Geschichte der Philosophie
Philosophie der Epoche der Renaissance
Jakob Böhme
Jakob Böhme (1575–1624) war von bäuerlicher Herkunft, Schuster von Beruf und Philosoph von Berufung. Schon als Kind zeigte er eine Neigung zu Träumerei, zur Selbstversenkung, zur Vermischung von Fantasie und Realität und manifestierte ein gesteigertes Interesse an philosophisch-religiösen Fragen. Tiefe des Gefühls und Glut der Fantasie sind die Hauptmerkmale Böhmes; sein Denken zeichnete sich durch einen bildhaften Charakter aus. In seiner Philosophie schimmert eine helle philosophische Begabung durch. Georg Wilhelm Friedrich Hegel sah in Böhme eine geniale Natur und verglich ihn mit dem schönen Geist aus William Shakespeares „Sturm“; Ludwig Feuerbach bemerkte in seiner „Geschichte der Philosophie“, dass die „Aurora“ das interessanteste und wichtigste von Böhmes Schriften sei. Einmal, als er in seinem Zimmer saß, sah er plötzlich eine helle Spiegelung der Sonne auf einem Zinnteller. Dieses Schauspiel traf ihn: In diesem Augenblick enthüllte sich ihm der geheimnisvolle Sinn des Seins. Nach einigen Jahren verspürte er erneut eine innere Erleuchtung; er verspürte den Wunsch, seine religiösen Erlebnisse in ein gewisses System zu bringen – in erster Linie für sich selbst. So entstand das Buch „Aurora“. Böhme schrieb es nur für sich, aber ein Adliger interessierte sich dafür und ließ es abschreiben. Das Buch wurde bekannt und Böhme berühmt.
Böhmes System formte sich unter dem Einfluss der zeitgenössischen philosophisch-religiösen Strömungen. Obwohl er Autodidakt war, ermöglichten ihm seine ungewöhnliche Klugheit und seine große Lebenserfahrung, die verbreiteten Ideen seiner Zeit zu nutzen. Der Hauptanreiz seines philosophischen Schaffens war, wie auch bei Augustinus, das Problem des Bösen. Er findet die Lösung des Rätsels des Bösen darin, dass alles zu seiner Manifestation eines Kontrastes bedarf, jedes „Ja“ sein „Nein“ braucht: Ohne Gegensätzlichkeit offenbart sich nichts; kein Bild erscheint im Spiegel, wenn eine Seite des Spiegels nicht dunkel ist. Somit ist der Widerspruch die Offenbarung der Gleichheit. Das Nichts ist das Verlangen nach einem Etwas. Aber woher entstehen der Kampf und die Zwiespältigkeit im Menschen? Aus dem Trieb, der Leidenschaft. Nach Böhme ist der Trieb der Verlust von Freiheit und Einheit. Es ist ein Verlangen nach etwas, das nicht nahe ist, das vielleicht nur Gegenstand der Vorstellung ist. Aber der Trieb will gerade, dass es sei, er will haben, besitzen, genießen. Nach Böhme gilt: „Solange ich nichts begehre, bin ich im Zustand des Friedens, der Freiheit und der Gleichheit, aber ich habe auch keine Qualitäten, ich bin ein Nichts! Erst im Begehren erhalte ich Eigenschaften, werde ich zu einer bestimmten Essenz – einem gierigen, durstigen, weiberliebenden, ehrgeizigen und selbstsüchtigen Selbst, d.h. zu einem Etwas.“ Jede Offenbarung ist eine Gegenüberstellung. Sie verwirklicht sich in einem dreifachen Akt: dem elementaren Willen „jenseits von Gut und Böse“; der Erleuchtung des Willens durch die Vernunft, die ihm das Streben nach einem bestimmten Guten mitteilt – das göttliche Prinzip; und der wirksamen Synthese von Wille und Vernunft – in der Kraft des Heiligen Geistes. Im zeitlichen Prozess der Geschichte findet der Kampf des Guten gegen das Böse statt, was die Ankunft des Erlösers Christus vorbereitet. Es darf aber nicht so verstanden werden, als sei das Göttliche von der Natur getrennt; nein, sondern sie sind wie Körper und Seele: Die Natur ist der Körper, Gottes Herz ist die Seele. Wie wir beim Anzünden eines Feuers zwei Essenzen verstehen – eine im Feuer und die andere im Licht – und somit zwei Prinzipien, so müssen wir auch Gott verstehen. Der Mensch ist frei, und durch seinen eigenen glühenden Glauben und Gebet schafft er sich die Möglichkeit zur Erlösung. Und mit deren Erlangung beginnt der wirksame Sieg über das Böse. Das Ende der Geschichte in Böhmes Eschatologie wird als ein Bild des völligen Glücks der Völker und der Rechtfertigung des Guten dargestellt.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/10/2025