Theoretische Grundlagen der Philosophie: Probleme, Konzepte, Prinzipien
Materie
Moderne Wissenschaft über die Struktur der Materie
Die Grundlage der modernen wissenschaftlichen Vorstellungen über die Struktur der Materie ist die Idee ihrer komplexen systemischen Organisation. Jedes Objekt der materiellen Welt kann als ein System betrachtet werden, das heißt als eine besondere Ganzheit, die durch das Vorhandensein von Elementen und den Verbindungen zwischen ihnen gekennzeichnet ist.
Ein Makrokörper kann beispielsweise als eine bestimmte Organisation von Molekülen betrachtet werden. Jedes Molekül wiederum ist ein System, das aus Atomen besteht und durch eine spezifische Verbindung zwischen diesen Atomkernen und ihren Elektronenhüllen zusammengehalten wird. Die Atomkerne, die aus positiv geladenen Teilchen bestehen, unterliegen der elektrostatischen Abstoßung, doch um sie herum bilden sich gemeinsame Elektronenhüllen, die diese Kerne zusammenhalten und verhindern, dass sie sich im Raum zerstreuen. Ein Atom stellt ebenfalls ein systemisches Ganzes dar — es besteht aus einem Kern und Elektronenhüllen, die sich in bestimmten Abständen um den Kern gruppieren. Der Kern jedes Atoms besitzt wiederum eine innere Struktur. Im einfachsten Fall, wie beim Wasserstoffatom, besteht der Kern aus nur einem Teilchen, dem Proton. Die Kerne komplexerer Atome setzen sich durch Wechselwirkungen von Protonen und Neutronen zusammen, die sich innerhalb des Kerns ständig ineinander umwandeln und besondere Ganzheiten bilden — die Nukleonen, Teilchen, die zeitweise im Protonenzustand und zeitweise im Neutronenzustand existieren. Schließlich sind auch Protonen und Neutronen komplexe Gebilde. In ihnen lassen sich spezifische Elemente, die Quarks, unterscheiden, die durch den Austausch anderer Teilchen, der Gluonen, miteinander wechselwirken — diese Gluonen “kleben“ gewissermaßen die Quarks zusammen. Protonen, Neutronen und andere Teilchen, die die Physik zu den Hadronen (schweren Teilchen) zusammenfasst, existieren dank der Quark-Gluon-Wechselwirkungen.
Beim Studium der belebten Natur stoßen wir ebenfalls auf eine systemische Organisation der Materie. Komplexe Systeme sind sowohl die Zelle als auch die aus Zellen aufgebauten Organismen; das gesamte Leben auf der Erde, die Biosphäre, stellt eine solche Ganzheit dar, die durch die Wechselwirkungen ihrer Teile — Mikroorganismen, Pflanzenwelt, Tierwelt und den Menschen mit seiner gestaltenden Tätigkeit — existiert. Die Biosphäre kann als ein ganzes Objekt betrachtet werden (wie ein Atom, ein Molekül usw.), in dem bestimmte Elemente und Verbindungen zwischen ihnen bestehen.
Materielle Systeme stehen stets in Wechselwirkung mit ihrer Umgebung. Einige Eigenschaften, Beziehungen und Verbindungen der Elemente verändern sich in diesem Austausch, doch die grundlegenden Verbindungen können erhalten bleiben, und das ist die Voraussetzung für das Bestehen des Systems als Ganzes. Diese erhaltenen Verbindungen treten als Invariante auf, das heißt als stabile, unveränderte Elemente, die auch bei Variationen des Systems bestehen bleiben. Diese stabilen Verbindungen und Beziehungen zwischen den Elementen bilden die Struktur des Systems. Mit anderen Worten: Ein System besteht aus seinen Elementen und deren Struktur.
