindest zu finden meint. Alles was wir Menschen ber die Auenwelt zu wissen glauben, sei letztlich eine Konstruktion unseres Erkenntnisapparates, ohne dessen Vermittlung wir keinen Zugang zur Wirklichkeit htten. Unter Rckgriff auf die Evolutionstheorie, gem der die Lebewesen einschlielich des Menschen nur durch zufllige Mutationen und eine von den Gegebenheiten im Lebensraum bewirkte Selektion geformt wurden, postuliert der Konstruktivismus, da dieser Erkenntnisapparat nicht unbedingt ein wahrheitsgemes Abbild der Wirklichkeit liefere, sondern nur ein Konstrukt, welches sich innerhalb der bisherigen Stammesgeschichte als hinreichend bewhrt habe. Insbesondere wenn sich der Mensch mit Hilfe von ihm selbst geschaffener technischer Errungenschaften in Bereiche vorwage, mit denen seine Vorfahren nie konfrontiert waren, wre ein Scheitern der natrlich vorhandenen Vorstellungskraft durchaus denkbar. Dies trifft nun offenbar im Mikrokosmos der Quantenphnomene zu, dessen Eigenheiten einer intuitiven Weltauffassung massiv widersprechen.[]

Im Gegensatz zum auf empirischen Befunden fuenden Konstruktivismus wollte der kritische Rationalismus unter anderem mit Hilfe des Falsifizierbarkeitskriteriums ein rein logisch-axiomatisch festgesetztes Instrumentarium fr die Weiterentwicklung der Wissenschaft zur Verfgung stellen, dessen grundlegende Prinzipien von Beobachtungen weitgehend unabhngig sein sollten. Spter wurde die Methode allerdings unter anderem auch als Fortfhrung der in der evolutionren Erkenntnistheorie postulierten kulturellen Selektion gedeutet. Popper rechnete ja die Entstehung von Theorien dem Bereich des Zuflligen zu und forderte gewissermaen deren Auslese durch Prfung ihrer Tauglichkeit an intersubjektiv akzeptierten Basisstzen (die normalerweise in der Praxis nicht der Lehre Poppers folgend willkrlich festgelegt sondern schlichtweg a posteriori abgeleitet werden).[,,,]

Thomas Kuhn wies darauf hin, da in der Vergangenheit alte Weltbilder oder Paradigmen eine relativ groe Beharrungstendenz aufwiesen und oftmals erst im Verlauf eines revolutionr gearteten Wechsel durch funktional erfolgreichere abgelst wurden. Imre Lakatos hat bezglich der Praxis von Forschungsprogrammen diskutiert, da zumindest der Kern etablierter Theorien den Hintergrund (oder gewissermaen die Brille mit der die Wirklichkeit betrachtet wird) mitprgt, vor dem (oder der) sich eine These bewhren mu, und da im Fall auftauchender Ungereimtheiten tendenziell versucht werde, an den Grundgedanken durch Zusatzannahmen etc. (strenggenommen also Immunisierungsstrategien) festzuhalten.[]

Popper selbst rumte ein, da die Anwendung eines Falsifikationsformalismus auch bei einem der Theorie widersprechenden experimentellen Befund keineswegs zu endgltigen Entscheidungen fhrt.[] Rein logisch ist eine Aussage der Form: Fr alle x gilt y. widerlegt, wenn fr ein x gezeigt werden kann, da y nicht gilt. In der Praxis knnen sich jedoch Probleme im Zusammenhang mit x und y ergeben. Im oft genannten fingierten Beispiel der Hypothese: Alle Schwne sind wei, wrde diese durch einen einzigen schwarzen oder sonstig gefrbten Schwan widerlegt, wobei die Farbe natrlich nicht in der Definition des Begriffes Schwan festgelegt sein darf. Nehmen wir nun an, es htten sich lange Zeit keine nicht-weien Schwne gefunden. Schlielich aber sei eine schwarze Vogelspezies von Experten auf der Basis extrem detaillierter Untersuchungen des Phnotyps weltweit taxonomisch als Schwan klassifiziert und die Weihypothese fr falsifiziert erklrt worden. Im Zuge spterer molekulargenetischer Vergleiche stellte sich dann jedoch heraus, da die Vogelart auf keinen Fall den Schwnen zuzuordnen sei.[] Das fiktive Szenarium zeigt, da eine Falsifikation ihrerseits falsifiziert werden kann, und zwar deshalb, weil sich die Beurteilung von x oder Definition von y als unzulnglich herausstellen knnen. Tatschlich existiert ein historisch berhmtes Beispiel fr die Falsifikation einer Falsifikation nmlich im Falle der Teilchentheorie des Lichtes. Diese schien durch Beugung, Interferenz am Doppelspalt etc. endgltig widerlegt. Dennoch wurde sie von Einstein zur Erklrung des Photoeffektes in gewissem Sinne wieder rehabilitiert.[] So lassen sich ber die Wirklichkeit also nicht einmal negative Gewiheiten gewinnen, wie manche unzulssig verkrzte Darstellungen von Poppers Thesen nahelegen. Die Teilchentheorie des Lichtes ist deshalb ein besonders erwhnenswertes Beispiel, weil hier die Widerlegung durch die beobachteten Welleneigenschaften zunchst praktisch unumstritten schien. Natrlich knnte man den Teilchen-Welle-Dualismus als Immunisierung betrachten bzw. die klassische Teilchentheorie als nach wie vor widerlegt. Es sollte allerdings beachtet werden, da mit den Welleneigenschaften aus einstiger Sicht logischerweise viele Teilcheneigenschaften, die das Licht aber nachweislich doch besitzt, ausgeschlossen schienen. Daher glaube ich nicht, da sich eine grundstzliche Falsifizierbarkeit (die von einer tatschlichen Falsifikation, welche auf auch nach Popper stets unsicheren Basisstzen beruht, zu unterscheiden ist) wirklich in fast allen (abgesehen nur von einigen umstrittenen) Fllen mit rein logischen Mitteln und daher mit Sicherheit beurteilen lt.[] Damit ist jedoch die Rolle fragwrdig, die der kritische Rationalismus der Falsifizierbarkeit zuschreibt, nmlich jene als logisches Abgrenzungskriterium zwischen wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Aussagen. Meinem Eindruck nach drfte es vielmehr so sein, da Umstnde, die zur Falsifizierung einer Theorie fhren knnen, in nachvollziehbarer, nicht willkrlicher Weise nur selten vllig ohne empirische Grundlagen festgelegt werden knnen. Die Falsifizierbarkeitskriterien bilden oft so etwas wie eine Metatheorie, die selbst der Fehlbarkeit unterliegt.

Auch die vage Hoffnung, eine Theorie, die mehr und besser mit experimentellen Beobachtungen bereinstimme, sollte der Wahrheit nher liegen, mu keineswegs in Erfllung gehen. Da dies wahrscheinlich sei,[] kann redlicherweise nicht abgeleitet werden, ohne von einem mit der vorhandenen beschrnkten Zahl an wissenschaftsgeschichtlichen Erfahrungen vereinbar scheinenden (unter Umstnden aber nicht explizit formulierten sondern nur intuitiven) wahrscheinlichkeitstheoretischen Modell induktiv auf die zuknftige Bewhrung der vergleichend betrachteten Theorien zu schlieen, eine Vorgangsweise, bei der man den meines Erachtens im Grunde allen wissenschaftlichen Aussagen anhaftenden Vorurteilscharakter nicht aus den Augen verlieren sollte. Abgesehen davon, da zufllige oder gar unbeachtete systematische Mefehler bzw. sonstige Irrtmer auftreten, und daran angepate neue Theorien deshalb weiter von der Wirklichkeit abweichen knnen als ihre Vorgnger, lt sich zeigen, da etwa bei der Anpassung einer Kurve (als Beispiel eines beschreibenden Modells) an Datenpunkte eine Funktion zwar in einem Abschnitt eine genauere bereinstimmung ergeben kann, ber einen greren Datenbereich aber eine andere die bessere Gesamtabbildung (z. B. gemessen in der Summe der Abstandsquadrate) liefert. Es kann daher selbst bei einer formalisierten mathematischen Modellierung vorkommen, da ein lteres Modell nach dem Auftauchen weiterer experimenteller Daten besser ist als das zunchst richtiger scheinende. Es mu in diesem Zusammenhang beachtet werden, da bereits vorhandenen Datenbereiche sowie die zeitliche Entwicklung der experimentellen Neuzugnge oft historisch zufllig (durch technische Erfindungen, etc.) gegeben und, wie bereits angedeutet, Meergebnisse stets fehlerbehaftet sind. Es kann also nur festgestellt werden, welche der gegebenen Theorien die vorliegenden Beobachtungen am besten beschreibt, was aber ohne vorurteilsbehafteter Vermutung noch keinen Schlu auf deren richtige Reihung bezglich ihrer tatschlichen Wahrheitsnhe zult.

In dieser Hinsicht sind die Konstruktivisten vorsichtiger, die zugeben, da wissenschaftliche Theorien den Charakter eines Aberglaubens besitzen knnten.[]

Ich betrachte aber auch Logik und Mathematik als Konstrukte, deren Anwendung, trotz ihrer enormen intrinsischen Verllichkeit, manchmal Tcken haben kann. Nehmen wir den einfachen Ausdruck: 1 + 1 = 2. In bereinstimmung mit dieser Abstraktion ergibt die Mischung von 1 kg Wasser und 1 kg Ethanol im Rahmen der hchsten erzielbaren Megenauigkeit 2 kg Gemisch, auch wenn die allgemeine Relativittstheorie wegen der auftretenden nderung der freien Enthalpie Abweichungen postuliert, die derzeit allerdings weit jenseits der praktisch realisierbaren Nachweisbarkeit liegen. Mischt man dagegen 1 L Wasser mit 1 L Ethanol, so kann man mit verhltnismig wenig Aufwand feststellen, da das Volumen der Mischung geringfgig weniger als 2 L betrgt. Im Hinblick auf die Masse gilt hier also in der Praxis 1 + 1 = 2, whrend es beim Volumen nicht gilt. Der Einwand, da dabei Verschiedenes addiert wurde, ist relativ, denn ein Kilometer Strae gleicht auch nicht vllig dem nchsten, der die Strecke auf 2 km verlngert, und immerhin wurden die zwei Flssigkeiten nur gemischt, ohne da etwa eine chemische Reaktion stattgefunden htte. Zudem konnten die Additionsregeln im Hinblick auf die Massen ja erfolgreich eingesetzt werden. Es handelt sich hier um ein illustratives Beispiel zu Einsteins Bemerkung: Insofern sich die Stze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.[,] Dies bercksichtigt Probleme im Zusammenhang mit Kurt Gdels Unvollstndigkeitssatz noch gar nicht.[]

Unbeschadet der metaphysischen Frage, ob es eine von intelligenten Wesen unabhngige Mathematik im idealistisch platonischen Sinne gibt, tritt mir jene reale Mathematik, mit der ich im tglichen Leben konfrontiert bin, als menschliche Konstruktion entgegen. Allerdings ist auch diese nicht beliebig, vielmehr offenbaren sich in interaktiver Weise oftmals zuvor nicht bedachte Eigenschaften. So ergeben sich etwa aus dem Konzept der natrlichen Zahlen scheinbar zwangslufig die Primzahlen und andere Gesetzmigkeiten. Obwohl die euklidische Geometrie eventuell die von mir als solche erlebte Auenwelt gar nicht richtig beschreibt, besitzt sie objektive, intersubjektiv nachvollziehbare, nicht beliebige Eigenschaften. Dies fhrt drastisch vor Augen, da das Anything goes von Paul Feyerabend der Gesamtwirklichkeit nicht gerecht wird.[] Es scheint so, als wrden sich sogar Geister, die wir Menschen vielleicht selbst erst ins Dasein riefen, unserer vollstndigen Kontrolle entziehen. Die Grunderfahrung einer Beschrnkung der Beliebigkeit ist ein wichtiges Argument gegen einen allumfassenden subjektiven Relativismus, begegnet mir in jenen Grenzen doch so etwas wie eine Objektivitt, die mich zu einer angemessenen Haltung auffordert.

