Verdrängung und die Ätiologie unbewusster Mentalität - Psychoanalytische Theorie - Die Philosophie der Psychologie
Philosophie: Ein Leitfaden zu fortgeschrittenen Themen - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Die Philosophie der Psychologie

Psychoanalytische Theorie

Verdrängung und die Ätiologie unbewusster Mentalität

Freud unterscheidet zwischen dem, was er das „Vorbewusste“ und das „Unbewusste“ nennt. Das Vorbewusste umfasst jene mentalen Zustände, deren wir uns nicht bewusst sind, die jedoch leicht bewusst werden könnten. Dazu gehören zum Beispiel Dinge, an die man sich erinnern kann, die man aber gerade nicht denkt. Das eigentliche Unbewusste besteht aus mentalen Zuständen, die „verdrängt“ sind. Dies sind Zustände, die die Person lieber nicht hätte: Sie empfindet sie als so unerträglich, dass sie aus dem Bewusstsein verbannt werden. Freud nimmt einen Mechanismus an, der für die Verdrängung unerträglicher Gedanken und Gefühle verantwortlich ist, den er „Zensor“ nennt. Im Wesentlichen ist der Zensor dafür zuständig, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Gedanken und Gefühlen zu unterscheiden und letztere vom Bewusstsein fernzuhalten.

Der existentialistische Philosoph Jean-Paul Sartre kritisierte Freuds Theorie der Verdrängung. Im Kern bestand Sartres Einwand darin, dass der Zensor sowohl bewusst als auch zugleich nicht bewusst über das Material sein müsste, das er verdrängen soll. Er müsste sich des Materials bewusst sein, um genau zu wissen, was er verdrängen soll, zugleich aber unbewusst, sonst hätte er es nicht erfolgreich verdrängt.

Eine schnelle Antwort auf Sartres Einwand besteht darin, zu betonen, dass der Zensor vom Subjekt als Ganzes zu unterscheiden ist. Der Zensor könnte daher bewusst über das unerträgliche Material bleiben, während er es dem bewussten Geist des Subjekts entzieht. Das Material wäre dann erfolgreich verdrängt, da das Subjekt es nicht bewusst wahrnimmt, selbst wenn der Zensor sich seiner bewusst bleibt.

Jedoch beruhen sowohl Sartres Einwand als auch diese schnelle Antwort auf einem Missverständnis von Freuds Theorie. Der Zensor soll kein nachdenkliches, intelligentes Wesen sein, etwa wie ein kleines, vollständiges Bewusstsein innerhalb des größeren Geistes des Menschen. Er ist selbst weder bewusst noch unbewusst in Bezug auf irgendetwas. Vielmehr handelt es sich um einen Mechanismus. Er ist in der Lage, Gedanken zu identifizieren, die das Subjekt als unerträglich empfindet, und sie entweder ins Unbewusste zu versetzen (wenn sie zunächst bewusst sind) oder einfach dort zu belassen (wenn sie aus dem Unbewussten stammen). Dazu muss er den Inhalt des verdrängten Materials nicht einmal erkennen oder verstehen. Er muss lediglich auf die affektive Qualität des Materials reagieren, das heißt, darauf, ob der Gedanke oder das Gefühl dem Subjekt ausreichendes Unbehagen bereitet. Tatsächlich ist es eine weitere wichtige Neuerung Freuds, eine solche mechanistische Erklärung für Aspekte mentaler Funktionen zu bieten. Psychologische Mechanismen wie der Zensor sind Bestandteile des Geistes, weil sie innerhalb des Geistes Funktionen erfüllen, aber sie selbst denken, vernünftig oder fühlen nicht auf eine Weise, wie es das bewusste Denken tut.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Psychoanalyse die Alltagspsychologie auf folgende Weise erweitert: Erstens postuliert sie ein reichhaltiges Feld unbewusster mentaler Aktivität. Zweitens fehlt dem Unbewussten die Integration bewusster Vernunft. Drittens sind unbewusste mentale Zustände oft unangenehm für die Person, infantile oder auf andere Weise von einem Charakter, der von der Alltagspsychologie nicht typischerweise erkannt wird. Viertens wird der Umfang psychologischer Theorie auf irrationale Handlungen, Träume, Versprecher sowie zahlreiche andere Phänomene erweitert. Fünftens drücken sich unbewusste mentale Zustände nicht immer durch die Rationalisierung einer Handlung auf alltagspsychologische Weise aus. Sechstens sind bestimmte Aspekte mentaler Funktionen mechanistisch.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 01/11/2025