Einige grundlegende Begriffe des Islams und der islamischen Philosophie - Arabische Philosophie des Mittelalters
Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Arabische Philosophie des Mittelalters

Einige grundlegende Begriffe des Islams und der islamischen Philosophie

Adl — Gerechtigkeit — im Islam eines der natürlichen Eigenschaften Allahs; eine Kategorie der islamischen Ethik; eine Eigenschaft, die der Mensch in sich selbst kultivieren sollte.

Akl — Vernunft oder Verstand.

Al-Insān al-Kāmil — ein sufiges Konzept, das den “Vollkommenen Menschen“ bezeichnet. In gewissem Sinne entspricht es den hinduistischen Begriff “jīvan-mukta“, dem buddhistischen “Bodhisattva“ und dem christlichen “Gott-Mensch“.

Wahdat al-Wujūd — die ontologische Konzeption der “Einheit des Seins“. Sie wurde von Ibn ʿArabī entwickelt.

ʿIlm — wahres Wissen.

Ittiḥād — “Vereinigung“ oder “Zusammenschluss“. In der arabisch-muslimischen Philosophie bedeutet es die Verschmelzung der menschlichen Seele mit Allah. Im Sufismus wird es als Vereinigung des menschlichen Willens mit dem göttlichen Willen verstanden, bei der der Mensch als Vermittler des Willens Allahs auf Erden wird.

Ishrāq — die Lehre von der mystischen Erleuchtung. Sie ist charakteristisch für den Sufismus. Einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Entwicklung leistete Suhrawardī, der die Ideen von al-Ḥallāj, Ibn Sīnā und al-Ghazālī weiterführte.

Kalām — die rationale islamische Theologie. Die Anhänger des Kalām, die Mutakallimūn, verwendeten rationale Methoden, darunter auch die Dialektik, um sowohl die wichtigsten Dogmen des Islams als auch problematische religiös-philosophische Fragen zu interpretieren und zu begründen.

Sufismus — eine mystisch-philosophische Strömung im Islam (sowohl im Schiitentum als auch im Sunnitentum), die aus der esoterischen Tradition des Wissens hervorging. Er entstand etwa im 8. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Irak und Syriens. Der Sufismus hatte einen großen Einfluss auf die muslimische Theologie und Philosophie.

Tanasukh — der islamische Begriff für “Metempsychose“ (wörtlich “Seelenwanderung“, also die Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper). Dieser Begriff wurde von den Ismailiten und in einigen anderen Strömungen des schiitischen Islam verwendet.

Falsafa — die rationale (philosophische) Methode der Erforschung des Seins, die sich in der arabisch-muslimischen Kultur dem religiösen Ansatz widersetzte. Sie ist dem Kalām in vieler Hinsicht ähnlich, unterscheidet sich jedoch durch eine radikalere Bindung an den Verstand und das Wissen. Sie ist auf verlässliches, beweisbares Wissen ausgerichtet. Zu den größten Philosophen der islamischen Welt (al-Fārābī, Ibn Sīnā, Ibn Rushd u. a.) gehören die Anhänger der Falsafa.

Fanā — ein sufiger Begriff, der einen besonderen Zustand des Menschen bezeichnet, der die höchsten Ebenen des spirituellen Weges erreicht hat. Er ist dem hinduistischen Moksha (Mukti), der buddhistischen Nirvana und der christlichen Erlösung ähnlich.

Fiqh — das muslimische Recht, das auf der Autorität von Muhammad und dem Koran basiert.

Šarīʿa — das auf dem Koran beruhende System von Prinzipien und Normen für das Leben eines Muslims.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025