Verhältnis von positivem wissenschaftlichen und philosophischen Wissen - Wissenschaft und Philosophie im System der menschlichen Kultur - Allgemeine Probleme der Wissenschaftsphilosophie
Geschichte und Philosophie Der Wissenschaft - Philosophie der Wissenschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Allgemeine Probleme der Wissenschaftsphilosophie

Wissenschaft und Philosophie im System der menschlichen Kultur

Verhältnis von positivem wissenschaftlichen und philosophischen Wissen

Der Mensch verfügt über vielfältiges Wissen, doch längst nicht alles ist wissenschaftlich. Zum Beispiel gehört eine riesige Menge alltäglicher Kenntnisse, ohne die unser tägliches Leben undenkbar wäre – über die Zubereitung von Speisen, den Haushalt, den Umgang mit elektrischen Geräten, städtische Verkehrswege, die Lage von Geschäften, Telefonnummern von Freunden usw. – nicht zur Sphäre wissenschaftlichen Wissens. Worin unterscheidet sich also wissenschaftliches Wissen von anderen Wissensformen? Seine wichtigsten Merkmale sind:

  1. Rationalität aller Aussagen und Schlussfolgerungen. Wissenschaft ist ein Kind der menschlichen Vernunft, und wissenschaftliches Wissen kann nichts enthalten, das dem menschlichen Verständnis unzugänglich ist, nichts Magisches, Unerklärbares oder Unbegründetes, das lediglich auf Glauben, Emotionen oder Instinkten beruht.
  2. Objektivität, Allgemeingültigkeit und Unpersönlichkeit. Wissenschaftliches Wissen muss objektive Wahrheit in möglichst von persönlichen Sympathien, Antipathien, Überzeugungen oder Vorurteilen gereinigter Form ausdrücken.
  3. Reproduzierbarkeit und Überprüfbarkeit. Jeder Forscher muss in der Lage sein, die Wahrheit eines wissenschaftlichen Ergebnisses zu bestätigen oder es zu verwerfen, wenn er die Bedingungen, unter denen es erzielt wurde, reproduziert.
  4. Logische Strenge, Genauigkeit und Eindeutigkeit. Dies wird durch die Festlegung der Wissensbedingungen, die Bestimmung präziser (innerhalb zulässiger Toleranzintervalle) quantitativer Werte der untersuchten Parameter sowie die Verwendung einer Fachsprache mit klar definierten Begriffen, Symbolen und Regeln sichergestellt. So werden Mehrdeutigkeiten und Unbestimmtheiten natürlicher Sprachen vermieden.
  5. Logische Kohärenz der Elemente wissenschaftlichen Wissens. Wissenschaftliches Wissen ist nicht die Summe isolierter Fakten, sondern ein logisch geordnetes System. Kohärenz und Einheit bestehen sowohl innerhalb einzelner Disziplinen als auch zwischen ihnen.

Diese Merkmale verleihen wissenschaftlichem Wissen besondere Zuverlässigkeit. Es ist verlässlicher als jede andere Wissensform. Gleichwohl besitzen tatsächlich durch Wissenschaft gewonnenes Wissen nicht immer alle genannten Eigenschaften vollständig. Sie beschreiben jedoch den Idealzustand wissenschaftlicher Erkenntnis. Fehler und Irrtümer sind möglich, doch Wissenschaftler streben an, diese im Lichte dieser Ideale zu korrigieren.

Nicht alles wahre Wissen ist wissenschaftlich. Fehlen die genannten Merkmale, kann Wissen selbst dann nicht als wissenschaftlich gelten, wenn es wahr ist. Ein Beispiel: 1849 prophezeite eine Wahrsagerin dem künftigen deutschen Kaiser Wilhelm I., damals noch preußischer Prinz, dass er 1871 Kaiser werden würde. Ihre Erklärung: 1849 + (1 + 8 + 4 + 9) = 1871. Auf die Frage des Prinzen, wie lange er herrschen werde, antwortete sie: bis 1888, denn 1871 + (1 + 8 + 7 + 1) = 1888. Die Vorhersagen trafen ein. Dennoch hat die Wahrsagerei nichts mit Wissenschaft zu tun, da sie unerklärlich und unbegründet bleibt. Warum sollten gerade ihre arithmetischen Rechnungen bei Wilhelm zutreffen, während dieselbe Methode bei anderen Herrschern nichts Reales liefert?

Wissenschaft kann kein Wissen aufnehmen, das logisch nicht mit bestehenden Theorien verknüpft ist und dessen Entstehung unbekannt bleibt. Die „erfüllte“ Prophezeiung der Wahrsagerin könnte nur ein seltenes Zufallsergebnis sein. Andere Erklärungen sind möglich.

