Mittelalterliche jüdische Philosophie - Historische Typen der Philosophie
Die Hauptrichtungen und wichtigsten Fragen der Philosophie des 20. - frühen 21. Jahrhunderts - 2024 Inhalt

Historische Typen der Philosophie

Mittelalterliche jüdische Philosophie

Der bedeutendste jüdische Denker und Theologe des Mittelalters war Rabbi Moshe ben Maimon, im Westen bekannt als Maimonides. Bereits zu Lebzeiten erlangte er großen Ruhm und galt als Meister der Gesetze. Auch heute bleibt er eine Autorität für jüdische Rabbiner, die Wissen und Glauben miteinander in Einklang bringen möchten. Maimonides (1135/38—1204) wurde in Córdoba geboren, einer blühenden und wohlhabenden Stadt, die als Handels- und Kulturzentrum Spaniens bekannt war. In dieser Zeit widmeten sich die Juden nicht nur erfolgreich dem Handel, sondern auch der Medizin, der Jurisprudenz und der Wirtschaft. Maimonides entstammte einer Familie von Rabbinern und Richtern und erhielt bereits im Elternhaus eine fundierte Ausbildung in den jüdischen Gesetzen. Aufgrund der Verfolgung der Juden durch die muslimischen Herrscher von Córdoba zog seine Familie zunächst nach Granada und später nach Kairo. Im antiken Ägypten vertiefte Maimonides seine Kenntnisse in Mathematik, Medizin und Astronomie und verfasste dort sein Hauptwerk, den Führer der Verirrten (1190).

“Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den frommen Menschen zu erleuchten, in dessen Seele der Glaube an die Wahrheit unserer Tora tief verwurzelt ist, der gewissenhaft seine religiösen und ethischen Pflichten erfüllt, zugleich aber die philosophischen Wissenschaften eingehend studiert hat.“

Im Vorwort zu seinem Werk erklärt Maimonides sein Anliegen, den biblischen Text mit den zeitgenössischen philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu versöhnen. Dies gelingt ihm durch die Einführung einer Sprache der Allegorie, mit der er eine direkte Konfrontation zwischen Wissen und Glauben vermeidet und ein Modell für deren Versöhnung schafft, das sowohl im Osten als auch im Westen aufgegriffen wurde. Im Gegensatz zur aristotelisch geprägten Theologie neigt Maimonides einer anthropomorphen Auffassung zu. Er versteht Gott als lebendige Persönlichkeit und nicht als abstrakte Wesenheit und betont, dass die göttliche Weisheit für die Sterblichen zugänglich ist, während die Bibel für einfache Menschen geschrieben sei.

Gleichzeitig unternimmt er den Versuch einer metaphysischen Interpretation der Schrift und behandelt dabei die Attribute Gottes. Neben den negativen Attributen wie der “Unabsichtlichkeit“ zählt für ihn vor allem das Handeln zu den zentralen Eigenschaften Gottes. Kennzeichnend für Maimonides' Weltanschauung ist zudem die Anerkennung des leeren Raumes, des direkten göttlichen Eingreifens in die weltlichen Ereignisse sowie eines atomistischen Verständnisses von Körpern und Zeit. Obwohl er diese Annahmen zu beweisen sucht, muss er einräumen, dass beispielsweise die Behauptung über die Erschaffung der Welt in der Zeit unbeweisbar bleibt. Besonders interessant sind seine Bemühungen, den biblischen Bericht von der Schöpfung aus dem Nichts mit der aristotelischen Lehre von der Ewigkeit der Welt in Einklang zu bringen.

Seine Beweise für die Existenz Gottes stützen sich auf die Begriffe der ersten Ursache und des unbewegten Bewegers, die er von Aristoteles übernimmt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der mittelalterlichen Philosophie ein ausgeprägter Theozentrismus eigen ist, der sowohl in Westeuropa als auch im Osten vorherrscht. Religiöse Unterschiede prägen die philosophischen Konzepte wesentlich, obgleich sich auch viele Gemeinsamkeiten erkennen lassen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025