Grundlegende Konzepte der Phänomenologie - Phänomenologie E. Husserls - Kontinentale Philosophie
Gegenwartsphilosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Kontinentale Philosophie

Phänomenologie E. Husserls

Grundlegende Konzepte der Phänomenologie

Husserl stützte seine Überlegungen auf vier Tatsachen, gegen die schwer etwas einzuwenden ist. Erstens: Es existieren tatsächliche und vorgestellte Dinge. Zweitens: Diese werden dem Menschen in Form seiner Erlebnisse gegeben. Drittens: Menschen verwenden stets bestimmte elementare Begriffe. Viertens: Der Mensch ist auf irgendeine Weise in der Lage, theoretische Begriffe und Gesetze zu entwickeln, nach denen er in seinem Handeln vorgeht. Es gilt also zu erklären, wie theoretische Konzepte, d. h. Begriffe und Gesetze, gebildet werden. Husserl verwendet hierfür den von Platon und Aristoteles übernommenen Begriff des Eidos. Nach Definition ist das Eidos das konzeptuelle Bild des zu untersuchenden Phänomens, das die Vielfalt seiner Merkmale berücksichtigt. Es handelt sich nicht um ein abstraktes, sondern um ein konkretes Bild. Husserl musste erklären, wie der Mensch die Stufen der feinsten konzeptuellen Strukturen erklimmt. Dabei maß er den Konzepten des transzendentalen Ichs (Ich versus Andere), der phänomenologischen und eidetischen Reduktion, der Intentionalität und der Lebenswelt höchste Bedeutung bei.

Husserl erkannte keine metaphysischen Instanzen an. Er erklärte daher eindeutig, dass sämtliches philosophisches Wissen das Ergebnis der Tätigkeit einzelner Personen ist. Ausgehend ist das individuelle Ich, nicht etwa die Welt, objektive platonische Entitäten oder die Gesellschaft als Ganzes.

Die phänomenologische Reduktion besteht darin, dass das Bewusstsein als Instanz reinen, ungetrübten Philosophierens gewählt wird. Alles andere, einschließlich bestehender Theorien und verschiedener Annahmen, muss in Klammern gesetzt werden. Dies ist der Sinn des Verfahrens der Epoché, das in der griechischen Philosophie als Enthaltung von Urteilen verstanden wurde. Husserl schlägt vor, sich der Urteilskraft zu enthalten, bis die entsprechende philosophische Arbeit geleistet ist, um unklare und umstrittene Aussagen zu vermeiden.

Die eidetische Reduktion besteht darin, die Fakten auf ihre Eide zu reduzieren. Ohne dies lässt sich keine Klarheit über elementare Begriffe gewinnen. Husserl zufolge gibt es keine akzeptable Alternative zur eidetischen Reduktion. Alle Varianten der Reduktion markieren bestimmte Phasen der phänomenologischen Arbeit, die zu einem einheitlichen konzeptuellen Ganzen verbunden werden müssen. Andernfalls bleiben sie isoliert. In diesem Zusammenhang führte Husserl den Begriff der phänomenologischen Intentionalität ein.

Intentionalität bedeutet die Ausrichtung des Bewusstseins auf sein Untersuchungsobjekt; das Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas. In allen Akten der phänomenologischen Arbeit bleibt das Objekt des Bewusstseins dasselbe. Die Aufgabe besteht darin, seinen Sinn zu klären. Der Begriff der Intentionalität wurde von Husserls Lehrer F. Brentano in die Philosophie eingeführt. Anders als sein Schüler verband Brentano ihn jedoch nie mit den Phasen phänomenologischer Arbeit. Streng genommen verwendet Husserl den Begriff der phänomenologischen Intentionalität. Sie durchdringt den gesamten Prozess der phänomenologischen Arbeit, den Husserl als Noesis (griechisch: Denken) bezeichnete. Das Ergebnis des Noesis ist die Noema, der Sinn des zu erkennenden Gegenstands. Die philosophische Tradition identifiziert Noema oft mit dem Gegenstand selbst, bei Husserl ist die Noema jedoch nicht der Gegenstand, sondern dessen Sinn oder Essenz. Das Noema wird erst nach einer Reihe noetischer Akte erreicht, deren Natur die Grundlage der phänomenologischen Untersuchung bildet. Wir rekonstruieren Husserls Ansatz als eine Abfolge noetischer Tatsachen: Variation der Erlebnisse – Überwindung der Abschattung – eidetische Intuition.

