Erschöpfbarkeit und Unerschöpflichkeit der natürlichen Umwelt - Die Entwicklung der Technik in der natürlichen Umgebung - Philosophie der Technologie und der Technischen Wissenschaften
Geschichte und Philosophie Der Wissenschaft - Philosophie der Wissenschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Philosophie der Technologie und der Technischen Wissenschaften

Die Entwicklung der Technik in der natürlichen Umgebung

Erschöpfbarkeit und Unerschöpflichkeit der natürlichen Umwelt

Die Entwicklung und Funktionsweise technischer Mittel, die umgestaltete natürliche Objekte und Prozesse darstellen, ist mit einer bestimmten Umstrukturierung der umgebenden Natur verbunden. Dies liegt daran, dass erstens einzelne Elemente aus natürlichen Systemen herausgelöst werden (zur Einbeziehung in das Substrat der Technik); zweitens andere Elemente umgruppiert werden (zur Schaffung notwendiger Bedingungen für das Funktionieren technischer Mittel); und drittens qualitativ neue Elemente in die Natur eingeführt werden (z. B. Abfälle aus Produktion und anderen Tätigkeiten).

Die den Menschen umgebende Natur erhält im Zuge ihrer Erschließung Züge einer komplexen Ganzheit, die die Gesamtheit der natürlichen Faktoren für das menschliche Dasein umfasst und die natürliche Umwelt seines Funktionierens und seiner Entwicklung bildet. Aus Sicht des modernen Niveaus materiell-technischer Entwicklung deckt der Begriff der geografischen Umwelt nicht mehr die gesamte Vielfalt natürlicher Faktoren ab, die mit menschlicher Tätigkeit verbunden sind, und stellt eine Konkretisierung des Begriffs der natürlichen Umwelt dar, ähnlich wie die Materialität der Technik eine Konkretisierung ihrer Substratqualität darstellt.

Der Grad der Umstrukturierung der Natur wird durch den Inhalt materieller Tätigkeit, deren Umfang und Dauer bestimmt. Im Verlauf dieser Tätigkeit verändert sich die systemische Ganzheit einzelner Elemente der natürlichen Umwelt, die, ähnlich wie technische Mittel, gewisse Züge von Sozialität erhalten, einschließlich einer besonderen Organisation, die durch menschliche Arbeit aufrechterhalten wird. In Auseinandersetzung mit L. Feuerbach wies K. Marx darauf hin: „...diese ununterbrochene sinnliche Arbeit und Schöpfung, diese Produktion dient als so tiefgründige Grundlage der gesamten sinnlichen Welt, wie sie jetzt existiert, dass, wenn sie auch nur ein Jahr lang unterbrochen würde, sehr bald die gesamte menschliche Welt verschwinden würde.“

Die Aufrechterhaltung der sozialen Organisation der natürlichen Umwelt unterscheidet sich von der Bewahrung der besonderen Organisation der Technik dadurch, dass die Elemente der natürlichen Umwelt nicht in dem Maße aus den allgemeinen natürlichen Zusammenhängen herausgelöst werden, wie es bei technischen Mitteln der Fall ist. Ihre Bewegung überschreitet nicht die Ganzheit der natürlichen Systeme.

Daher führt die Einwirkung auf einzelne Elemente der natürlichen Umwelt zur Umgestaltung anderer Elemente und erzeugt, so Engels, nicht nur „jene Folgen, auf die wir gerechnet hatten, sondern in zweiter und dritter Linie völlig andere, unvorhergesehene Folgen, die sehr oft die Bedeutung der ersten vollständig zerstören“. Außerdem wird die Ganzheit der natürlichen Systeme bei Störungen entweder gar nicht wiederhergestellt oder nur sehr langsam (verglichen mit den Umgestaltungsgeschwindigkeiten menschlicher Tätigkeit). Die für die gesellschaftliche Entwicklung notwendige Organisation der natürlichen Umwelt ist ständig der irreversiblen Zerstörung ausgesetzt, was die Suche und Schaffung neuer Formen erzwingt. Die gravierendsten Störungen der natürlichen Umwelt durch menschliche Tätigkeit sind Erschöpfung der Ressourcen und Verschmutzung.

Das wissenschaftliche Verständnis der Wechselwirkung von Gesellschaft und Natur basiert auf der Anerkennung ihrer materiellen Einheit, die sich in der historisch bestimmten substratbezogenen (physikalischen, chemischen, biologischen) Gemeinsamkeit von Mensch, Technik und natürlicher Umwelt ausdrückt.

Die durch gesellschaftliche Prozesse, insbesondere die Produktion, bedingte Wechselwirkung von Gesellschaft und Natur findet in konzentrierter Form ihren unmittelbaren Ausdruck in der Entwicklung der Technik. Umgekehrt beruht der gesamte Inhalt des technischen Fortschritts letztlich auf der Beherrschung der Elemente der natürlichen Umwelt durch den Menschen. In ihrer Einheit bilden die Entwicklung der Technik und die Umgestaltung der Natur die allgemeine Linie der materiell-technischen Entwicklung der Gesellschaft.

