Die Philosophie der Religion
Philosophische Theologie
Wunder
Ein zentrales Anliegen aller drei westlichen monotheistischen Traditionen ist, dass Gott sich der Welt offenbart. Eines der Mittel, durch die eine solche Offenbarung stattfindet, wird in der Erscheinung von Wundern gesehen. Ein Wunder wird gemeinhin als übernatürlich herbeigeführtes Ereignis verstanden, dessen Erklärung dem widerspricht, was über die Welt bekannt ist oder erwartet wird. So wird Wasser zu Wein und das Meer geteilt.
Wie in vielen Bereichen der zeitgenössischen Religionsphilosophie orientiert sich die heutige Diskussion über Wunder an den starken Kritiken Humes. In seiner berühmten Untersuchung zu Wundern argumentiert Hume, dass man den Glauben an ein Ereignis nach dem vorhandenen Beweismaterial ausrichten sollte. Sinneswahrnehmung gilt als zuverlässigerer Beleg als Zeugenaussagen, da gültige Zeugnisse auf der Sinneserfahrung anderer basieren. Daher sollte man bei einem Konflikt zwischen Sinneserfahrung und Zeugenaussage den Glauben auf die Sinneswahrnehmung stützen. Sinneswahrnehmung offenbart uns keine Wunder, sondern die Annahme, dass die Naturgesetze gelten. Folglich sind wir nie berechtigt, an Wunder zu glauben, sondern immer gerechtfertigt, die Natürlichkeit aller Ereignisse anzunehmen. Humes Kernargument besteht darin, dass jeder Anspruch, ein Wunder habe stattgefunden, gegen das überwältigende Beweismaterial der gleichförmigen Natur abgewogen werden muss, selbst wenn man glaubt, ein Wunder persönlich miterlebt zu haben. Nach dem Prinzip, dass jedes Ereignis, dem man weit genug nachgeht, eine natürliche Ursache aufweist, ist man nicht berechtigt, ein Ereignis als Wunder anzusehen, sondern sollte weiter nach der natürlichen Ursache suchen, solange, bis sie entdeckt wird.
Swinburne widerspricht Humes Schlussfolgerung. Er argumentiert, dass es Belege geben könnte, dass ein Naturgesetz verletzt wurde, und dass eine solche Verletzung der Tätigkeit Gottes zugeschrieben werden kann. Darauf aufbauend erläutert Swinburne, welche Art von Beweis erforderlich wäre, um zu glauben, dass ein göttliches Wesen in unsere Welt eingegriffen hat. Dazu unterscheidet er Situationen, in denen hinreichende Indizien vorliegen, von solchen, in denen dies nicht der Fall ist. Für Swinburne müssen die Indizien stark genug sein, bevor man gerechtfertigt ist, ein anomales Ereignis in der Natur als echtes Wunder anzusehen.
Abgesehen von Swinburnes Interventionen ist festzustellen, dass die Dominanz von Empirismus und Naturalismus in der zeitgenössischen anglophonen Philosophie es ermöglicht hat, dass die Buchstaben und in vielen Fällen auch der Geist der Hume'schen Kritik überdauert haben. Der Geist Humes zeigt sich deutlich in der Arbeit des verstorbenen John Mackie. Mackies Argument gegen Wunder ist epistemologisch und nicht logisch. Das bedeutet, dass Wunder zwar logisch möglich sind, wir aber niemals gerechtfertigt sind, an sie zu glauben. Auch wenn das Konzept eines Wunders kohärent ist, wird es letztlich dadurch erschüttert, dass man den doppelten Anspruch erfüllen müsste, zu zeigen, dass ein ungewöhnliches Naturereignis stattfand und dass dieses Ereignis die bestehenden Naturgesetze verletzte. Auch hier liegt der Hume’sche Gedanke zugrunde: Selbst wenn ein Ereignis auftritt, für das es keine bestehende natürliche Erklärung gibt, können wir nicht folgern, dass eine natürliche Erklärung niemals gefunden wird.
Die humeanische Charakterisierung und Widerlegung von Wundern basiert auf der Vorstellung, dass Wunder Verletzungen der Naturgesetze sein müssten. Eine interessante Frage ist jedoch, ob Wunder zwangsläufig contra-nomische Ereignisse sein müssen. Christopher Hughes hat kürzlich argumentiert, dass Wunder nicht als solche charakterisiert werden müssen, sondern als Ereignisse definiert werden können, die direkt von Gott verursacht werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass selbst wenn Hume und seine Nachfolger recht haben und wir nicht berechtigt sind, an contra-nomische göttliche Eingriffe zu glauben, es nicht zwingend folgt, dass wir nicht gerechtfertigt sein könnten, an Wunder zu glauben, wenn diese als direkt von Gott verursachte Ereignisse definiert werden.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 01/11/2025