Die phänomenologische Variation dient dazu, Zufälligkeiten auszuschließen, die mit dem zu erforschenden Gegenstand verbunden sind. Um den Gegenstand möglichst vollständig darzustellen, werden alle Wahrnehmungsgeschichten berücksichtigt, Fantasie und Vorstellungskraft einbezogen. Variation fungiert somit als Synthese der Erlebnisse.

Die Abschattung (Abschattung) besteht darin, dass ein Gegenstand in seiner Wahrnehmung in verschiedenen Aspekten und Eigenschaften gegeben ist. Zum Beispiel erscheint die Farbe eines Objekts isoliert von ihm selbst. Abschattung entfernt die Vollständigkeit der Wahrnehmung, die wiederhergestellt werden muss. Dies erfordert das Überwinden der Abschattung.

Eidetische Intuition (von lat. intueri – aufmerksam betrachten) wird erst nach den Akten der Variation und der Überwindung der Abschattung möglich. Das Eidos, der Sinn, wird wahrgenommen. Natürlich stellt sich die Frage nach der Möglichkeit einer solchen Intuition. In der Philosophie ist das Konzept der Intuition umstritten. Mystiker beanspruchen oft intuitive Einsichten, die ohne Beweise gültig seien. In der Wissenschaft wird Intuition mit Skepsis betrachtet, um metaphysische Fehler zu vermeiden. Dennoch bleibt das Konzept der Intuition im wissenschaftlichen Diskurs. Beispiele hierfür sind der Intuitionismus in Mathematik (L. Brouwer) und Ethik (J. Moore). Husserl nutzt Intuition jedoch in einem grundsätzlich anderen Sinne als Vertreter metaphysischer oder wissenschaftlicher Intuition.

Die Lebenswelt (Lebenswelt) ist ein weiteres zentrales Konzept der Husserlschen Phänomenologie, auf das er in seinen späteren Werken zurückgreift. Diesmal strebte Husserl eine maximal umfassende Perspektive an. Populärwissenschaftlich wird die Lebenswelt oft als die Erfahrungswelt des Menschen verstanden, die nicht nach phänomenologischer Methode reflektiert wird. Für Husserl umfasst die Lebenswelt jedoch den Sinn der gesamten menschlichen Lebensaktivität, einschließlich Alltag und Wissenschaft.

Die Erkenntnis des Plans der menschlichen Lebenswelt erreichte Husserl erst gegen Ende seines Lebens. Zuvor unterschied er drei Stufen phänomenologischer Erkenntnis wissenschaftlicher Bedeutung: a) formal-logische Begriffe, b) regionale Begriffe, c) Spezifikationen regionaler Begriffe. Keine Wissenschaft kommt ohne formal-logische Begriffe aus. Regionale Begriffe gelten nur für bestimmte Bereiche, z. B. bezeichnet der Begriff „materielle Dinge“ den Bereich der Naturwissenschaften, nicht der Psychologie. Spezifikationen regionaler Begriffe betreffen einzelne Wissenschaften. Husserl meinte: „Die logisch-formalen Begriffe müssen zuerst geklärt werden; dies ist die gemeinsame Aufgabe aller Wissenschaften. Dann sollten die regional-formalen Begriffe und schließlich die speziellen Begriffe der einzelnen Wissenschaften geklärt werden.“

Das transzendentale Ich ist die Bedingung der gesamten phänomenologischen Arbeit. Es darf nicht mit dem empirischen Ich, wie bei Descartes, gleichgesetzt werden. „Die egologische Phänomenologie behält ihre Bedeutung für jedes Ich im Allgemeinen, nicht nur für mich und meine Fantasievarianten“, daher ist das Andere, oder Alter Ego, dem Ich ähnlich. Diese Ähnlichkeit ermöglicht es den Subjekten, einander zu verstehen, wodurch Intersubjektivität möglich wird.

Wahrheit erscheint als vollständige Übereinstimmung des Gedachten mit dem Gegebenen. Die Erfahrung dieser Übereinstimmung zeigt sich als Evidenz und wird durch Intuition erlangt.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 27/09/2025