Die Technik vermittelt den gesamten Prozess der Wechselwirkung von Gesellschaft und Natur, da sie das zentrale Werkzeug der Einwirkung auf die natürliche Umwelt ist, unabhängig von den Tätigkeitsbereichen und Zielen – sei es industrielle oder landwirtschaftliche Produktion, militärische Operationen oder Tourismus. Selbst die intensive Ausbeutung der Natur durch moderne manuelle Sammelwirtschaft, hervorgerufen durch die Urbanisierung, wird ökologisch übermäßig durch den Einsatz von Technik, insbesondere Transportmitteln, verstärkt. Gleichzeitig widersetzt sich die technische Entwicklung nicht den sozialen Faktoren der Einwirkung auf die Natur, da der Einsatz von Technik nur als gesellschaftliche Nutzung möglich ist. Die soziale Bedingtheit der Umgestaltung der natürlichen Umwelt folgt aus der sozialen Bedingtheit des Funktionierens und der Entwicklung der Technik und existiert nicht isoliert.

Die Erschöpfbarkeit des Gesamtsubstrats der Technik in einzelnen Entwicklungsphasen begrenzt die Erschließung und Umgestaltung der umgebenden Natur. Zugleich setzt die historisch bestimmte natürliche Umwelt entsprechende Grenzen für das Funktionieren und die Entwicklung der Technik, sie ist also selbst eine erschöpfbare Grundlage des technischen Fortschritts. Diese Erschöpfbarkeit der konkreten natürlichen Umwelt zeigt sich in den konstruktiven Grenzen des Funktionierens technischer Mittel, der Endlichkeit der Ressourcen zur Reproduktion des Substrats der Technik und der begrenzten Möglichkeit, Abfälle menschlicher Tätigkeit einzubeziehen, ohne die systemische Ganzheit einzelner Elemente der natürlichen Umwelt gefährlich zu verändern. Insgesamt entspricht das Substrat der Technik dem Substrat der historisch bestimmten natürlichen Umwelt.

Das strukturell-materielle Einheitserleben einzelner technischer Mittel und des gesamten technischen Systems besteht nicht nur in der Übereinstimmung der konstruktiv-technologischen Besonderheiten einzelner Mittel und der strukturellen Organisation der gesamten Technik mit den Eigenschaften der verwendeten Materialien, des Arbeitsobjekts und der Substratität des Menschen – es umfasst auch die Gesamtheit der materiellen Bedingungen der äußeren Umgebung, die für das Funktionieren technischer Geräte notwendig sind.

Der Einfluss der materiellen Umwelt auf die Entwicklung der Technik ist uneindeutig und widersprüchlich. So werden die konstruktiven Besonderheiten von handgeführten Wurfgeräten unter anderem durch die Bewegungsdynamik in der Luft bestimmt. Ihr Unterschied ist jedoch weniger bedeutend als der Unterschied zwischen einem Aerostat und einem Flugzeug, deren Funktionieren ebenfalls von den Eigenschaften der Erdatmosphäre abhängt. Der Einfluss der Umgebung ist widersprüchlich im Sinne dessen, dass er sowohl die Grundlage der Wirkung eines technischen Mittels als auch deren Einschränkung darstellt (aus den Eigenschaften der Erdatmosphäre ergeben sich sowohl die Möglichkeit des Fliegens als auch gleichzeitig Beschränkungen von Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit der Fluggeräte). Folglich erfordert eine Veränderung der Umwelt ebenso entsprechende Anpassungen in der Technik wie eine Veränderung ihres eigenen Substrats. Dies wird besonders deutlich in der Entwicklung der Raumfahrt- und Tiefseetechnik. Die Erschließung neuer Funktionsumgebungen für technische Mittel erzeugt neue Entwicklungsrichtungen, bringt prinzipiell neue naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Probleme mit sich.

Unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen dienen die Besonderheiten der Umgebung als objektive Grundlage für die Differenzierung überwiegend von Transporttechnik. Für die Bestimmung der Spezifität der Raumfahrttechnik ist der Transportaspekt jedoch eindeutig unzureichend. Raumfahrttechnik umfasst nicht nur Trägerraketen und bemannte oder unbemannte Raumfahrzeuge, sondern auch wissenschaftliche Geräte und später auch Produktionsmittel, die sich wesentlich von ihren Analogien in der herkömmlichen irdischen Technik unterscheiden. Die objektive Voraussetzung für dieses Phänomen liegt in der Nutzung von Materiezuständen, die in der oberflächennahen Schicht der Erde nicht vorkommen (besonders niedrige Temperaturen, tiefer Vakuumzustand, breites Strahlungsspektrum, komplexe und instabile Kombination von Gravitationswirkungen). Bereits in der Anfangsphase der Raumfahrttechnik zeichnet sie sich in einigen Aspekten durch das Gegenteil der gewöhnlichen irdischen Technik aus, da natürliche Prozesse genutzt werden, die unter normalen Bedingungen künstlich in geschlossenen Systemen erzeugt werden und erhebliche energetische Aufwendungen zu deren Aufrechterhaltung erfordern.

Im Verlauf der weiteren Entwicklung wird sich die Raumfahrttechnik zunehmend von ihren irdischen Prototypen lösen und auf eigene Grundlagen der Progression stellen – sowohl konstruktiv als auch hinsichtlich Rohstoff- und Energiequellen. Während die Entstehung und Entwicklung vieler technischer Mittel, insbesondere von Hebe- und Transportmitteln, auf die Überwindung der irdischen Schwerkraft und des Widerstands der Umgebung abzielte, sind solche Kräfte im Weltraum praktisch nicht vorhanden, wodurch sich die Ausstattung für Lade- und Entladearbeiten erheblich verändert, deren Umfang kontinuierlich zunimmt, ebenso wie die Form jener Handwerkzeuge, deren Nutzung üblicherweise auf der Schwerkraft des menschlichen Körpers basiert. Auch mögliche negative Folgen der Umgestaltungstätigkeit werden spezifisch sein, da sie auf der eigenen Substratbasis entstehen.

