Friedrich Schelling - Deutsche Klassische Philosophie - Geschichte der Philosophie
Philosophie: Mensch, Welt, Gesellschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Geschichte der Philosophie

Deutsche Klassische Philosophie

Friedrich Schelling

Ein prominenter Vertreter der klassischen deutschen Philosophie ist Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854), der zum vermittelnden Glied zwischen Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel wurde. Bereits als ganz junger Mann, mit 22 Jahren, wurde Schelling Professor. In Schellings Schaffen lässt sich eine Reihe von Etappen unterscheiden, die wir kurz betrachten werden. Einige biografische Anmerkungen: Im Wesentlichen noch ein Jüngling, wurde er Professor und ein brillanter Dozent. Seine Vorlesungen besuchten nicht nur Studenten, sondern die gesamte Elite der Gesellschaft, sogar das Staatsoberhaupt mit Gefolge. Er las mit Begeisterung, mit glühendem Blick, schenkte kostbare Streuungen des Geistes, der Gelehrsamkeit, besonders in der Kunstgeschichte, aber auch im Bereich der Naturwissenschaften. Bemerkenswert und romantisch ist sein persönliches Leben. Davon nur über eines: über die Liebe zu einer klugen, talentierten Frau. Er verliebte sich in die Frau von August Wilhelm Schlegel, Caroline, die sich ihrerseits in Schelling verliebte und seine Frau wurde. Und sein schöpferisches Leben sprudelte. Caroline hörte sich alle seine Manuskripte an und diskutierte sie mit Schelling, gab kluge Ratschläge, führte Korrespondenz. Das war ein strahlendes Glühen der schöpferischen Gemeinschaft zweier leidenschaftlich liebender Herzen. Alles lief glänzend. Und plötzlich erkrankte Caroline, und bald darauf starb sie. Dies veränderte Schellings Leben und Werk grundlegend. Er schwieg lange. Dann versank er in das religiöse Leben. Er heiratete erneut, und er hatte Kinder. Schelling wurde ein ganz anderer, niedergeschlagener. Sieh, mein Leser, welch anregend-gigantische Rolle eine kluge Frau „in der Küche“ des geistigen Schaffens spielen kann.

Naturphilosophie. Schelling unternahm den Versuch einer philosophischen Verallgemeinerung der Errungenschaften der Naturwissenschaften seiner Zeit in den verschiedensten Bereichen. Die Natur ist laut Schelling das Werden des geistigen Prinzips. Er meinte, dass, wenn im Menschen das geistige Prinzip sich selbst bewusst wird, es in der Natur unbewusst sei. Die Bewegung von der unbewussten Geistigkeit des Naturseienden zum Bewusstsein durchläuft eine Reihe fortschreitender Stufen.

Die Natur stellt sich in Schellings Verständnis als eine dynamische Krafteinheit von Gegensätzen dar, wobei auf allen Entwicklungsstufen die Gegensätzlichkeit von Objekt und Subjekt beobachtet wird. Der Prototyp dafür ist der Magnet als Manifestation eines universellen Weltgesetzes. Die Grundlage jeder Spaltung des Seienden liegt in einer ursprünglich einigen Kraft, die von Schelling nur als lebendig gedacht wird.

Die Natur ist ein kosmischer Organismus, der eine „Weltseele“ besitzt. Laut Schelling ist die Leiter des Seins mit all ihren Stufen von Ewigkeit her gegeben. Alle Stufen sind absolut gleichzeitig. Die Materie ist für ihn ein Rätsel, das erregt, anzieht, unlösbar ist. Sie existiert nicht ohne den Geist, ebenso wie der Geist nicht ohne sie existiert, nicht einmal in Gott.

Transzendentaler Idealismus. Schelling stellt die Frage: Wie wird das Subjektive, das unbewusst-Geistige, das im Prozess der Naturentwicklung entstanden ist, objektiv? Auf diese Frage antwortet Schellings Werk „System des transzendentalen Idealismus“. Schelling geht vom subjektiven Ich aus, setzt es als etwas Primäres an und leitet daraus das Objektive ab. Der innere Akt des Subjektiven ist die „intellektuelle Anschauung“. Laut Schelling sind die Formen der vernünftigen Erkenntnis keine Schlussfolgerungen und Beweise, sondern die unmittelbare Erfassung in der intellektuellen Anschauung-Intuition. Aber Subjekt dieser Erfassung des Seienden kann nicht bloß der Verstand sein, sondern nur das philosophische und künstlerische Genie.

Philosophie der Identität. Schelling bekräftigte die Identität von Geist und Natur. Hier war der Ausgangspunkt der Begriff der absoluten Vernunft, in der Subjektives und Objektives ununterscheidbar sind. Das Absolute setzt durch seine Tätigkeit Subjekt und Objekt. Aber das, was im Absoluten identisch, ewig und vollkommen ist, ist in der Welt geteilt, unüberschaubar, vielfältig, entwickelt sich in der Zeit, stellt sich als Prozess dar. Die Natur jeder Sache wird durch das Übergewicht des Subjekts oder Objekts in ihr bestimmt, mit anderen Worten, durch den Grad des Absoluten. Dabei wird die Entwicklung als zweckmäßig charakterisiert: an einem Pol die Materie, am anderen die Wahrheit der Erkenntnis. Laut Schelling ist die Idee der absoluten Identität eng mit dem Gedanken des Selbstbewusstseins des Einen, Gottes, verbunden. Er ist die Vernunft.

Schelling widmet der Idee der Freiheit große Aufmerksamkeit, die er mit den Phänomenen von Gut und Böse in Verbindung brachte. Der Wille ist frei, für den das eine und das andere gleichermaßen möglich ist: Der Mensch steht vor der Wahl. Die Frage ist berechtigt: Wie lässt sich die Existenz des Bösen mit einem allmächtigen und gütigen Gott vereinbaren? Der Mensch ist ein soziales Wesen: In ihm wird das Böse durch das Gute besiegt.

In der letzten Phase seines Schaffens behandelte Schelling das Problem der Offenbarung und der Mythologie.

Abschließend muss gesagt werden, dass Schellings Werke einen sehr großen Einfluss nicht nur auf die deutsche Philosophie, sondern auch auf die philosophischen Anschauungen von Denkern anderer Länder ausübten, einschließlich der Persönlichkeiten der russischen philosophischen Kultur. Er war mit Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew befreundet, korrespondierte mit Pjotr Jakowlewitsch Tschadajew, und seine Ideen inspirierten Wladimir Fjodorowitsch Odojewski, Dmitri Wladimirowitsch Wenewitinow, Nikolai Wladimirowitsch Stankewitsch, die Brüder Kirejewski, Apollon Grigorjew und Wladimir Sergejewitsch Solowjow und andere.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/10/2025