Besonderheiten nicht-klassischer wissenschaftlich-technischer Disziplinen - Grundlegende Konzepte der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Technik - Philosophie der Technologie und der Technischen Wissenschaften
Geschichte und Philosophie Der Wissenschaft - Philosophie der Wissenschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Philosophie der Technologie und der Technischen Wissenschaften

Grundlegende Konzepte der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Technik

Besonderheiten nicht-klassischer wissenschaftlich-technischer Disziplinen

Die Technikwissenschaften stellten in den frühen Stadien ihrer Entwicklung, wie bereits erwähnt, eigenartige „angewandte“ Bereiche der entsprechenden Naturwissenschaften dar, die man als Basiswissenschaften bezeichnen kann. Später entstehen in den Technikwissenschaften eigenständige theoretische Bereiche. Für viele moderne Technikwissenschaften existiert eine einzige Basistheorie nicht.

Moderne wissenschaftlich-technische Forschung wird durch gesellschaftlich gestellte Probleme angeregt und stimuliert; sie ist eher problem- als objektorientiert. Daher hat sie zwangsläufig einen komplexen interdisziplinären Charakter, das heißt, sie erfordert die Beteiligung vieler Disziplinen (mathematisch, technisch, naturwissenschaftlich und sogar geisteswissenschaftlich). Beispiele hierfür sind Fragen der Lebensverlängerung, Stadt- und Straßenbau, Entwicklung neuer Wirtschaftsbereiche, Naturschutz usw. Die Wissenschaft selbst wird zu einem so komplexen, kostspieligen und umfassenden Gebilde, dass keine einzelne Disziplin ihre Probleme isoliert lösen kann. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist der Bau und Betrieb des CERN-Colliders.

Komplexe Technikwissenschaften haben besondere Forschungsobjekte. Moderne Wissenschaft, nicht nur die technische, zeichnet sich durch die Betrachtung des Untersuchungsobjekts im breiten natürlichen und sozialen Kontext als komplexes System aus, das den Menschen einschließt. Daher untersuchen technische Forschungen neben den üblichen technischen und ingenieurmäßigen Geräten – in der Regel komplexer als in der traditionellen Ingenieurwissenschaft – mindestens drei weitere Objekttypen: Mensch-Maschine-Systeme (Computer, Bedienpulte, Halbauomaten etc.), komplexe Technosysteme (z. B. Ingenieurbauten in Städten, Flugzeuge und ihre Wartungssysteme – Flughäfen, Straßen, Wartungstechnik etc.) und schließlich Objekte wie Technologie oder Technosphäre. Im letzteren Fall werden einerseits die Gesetzmäßigkeiten der Schaffung technischer Systeme und Bauwerke sowie ihre Eigenschaften untersucht, andererseits die Gesetzmäßigkeiten und Besonderheiten des Funktionierens des gesamten Bereichs technischer Systeme und Bauwerke, die in einer bestimmten Region, sozialen System oder Kultur agieren.

Da die moderne Technikwissenschaft durch einzigartige, komplexe Probleme angeregt wird, die in Objekten mit menschlicher Beteiligung entstehen, ist reales Modellieren und Experimentieren praktisch unmöglich. Deshalb spielt heute in wissenschaftlich-technischen Disziplinen die Computersimulation eine entscheidende Rolle, die in Form idealisierter Experimente die Analyse und Berechnung verschiedener Szenarien des zukünftigen Funktionierens komplexer Systeme erlaubt. Das Ergebnis dieser Forschung erscheint als Menge möglicher Verhaltensszenarien der Systeme.

Die gewonnenen Erkenntnisse in modernen technischen Untersuchungen haben oft, ähnlich wie in der nicht-klassischen Naturwissenschaft, probabilistischen Charakter. Bei der Planung komplexer Mensch-Maschine-Systeme können nicht alle Parameter und Funktionsmerkmale im Voraus berücksichtigt werden, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeitsabschätzung vorhergesagt werden. Diese Tendenz zeigt sich besonders deutlich in sozial-ingenieurwissenschaftlichen Entwicklungen, z. B. in der Stadtplanung.

Die Funktion einer wissenschaftlichen Weltsicht für moderne wissenschaftlich-technische Disziplinen übernimmt meist der systemische Ansatz. Die systemische Weltsicht fungiert als methodologischer Leitfaden bei der Auswahl theoretischer Mittel und Methoden zur Lösung komplexer wissenschaftlich-technischer Aufgaben und ermöglicht die Sicht auf die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität der Technik als Mittel menschlicher Tätigkeit und Form gesellschaftlicher Beziehungen. Dies betrifft insbesondere das neue synergetische Verständnis von Natur und Mensch. Das heutige Bild der planetaren Natur stellt diese nicht als einfachen Gegenstand menschlicher Tätigkeit dar, sondern als lebendigen Organismus. Die Gesetze einer solchen Natur sind nicht ewig, sondern historisch und kulturell bedingt. Menschliches Handeln (einschließlich wissenschaftlicher Erkenntnis, Ingenieurwesen und Planung) ist hier Organ der Evolution der Natur. Die Evolution hat Ziele, und nicht nur eines. Die Natur ist nicht nur Bedingung menschlicher Tätigkeit und Fortschritts, sondern auch deren Ziel sowie ein eigenständiges geistiges Wesen. Sie kann fühlen, auf den Menschen reagieren, seine Anstrengungen und Aktivitäten assimilieren.

Man kann auch die ausgeprägte methodologische Orientierung moderner wissenschaftlich-technischer Disziplinen feststellen, da es keine Vorbilder und Präzedenzfälle für die umfassende Untersuchung und Lösung einzigartiger gesellschaftlicher Probleme gibt und keine einzige Basisdisziplin existiert, auf der die Forschung aufgebaut wird. Die Methodologie fungiert hier als Theorie, da allgemeine theoretische Mittel insbesondere in den Anfangsphasen dieser Disziplinen noch nicht entwickelt sind. Sie legt die Prinzipien der Wissensverknüpfung und des methodischen Vorgehens bei der Problemstellung fest.

Auch das Anwendungsgebiet des Wissens nicht-klassischer Technikwissenschaften hat sich erheblich verändert. Während das Wissen klassischer Technikwissenschaften hauptsächlich in der Erfindung, Konstruktion und traditionellen Ingenieurplanung verwendet wird, ist das Wissen komplexer wissenschaftlich-technischer Disziplinen meist in unkonventionellen Bereichen der Ingenieurpraxis (z. B. Systemtechnik) und in unkonventioneller Planung erforderlich.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 20/09/2025