Unter irdischen Bedingungen verändert der Mensch die ihn umgebende natürliche Umwelt und passt sich gleichzeitig an sie an. Eine gedankliche Reise vom Äquator bis zum Pol erlaubt es, konkret zu betrachten:

  1. Die Abhängigkeit technischer Mittel von den Bedingungen ihrer Funktionsumgebung (z. B. Transportwechsel, Lebensbedingungen etc.). Für Russland mit seiner Vielfalt an natürlichen Bedingungen ist dieses Problem besonders wichtig, insbesondere in der gegenwärtigen Phase, in der ein Kurs auf eine intensivere Erschließung der Naturressourcen im Norden und Osten angekündigt wurde. Dies betrifft nicht nur den Transport, sondern auch Kommunikation und Bauwesen. Die Abhängigkeit technischer Mittel von der Umwelt ihrer Funktionierung zeigt sich im Entwicklungsprozess der Technik, wenn sich die geographische Expansion der Menschheit von der Äquatorzone zu den Polarregionen, von den Ebenen zu den Gebirgen usw. vollzieht. Ein typisches Beispiel ist die Schaffung einer Eisbrecherflotte, die ganzjähriges Navigieren entlang der Nordseeroute ermöglicht.
  2. Die Tendenz zu einer breiteren Differenzierung der Technik in Abhängigkeit von der Umwelt und gleichzeitig zu ihrer Universalität in Bezug auf lokale natürliche Bedingungen. So macht es keinen Sinn, von tropischen oder polaren Varianten moderner Hochflugzeuge zu sprechen (im Gegensatz etwa zu Autos), da sie über ein autonomes Lebenserhaltungssystem verfügen und die Umweltbedingungen ihrer Funktionsweise praktisch gleich sind. In diesem Sinne sind Raumfahrzeuge noch anschaulicher. Der Begriff der Breitengradabhängigkeit spiegelt klimatische Unterschiede in der oberflächennahen Schicht der Erde wider. Im Weltraum verschwinden diese Unterschiede. Dennoch muss auch Raumfahrttechnik differenziert werden, da ihre Funktionsumgebung ebenfalls heterogen ist, wobei diese Heterogenität, z. B. die magnetische Polarität, ihre eigene Spezifik besitzt. Die Differenzierung der Raumfahrttechnik wird jedoch intern gegenüber der irdischen sein, ebenso wie die Differenzierung des Automobilverkehrs intern gegenüber dem Schienenverkehr ist.

Derzeit ist schwer vorstellbar, woran sich die eigene Form der Raumtransporttechnik orientieren wird; derzeit sind solche Faktoren hauptsächlich der Durchtritt durch die Atmosphäre, insbesondere beim Wiedereintritt, und die Anordnung der Ausrüstung, die durch den Kampf um die Reduzierung von Gewicht und Volumen gekennzeichnet ist. Offensichtlich wird diese Form sich mindestens ebenso stark von der heutigen unterscheiden wie die heutige von den Raumschiffen auf Illustrationen in Science-Fiction-Werken. Die Grundfrage besteht darin, die Raumumgebung als Faktor anzuerkennen oder zu leugnen, der erstens die Möglichkeit einer qualitativ neuen Form des technischen Transportfunktionierens schafft, zweitens deren konstruktiv-technologische Spezifik bestimmt, einschließlich äußerer Form, und drittens den Grad der Funktionsweise vorgibt – ähnlich wie Windgeschwindigkeit die Geschwindigkeit eines Segelschiffs begrenzt, die Schallmauer die Geschwindigkeit und Höhe eines Propellerflugzeugs festlegt oder das Gelände den Verlauf einer Eisenbahnstrecke bestimmt. Als Basis dienten die Änderungen in der Transporttechnik bei veränderter Funktionsumgebung unter irdischen Bedingungen. Das Ausmaß des qualitativen Unterschieds der Raumumgebung lässt sich in dieser Hinsicht schwerer vorstellen. Bisher beschreiben wir sie auf der Grundlage von Vorstellungen über irdische Technik sowohl im Transport- als auch im technologischen Bereich.

Die Erschöpfbarkeit der materiellen Umgebung, in der Technik funktioniert, zeigt sich nicht nur in der Begrenzung technischer Prinzipien (qualitativ), sondern auch in der Begrenztheit der Anzahl bestimmter Umweltelemente (z. B. Länge der Küstenlinie im Schiffsverkehr, Anzahl der Sonnentage und ebener Flächen in der Luftfahrt usw.). Dementsprechend erfolgt die technologische Überwindung dieser Erschöpfbarkeit nicht nur durch die Entwicklung neuer Prinzipien (wie etwa Luftkissenfahrzeuge zur Überwindung von Straßenlosigkeit), sondern auch durch künstliche Kompensation fehlender Elemente. So wurde bis Anfang der 1960er Jahre die materielle und technische Versorgung einiger nördlicher Regionen Sibiriens nahezu vollständig über die Nordseeroute mit anschließender Umladung auf Flüsse nach Süden organisiert. Danach gewann der günstigere Transport über Flüsse von Süden nach Norden mit vorheriger Anlieferung der Güter auf dem Landweg bis zum schiffbaren Flussabschnitt an Bedeutung. Die intensive Erschließung der nördlichen und östlichen Gebiete machte jedoch eine Rückkehr zum erweiterten Seetransport erforderlich, der unbedingt mit umfangreichen wasserbaulichen Maßnahmen zur Erweiterung des Flussverkehrs (Flussbettvertiefung, Stauseeanlagen) einhergehen musste, da die natürliche Durchsatzkapazität der Flüsse bereits unzureichend war.