Die Lage ist jedoch diffiziler als etwa die klassische Logik[] suggeriert. In deren Rahmen scheint der Satz vom ausgeschlossenen Dritten zunchst recht einsichtig und lebensnah. Eine Aussage kann ja wohl nur entweder wahr oder falsch sein. Betrachten wir also den Satz: Paul befindet sich momentan im Raum nebenan. Entweder ist Paul drinnen oder nicht oder? Was aber, wenn Paul auf der Trschwelle steht und ein groer Teil seiner krftigen Statur ins Zimmer ragt, ab wann ist er wirklich drinnen? Paul, als ganzer genommen, ist eben nicht drinnen, so ein mglicher (zuvor per allerdings nicht ganz unproblematischer Definition[] festlegbarer) Standpunkt der zweiwertigen Logik. Bei einem Quantenteilchen, kann die Einschtzung der Sachlage nach derzeit anerkannten Theorien (Stichwort: Delokalisation aufgrund von Unschrfe oder Superposition) allerdings zustzlich erschwert sein.[]

Popper, aber auch viele radikale Konstruktivisten vertreten einen Realismus, das heit, sie sind von der Existenz einer vom Bewutsein ontologisch unabhngigen objektiven Auenwelt berzeugt.[]

George Berkeley hingegen verwehrte sich dagegen, von den wahrgenommenen Phnomenen auf eine materielle Auenexistenz zu schlieen.[] In seiner ersten Meditation ber die Erste Philosophie stellte Ren Descartes[] berhaupt alle scheinbaren Gewiheiten in Frage. Letztlich knne nicht ausgeschlossen werden, da jegliche Erfahrung auf die Tuschung eines bsartigen listigen Geistes mit praktisch gttlichen Mglichkeiten zurckzufhren sei. In seiner zweiten Meditation meinte Descartes jedoch einen Angelpunkt gefunden zu haben, der ber jeden Zweifel erhaben sei, nmlich da er als zweifelnd Denkender sich seiner eigenen irgendwie, wenngleich in sehr abstrakter Weise, dingartig aufgefaten Existenz gewi sein knne. Die angebliche Unbezweifelbarkeit jener These, die unter dem Schlagwort Cogito, ergo sum. - Ich denke, also bin ich. in der philosophischen Diskussion bekannt ist, kann ich jedoch nicht ganz nachvollziehen.[] So lehrte der Buddha in bezug auf die meditative Innenschau bereits,[] es gbe da sinnliche Eindrcke, Gefhle und Gedanken, ein ich (als Trger von all dem) sei aber direkt nicht greifbar. Das subjektive ich-Erlebnis wird von ihm als ein durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren (Skandhas) entstehendes illusionres flchtiges Ereignis gedeutet. Meiner persnlichen Erfahrung nach gleicht das eigenen ich beim introspektiven Annherungsversuch irgendwie einer Fata Morgana. Daher besteht die Rechtfertigung des Begriffes wohl strenggenommen zunchst nur darin, da sich sinnliche Eindrcke, Gefhle und Gedanken so darstellen, als ob ein Wesen mit innerem Wahrnehmungsvermgen verbunden mit einem Krper in einer davon abzugrenzenden Auenwelt existieren wrde, in der es berdies weitere eigenstndige Wesen mit einer gesonderten derartigen Innenwelt (Bewutsein) gbe. Dieser Gesamteindruck ist jedoch nicht immun gegenber einer Tuschung (wie sie z. B. von vielen Lehren stlicher Traditionen als tatschlich gegeben angenommen wird) sondern lt viel Raum fr Spekulationen, von denen keineswegs alle auch die Annahme eines metaphysisch existierenden ich (etwa in Form einer res cogitans) beinhalten, welches von einer restlichen, unter Umstnden listig tuschenden Wirklichkeit klar zu unterscheiden wre. (Die definitive Leugnung eines bestndigen Wesenskerns einer Person ist aber ebenso eine willkrliche Glaubensannahme wie das Gegenteil.) Noch weniger haltbar als ein vermeintlich zwingender Schlu auf ein quasi-gegenstndliches, nicht blo als ein sich ereignendes Erlebnisphnomen belegtes ich scheinen mir die weiteren berlegungen Descartes. Der Gedanke, die Wirklichkeit knne eventuell nur Traumcharakter haben, findet sich im brigen bereits beim chinesischen Taoisten Dschuang Dsi, der sich nach dem Aufwachen nicht mehr sicher war, ob er Dschuang Dsi sei, der getrumt habe, ein Schmetterling zu sein, oder ein Schmetterling, der trume Dschuang Dsi zu sein.[] Allerdings ist anzumerken, da der erwhnte Zweifel Descartes anfangs sehr viel tiefer ging. Dem Genre der Science Fiktion entsprungen sind neuere Spielarten der Auenweltskepsis, wie die Diskussionen von Hilary Putnam ber die Mglichkeit, in Wahrheit nur ein Gehirn in einem Tank zu sein, dem in einer Nhrlsung mit Hilfe eines manipulativen Computers die Welt nur vorgegaukelt wrde.[] Im Film Matrix wurde vor einigen Jahren ebenfalls die Idee der Wirklichkeit als Computersimulation durchgespielt.[] Diese Phantasien sind trotz der eher materialistisch-realistischen Ausgestaltung in bezug auf die Beschaffenheit der eigentlichen Wirklichkeit insofern eine Bereicherung, als sie aufzeigen, da stets neue Varianten von Vorstellungen darber mglich sind, was hinter unserer Erlebniswelt stehen knnte. Theoretisch sind wohl unendlich viele Szenarien denkbar, neben noch viel mchtigeren Unendlichkeiten an unser Denkvermgen bersteigenden Mglichkeiten. Da all dies nicht einfach unbegrndet sei, wie manche Kritiker skeptischer Positionen meinen, offenbart sich im Bereich der Quantenphysik, die uns unglaublich Befremdliches ber die sich zeigende Welt nahelegt.[] Auch die Behauptung, ein eventuell illusorischer Charakter unserer Erlebniswelt sei irrelevant, solange man sich innerhalb derselben befinde, ist zurckzuweisen (vgl. dazu Abschnitt 5 Praktische Konsequenzen). Es ist durchaus denkbar, da wir schon im nchsten Moment in einer vllig anderen Realitt aufwachen. Es knnte sein, da aufgrund eines Naturgesetzes, das wir noch nicht kennen, da es bisher im uns zugnglichen Universum noch nicht zum Tragen kam, pltzlich vom zuvor Beobachteten stark abweichende sonstige Gesetzmigkeiten gelten. Ja, obwohl sehr viele, darunter auch sehr gewichtige Argumente dagegen zu sprechen scheinen, kann es sein, da pltzlich die Posaune erschallt und ein jngstes Gericht ausgerufen wird. Gerade unter Biowissenschaftler, wie Richard Dawkins,[] die sich meist kaum mit den Rtseln und Paradoxa der modernen Physik beschftigt haben, ist ein Glaube im Geiste des Materialismus des 19. Jahrhunderts verbreitet, der aber meines Erachtens kaum mehr gerechtfertigt ist als eine andere religise Ansicht.

Was ist nun die Konsequenz aus den bisherigen berlegungen? Ein totaler Skeptizismus? Knnte man diesen aber ohne Selbstwiderspruch berhaupt vertreten, ohne da er sich selbst aufhebt, da er seinen eigenen Anspruch unterminiert? Was bedeutet das alles fr mein Tun und Lassen angesichts der in mir wahrgenommenen Vorlieben, Wnsche, Abneigungen und ngste, die in Zukunft aber vielleicht andere sein knnten? Was bedeutet die Nichtfabarkeit des ich in diesem Zusammenhang? Da es, strenggenommen, kein Nichthandeln gibt, weil selbst tatenloses Herumsitzen eine Handlung mit Konsequenzen sein knnte, mchte ich nicht einfach unreflektiert bei reinem Achselzucken stehen bleiben. Andererseits ist ohne sicheres Wissen nicht ausgeschlossen, da ich eine Wahl zu treffe, die ich spter bedauere. Unter Umstnden verspiele ich gerade eben entscheidende Chancen fr meine zuknftige Existenz in einem mir jetzt noch vllig unzugnglichen Teil der Wirklichkeit. Wie also mache ich das Beste aus der momentanen Situation?

3. Was bleibt?

Fr die weiteren berlegungen soll zunchst genauer untersucht werden, wie ich berhaupt in den vorhin geschilderten Zustand gelangt bin. Was gab und gibt mir Anla zu derartiger Ratlosigkeit? Wenn ich meine verschiedenen berzeugungen betrachte und mich frage, woher diese kommen, so drngt sich mir letztlich die Annahme auf, da diese in Deutungen frherer Erlebnisse wurzeln, die mir nun teilweise mehr oder weniger detailliert in Erinnerungsempfindungen (bei mir vor allem und am intensivsten visueller Natur) prsent sind. Daher werde ich im Folgenden ganz bewut Erlebnisse als Basis fr eine Theorie der Erkenntnis heranziehen, auch wenn Popper dies mehrfach als Psychologismus kritisierte,[] sind doch die gewi von meiner Psyche nicht unabhngigen Erfahrungen[] nun einmal mein Zugang zur Welt und keine a priori festgesetzte Erkenntnislogik. Meine Erinnerungen beinhalten nun interessanterweise auch Erfahrungen, da Sinneswahrnehmungen, noch mehr aber gerade dem Erinnern selbst eine gewisse Unverllichkeit anhaftet. Trotzdem basieren selbst grundlegendste sprachliche Begriffe wie Baum, Tisch etc., welche ja eigentlich Konstrukte zur Orientierung in der Wirklichkeit und in der Regel aus der sprachlichen Interaktion mit anderen Menschen bernommen sind, normalerweise auf Vorerlebnissen. Es ist dabei nicht so, da Begriffe die sich zeigende (phnomenale) Wirklichkeit im Sinne einer klaren Zuordnung abbilden. Vielmehr handelt es sich um quasi mittels Versuch und Irrtum erfundene Minihypothesen ber das, was von anderen etwa mit Baum gemeint sei, wobei diese Hypothesen sprachliche mit sinnlichen Elementen so verknpfen, da auch neue noch nie zuvor im Leben vorgekommene Individuen in der Regel in Baum oder Nicht-Baum eingeordnet werden knnen. Gerade deswegen enthalten die Begriffsmodelle allerdings ziemliche Unschrfen, was normalerweise erst in Grenzbereichen bewut wird. Da dies wohl eine notwendige Begleiterscheinung jeder empirisch sinnvoll anwendbaren Abstraktion ist, kann auch eine noch so exakte Wissenschaft gewisse Mehrdeutigkeiten nicht ganz vermeiden.[] Ein Begriffskonstrukt kann sich jedoch nicht nur auf Bume der sinnlich erfahrenen Realitt beziehen, sondern auch auf Objekte einer Phantasiewelt, Elemente knstlerischer Konzepte oder computergenerierter virtueller Welten. Es gibt auch Begriffe, die sich auf etwas beziehen, was zumindest bislang noch nie in unserer alltglichen Erfahrungswelt in Erscheinung getreten ist und wovon wir keinerlei konkrete Vorstellung haben, wie beispielsweise Auerirdischer. Obwohl es nicht sicher ist, da in dem, was wir als reale Auenwelt erleben, tatschlich solche Wesen vorkommen, kann man meiner Meinung nach sagen, da sich der Begriff auf sie bezieht, sollten extraterrestrische intelligente Lebensformen irgendwie Teil des sich uns als solches zeigenden Universums sein. Nun meinte Putnam in seinem vorhin zitierten Werk, da sich Gehirne, denen in einem Tank von einem Supercomputer eine virtuelle Welt vorgegaukelt werde und die niemals etwas anderes kennengelernt htten, noch jemals wrden, sich begrifflich nicht ohne Verwicklung in logische Widersprche auf jenen Tank beziehen knnten, in dem sie sich befinden, und es ihnen daher in einer vernunftgemen Weise nicht mglich wre, anzunehmen, ein solches Szenarium knne sich auf sie selbst anwenden lassen.[] Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn ein Gehirn im Tank, das ber das Gehirn im Tank-Szenarium nachdenkt, ist sich bewut, da der Tank, in dem es sich potentiell befinden knnte, nicht der Wirklichkeitsebene zugehren wrde, der seine sonstigen Eindrcke entstammen. Wenn es nun die Vorstellung eines virtuellen Tankes mit darin enthaltenem virtuellen Gehirn und daran angeschlossenen virtuellen Computer, der quasi eine virtuelle Welt zweiter Stufe generiert, auf sich selbst anwendet, so bezieht das Subjekt jenes Gehirns die virtuelle Welt zweiter Stufe aus dem Szenarium auf die von ihm als real erlebte Welt und extrapoliert dann auf eine realere Tankwelt, in der seine reale Welt nur mehr virtuell ist, in Analogie zum modellhaften Szenarium. Dieser gedankliche Bezug ist momentan als Mglichkeit nicht sehr viel weniger gerechtfertigt, als jener auf Auerirdische.

Die Wahrheit knnte in hnlicher Weise als gedankliche Extrapolation eines Begriffskonstruktes gesehen werden, welches aus Erlebnissen mit Lge oder Irrtum und deren Gegenteil stammt. Aus diesen kann zunchst ein pragmatischer Wahrheitsbegriff abgeleitet werden, der zum Beispiel dann anwendbar scheint, wenn bei der Aussage eines Gesprchspartners: Vor der Tr steht ein gelbes Auto, die von mir erlebte Wirklichkeit (also meine sinnlichen Eindrcke) mir selbst diese sprachliche Beschreibung nahelegen wrde. Man kann nun versuchen, die Bezugnahme dieses begrifflichen Wahrheitsmodells von der wahrgenommenen Welt auf die Wirklichkeit an sich auszudehnen, wobei unklar ist, inwieweit das fr uns Menschen durchfhrbar ist, selbst wenn wir tatschlich ber Mglichkeiten zur erkundenden Annherung an letztere verfgten. Bereits in der modernen Physik des 20. Jahrhunderts scheint eine adquate Gesamtbeschreibung der experimentellen Befunde die Fhigkeiten des menschlichen Geistes zum Teil zu bersteigen. Wie im Falle des Teilchen-Welle-Dualismus, der infolge von scheinbaren Widersprchlichkeiten in der sich zeigenden Wirklichkeit zumindest vorerst mehrheitlich akzeptiert wurde, knnte es sein, da uns Menschen fr eine tiefere Annherung an die Wirklichkeit an sich nur paradox erscheinende approximative Beschreibungen von Teilaspekten zur Verfgung stnden. Diese Schwierigkeiten deuten darauf hin, da unsere Situation in mancherlei Hinsicht der von Gehirnen im Tank hneln knnte. Es gibt ja einige Hinweise dafr, da die Wirklichkeit erheblich von unseren durch die sinnliche Wahrnehmung geprgten Vorstellungen abweicht.[] Gerade deshalb kann Putnams Ansicht, wir knnten alternative Szenarien zu einem fast naiven Realismus nicht ohne begriffliche Widersprche auf uns selbst beziehen, nicht sinnvoll sein.

