Pantheismus - Die Philosophie der Renaissance
Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Die Philosophie der Renaissance

Pantheismus

Wie bereits angemerkt, nimmt die Philosophie der Renaissance einen antischolastischen Charakter an. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie die Idee Gottes verwirft. Der Atheismus in der europäischen Philosophie wird erst später — im Zeitalter der Neuzeit — erscheinen. Bis dahin vollzieht sich jedoch eine Neubewertung des vorherrschenden theistischen Verständnisses von Gott. Diese besteht in der Ausbreitung des Pantheismus (“Allgottheit“) — einer Vorstellung, in der Gott nicht von der Natur getrennt ist, sondern mit ihr verschmilzt. Dabei wird Gott nicht als eine übernatürliche, absolute Person verstanden, sondern als ein besonderes geistiges Prinzip, das die Natur durchdringt und sie belebt. So wird die Natur nicht als untergeordnete Sphäre des Seins dem Gott entgegengesetzt, sondern göttlich verehrt.

Pantheismus, das ist selbstverständlich, entstand lange vor der Renaissance. In verschiedenen Formen fand er bereits Ausdruck in den Lehren der östlichen und antiken Philosophen und später im frühen gnostischen Christentum. Die Anhänger der Geheimen Weisheit behaupten, dass die Eingeweihten in die geheimen Lehren seit der Zeit der uralten Antike Gott niemals vermenschlicht, sondern ihn ausschließlich abstrakt verstanden haben — als eine aktive geistige Kraft, als das allumfassende Gesetz, das die Quelle und Grundlage allen Seins bildet. Im Mittelalter teilte die kirchliche Theologie diese Auffassung vom göttlichen Ursprung nicht; doch im Zeitraum der Renaissance, durch den Einfluss esoterischer Lehren, trat sie wieder hervor, und zwar bereits relativ offen und weit verbreitet.

Der renaissancezeitliche Pantheismus existierte in zwei Varianten — einer mystischen und einer naturwissenschaftlichen. In der mystischen Version (Paracelsus [XV-XVI. Jahrhundert]; Jakob Böhme) löst sich die Natur in Gott auf. Dabei betont Böhme, dass Gott nicht nur “in der Natur“ sei, sondern “über und außerhalb der Natur“, da in ihm “alles wohnt“. In der naturwissenschaftlichen Version (Giordano Bruno [XVI-XVII. Jahrhundert] und andere) wird Gott in der Natur aufgelöst und als aktive, geistige, sie bewegende Kraft verstanden, die in den Dingen der Natur selbst enthalten ist.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025