Die Gesetzmäßigkeiten des strukturell-materiellen Einheitsprinzips bestimmen die Ähnlichkeit technischer Mittel mit bestimmten natürlichen Phänomenen, einschließlich lebender Systeme, die in Bezug auf das Substrat ihrer Funktionsumgebung den technischen Mitteln ähnlich sind. Aus dieser Perspektive kann der alte Streit überwunden werden, ob eine Säge eine Nachahmung eines Kiefers, ein Meißel eines Zahns oder ein Bohrer eines Fingers ist. Hier zeigt sich eine objektive Ähnlichkeit, bestimmt durch die Gesetzmäßigkeiten des strukturell-materiellen Einheitsprinzips dieser und anderer Phänomene, die nicht immer wahrgenommen oder dokumentiert wird. Der Mensch imitiert die Natur sehr oft unbewusst und entdeckt bereits von der Natur „Geöffnetes“. Mit der Entwicklung der Technik wird diese Ähnlichkeit zunehmend bewusst. Heute ist sie Gegenstand spezieller wissenschaftlicher Untersuchungen, insbesondere der Bionik. Indem der Mensch neue Formen bewegter Materie schafft, erschafft er, imitiert gleichzeitig jedoch auch, reproduziert bereits existierende Konstruktionen. Insgesamt ist das passive Kopieren natürlicher Prozesse in technischen Mitteln wenig effektiv.

Die Einheit von Substrat- und Funktionsbeziehung des Menschen zur natürlichen Umgebung wird gut durch das Beispiel der Ähnlichkeit der materiell-technischen Entwicklung weit voneinander entfernter Völker und häufig auftretender Fälle paralleler Entdeckungen und Erfindungen illustriert. All dies erlaubt den Schluss, dass selbst die Entstehung erster Werkzeuge und erster Entdeckungen nicht aus der extremen Perspektive von Mono- oder Polyzentrismus bewertet werden kann. Der weltweite technische Fortschritt gibt keinen Anlass zu nationalistischem Egoismus; er ist ein Erbe der gesamten Menschheit.

Die Erschöpfbarkeit des Substrats der Technik beschränkt sich nicht auf die Nutzung einzelner Objekte und Prozesse; sie zeigt sich auch in der Begrenztheit der entsprechenden Materiezustände in der natürlichen Umwelt. Prinzipiell kann von der konkret-historischen Menge des Substrats der Technik als begrenzter Gesamtheit der verwendeten Objekte und Prozesse in dem für den Menschen zugänglichen Teil der Natur gesprochen werden. Die Entwicklung der Technik wird durch das Zusammenspiel beider Formen der Unerschöpflichkeit ihres Substrats beeinflusst. So war der Ersatz von Dampf durch Elektrizität vor allem auf die Erreichung der Grenzen der Arbeitseigenschaften des Dampfes innerhalb bestimmter Strukturen zurückzuführen, nicht auf die Begrenztheit von Brennstoff- oder Wasservorräten. In neuen Strukturen, die auf der Basis neuer Materialien möglich sind, erreicht die Nutzung von Dampf eine höhere Stufe durch Steigerung seiner Parameter (Temperatur, Druck). Hier greifen jedoch die Einschränkungen seitens des Brennstoffs: Entfernung von Verbrauchern, Vorratsbegrenzung, ökologische Mängel, technologische Komplexität der Verarbeitung. Auf verschiedenen Entwicklungsstufen spielen unterschiedliche Faktoren die entscheidende Rolle. Im 18. Jh. gehörte Russland aufgrund außerordentlich günstiger Bedingungen für die Gewinnung von Holzkohle und der unmittelbaren Nähe zu Eisenerzvorkommen (daher das traurige Schicksal der Ural-Birke) im Bereich der Metallurgie zu den führenden Ländern, wurde jedoch mit der breiten Einführung von Steinkohle in England zur Eisenproduktion zurückgeworfen. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, dass fortschrittlichere Produktionsmethoden größere Möglichkeiten bei der Erschließung der natürlichen Umgebung bieten.

Da das menschliche Leben an eine begrenzte natürliche Umgebung gebunden ist, kann nicht alles, was über das verwendete Elementarspektrum hinausgeht, zur Einheit und Wechselwirkung von Gesellschaft und Natur gezählt werden. Elemente der natürlichen Umwelt werden erst auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung der produktiven Kräfte zu Ressourcen, wenn ein Bedarf entsteht und die Fähigkeit vorhanden ist, sie zu nutzen. Dem Menschen stehen stets bestimmte natürliche Lebens- und Arbeitsmittel zur Verfügung, die weder ohne Berücksichtigung der Möglichkeit ihrer Erschöpfung verbraucht noch aufgrund objektiv steigender Bedürfnisse konserviert werden können.