Die Wahrnehmung als solche ist jedoch, auch wenn sie tuschenden Charakter haben sollte, selbst ein Teilaspekt der Gesamtwirklichkeit und ihre begriffliche Reprsentation unter dieser Anspruchsbeschrnkung ein Teilaspekt der Wahrheit. Insofern habe ich als Mensch zumindest eine gewisse Teilhabe an ihr, weil es wahr ist, da ich die Welt erlebe, wie sie sich mir in Form einer, wenngleich auch mglicherweise nur illusorischen Ich-Perspektive darbietet. Daher kann auch nur in Bezug auf das unmittelbar momentan Erlebte (und zwar so wie es sich einem zusammen mit eventuell irrigen Deutungen, Assoziationen, Erinnerungen etc. eben gerade darstellt) von Wissen im strengsten Sinn des Wortes gesprochen werden. Alles Wissen, welches ber das an den Augenblick gebundene uerst bescheidene hinausgeht, ist im Grunde ein lebensnotwendig scheinender fester Glaube, der blo in pragmatischer Weise als fast ebenso sicher behandelt wird. In diesem Zusammenhang wrde ich Wahrhaftigkeit mit dem Bemhen um eine der erlebten Wirklichkeit insgesamt angemessene Haltung umschreiben. Wird dabei in besonderer Weise darauf geachtet, da dies auch anderen, mir als solche begegnenden Subjekten nachvollziehbar scheint, so kann diesem Streben Wissenschaftlichkeit zugebilligt werden, wenngleich sich daraus nur sehr schwer ein brauchbarer Gradmesser fr diese ableiten lt. Beim Ringen um eine adquate Reaktion auf das sich unmittelbar Zeigende scheinen irgendwie alle Lebewesen aus Vergangenem auf Gegenwrtiges oder Zuknftiges bzw. von hnlichkeiten auf analoge Einschtzbarkeit zu schlieen.[] Das beschrnkt sich beim Menschen keineswegs nur auf das rationale Denken, sondern erstreckt sich auch auf Emotionen wie etwa in besonderer Weise ngste, die oft durch unbewute subtile Anklnge auf frhere Erlebnisse ausgelst werden. Offenbar werden unsere Vorstellungen und Erwartungen, ohne die wir Menschen uns in der Wirklichkeit nicht zurechtfinden knnten, aus kumulativ angesammelten und verarbeiteten, bewuten und (wie psychologische Experimente zeigen) unbewuten Eindrcken im Gedchtnis konstruiert.[] Diese Konstruktionen knnen jedoch durchaus willkrliche Elemente enthalten und beliebigen Ursprungs sein. Daher drfte Popper recht haben, wenn er der auf dem Alltagsverstand aufbauenden wissenschaftlichen Theoriebildung eine formal einfache induktive Grundlage abspricht.[] Er unterschlgt aber den induktiven Charakter der einstweiligen Akzeptanz und Anwendung einer bislang sich bewhrt habenden Theorie. Denn hier wird sehr wohl von der bisherigen Erfahrung mit einer wie auch immer zustande gekommenen Hypothese auf die Vernnftigkeit ihrer vorlufigen Beibehaltung geschlossen. Poppers Verrenkungen, um sich dem zu verschlieen, sind geradezu grotesk. Ohne die quasi induktiv[] abgeleitete Hoffnung, da eine Prfung eventuell ein sinnvolles Kriterium fr die zuknftige Weiterbehandlung einer Theorie liefern knnte, gibt es keinen einsichtigen Grund, eine solche zu fordern. Im Vorschlag, einer Prfung von Hypothesen dienende Basisstze formal rein willkrlich festzusetzen, manifestiert sich meines Erachtens eine berzogen dogmatische, ja geradezu skurrile Vermeidung der Induktion[] (ebenso wie eine absurde Miachtung der zugegebenermaen subjektiven, psychologischen Phnomenen unterworfenen Erfahrung). Wie bereits diskutiert, kann die Falsifikationsmethodik auch keine negativen Gewiheiten schaffen, weil sich sowohl die zur Widerlegung herangezogenen Basisstze wie auch die aufgestellten Falsifikationskriterien als mangelhaft erweisen knnen. Dennoch hat die Empfehlung, bestehende Theorien immer wieder an der Erlebniswirklichkeit zu testen, eine Berechtigung. Die Entschuldigung fr ein Vertrauen auf die Ntzlichkeit dieser Praxis liegt selbst in der Erfahrung, die lehrt, da es einerseits gut ist, seine Hypothesen wegen ihres Vorurteilscharakters dauernd neu an der erlebten Wirklichkeit herausfordernd zu prfen und gegebenenfalls zu revidieren, da andererseits die Falsifikation einer Falsifikation relativ selten auftritt, und auch dann die ursprnglichen Modelle meist einer Anpassung bedrfen, selbst wenn gewisse Kernaussagen rehabilitiert wurden. Erfahrungen mit erlebten irrtumsbehafteten Erfahrungen begrnden quasi-induktiv eine kritisch vorsichtige Haltung. Es liegt also gewissermaen ein Zirkel[] vor, der aus eben jenen Erlebniseindrcken seine Legitimitt bezieht, vor denen sich diese Haltung einstweilen zu bewhren scheint, selbst wenn man den Verallgemeinerungen, die zu ihrer Entstehung fhrten, im Hinblick auf ihre Rechtfertigung kein Gewicht zumit. Natrlich kann auch die Hypothese vom hypothetischen Charakter aller Vorstellungen ber die sich offenbart habende Wirklichkeit ihre eigene Vorurteilsbehaftetheit nicht leugnen. Deshalb ist die Idee, da unser Wirklichkeitsverstndnis ein Konstrukt sei, selbst ein eben solches. Sie unterliegt ihrer eigenen Forderung nach stndiger kritischer Hinterfragung und mu sich selbst als vorlufiges Urteil im Kontext einer umfassenden Welt- und Wirklichkeitsdeutung, als direkt aus dem Erleben entsprungenes Glaubensbekenntnis verstehen, das solange rational erscheint, wie trotz ehrlicher Suche keine besseren Alternativen gefunden werden. Im Gegensatz zur klassischen pyrrhonischen Skepsis fhrt der Selbstbezug hier zu keinem problematischen Widerspruch und sollte keineswegs in Russellscher typentheoretischer Manier (unter Einfhrung von Metaebenen) eliminiert werden.

Dem Anliegen nach Formulierung einer Methode nher knnte man meine Position auch als Arbeitshypothese betrachten: Versuche, in der sich zeigenden Wirklichkeit irgendwelche allgemeine Gesetzmigkeiten zu suchen und diese vorsichtig auf Erwartungen gegenber Zuknftigem anzuwenden, sind unter der Einschrnkung vorteilhaft, da man Erfahrungen mit dem gelegentlichen Scheitern dieser Strategie insofern bercksichtigt, als man dabei gewonnenen Hypothesen einen gewissen Vorurteilscharakter zuschreibt und sie immer wieder entsprechend kritischer Prfung unterzieht, ja sie ganz bewut auf die Grenzen ihrer Leistungsfhigkeit abzutasten sucht. In diesem Zusammenhang kann die Formulierung einer Gesetzmigkeit jedoch nicht nur durch relativ simple Verallgemeinerungsschlsse sondern auch unter Verwendung kreativer, geradezu knstlerischer Phantasie entsprungener Assoziationen erfolgen, wobei die daraus ableitbaren Konsequenzen an (auch knstlich in Experimenten provozierten) Erfahrungen weitestgehend berprft werden knnen sollten. In manchen Fllen sind aber auch auf unnachvollziehbare Weise zustande gekommene Thesen akzeptabel, soweit diese sich ebenso bewhren. Um prognostisch gesehen mglichst leistungsfhige Theorien einerseits nicht unntig zu verkomplizieren und damit ihre Vermittlung an andere, insbesondere Angehrige nachkommender Generationen zu erleichtern, sowie anderseits das Abdriften in zu sehr ausufernde Spekulationen zu vermeiden, sollte von konkurrierenden, bislang nicht widerlegten Hypothesen in der alltglichen Praxis gewhnlich jene bevorzugt werden, die einen eher geringen bzw. weniger wesentlichen Anteil an empirisch momentan unbelegbaren Behauptungen enthlt. In Zusammenhang mit unvermeidbaren metaphysischen Annahmen sollten allerings nicht nur im Hinblick auf ethische oder religise Fragen, sondern auch im Sinne der generellen Erhaltung einer Offenheit gegenber radikal verschiedenen Deutungsanstzen stets weitere mgliche Szenarien im Auge behalten bzw. aktiv gesucht werden. Natrlich ist die hier formulierte Arbeitshypothese nur so lange als vorteilhaft zu betrachten, wie sie sich selbst in der von ihr geforderten Weise gegenber Alternativen bewhrt.

Statt eines hypothetischen Realismus[] vertrete ich einen hypothetischen, alle Metaphysik betreffenden Agnostizismus, der von einem kritischen Empirismus ausgeht, ergnzt und beschrnkt durch einen wahrhaft kritischen Rationalismus (welcher vom grundstzlich ebenso fallibilistischen Ansatz Poppers gar nicht soweit entfernt ist, auch wenn jener dies wohl verbissen zurckgewiesen htte) sowie einem sehr vorsichtig zurckhaltenden kritischen Pragmatismus, wobei kritisch hier stets als abwgend, einschrnkend in Frage gestellt zu verstehen ist.

4. Wer oder was bestimmt mich?

So wie die Welt der Psyche sich momentan zeigt, wird einem nahegelegt, da sich deren Vorgnge im Gehirn abbilden bzw. Prozesse in jenem ihrerseits auf das Innenleben zurckwirken. (Man denke etwa an den Einflu von Drogen etc.) Ob nun die materiellen Prozesse durch geistige Phnomene begleitet werden, oder sich immaterielle in der eventuell nur scheinbar existierenden Materie widerspiegeln, oder sonst eine Konstellation besteht, ist derzeit leider nur in rein spekulativer Weise beantwortbar. Die Entscheidung dieser metaphysischen Fragen ist jedoch fr die Diskussion um den sogenannten freien Willen nicht so wichtig, wie manche glauben, sondern wird erst bei berlegungen ber den Tod relevant. Unter der Voraussetzung des fr die menschliche Orientierung in der Welt offenbar fundamentalen Kausaldenkens, welches allerdings aus der Erfahrung von zumindest scheinbar Regeln gehorchenden Ablufen innerhalb der Wirklichkeit ebenfalls nur als quasi-induktive Vermutung abgeleitet werden kann,[] ist nmlich folgendes zu bedenken: Entweder hat mein Wollen irgend einen Grund (im allgemeinsten Sinne einer in der Wirklichkeit gegebenen Verbindung zu anderen Ereignissen innerhalb derselben), seien es bisherige Erfahrungen, vererbte Anlagen, uere Reize, zufllig sich verstrkende Ereignisse im Gehirn wie ein elektrischer Reiz durch einen ionisierenden radioaktiven Zerfall im Krper, Eingebungen gttlichen oder sonstigen transzendenten Ursprungs,[] durch Karma bedingte Neigungen, Manipulationen aus anderen Wirklichkeitsebenen (wie etwa bei Gehirnen im Tank), etc. oder aber mein Wollen hat zumindest manchmal binnen gewisser Grenzen keinerlei Grund oder Ursache. Dann ist es innerhalb jenes Rahmens vllig zufllig und ich ein Zufallsgenerator. Allerdings lt sich der Einflu des Zuflligen, und sei es nur durch Fgungen einer insgesamt kontingenten deterministischen Welt vertreten, nicht ganz aus unserer Willensbildung eliminieren. Da aber auch kaum zu leugnen ist, da unser Handeln zumindest zum Teil von dem geprgt sein drfte, was uns bis dahin widerfahren ist, kann man wohl sagen, da uns ein Zusammenspiel von Zufall und Notwendigkeit[] bestimme. Ob es quantenmechanische absolute Einzelzuflle gibt oder die Unvorhersagbarkeit von Quantenereignissen, mit der sich Wissenschaftler in verschiedenen Experimenten konfrontiert sehen, aus unzhligen Einflssen durch Verschrnkungen der Teilchen untereinander resultiert, soda das einzelne praktisch von Zustand des ganzen Universums abhngt[] oder etwas ganz anderes hinter dem beobachteten Phnomen steht dem Wirklichkeitsganzen kann, wie gesagt, in seinem Sosein ein Zufallscharakter nicht abgesprochen werden, und sei es, da Gott oder eine sonstige hinter der scheinbaren Wirklichkeit liegende verborgene eigentliche Realitt einfach so ist, wie sie ist, und deshalb uns alles so erscheint, wie es uns erscheint. Dabei knnten zwischen der sich zeigenden und der letzten Wirklichkeitsschicht unter Umstnden auch mehrere Ebenen liegen. Daher ist uns letztlich alles von, wenn schon nicht vielem, so doch zumindest einem ohne Grund (oder Unbedingtem) zugefallen, einschlielich unserer ganzen Persnlichkeit und Existenz. Da unser Wille hier keine Ausnahme macht, fgt sich gut ins Gesamtbild. Ein freier Anteil am Willen, der weder von Einflssen abhngig noch (partiell) zufllig ist, bersteigt meinen derzeitigen Vorstellungshorizont. Daher deute ich auch mein eigenes Innenleben als Teil einer letzten Endes unbegreiflichen Wirklichkeit. Zugegebenermaen ist dieses Selbstverstndnis ebenso ein Glaube im Sinne des vorigen Abschnittes. bertrgt man die berlegungen in Anbetracht der biblischen These vom Menschen als Abbild Gottes auf den gttlichen Willen, so stellt sich der Unterschied zwischen Schpfung und Evolution vielleicht als etwas weniger fundamental dar.

