Grundlagen der allgemeinen Philosophie
Seele, Bewusstsein und Vernunft
Bewusstsein, Selbstbewusstsein und Reflexion
Der Mensch ist nicht nur an sich, sondern auch für sich, was sich in der Hinwendung zu sich selbst manifestiert: Er nimmt sich selbst wahr. Der Mensch denkt und kennt sich selbst. Er legt Rechenschaft ab über das, was er tut, denkt und fühlt. Sowohl historisch als auch im Verlauf seiner individuellen Entwicklung nimmt der Mensch zunächst Gegenstände und seine praktischen Handlungen wahr, und auf einer höheren Entwicklungsstufe auch seine Gedanken über Gegenstände und Handlungen. Er nimmt sich als Persönlichkeit wahr. Das Selbstbewusstsein setzt die Heraushebung und Unterscheidung des Menschen von sich selbst, seinem Ich, von allem, was ihn umgibt, voraus. Selbstbewusstsein ist die Bewusstmachung seiner Handlungen, Gefühle, Gedanken, Verhaltensmotive, Interessen, seiner Stellung in der Gesellschaft durch den Menschen. Bei der Formung des Selbstbewusstseins spielen die Empfindungen des eigenen Körpers, der Bewegungen und Handlungen des Menschen eine wesentliche Rolle. Der Mensch kann nur im Zusammenspiel mit anderen Menschen, mit der Welt, durch seine praktische Tätigkeit und Kommunikation zu sich selbst werden. Die gesellschaftliche Bedingtheit der Formung des Selbstbewusstseins liegt nicht nur in der unmittelbaren Kommunikation der Menschen untereinander, in ihren bewertenden Beziehungen, sondern auch in der Formulierung der Anforderungen der Gesellschaft an den Einzelnen und in der Bewusstmachung der Regeln des gegenseitigen Verhältnisses. Der Mensch wird sich seiner selbst nicht nur durch andere Menschen bewusst, sondern auch durch die von ihm geschaffene materielle und geistige Kultur. Die Produkte der Arbeit sind gleichsam Spiegel, aus denen uns unser Wesen entgegenstrahlt: Das Kind, sagt Georg Wilhelm Friedrich Hegel, wirft Steine in den Fluss und bewundert die sich auf dem Wasser ausbreitenden Kreise als ein Werk, in dem es die Möglichkeit erhält, sein eigenes Schaffen zu betrachten.
Indem sich der Mensch selbst erkennt, bleibt er, wie Thomas Mann bemerkte, niemals ganz derselbe, der er vorher war. Das Selbstbewusstsein entstand nicht als geistiger Spiegel zur müßigen Selbstbewunderung des Menschen. Es entstand als Antwort auf den Ruf der gesellschaftlichen Lebensbedingungen, die von Anfang an von jedem Menschen die Fähigkeit forderten, seine Handlungen, Worte und Gedanken vom Standpunkt bestimmter sozialer Normen aus zu bewerten. Das Leben lehrte den Menschen durch seine strengen Lektionen, Selbstkontrolle und Selbstregulierung auszuüben. Indem der selbstbewusste Mensch seine Handlungen reguliert und die Ergebnisse dieser Handlungen vorsieht, übernimmt er die volle Verantwortung für sie.
Das Selbstbewusstsein ist eng mit dem Phänomen der Reflexion verbunden, dessen Bedeutungsfeld es gleichsam erweitert. Reflexion ist das Nachdenken der Persönlichkeit über sich selbst, wenn sie in die tiefsten Tiefen ihres inneren geistigen Lebens blickt. Ohne zu reflektieren, kann der Mensch nicht erfassen, was in seiner Seele, in seiner inneren geistigen Welt geschieht. Die Reflexion taucht uns in die Tiefe unseres Selbst ein. Hier sind die ständigen Zusammenfassungen des Getanen wichtig. Da der Mensch sich als vernunftbegabtes Wesen versteht, gehört die Reflexion zu seiner Natur, seiner sozialen Füllung durch die Mechanismen der Kommunikation: Die Reflexion kann nicht im Inneren einer isolierten Persönlichkeit entstehen, außerhalb der Kommunikation, außerhalb der Teilhabe an den Schätzen der Zivilisation und Kultur der Menschheit.
Die Ebenen der Reflexion können sehr vielfältig sein: von elementarem Selbstbewusstsein bis zu tiefen Überlegungen über den Sinn des eigenen Seins und seinen moralischen Inhalt. Indem der Mensch seine eigenen geistigen Prozesse durchdenkt, bewertet er nicht selten kritisch die negativen Seiten seiner geistigen Welt, schlechte Gewohnheiten und Ähnliches. Indem sich der Mensch selbst erkennt, bleibt er niemals derselbe, der er zuvor war.
Wenn wir über Bewusstsein und Selbstbewusstsein sprechen, müssen wir deren Aspekt der Bewusstheit hervorheben. Was bedeutet eine bewusste Handlung? Eine Handlung besitzt die Qualität der Bewusstheit, insofern sie Ausdruck einer Absicht, einer Intention, eines Ziels ist, die das Ergebnis der Handlung vorwegnehmen. Es gibt kein absolutes Maß an Bewusstheit. Das Ausmaß der Bewusstmachung seiner psychischen Tätigkeit durch das Subjekt reicht vom unklaren Verstehen dessen, was in der Seele geschieht, bis hin zum tiefen und klaren Selbstbewusstsein. Bewusstheit ist vor allem dadurch gekennzeichnet, inwieweit der Mensch in der Lage ist, die gesellschaftlichen Folgen seiner Tätigkeit zu erkennen. Je größeren Raum die Erkenntnis der gesellschaftlichen Pflicht in den Motiven der Tätigkeit einnimmt, desto höher ist der Grad der Bewusstheit. Als bewusst gilt ein Mensch, der in der Lage ist, die Wirklichkeit richtig zu verstehen und dementsprechend seine Handlungen zu lenken.
Bewusstheit ist eine unveräußerliche Eigenschaft einer seelisch gesunden menschlichen Persönlichkeit. Die Möglichkeit, die Folgen einer Handlung zu verstehen, ist bei Kindern sowie bei Geisteskranken stark eingeschränkt oder fehlt ganz. Diese begehen mitunter Handlungen, die durch ihre Absurdität überraschen und manchmal zu tragischen Konsequenzen sowohl für die Person des Kranken als auch für die Umgebung führen. Der kranken Psyche ist Vernunft nicht zugänglich: Völlige Überlegtheit der Handlungen beruht nur auf klarem Bewusstsein. Bewusstheit ist die moralisch-psychologische Charakteristik der Handlungen der Persönlichkeit, die auf dem Bewusstsein und der Bewertung von sich selbst, seinen Möglichkeiten, Absichten und Zielen basiert.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/10/2025