Die These von der vernachlässigbaren Auswirkung der Urgesellschaft auf die Natur ist inkorrekt, da sie auf einem Vergleich der heutigen natürlichen Umwelt mit den produktiven Kräften des Urmenschen beruht. Eine solche Gegenüberstellung müsste logischerweise nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Zukunft ausgedehnt werden, in der heutige Eingriffe in die Natur gering erscheinen und die Ressourcen der Natur unerschöpflich wären. Somit erscheinen die Auswirkungen menschlicher Tätigkeit auf die Natur retrospektiv auf null reduziert und perspektivisch unendlich erweitert. Bezogen auf die „Natur überhaupt“ ist dies zutreffend. Die menschliche Aktivität bezieht sich jedoch auf eine konkret-historische natürliche Umgebung, die proportional zu seiner produktiven Macht ist. So kann die wirtschaftliche Bedeutung des Weltmeers für den Urmenschen mit der des fernen Weltraums für den modernen Menschen verglichen werden; die Ressourcen Amerikas und Australiens für das frühfeudale Europa waren kaum zugänglicher als die Ressourcen des Mondes heute, die in ihrer Zugänglichkeit noch wenig von den Tiefsee-Ressourcen abweichen. Erst aus der Perspektive des modernen materiell-technischen Entwicklungsstandes kann von der Unerschöpflichkeit der Fusionsenergiequellen und ihrer vollständigen Deckung menschlicher Bedürfnisse gesprochen werden. Aus historisch-weiter Perspektive ist es jedoch kaum gerechtfertigt zu behaupten, dass mit der Nutzung der Kernfusion „die Sorge um Brennstoff praktisch für immer entfällt“. Es muss die Tendenz berücksichtigt werden, dass nicht nur die Energieausstattung der Gesellschaft, sondern auch der Energiebedarf ihrer Aktivitäten zunimmt.

Die Kurven des Wachstums der Energiemengen und des Energieverbrauchs stimmen im gesamten Verlauf der Menschheitsgeschichte weitgehend überein, und es gibt bisher keine Anzeichen für eine zukünftige Divergenz. Die Menschheit strebt nach einer immer umfassenderen Nutzung der in der natürlichen Umwelt vorhandenen Ressourcen und sieht sich ständig vor die Notwendigkeit gestellt, diese auf einer tieferen Ebene zu erschließen, wodurch sich neue Möglichkeiten zur Nutzung der Natur eröffnen. Folglich ist die Erschöpfbarkeit der natürlichen Umwelt eine objektive Voraussetzung für die Entstehung gesellschaftlicher Bedürfnisse und die treibende Kraft der Entwicklung der produktiven Kräfte. Indem der Mensch die natürliche Umwelt erschöpft, schafft er einen Anreiz für weitere Fortschritte im Bereich der materiell-technischen Entwicklung. Umgekehrt ist die Übergang zur tiefergehenden und erweiterten Erschließung der Natur eine objektive Voraussetzung für die Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse und eine notwendige Bedingung für die Entwicklung der produktiven Kräfte.

Der Mensch bewegt sich ständig vom passiven Konsum der Mittel des Lebens und der Arbeit zur aktiven Produktion derselben, von der extensiven Nutzung der natürlichen Umgebung hin zur intensiven Nutzung. Doch wie groß auch immer die transformatorischen Möglichkeiten des Menschen sein mögen, er wird stets ein bestimmtes Substrat verbrauchen, das in der Natur in fertiger Form existiert und dort lokalisiert ist. Es findet immer eine Suche statt, wobei sich die Form der Auffindung und Nutzung einzelner Naturelemente ändern kann, doch die Essenz der Interaktion der Gesellschaft mit der Natur bleibt unverändert. Die Natur ist auf jeder konkret-historischen Stufe ihrer Verarbeitung durch den Menschen erschöpfbar.

Im Prozess der Interaktion von Gesellschaft und Natur bleibt stets die Tendenz bestehen, die Ressourcen der natürlichen Umwelt vollständig zu erschöpfen, wobei diese Vollständigkeit konkret-historisch und durch technologische Möglichkeiten bestimmt ist. Je enger und begrenzter der Bereich der Ressourcennutzung, desto schneller werden ihre natürlichen Bestände erschöpft. Sammeln, nomadische Viehzucht, Landwirtschaft – alle Formen der Lebensgrundlage erforderten die Erschließung neuer Räume. Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Kultur und die Entwicklung der Industrie haben einerseits diese Bewegung nach außen verlangsamt, andererseits aber den Naturverbrauch intensiviert. Doch ebenso wie die tiefere Nutzung bestehenden Materials neue Materialien erfordert, bedarf der Übergang zu einer intensiveren Nutzung der Natur zugleich deren Erweiterung, einschließlich der Erschließung neuer Räume. Die moderne materiell-technische Entwicklung Russlands ist durch das Bestreben gekennzeichnet, den Prozess der industriellen Erschließung der nördlichen und östlichen Regionen zu beschleunigen.

Die Dynamik der Naturerschließung macht den Inhalt von sesshaftem und nomadischem Lebensstil historisch relativ (wir beschränken uns auf den produktiven Aspekt dieser Frage). Grundsätzlich kann die Menschheit nicht zu vollständiger und endgültiger Sesshaftigkeit übergehen; sie bewegt sich von einer historischen Form der Sesshaftigkeit zur anderen. Ebenso ändern sich die Formen des Nomadentums, aber entscheidend ist, dass auf jeder konkreten Stufe der materiell-technischen Entwicklung der Mensch einen bestimmten Teil der Natur erschöpft und zur Nutzung eines neuen übergeht. Verlassene Minen und Bohrlöcher sind ein deutliches Zeugnis dafür. Zwar ermöglicht der Transport den Menschen heute, ihren festen Wohnsitz nicht verlassen zu müssen. Von großer Bedeutung ist die im Rahmen der Erschließung sibirischer Öl- und Gasvorkommen angewandte Schichtarbeit, die auf der Einrichtung sogenannter Schichtsiedlungen und sogar Städte basiert, in denen die Bewohner nur während der Arbeitswoche oder über einen längeren Zeitraum verweilen und anschließend nach Hunderten Kilometern Entfernung wieder nach Hause fliegen. Es wird angenommen, dass solche Städte „umziehen“, wenn die Vorkommen erschöpft sind, etwa alle 20–30 Jahre. Gleichzeitig geht die moderne Erschließung neuer Gebiete mit zahlreichen technischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen einher, die theoretisch noch nicht hinreichend erforscht sind. Die Schichtarbeit ist eng verbunden mit der Erschließung der Antarktis und des Weltraums.