5. Praktische Konsequenzen

Wenn ich mir eingehend ins Bewutsein rufe, da die in mir vorhandenen sinnlichen Eindrcke, Gefhle und Gedanken, sowie Wnsche und das daraus resultierende Wollen, da das, was mein ich also prgt, letztlich aus einem Zusammenspiel von Zufall und Notwendigkeit gegeben und dies vermutlich bei anderen Wesen, insbesondere meinen Mitmenschen ebenso sei, so wird dadurch eine, zuvor in mir intuitiv vorhandene Auffassung in Frage gestellt, nmlich jene, mich und meine Mitmenschen als quasi absolut agierende Subjekte oder Personen zu begreifen. Bei der kritischen Hinterfragung der Bedingtheit von Handlungen und Handlungsgrnden knnten eventuell bereits vorhandene Modelle aus spirituellen Traditionen, Psychologie und Soziologie hilfreich sein. Selbstverstndlich kommt es im Zuge solcher Reflexionen zu Vernderungen der betrachteten Einstellungen und in der Folge auch des daraus resultierende Wollens. Dadurch ergibt sich erst recht die Notwendigkeit einer stndigen neuerlichen Anpassung der vorlufigen Annahmen, da sich diese durch den Nachdenkproze wandeln und gewissermaen nur durch wiederholte Schleifen (iterativ) zu einer einstweiligen inneren Konsistenz gefhrt werden knnen, wobei dieser Vorgang ebenfalls Teil der mir zufallenden Wirklichkeit ist und mich nicht etwa ber sie hinausfhren knnte.[] Eine Einfhrung von Metaebenen sollte auch hier nicht dazu benutzt werden, um die meines Erachtens wesentliche Rckbezglichkeit knstlich aus dem Blickfeld zu eliminieren.

Die grundstzlichen berlegungen knnen auch auf ethische Haltungen angewendet werden. Die Behauptung, da aus der Beobachtung des seiend Vorhandenen kein Schlu auf das Anstrebenswerte mglich sei, ist fr ein wollendes Subjekt nicht zutreffend. Mag sein, da diese Ansicht fr den Stein am Mond, dem alles egal scheint, gilt, wenn berhaupt. Allem Anschein nach gehrt nmlich zum, wie eben aufgezeigt, nicht statisch oder isoliert von seiner Umwelt zu betrachtenden Sein eines Menschen oder auch Tieres ein jeweilig persnliches, strebendes Wollen, aus dem sich zusammen mit gewissen Gegebenheiten der brigen Wirklichkeit objektiv vorhandene Interessen dieses Wesens ergeben, denen aus der subjektiven Perspektive ein Sollen entspricht. Interessen, die von allem Seienden oder dessen Wurzeln geteilt werden, etwa universelle platonische Werte oder ein normativ wirkender gttlicher Wille, sind aber zugegebenermaen momentan nicht erkennbar, jedenfalls nicht in unbezweifelbarer Weise.

Im gewissen Sinne sind also ethische Ansichten ebenso vorurteilsbehaftete Hypothesen wie alle anderen Thesen, nur da neben Erwartungen hinsichtlich der Auenwelt auch innere Eindrcke wie ngste, Prferenzen, Wnsche etc. und deren Bewertung (Verarbeitung bzw. Einordnung auf einer Metaebene, der unter Umstnden weitere Instanzen bergeordnet sein knnen) einflieen. Normative Schlufolgerungen drften daher entgegen Humes (oder auch Hoersters) Ansicht sehr wohl direkt jenem Verstand, der auch rein deskriptive Auenwelteindrcke verarbeitet, zuzuordnen sein. Wegen der zustzlichen inneren Anteile sind moralische Appelle jedoch in noch viel strkerem Ausma an die subjektive Perspektive gebunden, und mssen deshalb die vermutlichen Einstellungen und Interessen der Adressaten glaubhaft mitbercksichtigen, um fr diese akzeptabel zu sein.[] Aus den gegeneinander abgewogenen gemeinsamen Interessen der Mehrzahl der Menschen kann auf diese Weise eine gesellschaftliche Norm legitimiert werden, welche dann eben aus dem momentanen So-Sein dieser Menschen resultiert. Diese Norm kann freilich im Widerspruch zu echten Interessen einer Minderheit stehen und unterliegt berdies in der Praxis im Hinblick auf die ihr zugrunde gelegten Voraussetzungen wie alle Hypothesen der Mglichkeit von Irrtmern. []

Ein metaphysischer Schuldbegriff, der unter anderem vielen Religionen so wichtig schien, wird durch einen nicht mehr absolut gesetzten Willensbegriff aber eigentlich unhaltbar. Die Rechtfertigung fr staatliche Strafjustizmanahmen liegt deshalb allein in Spezial- und Generalprventionen oder einer Beteiligung der Tter an der Aufarbeitung der Konsequenzen ihrer Taten zugunsten der Geschdigten. Diese Strafen haben jedoch trotz aller Berechtigung wie vieles im Leben einen gewissen Schicksalscharakter. Das gilt ebenso fr Reaktionen der Mitmenschen ausgelst von Gefhlen, wie Gerechtigkeitssinn, Mitleid, aber auch Rache, Neid etc., welche selbst die Justiz immer wieder beeinflussen und die vermutlich quasi als soziale Regulatoren fungieren, um ein dem Gemeinwohl zutrgliches Verhalten zu begnstigen und die zweifellos gegebenen Unterschiede bei Intelligenz und Schlauheit in ihrer Wirkung abzumildern. Ihre Existenz ist neben der Sprache und vielem anderem ein Hinweis darauf, da wir Menschen in hchstem Mae auf ein Zusammenleben mit unseresgleichen angelegt sind,[] weshalb die meisten Menschen nur bei dessen Gelingen wahrhaft glcklich werden drften, whrend allzu egoistische Befriedigungen langfristig oft einen schalen Nachgeschmack hinterlassen.

Daher tut ein Gemeinwesen gut daran, im Sinne des sozialen Friedens den Begabteren, Fleiigeren oder sonst Erfolgreicheren zwar ein gewisses Ma an Vorteilen zu gewhren, weil potentiell alle von deren Errungenschaften profitieren, ihnen aber im Interesse der Gesamtgesellschaft auch Grenzen zu setzen, um Einseitigkeiten und Ausbeutung zu verhindern. Eine gewi fragwrdige biologistische Argumentation knnte ins Treffen fhren, da durch das Sichern von Chancen der momentan weniger Erfolgreichen die Vielfalt oder Diversitt innerhalb der menschlichen Kultur gewahrt werde, die fr neue, heute noch nicht absehbare Herausforderungen der Zukunft vorteilhaft sein knnte. Mir als Teil der Gesellschaft, der jeden Tag Unvorhergesehenem ausgeliefert ist, und dem daher jederzeit vom Schicksal der Erfolg genommen werden kann, ist eine Demokratie mit Gewaltentrennung, die die Willkr der momentan in welcher Hinsicht auch immer Durchsetzungsfhigeren beschrnkt, eine Art von Versicherung fr die Aufrechterhaltung einer gewissen Respektierung meiner menschlichen Grundanliegen. Dies ist auch ein guter Grund, einen allgemeinen Konsens hinsichtlich der Verbindlichkeit der Menschenrechte zu untersttzen. Persnliche berlegungen bilden darber hinaus gute Argumente fr einen solidarischen Sozialstaat, fr die Versorgung bei Arbeitslosigkeit, sonstiger Armut, Krankheit und Alter, aber auch bei der Sicherung von Chancengleichheit im Bildungsbereich.

Die Ungewiheit in bezug darauf, ob mein Handeln nicht doch irgendwann, zum Beispiel nach dem Tod (etwa in einem Jenseits oder bei einer Wiedergeburt), schwerwiegende, noch nicht absehbare Folgen fr mich nach sich zieht, knnte vielleicht eine zustzliche Motivation bilden, mich weitgehend tatschlich so zu verhalten, wie ich es momentan ehrlicherweise fr richtig halte. Denn selbst wenn ich geirrt haben sollte, kann ich mir dann zumindest sagen, guten Glaubens gehandelt zu haben. Alles andere liegt jenseits meiner derzeit ersichtlichen Mglichkeiten. Darum ist ein kritischer, stets neu hinterfragter und an der erlebten Erfahrung geprfter, sich seines eigenen unsicheren Charakters voll bewuter Glaube, der sich zu grundstzlichem Nichtwissen bekennt und einstweilen nur Annahmen macht, soweit sie fr ein Handeln in diesem Sinne unumgnglich sind, eine vernnftige Haltung. Diese Einstellung kann mich zum Beispiel davon abhalten, mein Leben einseitig auf der Basis vllig ungesicherter Vermutungen (etwa religiser, metaphysischer oder sonstiger philosophisch-spekulativer Art) zu gestalten. Es folgt daraus aber auch, da in der Wissenschaft nicht, wie bisher manchmal behauptet, ein methodischer Atheismus herrschen soll, sondern ein zumindest im Prinzip alle Metaphysik einschlieender Agnostizismus. Einer serisen Wissenschaft geziemt es, sich alle Zeit dessen bewut zu sein, da ihre Modelle wegen deren stets nur vorlufiger Bewhrung quasi-Vorurteile sind und daher anhand der erlebten Wirklichkeit immer wieder kritisch hinfragt werden mssen. Metaphysische Annahmen sollten zwar so sparsam wie mglich verwendet werden, ganz ohne sie ist aber, so meine Erfahrung, ebenfalls nicht auszukommen, enthalten doch viele alltgliche Begriffe eben solche. Manche Theorien der Kosmologie, Biologie und Physik, aber auch anderer Wissenschaften gleichen jedoch in ihrem spekulativen Charakter bereits sehr viel mehr religisen Deutungen der Welt als in stndiger Anwendung bewhrten Hypothesen, wobei es zugegebenermaen einen flieenden bergang zwischen beiden Extremen geben drfte. Deshalb sollte stets ber Alternativvorstellungen nachgedacht, und fr die alltgliche Praxis eine Vorgehensweise bevorzugt werden, die von durch die Erfahrung kaum gedeckten Mutmaungen am geringsten abhngt bzw. insbesondere bei Grundsatzfragen die gegebene Unentschiedenheit am besten bercksichtigt.[] Das gilt auch fr persnliche Lebensentscheidungen und nicht zuletzt im religisen Bereich.

6. Religion

Dort bildet der Glaube daran, da selbst aus Erfahrung abgeleitete Thesen nur vorlufige Vermutungen sind, die Grundlage fr eine bescheidene, demtige Spiritualitt der Offenheit gegenber unendlich vielen, unterschiedlichsten transzendenten Mglichkeiten. Eine solche Haltung versucht die eigenen, stets selbst in Frage stehenden Erkenntnisgrenzen der Wahrhaftigkeit wegen zumindest vorlufig zu akzeptieren, aus pragmatischen Grnden in der Hoffnung, da die Wirklichkeit im letzten irgendwie annehmbar sei, um die Kraft zu finden, den eigenen Lebensweg in einer momentan vertretbar, ja vielleicht sogar gut erscheinenden Weise gehen zu knnen.

Trotz alldem mu ein kritischer Agnostiker nicht indifferent gegenber anderen berzeugungen sein. Auch wenn ich meine eigene Irrtumsmglichkeit einrume, bedeutet das nicht, da ich un- oder zumindest ungengend begrndete religise Haltungen als gleichwertig stehen lassen mu. Ich kann Andersglubige herausfordern, mir ihre Anschauungen mit einsichtigen Argumenten darzulegen. Fr den Fall, da mir diese in Anbetracht meiner Lebenserfahrungen nicht einleuchtend oder gar vllig abzulehnend scheinen, sehe ich mich aber durchaus berechtigt, eventuell sogar moralisch verpflichtet, zu versuchen, meine Position anderen nahezubringen, soweit mich nicht anderweitige ethische berlegungen zumindest einstweilen davon Abstand nehmen lassen.

Fr die kritische Diskussion eines relativ abstrakten philosophischen Gottesbegriffes verweise ich in diesem Zusammenhang auf ein Werk von John Leslie Mackie,[] auch wenn ich sehr vieles dort Vorgebrachte nicht teile.

Meiner ursprnglichen Religion, dem Christentum, stehe ich zur Zeit sehr distanziert gegenber. Das Alte Testament zeigt eine brutale Volksideologie mit einem Gott in Form eines patriarchalischen orientalischen Herrschers. In der Thora, dem heiligsten Teil der Schrift aus jdischer Sicht, ordnen Mose und oder gar Gott in eigener Person mehrfach Vlkermord mit ausdrcklicher Vernichtung von Unterworfenen unter Einschlu von Frauen, mnnlichen Kindern und Greisen an.[] Auf unsinnige Grausamkeiten im jdischen Gesetz will ich nicht nher eingehen, ebensowenig auf den bei den Propheten und sonst immer wieder auftauchenden intoleranten, eifer- und rachschtigen Tyrannengott. Auch der angeblich liebende himmlische Vater des Jesus von Nazareth hinderte diesen nicht daran, seinen moralischen Appellen mit massiven, zum Teil grotesken Drohungen Nachdruck zu verleihen. Im groen und ganzen scheint mir die Lehre Jesu fr nicht wirklich berzeugend. Sie enthlt neben einigen interessanten Elementen und etlichen Trivialitten viele von mir nicht geteilte Ansichten,[] die meiner Einschtzung zufolge aber zum Teil durchaus authentisch sein drften und mir die Gottessohnschaft Jesu zweifelhaft erscheinen lassen. Darber hinaus beinhalten die Evangelien jede Menge Wunderlegenden, die fr mich aber, weil vllig unnachprfbar, vielmehr eher im Gegensatz zu meinen eigenen Lebenserfahrungen stehend, nichts zur Legitimation des Anspruches Christi beitragen. So halte ich auch die angebliche Auferstehung fr zwar nicht vllig ausgeschlossen aber eher unwahrscheinlich. Die im Verlauf von bislang etwa 2000 Jahren historisch berlieferten Frchte des Christentums sprechen auch nicht gerade fr die irgendwie seltsame Religion,[] die mit ihrem Kult um die Person Jesu viele Zge von Sektenbewegungen moderner Gurus trgt. An Gottes Stelle wren mir die Lobhudeleien in den Psalmen, anderen Bibelstellen und vielen Gebeten der Kirche eher peinlich. Obgleich ich zugeben mu, da mir vielleicht der ntige Einblick fehlt, denke ich doch, da ein wahrer Gott derartiges nicht notwendig haben sollte, genausowenig wie die unter Androhungen gestellte Forderung an uns Menschen, Verschiedenes zu glauben, obwohl wir uns meiner Meinung nach in der Situation finden, ehrlicherweise zugeben zu mssen, da es eigentlich auch ganz anders sein knnte. Der im Neuen Testament immer wieder verlangte praktisch blinde Glaube ist mit meinem momentanen Verstndnis von Wahrhaftigkeit nicht vereinbar und in meinen Augen daher strenggenommen sogar unethisch!

