Theorie der Universalien bei Gongsun Long - „Die Schule der Namen“
Eine kurze Geschichte der chinesischen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

„Die Schule der Namen“

Theorie der Universalien bei Gongsun Long

Ein weiterer bedeutender Vertreter der „Schule der Namen“ war Gongsun Long (4.–3. Jh. v. Chr.), berühmt für seine sophistischen Argumente. Man erzählt, dass er einst beim Überqueren einer Grenze von den Wachen angehalten wurde, die sagten: „Pferden ist die Durchfahrt nicht gestattet.“ Darauf antwortete Gongsun Long: „Mein Pferd ist weiß, und ein weißes Pferd ist kein Pferd.“ Gesagt, getan – er ritt weiter auf seinem Pferd.

Während Hui Shi die Relativität und Veränderlichkeit der Dinge betonte, stellte Gongsun Long die Absolutheit und Beständigkeit der Namen in den Vordergrund. So entwickelte er eine Theorie, die stark an die platonischen Ideen oder Universalien erinnert, wie sie auch in der westlichen Philosophie hervortreten.

Die Abhandlung „Über das weiße Pferd“

Im Werk Gongsun Longzi findet sich das Kapitel „Über das weiße Pferd“. Sein Grundsatz lautet: „Ein weißes Pferd ist kein Pferd.“ Dies versucht Gongsun Long mit drei Argumenten zu beweisen:

  1. Das erste Argument: „Das Wort ‚Pferd‘ bezeichnet eine Form, das Wort ‚weiß‘ bezeichnet eine Farbe. Was eine Farbe bezeichnet, ist nicht das, was eine Form bezeichnet. Daher sage ich: Ein weißes Pferd ist kein Pferd.“
    In der Sprache westlicher Logik macht dieses Argument den Unterschied im Inhalt der Begriffe „Pferd“, „weiß“ und „weißes Pferd“ deutlich: Der erste Begriff bezeichnet eine Tierart, der zweite eine Farbklasse, der dritte eine Kombination von beidem. Da der Inhalt unterschiedlich ist, folgt: Ein weißes Pferd ist kein Pferd.
  2. Das zweite Argument: „Wenn jemand ein Pferd verlangt, kann man ein rotes oder schwarzes Pferd bringen. Wenn jedoch ein weißes Pferd verlangt wird, darf man weder ein rotes noch ein schwarzes bringen... Rote und schwarze Pferde sind Pferde. Sie genügen der Forderung nach einem Pferd, aber nicht der Forderung nach einem weißen Pferd. Also ist klar: Ein weißes Pferd ist kein Pferd.“
    In westlicher Logik verweist dieses Argument auf den Unterschied im Umfang der Begriffe „Pferd“ und „weißes Pferd“: Das erste umfasst alle Pferde ohne Rücksicht auf die Farbe, das zweite nur die weißen. Da sich ihre Umfänge unterscheiden, ist ein weißes Pferd kein Pferd.
  3. Das dritte Argument: „Pferde haben eine Farbe, also gibt es weiße Pferde. Nähme man ein Pferd ohne Farbe an, dann wäre es das Pferd an sich. Aber wie käme man dann zu einem weißen Pferd? Darum ist ein weißes Pferd kein Pferd. Ein weißes Pferd ist ‚Pferd‘ plus ‚weiß‘. Doch ‚Pferd‘ plus ‚weiß‘ ist nicht dasselbe wie ‚Pferd‘.“
    Hier unterscheidet Gongsun Long zwischen der allgemeinen „Pferdheit“ und der „Weißpferdheit“. „Pferdheit“ ist das notwendige Attribut aller Pferde, unabhängig von der Farbe, während „Weißpferdheit“ eine zusätzliche Bestimmung ist. Also: Das Pferd als solches ist nicht identisch mit dem weißen Pferd.

Darüber hinaus weist Gongsun Long im selben Kapitel darauf hin: „Das Weiße als solches zeigt nicht, was weiß ist. Doch ‚weißes Pferd‘ verweist auf etwas, das weiß ist. Das bezeichnete Weiße ist nicht das Weiße.“ Damit unterscheidet er zwischen „Weißheit“ als Universalie und einem bestimmten Weiß, das in einem konkreten Gegenstand erscheint.

Die Abhandlung „Über Härte und Weißheit“

Ein weiteres Kapitel im Gongsun Longzi trägt den Titel „Über Härte und Weißheit“. Seine zentrale These lautet: „Härte und Weißheit sind getrennt.“ Zwei Begründungen werden angeführt:

  1. Epistemologisches Argument: Angenommen, es gibt einen harten und weißen Stein. Auf die Frage, ob er drei Dinge sei – hart, weiß und Stein – lautet die Antwort: nein. Ob er zwei Dinge sei? Ja. Denn wenn man Weißheit ohne Härte bestimmt, erhält man zwei. Und wenn man Härte ohne Weißheit bestimmt, ebenso zwei. Das Auge nimmt nur das Weiße wahr, nicht die Härte; die Hand ertastet nur die Härte, nicht das Weiße. Erkenntnistheoretisch gibt es also nur den „weißen Stein“ oder den „harten Stein“, nicht aber den „harten und weißen Stein“ zugleich.
  2. Metaphysisches Argument: „Härte“ und „Weißheit“ als Universalien sind unabhängig davon, welche konkreten Dinge hart oder weiß sind. Selbst wenn es in der Welt keine weißen oder harten Dinge gäbe, blieben die Universalien „Härte“ und „Weißheit“ bestehen. Ihre Unabhängigkeit zeigt sich auch daran, dass es harte, aber nicht weiße Dinge gibt, und weiße, aber nicht harte. Darum sind Härte und Weißheit getrennt.

Dieses berühmte Argument wurde in China als Beweis für die „Getrenntheit von Härte und Weißheit“ bekannt.

Die Abhandlung „Über zhi und wu“

Ein weiteres Kapitel heißt „Über zhi und wu“. Mit wu meint Gongsun Long konkrete Einzeldinge, mit zhi abstrakte Universalien. Wörtlich bedeutet zhi „Finger“ oder „Zeiger“, im übertragenen Sinn aber „bezeichnen, hinweisen“. Universalien bezeichnet er also als zhi, weil ein Name (im Sinn der Schule der Namen) auf eine Klasse von Dingen hinweist und deren gemeinsame Merkmale bestimmt. Da die chinesische Sprache unveränderlich ist und keine Artikel kennt, werden allgemeine und abstrakte Begriffe gleich ausgedrückt. So kann das Wort ma sowohl „das Pferd“ als Gattungsbegriff als auch „ein Pferd“ oder „dieses Pferd“ bedeuten. Fundamentalerweise verweist es jedoch auf das Allgemeine: die Universalie „Pferd“.

Eine weitere Deutung des Wortes zhi verweist auf ein fast gleichlautendes Wort mit der Bedeutung „Idee“ oder „Begriff“. Bei Gongsun Long ist die „Idee“ jedoch nicht subjektiv – wie bei Berkeley oder Hume – sondern objektiv, wie bei Platon. Für ihn ist die Idee gleichbedeutend mit der Universalie.

Die Paradoxe in „Zhuangzi“

In den letzten Kapiteln des Zhuangzi finden sich einundzwanzig Argumente, die ohne nähere Zuschreibung den Anhängern der „Schule der Namen“ zugeschrieben werden. Manche gehen offensichtlich auf Hui Shi zurück, andere auf Gongsun Long. Sie werden gewöhnlich als Paradoxe angesehen, hören jedoch auf, Paradoxe zu sein, sobald man die Grundgedanken ihrer Verfasser verstanden hat.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 05/10/2025