Da die Ausweitung des gesamten technischen Komplexes zwangsläufig auch eine räumliche Ausdehnung erfordert, wird das Problem der Erschöpfbarkeit der Transportmöglichkeiten im weitesten Sinne zunehmend dringlicher, angefangen bei der Durchsatzkapazität von Rohrleitungen und Stromleitungen, Tankerkapazitäten und Sitzplätzen von Flugzeugen bis hin zu vorrangig den Transportproblemen bei der Erschließung des Ozeanbodens, tiefer Lagen des Festlands und insbesondere des Weltraums. Die Entwicklung des Transports stellt ein ebenso eigenständiges und krisenanfälliges Problem dar wie die Frage der Energieversorgung, mineralischer und sonstiger Rohstoffe oder der Zulässigkeit von Umweltverschmutzung. Die natürliche Umwelt ist nicht nur hinsichtlich der Rohstoffreserven erschöpfbar, sondern auch in Bezug auf die Durchsatzkapazität für jede konkrete Transportform. Insbesondere die Entwicklung leistungsfähiger Energieanlagen ist mit natürlichen Grenzen für die Energiedichte verbunden. Wie der Akademiker P. L. Kapiza feststellte: „Diese Einschränkungen werden häufig nicht berücksichtigt, was zu Investitionen in Projekte führt, die von vornherein aussichtslos sind.“ In gewissem Sinne bildet das Transportproblem von Energie den Kern der Probleme der menschlichen Energieversorgung. Es geht dabei nicht um die begrenzte Anzahl von Energiequellen an sich, denn solche Quellen gibt es in der Natur unzählig. Das Problem besteht darin, diese Energie „abzugreifen“ – sei es aus fallendem Wasser, Wind, Sonne, Erdwärme oder Kernfusion – und zum Verbraucher zu bringen. Die Relevanz dieses Problems steigt mit der Zunahme der Einzelkapazität von Kraftwerken.

Ähnlich wie Material, das bei Nutzung auf der Basis einzelner technologischer und konstruktiver Prinzipien erschöpfbar, in der Gesamtheit des technischen Systems jedoch unerschöpflich ist, ist die natürliche Umwelt für einzelne konkrete Tätigkeitsformen erschöpfbar, für den allgemeinen Prozess materiell-technischer Entwicklung jedoch unerschöpflich. Wie sehr auch immer über die Begrenztheit bestimmter Ressourcen und die Notwendigkeit ihres sparsamen Einsatzes gesprochen wird, wir erschöpfen diese Ressourcen stets in jeder konkreten Form ihrer Verfügbarkeit. Derzeit können wir schlichtweg nicht wissen, ob ein bestimmter Rohstoff in naher Zukunft lebensnotwendig sein wird; dies wird durch die Entwicklung des gesamten materiell-technischen Komplexes bestimmt. Heute entfallen die überwiegende Mehrheit der weltweit genutzten Energie auf Öl und Gas, während die globalen Ölvorräte für nachhaltige Entwicklung katastrophal unzureichend sind. Selbst wenn die nachgewiesenen Vorräte durch die Erschließung des Kontinentalschelfs – dessen Fläche der Afrikas entspricht – erheblich vergrößert würden, bleibt die historische Perspektive der Versorgung der Gesellschaft mit Öl eng. Selbst wenn festgestellt würde, dass Öl anorganischen Ursprungs ist und sich seine Vorräte kontinuierlich reproduzieren, ist eine wesentliche Ausweitung der Versorgung kaum zu erwarten.

Die quantitative Unerschöpflichkeit einzelner Elemente der natürlichen Umwelt garantiert ebenfalls nicht die unbegrenzte technische Entwicklung, sie bremst die qualitative Veränderung des technischen Systems. Darüber hinaus erfordert die unbegrenzte Nutzung eines unerschöpflichen Elements notwendigerweise die Unerschöpflichkeit anderer, was schlicht unmöglich ist. Letztlich hemmen Erschöpfbarkeit und Unerschöpflichkeit einzelner Ressourcen gleichermaßen die materiell-technische Entwicklung. Das Konzept der Gunst der natürlichen Bedingungen ist generell variabel.

Die Entwicklung der modernen Technik geht zunehmend einher mit der Zunahme der Leistungsstärke der gegenläufigen stofflich-energetischen Austauschströme zwischen Gesellschaft und Natur. Substratmäßig sind diese Ströme äquivalent, abgesehen davon, dass der Strom von der Gesellschaft aus eine größere Entropie aufweist, funktional jedoch entgegengesetzt ist – aus der natürlichen Umgebung wird ein Substrat mit nützlichen Eigenschaften entnommen, während Abfälle zurückgeführt werden, also ein Substrat, das mit negativer Funktionalität „geladen“ ist.