Der Islam erscheint mir durch und durch ein von dem angeblichen Propheten Mohamed aus Vorgefundenem zusammengebasteltes Flickwerk, mit zum Teil von mir derzeit zutiefst abgelehnten Elementen. Selbstverstndlich gibt es in dieser Tradition auch Positives. Dazu wrde ich durchaus das Meiden von Rauschmitteln wie Alkohol zhlen oder manches aus der Sufi-Mystik.[,]

Den Hinduismus betrachte ich als eine Mythologie, die unter anderem der Oberschicht Indiens dazu dient, mit dem Kastenwesen ihre gesellschaftlichen Ansprche aufrecht zu erhalten. Aber natrlich sollen wertvolle Aspekte nicht verschwiegen werden, etwa Methoden, wie Yoga etc., oder philosophische Reflexionen, wie sie in den Upanischaden oder der Advaitalehre enthalten sind, welche Anregungen fr mannigfaltige weitere Wirklichkeitsdeutungen bieten, ebenso wie die Wiedergeburtslehre eine mgliche Alternative zu vlliger Vernichtung des Bewutseins im Tod oder jenseitigen Weiterlebensformen ins Spiel bringt.[]

Beim Buddhismus halte ich die immer wieder vorgebrachte These, dieser sei mehr eine Philosophie denn eine Religion,[] nicht nur angesichts eines wenn auch im Vergleich zu etlichen hinduistischen Traditionen zumindest in manchen Schulen quasi entmythologisierten Karma- und Wiedergeburtsglaubens fr unhaltbar. Die angebliche Lsung des Leidensproblems durch Entsagung jeglicher Begierden scheint mir in der vertretenen Radikalitt und Absolutsetzung nicht ohne Selbstwiderspruch mglich, denn auch dem benden Streben nach Seelenruhe liegt ein Begehren zugrunde. (Die seltsamen Versuche Zen-buddhistischer Traditionen, dieses Paradoxon zu umgehen,[] erwecken in mir nicht gerade den Eindruck echter Aufrichtigkeit.) Einem vernnftigen Infragestellen und gezielten Einbremsen des stetigen, oft bereits nach nur kurzen Zufriedenheitsphasen neu aufflammenden Wunscherfllungsstrebens kann ich aber durchaus etwas abgewinnen. In diesem Zusammenhang drften manche Meditationsbungen und sonstige berlieferungen wertvolle Elemente der Lebensgestaltung bieten. Darber hinaus bevorzuge ich die Betonung des Mitgefhls in der Ethik, weil ich mit dem Begriff der Liebe, wie er im Christentum dominiert, erhebliche Probleme habe, da dieser Verschiedenes in unklarerer Weise zu vereinen scheint. (Selbst in Paarbeziehungen fhrt der Liebesbegriff oft zu seltsamen Vermischungen von mitfhlender Sorge fr den anderen und besitzergreifenden Manipulationen zur Befriedigung wichtiger eigener emotionaler Bedrfnisse, darunter zum Beispiel ein Sicherheit vermittelndes Geborgenheitsgefhl. Die ehrliche Aufgliederung dieser Aspekte unter Vermeidung des unglcklichen Wortes Liebe wrde einen bewuten, fairen Kompromi in der Gestaltung einer Beziehung mglicherweise erleichtern.) Die Lehre von der Leerheit (Shunyata) ist angesichts der quantenphysikalischen Experimente zur Teilchenverschrnkung eine interessante Idee.[] Die buddhistischen Vorstellungen vom illusionren Charakter des ich sind mir wie bereits erwhnt zumindest nicht ganz fremd. Aber die Behauptung des Buddhismus, da jemand in dieser Welt unwiderruflich zu einer vollkommen erleuchtenden Erkenntnis gelangt sei, ist mir eher suspekt. Sich ein derart hoch gestecktes Ziel zu setzen, ist gerade angesichts der Unbestndigkeit, die der Buddha sonst so betonte, nicht sinnvoll. Selbst eine durch jahrelange bung erzielte Gemtsruhe und inneren Frieden stiftende Geisteshaltung ist in diesem Leben wohl niemals gnzlich vor dem Verlust durch Demenz wie Alzheimer und anderen neurologischen oder psychischen Erkrankungen, ja sogar durch unglckliche Kopfverletzungen, sicher.[] Ungewi ist auch, ob das Erlangte jenseits des Todes noch weiterhilft. Ich mchte in diesem Zusammenhang keineswegs den Wert einer meditativen Lebensgestaltung an sich in Frage stellen, sondern nur eine bertriebene Hoffnung, dadurch sei eine endgltige Selbsterlsung mit Bestimmtheit zu erreichen. Daher finde ich die kritische Haltung von Stephen Batchelor ungengend und bin weit davon entfernt, mich auch nur in seinem verwsserten Sinne als Buddhist zu verstehen.[] Wenngleich mir in etlichen Belangen buddhistische Ansichten nher liegen als christliche, tendiere ich zur Einstellung, da eine Erlsung keine eigene Errungenschaft, sondern ein mir, von wem oder was auch immer, letztlich grundlos zufallendes Geschenk wre, betrachte ich doch mein eigenes Wollen bereits in diesem Sinne.

Indessen scheinen mir auch viele, oft angeblich von stlichen Traditionen abgeleitete, aber nichtsdestotrotz dem in modernen Gesellschaften blichen Konsumdenken verhaftete Esoterikstrmungen sehr fragwrdig. Hufig werden in diesen Lehren und Praktiken die verbreiteten Betubungsstrategien einer Eventkultur, die irgendwelchen sinnlichen Eindrcken durch Medien, Reisen, Drogen etc. nachjagt, nur unter einem anderen Mntelchen fortgefhrt. Musik sei in diesem Kontext besonders hervorgehoben, ist sie doch wegen ihrer Allgegenwrtigkeit zur Plage geworden ist. Mag sein, da sie frher bisweilen ein Luxus war, heute ist hingegen in vielen Gegenden die Stille berwiegend zu einem Privileg der Wohlhabenden geworden, die sich die Option, sich vom Lrm und einer unfreiwilligen Beschallung durch andere zurckzuziehen, noch leisten knnen. Manche halten es aber in vlliger Stille auch gar nicht mehr aus und verwechseln Meditationsmusik mit ihr, weil sie ohne Berieselung unruhig werden.

Nicht nur im Hinblick auf Umweltschutzaspekte ist fr mich kaum ein Unterschied zwischen jenen, die immerfort zu spirituellen Orten, Meistern oder Veranstaltungen pilgern und der dem gewhnlichen Reisewahn frnenden Masse. Wer seine Mitte nicht in vernnftiger Nhe zu seinem gewhnlichen Lebensmittelpunkt findet, findet sie in der Ferne meist ebensowenig.

Die vielen vielleicht zu nchtern erscheinende Besinnung auf den achtsam wahrnehmenden Kontakt mit der nicht besonderen, gewhnlichen, sich zeigenden Wirklichkeit bildete gemeinsam mit hinreichender Ruhe die Grundlage fr eine den hier vorgebrachten Gedanken angemessene Haltung. Diese Vorliebe fr das, wie sich herausstellte, nicht minder geheimnisvolle Profane hngt gewi mit meiner Enttuschung in Bezug auf die Tragfhigkeit des angeblich allein zhlenden Heiligen zusammen.

Es ist nicht ausgeschlossen, da ich mit meinem agnostischen Glauben im Unrecht bin und dies spter bedaure. Nur sehe ich zur Zeit keine ehrliche, vernnftige Mglichkeit, mich einfach einer Tradition anzuschlieen, ohne mich quasi gegen die Wahrhaftigkeit zu versndigen. Darber hinaus, welcher sollte ich den Vorzug geben, dem Christentum, nur weil ich in dieses sozusagen hineingeboren wurde? Sollte Jesus tatschlich der Sohn Gottes sein und mein ehrliches Bemhen, ein Leben aus der echten berzeugung einer religisen Ungewiheit in einigermaen verantwortlicher Weise zu fhren, beim jngsten Gericht als den entscheidenden Grund fr meine Verdammung heranziehen, so wrde ich ihm aus mangelnder Ehrfurcht vor der Wahrhaftigkeit auch zutrauen, glubige Christen bers Ohr zu hauen. (Die berhmte Wette von Blaise Pascal, doch einfach auf den christlichen, eigentlich katholischen Gott zu setzen, weil es da eine ewige Seligkeit zu gewinnen aber nur wenig zu verlieren gbe, beinhaltet sehr viele Annahmen. Die Hinzunahme weiterer Optionen, wie z. B. die eines Gottes, der Jenseitsspekulantentum verabscheut, lt sein Wettenargument zusammenbrechen.)[,] Hat vor diesem Hintergrund ein unehrlich oder in irrationaler Weise Glaubender tatschlich mehr Grund zum Vertrauen in die Wirklichkeit als ein redlicher Unglubiger?[] Vor einer willkrlichen gttlichen Instanz ist keiner sicher, daher bleibe ich lieber meiner echten berzeugung treu. Dann kann ich mir immerhin sagen, mich fr das damals von mir fr das beste Gehaltene entschieden zu haben. Momentan scheint mir vieles dafr zu sprechen, da die mir bekannten Religionen mindestens so falsch liegen wie ein naiver Atheismus. Meine berzeugung ist also nicht als neutrale Haltung zu verstehen.

7. Zum Abschlu ein paar Wnsche

Es wre schn, wenn sich Gemeinschaften finden wrden, in denen der Glaube an das Nichtwissen in bezug auf das Geheimnis hinter der sich zeigenden Wirklichkeit, miteinander weiter durchgedacht und auch in neuen spirituellen Formen gelebt werden knnte.

Meine persnlichen Prferenzen gehen in Richtung einer Religionsgemeinschaft oder vielleicht besser einer philosophischen Schule, die einen achtsamen, am Erleben der Wirklichkeit orientierten Agnostizismus pflegt. Obgleich darin Meditation ein wichtiges Element bilden sollte, ginge es im Unterschied zum Buddhismus nicht um das Streben nach Erleuchtung, sondern nur um den bescheidenen Versuch, eine zumindest vorlufig einigermaen befriedigende innere Haltung sich selbst, anderen und der Welt gegenber zu finden. Generell sollten erlebte, allerdings kritisch gegeneinander abgewogene Erfahrungen das Fundament jenes Glaubens bilden, welcher nie als Wissen verstanden werden sollte. Das heit nicht, da nicht aus verschiedensten Quellen wertvolle Anregungen bernommen werden knnen. Diese mssen sich jedoch dann in der Prfung an je eigenen Erfahrungen bewhren, behalten aber selbst im gnstigsten Falle stets ihren hypothetischen Charakter.

Zum Programm derartiger Glaubensvereinigungen sollte im Hinblick auf die Umsetzung einer integeren, der Wahrhaftigkeit verpflichteten Lebensgestaltung auch ein gesellschaftliches Engagement gehren, etwa fr eine nachhaltige Lebensweise und eine Ethik des Mitgefhls, woraus sich beispielsweise ein bewuter Verzicht auf unntigen, nur durch Werbepropaganda induzierten Konsum oder auch die Forderung nach besser reparaturfhigen und recyclebaren langlebigen Gebrauchsgtern ergeben.

Durch Marketing werden ja derzeit oft in verantwortungsloser Weise neue, zum Teil sehr fragwrdige Bedrfnisse geweckt und die Wegwerfmentalitt gefrdert, statt diese im Sinne einer vernnftigen menschlichen Lebensfhrung bzw. im kologischen Interesse auf ein rechtes Ma zu beschrnken. Vielleicht sollte Werbung wegen der ihr innewohnenden Tendenz, Menschen unzufrieden zu machen, generell mit einer Sondersteuer belegt werden.

Neben einer Verfhrung ist nicht selten auch das Design die Ursache fr das frhzeitige Bedrfnis nach einer Neuanschaffung. Unter dem Stichwort geplante Obsoleszenz[] subsumieren sich verschiedene Strategien von Herstellern, ihre Produkte frher als nach den technischen Mglichkeiten erforderlich dem Mll zuzufhren. Neben gezielten Schwach- und Verschleistellen ist die Gestaltung oft uerst reparatur- und wartungsunfreundlich. (Frher waren Elektrogerten sogar Schaltplne zur Erleichterung der Reparatur beigefgt, darber hinaus wurden zum Verschrauben etc. weitgehend standardisierte Normteile verwendet. Heute knnten umfangreiche Reparaturanleitungen kostengnstig ins Internet gestellt werden. Wirklich Brauchbares ist aber meist Mangelware. Im Gegenteil, Handwerkern und Bastlern wird das Leben, durch Spezialschrauben oder Klebung etc. so schwer wie nur mglich gemacht.) Hufig knnte entsprechendes Design die Lebensdauer vervielfachen und im Servicebereich attraktive Arbeitspltze in interessanten Handwerksberufen schaffen. Die dadurch bewirkte Ressourcenschonung knnte zustzlich durch erleichtertes Recycling von Bestandteilen erhht werden. Auf lange Sicht kann nachhaltige Produktgestaltung den Bedarf an energieaufwendiger und eher menschenunfreundlicher industrieller Produktion (Schicht- und Fliebandarbeit) zumindest etwas reduzieren. Dies ist auch im Hinblick auf die Abstellung der Sklaverei in Billiglohnlndern, die noch kurz anzusprechen sein wird, notwendig. Zur Durchsetzung sollte jedes Produkt ab einer gewissen Stckzahl (unter Schutzmanahmen, die Umgehungen durch kleine Variationen unterbinden) vor der Markteinfhrung einem Zulassungsverfahren zur Prfung der Sicherheit und der nachhaltigen Produktgestaltung unterworfen werden. Auerdem sollten von der gleichen Behrde, die einerseits besondere Immunitt genieen andererseits einer strengen Korruptionsberwachung unterliegen soll, moderierte Internet-Foren betrieben werden, auf denen Konsumenten und Reparaturdiensten Gelegenheit zu Kritik aber auch Verbesserungsvorschlgen gegeben wird, wobei das Auffinden durch Zuordnung eines eindeutigen, am Artikel anzubringenden Identifizierungscodes erleichtert werden knnte.