Jede Welterkenntnis erfolgt in einer historischen Epoche innerhalb eines Systems von Kategorien, die die Welt strukturieren und ihre Objekte synthetisieren. In den Naturwissenschaften sind diese Kategorien meist auf den Gegenstand der jeweiligen Disziplin beschränkt. Philosophische Kategorien hingegen sind universell, werden jedoch auf spezielle Wissensbereiche angewandt, indem sie in ein System von Aussagen transformiert werden, das auf den spezifischen Gegenstand der jeweiligen Wissenschaft zugeschnitten ist. Beispiel: Newtons Mechanik basiert auf den Begriffen „Masse“, „Kraft“ und „Beschleunigung“, hinter denen bestimmte Vorstellungen von Materie, Raum, Zeit und Ursache stehen.

Die Entwicklung theoretischen Denkens ist in erster Linie die Entwicklung der Inhalte dieser Kategorien. Gesetze stellen Beziehungen zwischen den Kategorien her und offenbaren gemeinsam das wissenschaftliche Weltbild.

Die bewusste Auseinandersetzung mit philosophischer Kultur ermöglicht Fachleuten, einseitige Sichtweisen auf das Forschungsobjekt zu überwinden. Dies ist besonders wichtig in der modernen Wissenschaft, wo die Naturwissenschaft stark von integrativen Tendenzen beeinflusst wird, z. B. durch die Entstehung der Kybernetik oder durch Versuche, eine allgemeine Theorie der Elementarteilchen, der biologischen Evolution oder der Systeme zu entwickeln. Solche Generalisierungen sind ohne solide philosophische Basis unmöglich.

Die heuristische Funktion philosophischer Erkenntnis zeigte sich besonders deutlich in der Antike. Die spekulative Suche nach natürlichen Grundlagen des Kosmos legte den Grundstein für die Entstehung der Wissenschaft im eigentlichen Sinne. In der Philosophie wurden erstmals theoretische Denkmuster demonstriert, die Verbindungen und Zusammenhänge offenbaren, die über alltägliche Erfahrung und stereotype Denkstrukturen hinausgehen. Antike Ansätze zum Teil-Ganzes-Problem sowie zum Einen und Vielen bestimmten wissenschaftliche Erkenntnisstrategien über Jahrhunderte, wobei spekulative, theoretische Lösungsansätze entwickelt wurden: „Die Welt ist unendlich teilbar“ (Anaxagoras), „Die Welt ist bis zu einem bestimmten Limit teilbar“ (Atomistik von Demokrit und Epikur) und schließlich die für den gesunden Menschenverstand überraschende Lösung „Die Welt ist unteilbar“ (Eleaten). Die antike Atomistik bildete die Grundlage der ersten wissenschaftlichen Weltbilder – der mechanischen, im 17.–18. Jh. formulierten Teilchentheorie, und spielte eine Schlüsselrolle in der konzeptuellen Entwicklung der Chemie, indem sie das Atom als Grundeinheit des Naturelements festigte.

In der modernen Wissenschaft gewinnt die methodologische Problematik an Bedeutung, insbesondere die Analyse des logischen Apparats, der Theoriebildung und der Interaktion von empirischem und theoretischem Wissen. Besonders wichtig ist die Analyse der Grundbegriffe und Axiome. Diese Problematik erfordert die Zusammenarbeit von Philosophen sowie Natur-, Technik-, Mathematik- und Geisteswissenschaftlern.

Die Rolle der Philosophie in der wissenschaftlichen Erkenntnis bemisst sich nicht an Einzelbeobachtungen, sondern an der Entwicklung der Wissenschaft insgesamt. Sie zeigt sich auf der Ebene der Integration wissenschaftlichen Wissens in das Weltbild, bei der Formulierung und Begründung fundamentaler Hypothesen, beim Aufbau von Theorien, bei der Aufdeckung und Lösung innerer Widersprüche, bei der Ergründung zentraler Begriffe, bei der Interpretation neuer grundlegender Fakten und deren Schlussfolgerungen sowie bei der Entwicklung von Forschungsmethoden.

Besonders wichtig ist philosophische Analyse in Krisensituationen, wenn Widersprüche zwischen etablierten Begriffssystemen und neuen Fakten auftreten. Der Ausweg besteht darin, zu den philosophischen Grundlagen der betreffenden Wissenschaft zurückzukehren, denn auf der Ebene philosophischen Wissens werden weltanschauliche Axiome und kategoriale Strukturen formuliert, die eine neue Sicht auf das Forschungsobjekt und den handelnden Subjekt eröffnen.

Die zentrale Aufgabe der Philosophie in der Kultur besteht darin, nicht nur die tiefen Strukturen der menschlichen Wirklichkeit zu verstehen, sondern auch aufzuzeigen, wie sie sein kann und soll. Philosophie liefert Modelle „möglicher“ Welten und eröffnet neue Perspektiven wissenschaftlicher Erkenntnis.

1999 führte die British Broadcasting Corporation (BBC) weltweit eine Befragung durch: Die einzige Frage lautete: „Nennen Sie die bedeutendsten Vertreter der Menschheit in den letzten zweitausend Jahren.“ Das Ergebnis: Mit großem Abstand siegten zwei Persönlichkeiten – Karl Marx und Albert Einstein. Die Menschheit stellt zu diesem Zeitpunkt Wissenschaft und ihre Schöpfer an die Spitze ihrer Wertschätzung.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 20/09/2025