Die quantitativ und qualitativ bestimmte Fähigkeit der natürlichen Umgebung, zerstörerische Einwirkungen auf die systemische Integrität ihrer Elemente zu neutralisieren oder abzumildern, kann als spezifische Ressource betrachtet werden, deren historische Begrenztheit und Erschöpfbarkeit sich prinzipiell nicht von der Begrenztheit und Erschöpfbarkeit von Rohstoffen und anderen Ressourcen der natürlichen Umwelt unterscheidet. So verteilt die Erdatmosphäre Wärme relativ schnell, doch suspendierte Partikel werden nur langsam abgebaut (qualitative Grenzen); die quantitativen Grenzen ergeben sich aus der Masse der Atmosphäre, insbesondere begrenzt der zulässige Energieverbrauch, der keine globalen Folgen nach sich zieht, die Nutzung von maximal 20 kW pro Kopf der modernen Bevölkerung.

Die Erschöpfbarkeit der konkret-historischen natürlichen Umwelt zeigt sich am Ein- und Ausgang des technischen Systems und bedingt eine ständige Tendenz zur kritischen Spannung des Gleichgewichts zwischen Gesellschaft und Natur: am Eingang – in Form der Erschöpfung von Ressourcen, die die systemische Integrität der Technik zerstören; am Ausgang – in Form technogener Verschmutzung, die die systemische Integrität der Elemente der natürlichen Umgebung beeinträchtigt.

Folglich muss eine wissenschaftliche Betrachtung der Interaktion von Gesellschaft und Natur vom widersprüchlichen Einheit von Endlichkeit und Unendlichkeit der Natur in Bezug auf den Menschen ausgehen, die in diesem Zusammenhang nicht als Natur im Allgemeinen betrachtet werden kann. Dieser Begriff muss als konkret-historische Kategorie verwendet werden, die den Stand der materiell-technischen Entwicklung widerspiegelt. Der Bereich der Interaktion von Gesellschaft und Natur sowie Art und Umfang der Nutzung natürlicher Phänomene durch den Menschen sind historisch begrenzt. Im Prozess der Produktionsaktivität interagieren die Menschen auf jeder konkreten Entwicklungsstufe der Gesellschaft mit der Natur als einem endlichen Komplex äußerer materieller Bedingungen, die in fertiger Form existieren und dem Menschen als Quelle von Arbeitsgegenständen und Gesamtheit der Faktoren gegeben sind, die die Art ihrer Nutzung bestimmen und die substratmäßige Basis der materiell-technischen Infrastruktur der Gesellschaft bilden.

Die Unbegrenztheit der technischen Entwicklung folgt nicht automatisch aus der Unendlichkeit oder Unerschöpflichkeit der Materie. Die Entwicklung der Technik ist ein widersprüchlicher Prozess, der innerhalb der konkret-historischen Formen materieller Einheit von Gesellschaft und Natur abläuft. Die Unbegrenztheit des technischen Fortschritts folgt ebenso sehr aus der Unerschöpflichkeit der Natur, wie die Unerschöpflichkeit der Natur als Umwelt aus der Unbegrenztheit des technischen Fortschritts folgt. Die Unendlichkeit der materiellen Faktoren menschlicher Lebensaktivität existiert nur als Möglichkeit und wird in der Praxis realisiert.

Die Erde erschien stets endlich, begrenzt durch Ketten von Bergen, Küstenlinien oder andere Grenzen, hinter denen sich das Unendliche erstreckte. Heute ist dieses Unendliche der Kosmos. Doch auch der Kosmos ist in seiner heutigen konkreten Gegebenheit für die Menschheit eine ebenso endliche Umwelt wie der Weltmeer, der früher grenzenlos schien. Wie früher die einfache Fortbewegung nicht ausreichte, um die Kugelgestalt der Erde und ihre Endlichkeit oder Unendlichkeit zu bestätigen oder zu widerlegen, lässt sich wohl auch die Bestimmtheit der kosmischen Umwelt nicht allein mit modernen technischen Mitteln klären.

Die Untersuchung der Natur in ihrer Funktion als Umwelt, als endlicher Komplex von Faktoren der materiell-technischen Entwicklung der Gesellschaft, darf nicht in die andere Extreme führen – die Betrachtung der Natur als ein erstarrtes, ewiges, unveränderliches und deshalb erschöpfbares System. Die Grenzen der natürlichen Umwelt sind beweglich, und potenziell stützt sich der Mensch im Prozess seiner Tätigkeit auf die gesamte unendliche Vielfalt objektiver Realität, die unerschöpfliche Natur.

Der Zugang zur Umwelt muss unter Berücksichtigung der widersprüchlichen Einheit von Erschöpfbarkeit und Unerschöpflichkeit erfolgen. Die Frage nach der Erschöpfbarkeit der natürlichen Umwelt war stets eine praktische Frage von Leben und Tod des Menschen, und erst das Fehlen oder die unzureichende Entwicklung der Wissenschaft verhinderte bis vor Kurzem, diese Frage theoretisch zu stellen. Die Endlichkeit, die Erschöpfbarkeit der natürlichen Umwelt ist sowohl absolut als auch relativ zu verstehen, als Ausdruck der widersprüchlichen Einheit von Endlichem und Unendlichem in der Natur und in der Entwicklung der Gesellschaft. Die Gesellschaft „verarbeitet“ schließlich die gesamte verfügbare Natur und muss, um nicht zu überleben, über deren Grenzen hinausgehen, neue Existenzquellen finden und die Grenzen der Umwelt erweitern. Vermutlich hören Zivilisationen, die auf natürliche Weise sterben, genau deshalb auf zu existieren, weil sie dazu nicht in der Lage sind. Nach der Annahme von J. Dorst starben zum Beispiel die alten Zivilisationen Amerikas infolge der Erschöpfung der Böden.