Ebenso wichtig wre die kritische Prfung von neuen Formen im zwischenmenschlichen Bereich. Als etwas exotisches Beispiel aus der Pdagogik sei das Kontinuumskonzept von Jean Liedloff angefhrt. [] Allerdings ist die Interpretation der sehr idyllisch klingenden Schilderungen[] dieser autodidaktischen Ethnologin in der vorgebrachten Form (wie so manche evolutionre Theorien) eher als Mythos zu betrachten. Sollten sorgfltige empirische Studien an Kleinkindern, die in der von ihr vorgeschlagenen Weise ansonst aber in mit anderen Kindern vergleichbaren Verhltnissen aufgewachsen sind, tatschlich die prognostizierten Effekte auf deren Lebenseinstellung und Zufriedenheit mit einer beeindruckenden statistischen Signifikanz[] dokumentieren, so spricht nichts dagegen, Teile aus diesem Konzept vorlufig in die Erziehungsmethoden einzubeziehen. Allerdings wre auch zu untersuchen welche Elemente wirklich eine Rolle spielen und ob nicht eine vllig andere Deutung sinnvoll mglich wre.

Der Beziehung zwischen den Geschlechtern wrde wohl eine Reduktion der Erwartungen auf beiden Seiten gut tun. Nicht nur der Mythos der Romantik und die Rollenbilder, mit denen die Kosmetik- und Modeindustrie,[] aber auch Medienkonzerne (durch Magazine, Filme etc.) Geschfte machen, scheinen mir einem zufriedenstellenden Zusammenleben eher abtrglich, auch feministisch geprgte Idealvorstellungen knnen die Beteiligten berfordern, zumal diese manchmal recht Widersprchliches beinhalten. Als Vorbilder fr eine gute Partnerschaft knnten, wenn berhaupt, allenfalls jene lteren Paare dienen, denen es gelungen scheint, einander trotz aller Schwchen und Gegenstze verstndnisvoll anzunehmen, und zwar in einer beidseitig fairen Weise, was extrem selten so sein drfte. Obwohl ich denke, da heute das Zusammenleben oft zu leichtfertig aufgegeben wird und seitens der Gesellschaft Paartherapien und dergleichen untersttzt werden sollten, kann ein Scheitern von Lebensgemeinschaften nicht ausgeschlossen werden. In manchen Fllen ist eine Trennung einfach das geringere bel, weshalb ich im Gegensatz zum Standpunkt des Jesus von Nazareth dafr menschlich einigermaen akzeptable Regelungen fr notwendig erachte.

Im fr unser Wohlbefinden so wichtigen psychisch-sozialen Bereich fehlt meinem Eindruck nach schlicht eine Ergnzung zur naturwissenschaftlich geprgten Technik, ohne die wir Menschen im Wahn einer sinnlosen Gier unsere eigene Lebensgrundlage zu vernichten scheinen und trotz eines enormen Ressourcenverbrauchs nur eine dazu vergleichsweise bescheidene Lebensqualitt erzielen.[]

Angesichts des Scheiterns so mancher Utopien ist bei Gesellschaftsfragen allerdings eine besonders vorsichtige, stndig revisionsbereite Einstellung angesagt. Dennoch glaube ich, da beispielsweise eine sozialere Gestaltung der Wirtschaft durchaus mglich ist. Wichtige Anstze lgen bereits darin, einer demokratisch legitimierten Politik wieder mehr Gestaltungsraum zurckzugeben, indem durch ein strenges Kartellrecht, einer ab einer Freigrenze exponentiell progressiven Besteuerung des Besitzes und strikten absoluten Vermgensobergrenzen der bedrohlich um sich greifenden Plutokratie Einhalt geboten wird. Der Grundsatz Teile und herrsche! ist in diesem Zusammenhang essentiell fr das berleben der Demokratie, da sie sonst an einem bermchtigen Einflu der Lobbyisten erstickt. Nicht nur das bizarre Beispiel von Silvio Berlusconi zeigte in dem Zusammenhang deutlich, da insbesondere im sensiblen Medienbereich eine Konzentration zur Gefahr fr die Demokratie werden kann. Erst nach der Beschrnkung der finanziellen Macht einzelner Gruppen wre in einer an sich wnschenswerten direkten Demokratie einigermaen gewhrleistet, da vor einem Volksentscheid die verschiedenen Argumente in einen fairen Wettstreit gegeneinander treten knnten, was jedoch keineswegs bedeutet, da nicht auch dann wichtige Aspekte unter den Tisch fallen knnen. Die Propagandamaschinerie der Populrkultur des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts ist zwar subtiler als jene des Faschismus, berdeckt aber trotzdem die Ausbeutung von vielen Menschen und der Umwelt recht effektiv. Man denke in diesem Zusammenhang an die quasi in Billiglohnlnder ausgelagerte Sklaverei. Die damit verbundene Ungerechtigkeit wird sich ohne baldige Umkehr gewi einmal an den Mitgliedern der jetzt wohlhabenden Gesellschaften rchen. Die derzeitige Entwicklung fhrt nmlich langfristig zu einem Verlust von technologischen Kompetenzen, abgesehen von den Problemen anhaltender Handelsbilanzungleichgewichte.[] Es ist schlicht naiv, zu glauben, die Bevlkerung Chinas oder anderer Schwellenlnder wrde auf Dauer die industrielle Produktion fr die Europer, Nordamerikaner etc. ohne wirklich adquate Gegenleistung bernehmen. Hier zeichnen sich bereits massive Konflikte ab, die auch in den jetzt reichen Gesellschaften einer Mehrzahl der Menschen schaden und nur einer korrupten schlauen Minderheit ntzen werden, wenn nicht rasch durch eine demokratisch legitimierte Marktregulierung gegengesteuert wird. So wre es hchst angemessen, wenn etwa die Europische Union mit gewissen bergangsfristen, nur noch Importe, die nachweislich bestimmte soziale und kologische Mindeststandards erfllen, zuliee. Dies wrde entweder dazu fhren, da momentan ausgebeutete Menschen ihrerseits Gter und Dienstleistungen aus Europa konsumieren knnten und so fr Beschftigung auf dem europischen Arbeitsmarkt sorgen wrden, oder, wenn diese Mindeststandards in China oder anderswo nicht eingehalten wrden, die Produktion fr den Binnenmarkt vor unlauterem Sozial- und Umweltdumping geschtzt wrde. Die dazu erforderliche Kontrolle knnte sich auf Stichproben und ein System, da fairen Mitanbietern auf dem Weltmarkt erleichtert, schwarze Schafe zu melden, beschrnken.

Ohne eine demokratische Marktaufsicht, die vernnftige Regeln vorgibt, werden die Akkumulationstendenzen, die in unregulierten Mrkten stets zu beobachten sind, immer wieder in einem Kollaps mnden, wobei, wie schon gesagt, zu befrchten ist, da die Mehrzahl der Menschen und die Umwelt zugunsten einer relativ kleinen Minderheit auf der Strecke bleiben.

Da durchschnittliche Menschen sowohl altruistisch-soziale als auch egoistisch-rcksichtslose Zge aufweisen, deren Dominanz zeitlichen Schwankungen unterliegt, ganz zu schweigen von der charakterlichen Variabilitt in einer Gesamtbevlkerung, sind vom Gemeinwesen vorgegebenen und mit geeigneten Mitteln durchgesetzte Spielregeln unabdingbar, zumal es, wie bereits angedeutet, Schlauere und weniger Schlaue gibt. Selbst in manchmal verklrt dargestellten Gesellschaften ohne Geldwesen existieren soziale Mechanismen oder drastischer formuliert Druckmittel, die der Gemeinschaft dienendes Verhalten frdern, zu sehr abtrgliches aber sanktionieren.

Gerade das allgegenwrtige Schwanken zwischen altruistischen und egoistischen Neigungen lt mich zweifeln, da etwa bei Einfhrung eines bedingungslosen Grundeinkommens in allen Bereichen eine hinreichende Bereitschaft zur Mitwirkung bestnde. Es ist ja, wie bereits erwhnt, derzeit so, da ein Teil der Weltbevlkerung andere in ausbeuterischer Manier fr sich arbeiten lt. Der Wandel hin zu einer global fairen, nachhaltigen Produktions- und Lebensweise bzw. die Bewltigung sozialer Herausforderungen (Pflegebereich etc.) drfte in Europa darber hinaus einen Zuwachs an gesellschaftlich erforderlichen Arbeitsleistungen mit sich bringen. Da jedes Geld ohne die Erwartung, spter dafr wieder etwas zu erhalten, wertlos ist, kann Geld niemals eines Forderungs- (wenn man so will eines gewissen Schuldschein-) Charakters entledigt werden. Was sich ndern lt, ist die Art, wie diese Forderungsberechtigungen in Umlauf gebracht werden (Geldschpfungsmechanismen),[] und deren Verteilung innerhalb der Bevlkerung. Es mu verhindert werden, da einzelne Mitglieder Ansprche zu sehr akkumulieren, insbesondere gegenber dem Kollektiv (Stichwort Staatsverschuldung). Ohne die Verfgbarkeit entsprechender Leistungen wre das Verteilen von finanziellen Zuwendungen nur ein Beitrag zur Erhhung der Inflation.[]

Das Problem der Deckung stellt sich im brigen in gleicher Weise bei den Pensionen. Das immer wieder vorgebrachte Argument, ein Umlagesystem wrde dem arbeitenden Bevlkerungsteil im Zuge des demographischen Wandels eine zu hohe Belastung zumuten, geht ins Leere. Denn auch in einem kapitalgedeckten Pensionssystem mte die arbeitende Generation jene im Ruhestand mitversorgen, und zu glauben, Bevlkerungen aus anderen Lndern knnten ber schlaue Konstruktionen auf den Finanzmrkten dazu gebracht werden, langfristig unsere Altersversorgung mitzutragen, sind nicht nur grundstzlich unfair, sondern schlicht naiv. Bei einer bewut straff gehaltenen Organisation (keine unntige Vielzahl an Pensions- und Krankenkassen etc.) ist ein ffentliches Umlagesystem gnstiger, weil Marketingkosten, Dividenden an Aktionre usw. wegfallen.[]

Das Konzept einer Gemeinwohlkonomie von Christian Felber,[] enthlt meiner Einschtzung nach zwar ein paar Punkte, die manchen meiner Vorstellungen nahekommen, vieles aber, wie etwa die totale Vermeidung von Konkurrenz scheint mir nicht sinnvoll. Diese sollte vielmehr durch rigorose, wahrhaft demokratischer Diskussion entsprungenen Vorgaben auf vernnftige Bahnen gelenkt werden. Im Gegensatz zu Felber halte ich den Erhalt eines gewissen Wettstreites durch ein extrem strenges Kartellrecht, das die Marktteilnehmer auf eine im Vergleich zu staatlichen Einrichtungen sehr kleine Einflugre beschrnkt fr unabdingbar. Wie am Beispiel mancher staatlicher Einrichtungen zu sehen ist gibt es ohne Korrektive eine Tendenz zu Brokratie und ineffizienter Aufblhung. Wo Patente oder Urheberrechte quasi knstliche Monopole hervorbringen, tritt oft schamlose Wucherei an den Tag, wobei gerade Verlage fr ihre nicht selten bescheidenen Beitrge unmig abkassieren. In besonderer Weise mchte ich in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Publikationen erwhnen, die vielfach auf mit ffentlichen Mitteln finanzierten Projekten beruhen, den Verlagen kostenlos zugeschickt, meist gratis begutachtet und dann der wissenschaftlichen Gemeinschaft, aus der sie letztlich hervorgegangen waren, gegen Unsummen, die in keinem Verhltnis zum Verlagsaufwand stehen, wieder angeboten werden.[] Generell sollte der Urheberschutz wie der Patentschutz auf einen fixen Zeitraum, beginnend mit dem Publikationsdatum begrenzt werden.[] Im Gegensatz zu Patenten geht das geistige Eigentum von Softwareproduzenten derzeit nicht nach einer angemessenen Frist ins Allgemeingut ber. Dazu mte der Code, welcher der angebotenen kompilierten Version nachweislich entspricht, bei einer Behrde hinterlegt werden, die diesen nach Ablauf einer festgesetzten Zeit der ffentlichkeit bergibt, wobei eventuelle Updates jeweils nachzureichen wren und mit einer entsprechenden Verzgerung ebenso behandelt wrden.[] Zu einer problematischen Ausschaltung eines fairen gleichberechtigten Marktgeschehens kommt es aber nicht nur durch seltsame gesellschaftlich festgelegte berzogene Privilegien, sondern auch dort, wo einzelne Akteure durch sachliche Gegebenheiten von Natur aus schwcher sind, wie etwa am Arbeits- oder auch Wohnungsmarkt.[] Auf letzterem treten z. B. Immobilienspekulanten und Makler oftmals als gesamtgesellschaftlich gesehen eher unntige Schmarotzer auf. Solcherlei nicht selten auf geradezu unsittliche Weise ausgebtes Gewerbe sollte genauso eingedmmt werden, wie die heute sowieso bereits in Verruf geratene Ttigkeit von reinen Finanzjongleuren.[] In allen Bereichen, ob in Arbeitnehmer- und Konsumentenschutzbelangen, in der Bildung oder in der Gesundheits- und Altersversorgung, sollte das Gemeinwesen, wie bereits mehrfach betont, stets darauf achten, da einzelne schlauere Akteure andere nicht unmig bervorteilen, und so die grundstzliche Gleichheit aller Menschen in bezug auf Recht und Wrde einigermaen gewahrt bleibt. Schlielich wei niemand, ob er oder sie nicht schon morgen selbst eines solchen Beistandes bedarf. Auf eine mysterise unsichtbare Hand ist dabei, wie in der Vergangenheit zu beobachten war, keinerlei Verla. Vielmehr mu eine demokratisch legitimierte und damit der Mehrzahl der Gesellschaftsmitglieder verpflichtete Politik die Spielregeln stndig aus der Erfahrung heraus neu anpassen, um Fehlentwicklungen entgegenzutreten.