Die Frage der Endlichkeit oder Unendlichkeit der natürlichen Umwelt wird manchmal auch kompromissweise gelöst. Es wird angenommen, dass vor dem Beginn der industriellen Phase der menschlichen Entwicklung das Problem der Interaktion mit der Natur räumlich begrenzt war und durch die Herstellung eines Gleichgewichts auf neuer qualitativer Ebene gelöst wurde, während gegenwärtig ähnliche Probleme zu einer Krise führen, da sie globalen Umfang annehmen. Das „gleitende“ Gleichgewicht zwischen Natur und Gesellschaft, das in der vorindustriellen Entwicklungsphase von einer Ebene zur anderen überging, hat heute, da der Einfluss des Menschen auf die Natur seine Potenz erreicht hat und die Natur auf einem bestimmten konstanten Niveau in den Bereich menschlicher Tätigkeit einbezogen wurde, seinen Grenzzustand erreicht.

Die Praxis zeigt, dass die Grenzen dieses relativ konstanten Niveaus in der Natur durch die Gesamtheit der irdischen Lebensbedingungen des Menschen bestimmt werden. Die planetarische Dimension menschlicher Aktivitäten im modernen materiell-technischen Entwicklungsstand erstreckt sich jedoch nur auf bestimmte Aspekte der Interaktion mit der Natur, nicht auf deren Gesamtheit. Daher kann von einem globalen Grenzwert der Gesellschaft bei der Beeinflussung der natürlichen Umwelt nur im streng definierten Sinne gesprochen werden (Veränderungen in Wasser- und Lufthülle, Flora und Fauna). Selbst hier haben konkrete Störungen des natürlichen Entwicklungsprozesses meist regionalen Charakter. Viele irdische (unter- und oberirdische) Lebensfaktoren bleiben außerhalb menschlicher Aktivität. Bei der Bestimmung von Art und Umfang der Interaktion von Gesellschaft und Natur ist die Dialektik des Begriffs „irdische Bedingungen“ zu berücksichtigen.

Das Verständnis der heutigen Stufe der menschlichen Verarbeitung der Umwelt als kritischer Schwelle im gesamtgeschichtlichen Prozess der Interaktion von Gesellschaft und Natur wird erschwert durch die Tatsache, dass die Entwicklung der produktiven Kräfte gleichermaßen eine Ausweitung der Umwelt „vor“ und „nach“ der Erreichung der Grenzen des Komplexes irdischer Faktoren ermöglicht. Zudem ist der Grad der materiell-technischen Ausstattung, der für die Erschließung selbst oberflächlicher Erdregionen notwendig ist, durchaus vergleichbar mit der materiell-technischen Basis für die Erschließung des Weltraums. Auch das Konzept der Globalität menschlicher Eingriffe in die Natur ist historisch. Unter Globalität eines Prozesses ist seine wesentliche Bedeutung für die gesamte Menschheit zu verstehen; analog ist bei der Globalität des Einflusses auf die natürliche Umwelt zunächst deren sozial-historischer Gehalt, nicht die geografische Dimension entscheidend. Globalität bedeutet hier die Erreichung der Grenzen des konkret-historischen Komplexes natürlicher Faktoren der gesellschaftlichen Entwicklung. So war etwa der Ausbruch des Vulkans Kaimeni im Ägäischen Meer, des stärksten Vulkanausbruchs der Erde seit dem Ende der letzten Eiszeit (ca. 1470 v. Chr.), eine globale Katastrophe für die minoische Zivilisation Kretas, aber nicht mehr als eine ferne Blitzerscheinung am Horizont für die alten Ägypter. Die Grenzen der Globalität verschieben sich mit der Ausbreitung der Menschheit und der Erweiterung ihres Lebensraums. Die Globalität der Zukunft kann nicht auf die Erde begrenzt bleiben. Doch bislang wurde die Erde noch nicht durchleuchtet wie der Brustkorb mittels Röntgenstrahlen.

Insgesamt steht die Menschheit an der Schwelle zu einer neuen Phase der Erschließung der sie umgebenden Welt. Die Tatsache, dass sie in bestimmten Aspekten ihrer Interaktion mit der Natur innerhalb der Erdoberfläche einen kritischen Grenzwert erreicht hat, verleiht dem bevorstehenden Sprung eine besondere Stellung im einheitlichen Prozess der Erweiterung des gesellschaftlichen Einflussbereichs auf die Welt. Anschaulich lässt sich die derzeitige Situation im Bereich der Interaktion von Gesellschaft und Natur mit der Situation im Flugzeugbau vergleichen, als auf dem Weg zur Erhöhung der Geschwindigkeit die unsichtbare Barriere des Schallpegels auftauchte, die erst durch den Einsatz des Strahltriebwerks überwunden werden konnte. Ebenso tritt im globalen Zusammenspiel von Gesellschaft und Natur auf die eine Technologie eine andere, die es ermöglicht, die nächste Hürde im materiell-technischen Fortschritt der Gesellschaft zu überwinden.

Die Analyse der Interaktion von Gesellschaft und Natur zeigt, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt die Vertiefung und Erweiterung der materiellen Einheit von Gesellschaft und Natur bedingt. Ihre revolutionären Phasen bedeuten einen sprungartigen Übergang der Gesellschaft von den Grenzen eines erschöpfbaren Komplexes natürlicher Bedingungen zu einem anderen, breiteren, und jedem Niveau materiell-technischer Entwicklung sind spezifische Probleme der Interaktion von Gesellschaft und Natur eigen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 20/09/2025