Der Aufbau einer wirklich serisen Alternative zum unhaltbaren jetzigen System bedrfte also einiger Knochenarbeit in der Tradition einer naturwissenschaftlichen Vorgangsweise, die Neuanstze stets an empirischen Befunden zu prfen sucht. Vor allem mten konkrete Modelle in exakter juristischer Ausformulierung erstellt und einer strengen kontroversiellen interdisziplinren (z. B: Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, aber auch Soziologie, Psychologie etc.) Diskussion (nicht zuletzt auf universitrer Ebene) unterworfen werden. Erst nach einer Luterung durch eine derartige Debatte, die zahlreiche Argumente pro und kontra vieler Alternativen und Details ins Bewutsein treten liee, knnten daraus resultierende Entwrfe von der Allgemeinbevlkerung oder einem Konvent sinnvoll gegeneinander abgewogen werden. Selbst dann ist natrlich nicht garantiert, da keine massiven Fehlentscheidungen auftreten, die bald wieder revidiert werden mssen.

Die hier vertretene wachsam-kritische Lebenshaltung ist somit auch wesentlich fr die Erhaltung der Freiheit, im Sinne einer emanzipatorischen Behauptung gegenber unfairen Manipulationen durch den Willen anderer. Diese Freiheit bildet aber die Grundlage und ein Ziel der allgemeinen Erklrung der Menschenrechte.[] Von einem solchen sinnvollen Begriff der Freiheit, die nicht zuletzt auch durch einen Mibrauch neurowissenschaftlicher Forschungsergebnisse in Gefahr geraten knnte, wird durch die Diskussion ber die widersprchliche metaphysische Willensfreiheit abgelenkt.

Als kritischer Agnostiker bin ich mir der Fraglichkeit jeder Position bewut. Im Gegensatz zur Tradition der pyrrhonischen Skepsis halte ich aber nicht alle Ansichten fr gleichgltig. Ich glaube, da es mglicherweise nicht egal ist, wie ich lebe, und eben darin grndet sich mein Bemhen um eine momentan der sich mir offenbarenden Wirklichkeit (insgesamt) angemessen scheinende Haltung, die ich mit Wahrhaftigkeit bezeichnet habe, und die sich von einem unter dem Deckmantel des Relativismus verborgenen Nihilismus oder Zynismus unterscheidet.

Ich hoffe, da diese Darstellung meines Ringens um eine tragfhige Lebensgestaltung, trotz aller Mngel, anderen einen kleinen Ansto gibt, zu etwas, das wiederum auch mir weiterhilft.

In diesem Zusammenhang mchte ich mich bei all jenen bedanken, die mir durch kritische Anmerkungen bereits geholfen haben, und zwar nicht nur dabei, miverstndliche Formulierungen klarzustellen, sondern auch eindeutige Denkfehler in vorherigen Ausgaben zu revidieren.

Referenzen

[] Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.; Menschliche Kommunikation, 8. Auflage, Verlag Hans Huber: Bern 1969/1990.

[] z.B.: Watzlawick, Paul (Hrsg.); Die erfundene Wirklichkeit, 6. Auflage, R. Piper & Co. Verlag: Mnchen 1981/1990.

[] Popper, Karl R.; Auf der Suche nach einer besseren Welt, 5. Auflage, R. Piper & Co. Verlag: Mnchen 1984/1990.

[] Popper, Karl R.; Logik der Forschung, 7. Auflage, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck): Tbingen 1982.

[] Seiffert, Helmut; Radnitzky, Gerard; Handlexikon zur Wissenschaftstheorie, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG: Mnchen 1992 (darin neben Feyerabends Beitrgen insbesondere auch Artikel Naturwissenschaften).

[] vgl. Nagel, Thomas; Was bedeutet das alles? Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG: Stuttgart 1990/2000.

[] vgl. z. B. Rae, Alastair; Quantenphysik: Illusion oder Realitt, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1996.

[] vgl. auch Riedl, Rupert; Die Strategie der Genesis, 7. Auflage, R. Piper & Co. Verlag: Mnchen 1976/1989.

[] Popper, Karl R.; Objektive Erkenntnis, Hoffmann und Campe Verlag: Hamburg 1973/1974.

[] Poser, Hans; Wissenschaftstheorie, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 2001.

[] vgl. z. B. Referenz 5, Artikel zu Falsifizierbarkeit, zwei Bedeutungen von.

[] Tatschlich gibt es momentan derartige molekulargenetische Bedenken nicht beim schwarzen Trauerschwan, sondern beim weien Coscorobaschwan, der aber auch im Phnotyp einige Besonderheiten aufweist (vgl. Artikel zu „Schwne“ bei http://de.wikipedia.org).

[] vgl. Young, Hugh D.;University Physics, 8th Ed., Addison-Wesley Publishing Company Inc.: Reading, Massachusetts 1992.

[] vgl. Referenz 4, Anhang XIV.

[] vgl. Referenz 4, Anhang XV.

[] Einstein, Albert; Mein Weltbild, Seelig Carl (Hrsg.), Ullstein Taschenbuchverlag: Mnchen 2001.

[] Was natrlich nicht bedeutet, da etwa das im geschilderten Fall auftretende Mischungsvolumen nicht mit einem komplexeren mathematischen Modell beschreibbar wre.

[] vgl. Hofstadter, Douglas R.; Gdel, Escher, Bach, ein Endloses Geflochtenes Band, 12. Auflage, Ernst Klett Verlage GmbH & Co. KG: Stuttgart 1985/1989.

[] vgl. Salmon, Wesley C.; Logik, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1983/2006.

[] Die Definition, da eine Person oder Sache sich als ganze in einem Raum befinden mu, damit sie als dort anwesend gelte, wrde allerdings bedeuten, da sich eine Person im zwischen zwei Rumen liegenden Schwellenbereich quasi "nirgendwo" aufhalten wrde. Fordert man, da sich mehr als 50% im Raum befinden mssen, so reduziert sich die Zahl der undefinierten Zustnde zwar erheblich, dennoch gibt es (zumindest nach klassisch-physikalischer Betrachtung) immer noch unendlich viele betroffene Konstellationen (verschiedener Orientierungen und Krperhaltungen). Die Definition, da fr den Aufenthalt in einem Raum bereits ein winziger Teil genge, fhrt zwar, dazu da nun fr all jene Zustnde, die im ersten Fall keinem Aufenthaltsort zugeordnet waren, die gleichzeitige Anwesenheit in beiden Rumen gilt, doch scheint dies die dem Alltagsverstand trotzdem noch einsichtigste Variante.

[] vgl. Zeilinger, Anton; Einsteins Spuk, Wilhelm Goldmann Verlag: Mnchen 2007.

[] vgl. Russel, Bertrand; Probleme der Philosophie, 3. Auflage, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main 1967/1969.

[] Descartes, Ren; Meditationes de Prima philosophia. Lateinisch/Deutsch, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1986/1999.

[] Zu denken, das sich beim Denken selbst als denkend wahrnehmende ich-Erlebnis fnde in Wahrheit berhaupt nicht statt, wrde wohl als performativ widersprchlich zu werten sein. vgl. Hintikka, Jaako; Cogito, Ergo sum: Inference or Performance? In: Philosophical Review, Vol. 71, No. 1, Jan., 1962, 3 - 32.) Doch Descartes versucht darber hinausgehend aus einem eventuell nur durch das Zusammenspiel verschiedener Phnomene gebildeten Geschehen, ein hinter diesem Geschehen stehendes Ding abzuleiten, das nicht der "genius malignus" selbst sei.

[] Buddha, Gautama Die vier edlen Wahrheiten, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG: Mnchen 1985.

[] Chuang, Chou; Das wahre Buch vom sdlichen Bltenland, Eugen Dietrichs Verlag GmbH & Co. KG: Mnchen 1969/1988.

[] Putnam, Hilary; Vernunft, Wahrheit und Geschichte; Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG: Frankfurt am Main 1982.

[] Baggott, Jim; Matrix oder Wie wirklich ist die Wirklichkeit, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag: Reinbek bei Hamburg 2007.

[] Dawkins, Richard; Der Gotteswahn, 3. Auflage, Ullstein Buchverlage GmbH: Berlin 2006/2007. Aus der Rtselhaftigkeit und Seltsamkeit der Quantentheorie zieht Dawkins keine wirklich weitreichenden Folgerungen.

[] vgl. z. B. die Thesen des radikalen Konstruktivismus in Abschnitt 2.

[] Die hier vertretene Sichtweise impliziert in bezug auf die Universalienfrage eine eher nominalistische Position.

[] vgl. Hume, David; Eine Untersuchung ber den menschlichen Verstand, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1967/1982 bzw. Russel, Bertrand; Probleme der Philosophie, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main 1967.

[] Solso, Robert L.; Kognitive Psychologie, Springer Medizin Verlag: Heidelberg 2005.

[] Die von Peirce vorgeschlagene Schluform der Abduktion scheint mir zur Beschreibung des Charakters der Hypothesenbildung jedoch ebensowenig brauchbar. vgl. Richter, Ansgar; Der Begriff der Abduktion bei Charles Sanders Peirce, Peter Lang GmbH Europischer Verlag der Wissenschaften: Frankfurt am Main 1995.

[] induktiv ist hier, wie auch anderswo im Sinne von "aus einer beschrnkten Zahl vorhandener Erfahrungen (vor allem im Hinblick auf Zuknftiges) verallgemeinert" zu verstehen.

[] vgl. Referenz 4 bzw. 5, Artikel zu Bewhrung, Gehalt, Verisimilitude. Hinter der in der Forschungspraxis blicherweise geforderten Reproduzierbarkeit von Experimenten als Voraussetzung fr deren Eignung zur Ableitung allgemein akzeptierter, potentiell falsifizierender Basisstze, steckt hufig durchaus ein induktives Element, da auch diese nicht selten blo auf Grundlage einer beschrnkten Zahl von erfolgreichen Wiederholungen vermutet wird.

[] Der Versuch einer eingehenden Rechtfertigung oder fundierten Begrndung des quasi in der Luft hngenden Zirkels fhrt nur noch tiefer in das sogenannte Mnchhausen-Trilemma. (vgl. Albert, Hans; Traktat ber kritische Vernunft, 5. verb. und erw. Auflage, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck): Tbingen 1991.) Whrend die Prfung der zirkulren Selbstaussagen der Theorie ein im Falle des Ausbleibens von bessere Alternativen nahelegenden empirischen Befunden bis ans Ende der Welt (oder besser der Menschheit) fortschreibbarer Proze ist, bildet die grundstzliche vorlufige Annahme der gesamten Methodik einen dogmatischen Sprung in den Glauben. Doch selbst der Befund, da sich der daraus ergebende kritische Empirismus, verbunden mit einem hypothetischen metaphysischen Agnostizismus einstweilen vor der Erfahrung zu bewhren scheint, ist nicht unproblematisch, knnte dem doch auch so etwas wie eine selbsterfllende Prophezeiung zugrunde liegen. Es gibt also keine Letztbegrndung. Als Anhnger dieser empirisch kritischen, metaphysisch agnostischen Grundeinstellung, kann man nur darauf verweisen, da man sich um eine der erlebten Wirklichkeit insgesamt angemessen erscheinende Haltung, also wie ich dies bereits nannte, um Wahrhaftigkeit bemht habe. Das Ganze ist ein Versuch so redlich wie mglich zu glauben, im vollen Bewutsein, da das grundstzlich angenommene Nichtwissen ebenso eine Vermutung ist. Anderen Personen kann dies nur durch einen Appell, doch diese Hypothese anhand ihres eigenen Erlebens mit Alternativen vergleichend zu prfen, nahegelegt werden. Mehr scheint mir wie auch in der hnlichen Situation bei ethischen Fragen kaum mglich.

[] vgl. Vollmer, Gerhard; Evolutionre Erkenntnistheorie, 3. Auflage, S. Hirzel Verlag: Stuttgart 1983.

[] vgl. Einheitsbersetzung der Bibel, Rm. 9,1424.

[] eine ironische, aber reizvolle Anspielung auf: Monod, Jacques; Zufall und Notwendigkeit, 3. Auflage Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG: Mnchen 1971/1977. Nimmt man eine Seele, eine cartesische res cogitans oder was auch immer an, die in auch noch so kleinen Teilentscheidungen vllig unabhngig von irgendwelchen Einflssen agiere, so ist meine These, da sie in diesen Teilentscheidungen quasi als Zufallsgenerator fungieren wrde. Die von diesen Zuflligkeiten abgesehen postulierte Abhngigkeit von diversen Einflssen bedeutet aber keine Leugnung der Mglichkeit rationaler Handlungsgrnde, wie in Analogie dazu die Zahlenfolge, die ein Computer bei der Berechnung der Zahl auswirft, zwar durch die elektrischen Vorgnge in seinem Inneren bestimmt wird, aber bei korrekter Umsetzung eines adquaten Algorithmus auch abstrakten mathematischen Gesetzmigkeiten gehorcht.

[] vgl. Referenz 21. Insbesondere die darin auf Seite 304 erwhnte zeitverzgerte Teleportation scheint mir auch so auslegbar. Ich neige allerdings zu der Befrchtung, da die Ergebnisse der Verschrnkungsexperimente momentan berhaupt falsch interpretiert werden.

[] vgl. Hoerster, Norbert; Ethik und Interesse, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 2003.

[] Auch Hans Albert versuchte ber Brcken-Prinzipien die Kluft zwischen einer rein deskriptiven Wissenschaftlichkeit und rationalen Handlungsnormen zu berwinden. (vgl. Referenz 37.) Die Tatsache, da es im Konfliktfall selbst bei einer Einigung darber, was rein uerlich der Fall sei, keinen in zwingender Weise eindeutigen bergang zu dem gibt, was sein sollte, bildet wohl das Fundament fr die oft berstrapazierte These vom naturalistischen Fehlschlu.

[] Fr neurowissenschaftliche berlegungen vgl. Rizzolatti, Giacomo; Sinigaglia, Corrado; Empathie und Spiegelneurone, edition unseld 11, Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main 2008.

[] vgl. Referenz 37, Konstruktion und Kritik: Theorienpluralismus, wo Albert einer stndigen Suche nach alternativen metaphysischen Bezugsrahmen eine wichtige Rolle bei der Ermglichung neuer Theorien zuschreibt.

[] Mackie, John Leslie; Das Wunder des Theismus, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1985.

[] vgl. Buggle, Franz, Denn sie wissen nicht, was sie glauben, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH: Hamburg 1992.

[] vgl. z. B. Einheitsbersetzung der Bibel: Mt 5,17-20; Mt 5,27-32; Mt 19,3-12; Mt 21,18-22; Mt 25,14-30; Mk 10,2-12; Lk 10,10-16; Lk 13,23-28; Lk 16,16-31; Joh 8,12-59.

[] vgl. z. B. Deschner, Karlheinz; Kriminalgeschichte des Christentums, 8 Bnde, Rowohlt Verlag GmbH: Reinbek bei Hamburg 1986-2004.

[] von mir meist herangezogene Koranausgabe: Khoury, Adel Theodor (bersetzer); Der Koran, Gtersloher Verlagshaus Gerd Mohn: Gterloh 1987.

[] vgl. z. B.: Shah, Idries; Wege des Lernens, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf.: Mnchen 1985.

[] Hiriyanna, Mysore; Vom Wesen der indischen Philosphie, Eugen Dietrichs Verlag: Mnchen 1990.

[] vgl. Han, Byung-Chul; Philosophie des Zen-Buddhismus, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 2002.

[] vgl. Seidel, Wolfgang; Das ethische Gehirn, Spektrum Akademischer Verlag: Heidelberg 2009.

[] Batchelor, Stephen; Buddhismus fr Unglubige, 9. Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH: Frankfurt am Main 1998/2003.

[] vgl. Hoerster, Norbert; Glaube und Vernunft, Philipp Reclam jun. GmbH & Co.: Stuttgart 1985.

] vgl. Kng, Hans; Existiert Gott, 3. Auflage, R. Piper & Co. Verlag: Mnchen 1995.

[] vgl. Artikel zu Obsoleszenz bei http://de.wikipedia.org.

[] Liedloff, Jean; Auf der Suche nach dem verlorenen Glck, C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck): Mnchen 1980/1990. Das gewhlte Beispiel bringt auch zum Ausdruck, da selbst auf sehr fragwrdige Weise entstandene Theorien durchaus eine Berechtigung haben knnen, falls und soweit sie sich bewhren. In diesem Punkt ist Popper sicherlich zuzustimmen. brigens htte ich am Ende des Abschnittes 3, beim Versuch meine erkenntnistheoretische Position zu rechtfertigen (vgl. dazu auch Referenz 37) ebenso, wie von dieser Autorin oder einigen Konstruktivisten in ihren jeweiligen Argumentationen praktiziert, auf einen evolutionstheoretischen Mythos zurckgreifen knnen, indem ich aus der tendenziellen menschlichen Neigung zur induktiven Verallgemeinerung, auf deren entwicklungsgeschichtliche Vorteilhaftigkeit geschlossen htte.

[] vgl. Edgerton, Robert B.; Trgerische Paradiese, Ernst Kabel Verlag GmbH: Hamburg 1994.

[] Zu den Tcken der Statistik vgl. Beck-Bornholdt, Hans-Peter; Dubben, Hans-Hermann; Der Hund, der Eier legt, Rowohlt Taschenbuch Verlag: Reinbeck bei Hamburg 1997/2006. Allerdings diskutieren die Autoren jene grundlegenden Annahmen, die hinter jeder Statistik stehen, wie Zuflligkeit, Verteilungsmodelle, die Sinnhaftigkeit des induktiven Schlusses etc. kaum.

[] Literaturempfehlung: Freedman, Rita; Die Opfer der Venus, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG: Mnchen 1993.

[] siehe Lndervergleich in: Klein, Stefan; Die Glcksfalle, Rowohlt Taschenbuch Verlag: Reinbeck bei Hamburg 2007 (ein typisch journalistisches Werk).

[] Darin liegt eine bislang im Vergleich zu anderen Ursachen eher selten thematisierte Wurzel der derzeitigen Schuldenkrise. Wird doch die Kaufkraft in etlichen Lndern durch Sozialleistungen, welche ber Staatsverschuldung finanziert werden, aufrecht erhalten, was zu einem permanenten Handelsbilanzdefizit fhrt. Sollte ein Teil der Schulden des europischen Sdens von ursprnglich dorthin exportierenden EU-Staaten bernommen werden, so mte deren gnstigere Handelsbilanz eigentlich nachtrglich auch anders betrachtet werden.

[] Zum Beispiel knnte die Geldmenge auch ausschlielich durch Kreditvergabe an staatliche Einrichtungen reguliert werden, wobei diese auf lange Sicht stets eine kleine Zusatzeinnahme htten, da eine mavolle Ausweitung der Geldmenge zur Generierung einer niedrigen umlaufsichernden Inflation sinnvoll sein drfte, was z. B. durch tendenziell eher negative Zinsstze bei diesen Spezialdarlehen realisiert werden knnte. Die Geldschpfung durch private Geschftsbanken oder die Vergabe von Zentralbankkrediten an Private sollten ohnehin verboten werden. Dann knnte der Finanzsektor niemals schneller wachsen als die Realwirtschaft, da die Spekulationsmittel dafr einfach nicht existieren wrden. Ein Witz des momentanen Systems ist, da Banken auch fr die Hinterlegung von Wertpapieren weiteres Zentralbankgeld bekommen, mit dem sie bedingt durch die derzeitigen Mindestreserveregelungen ein Vielfaches davon in die Welt setzen knnen, zur Fortsetzung eines quasi-Pyramidenspiels mit eben solchen Papieren.

[] Das Aufkaufen von Staatsanleihen berschuldeter europischer Lnder durch die Zentralbank in extremem Ausma wrde letztlich die Inflation anheizen. Dies drfte momentan das geringere bel sein. Auf Dauer wrde eine Vorgangsweise, die die Geldmengensteuerung zu sehr hintanstellt, jedoch in den Abgrund fhren, weshalb die im Haupttext geforderte Reparatur der Regeln der Weltwirtschaft (Sozial- und Umweltmindeststandards) zur Herbeifhrung eines ausgeglichenen fairen Welthandels unabdingbar ist. Auerdem sollte die EZB das Geld den Staaten ber direkte Anleihenkufe zukommen lassen und nicht den Spekulanten abkaufen, die dadurch wieder einmal auf Kosten der Allgemeinheit mitnaschen drfen.

[] vgl. ATTAC sterreich, ATTAC-Positionspapier Nr. 1, Zukunft der Pensionen, Langfassung, Mai 2001. Leider ist diese Version auf der Homepage der Organisation nicht mehr verfgbar, nur noch eine stark gekrzte Variante.

[] Felber, Christian; Die Gemeinwohl-konomie, Deuticke im Paul Zsolnay Verlag: Wien 2010.

[] Eine mgliche Lsung bestnde in der Errichtung eines Publikationssystems, das von einer dafr gegrndeten internationalen gemeinntzigen, nicht gewinnorientierten Organisation fr ffentlich gefrderte Forschung betrieben wird. Das System sollte aber bei Einhaltung von festgesetzten Kriterien auch Privaten offenstehen. Die Organisation knnte als Rechteinhaber die Herstellung von Druckausgaben bzw. die Errichtung und Wartung von entsprechenden Publikationsserverzentren regelmig per Ausschreibung neu an Bestbieter vergeben. In der elektronischen Publikationsform knnte neben einer verbesserten direkten Angabe von Links zu zitierender Literatur auch die Mglichkeit zur Einreichung kurzer Stellungnahmen und Kommentare geboten werden, um die kritische Diskussion von Ergebnissen zu frdern. Im brigen sollten die Gutachten, die beim Einreichen einer Arbeit eingeholt werden, stets mit Namen der beurteilenden Fachkollegen mitverffentlicht werden, damit die Willkr in diesem Bereich etwas zurckgedrngt wird. berdies sollte die vorgeschlagene Organisation auch umfassende Recherchedatenbanken zur Literatursuche erstellen lassen, und diese der wissenschaftlichen Gemeinschaft kostengnstig zur Verfgung stellen. Ein weiteres Problem ist, da negative oder unliebsame Ergebnisse oftmals der ffentlichkeit vorenthalten werden. Daher sollten bei allen gefrderten Forschungsprojekten oder Studien, die dem Ziel einer Marktzulassung etc. dienen, zwingend Abschluberichte zusammen mit den ursprnglichen Antrgen und Zwischenberichten publiziert werden. Die Seriositt sollte dabei berall zustzlich durch stichprobenartige Kontrollen bzw. Prfung der Reproduzierbarkeit gesichert werden.

[] Warum sollte die geistige Leistung eines Knstlers, Autors etc. derart massiv abweichend von jener eines kreativen Erfinders behandelt werden? Gewisse Unterschiede zwischen einzelnen Bereichen mgen unter Umstnden aber gerechtfertigt sein, damit eine faire Abgeltung im allgemeinen erreichbar ist. So wren meines Erachtens fr Buchautoren 30 Jahre eine gute Diskussionsbasis fr die Neuregelung.

[] Angesichts der raschen Entwicklung in diesem Bereich scheinen mir momentan 15 Jahre angemessen. Im ffentlichen Bereich (Verwaltung, Bildung, etc.) sollte Software, wo irgend mglich, ohnehin nur mit offenem Quellcode angeschafft werden. Die Dienstleistung der Wartung und Weiterentwicklung knnte dann relativ einfach in regelmigen Zeitintervallen ohne grere Umstellungen durch Ausschreibung an den Bestbieter neu vergeben werden, wobei auch die bersichtliche Gestaltung und gute Dokumentation des Codes, die solche Wechsel erst ermglichen, Teil der Vergabekriterien sein sollten. Dies wrde im Rahmen der Europischen Union durchgefhrt etwa bei Betriebssystem, normalen Office- aber auch vielen Datenbankanwendungen gewi rasch kostengnstige und trotzdem hervorragend ausgearbeitete Programme ergeben, da dadurch die derzeitigen wettbewerbsunterdrckenden Quasimonopole in diesem Dienstleistungssektor gebrochen wrden, ohne auf die Vorteile einer gewissen (europaweiten) Standardisierung verzichten zu mssen. Zustzlich knnte die Normalbevlkerung durch kostenlose oder extrem billige Weitergabe der so geschaffenen Lsungen profitieren.

[] Damit Benachteiligte wenigstens eine Chance haben, eventuelle Diskriminierungen zu beanstanden, sollten Ausschreibungen von Stellenangeboten strengeren, im ffentlichen Sektor zum Teil vorhandenen Regelungen unterworfen werden und bei staatlichen Arbeitsmarktserviceeinrichtungen vor der Besetzung jedenfalls fr eine bestimmte Frist gemeldet sein. Die im Zuge des Sozialdumpings (infolge der Deregulierung des internationalen Handels) verschrften fr den Bezug von Arbeitslosenuntersttzung relevanten Zumutbarkeitsbestimmungen sollten mit der Neuregelung des Auenhandels der europischen Union (bezglich sozialer und kologischer Importmindeststandards) reformiert und der Schutz von Arbeitnehmern vor Ausbeutung wieder angehoben werden. Im Bereich der Wohnungsvermittlung sind Makler seit den Mglichkeiten des Internets eigentlich nicht mehr so wichtig wie zuvor. Sollte der Vermieter nicht gewillt oder in der Lage sein, Annoncen aufzugeben, Objekte Interessenten zu zeigen und schlielich einen Vertrag abzuschlieen, so sollte ausschlielich der Immobilienanbieter die Kosten fr die Inanspruchnahme etwaiger Dienstleistungen in diesem Zusammenhang tragen. Die Vermittlung von Objekten aus dem Bereich des gefrderten sozialen Wohnbaus sollte ber eine ffentlicher Kontrolle unterstehende Agentur unter Heranziehung transparenter Verfahren erfolgen. Darber hinaus sollten im privaten Bereich die mancherorts zu beobachtenden Tendenzen zur Wucherei durch entsprechende Schutzbestimmungen unterbunden sowie Spekulanten das Handwerk gelegt werden.

[] Ein problematischer Aspekt in der Konstruktion brsennotierter Aktiengesellschaften liegt darin, da es bei diesen nicht selten vorkommt, da ein erheblicher Anteil der Eigentmer in der Aktionrsversammlung nur relativ kurzfristige Ziele verfolgt und wenig Interesse am wirklich nachhaltigen Gedeihen des Unternehmens hat. Hier knnte die Politik durch geeignete Regeln das stndige Wechseln der Anteilshalter uninteressant machen.

[] Resolution 217 A (III) der UN-Generalversammlung vom 10. Dezember 1948.



Zuletzt geändert: 23/10/2026