Jedes Objekt der materiellen Welt ist einzigartig und nicht identisch mit einem anderen. Doch trotz der Einzigartigkeit und Unterschiedlichkeit der Objekte weisen bestimmte Gruppen von ihnen gemeinsame Merkmale in ihrer Struktur auf. Es gibt zum Beispiel eine große Vielfalt von Atomen, aber alle sind nach einem bestimmten Typ aufgebaut — in jedem Atom gibt es einen Kern und eine Elektronenhülle. Die enorme Vielfalt der Moleküle — vom einfachsten Wasserstoffmolekül bis hin zu komplexen Proteinen — weist gemeinsame strukturelle Merkmale auf: Die Atomkerne, die das Molekül bilden, sind durch gemeinsame Elektronenhüllen zusammengehalten. Gemeinsame strukturelle Merkmale lassen sich auch bei verschiedenen Makrokörpern, bei Zellen, aus denen lebende Organismen aufgebaut sind, und so weiter entdecken. Das Vorhandensein gemeinsamer Organisationsmerkmale ermöglicht es, verschiedene Objekte in Klassen materieller Systeme zu unterteilen. Diese Klassen werden oft als Ebenen der Materieorganisation oder als Arten von Materie bezeichnet.
Alle Arten von Materie sind miteinander genetisch verbunden, das heißt, jede entwickelt sich aus der anderen. Die Struktur der Materie kann als eine bestimmte Hierarchie dieser Ebenen dargestellt werden.
Die Ebenen der Organisation der unbelebten Natur
Gemäß den modernen wissenschaftlichen Auffassungen werden die tiefen Strukturen der materiellen Welt durch Objekte des elementaren Niveaus repräsentiert. Dies sind vor allem die Elementarteilchen. Abgesehen vom Elektron, dessen Forschung bereits im 19. Jahrhundert begann, wurden alle anderen erst im 20. Jahrhundert entdeckt. Ihre Eigenschaften erwiesen sich als äußerst ungewöhnlich und unterschieden sich stark von denen der Makroobjekte, mit denen wir im Alltag in Kontakt kommen. Alle Elementarteilchen besitzen sowohl corpuskulare als auch wellenartige Eigenschaften, und die Gesetze ihrer Bewegung, die durch die Quantenphysik untersucht werden, weichen von denen der klassischen Physik ab, die die Bewegung der Makroobjekte beschreibt.
Vor der Entdeckung der Elementarteilchen und ihrer Wechselwirkungen unterschied die Wissenschaft zwischen zwei Arten von Materie: Substanz und Feld.
Bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts definierte man das Feld als ein kontinuierliches materielles Medium und die Substanz als diskret, bestehend aus einzelnen Teilchen. Doch die Entwicklung der Quantenphysik offenbarte die Relativität der Abgrenzungslinien zwischen Substanz und Feld. Nur auf der Makroebene, wenn die quantenmechanischen Eigenschaften der Felder vernachlässigt werden können, können sie als kontinuierliche Medien betrachtet werden. Auf der Mikroebene jedoch erscheinen die Felder als aus Quanten bestehend, die als Teilchen mit sowohl corpuskularen als auch wellenartigen Eigenschaften betrachtet werden können. Zum Beispiel kann das elektromagnetische Feld als ein System von Photonen und das Gravitationsfeld als ein System von Gravitonen — hypothetischen Teilchen, die die Quantenphysik vorhersagt — beschrieben werden. Gleichzeitig werden auch die Teilchen der Materie — Elektronen, Positronen, Mesonen und andere — in einer Reihe von physikalischen Aufgaben als Quanten der entsprechenden Felder betrachtet (z.B. des Elektron-Positron-Feldes, Meson-Feldes usw.).
Die Elementarteilchen nehmen an vier Arten von Wechselwirkungen teil — der starken, der schwachen, der elektromagnetischen und der gravitativen. Nur die letzten beiden Wechselwirkungen treten in allen Entfernungen, wie auch immer groß sie sein mögen, in Erscheinung und bestimmen daher nicht nur die Prozesse der Mikrowelt, sondern auch die der Makroobjekte, Planeten, Sterne und Galaxien (Makro- und Megawelt). Was die starken und schwachen Wechselwirkungen betrifft, so sind diese nur für die Prozesse der Mikrowelt charakteristisch. Eine der erstaunlichsten Entdeckungen der letzten Drittels des 20. Jahrhunderts war die Feststellung, dass die elektromagnetischen und schwachen Wechselwirkungen verschiedene Manifestationen einer einheitlichen Entität sind — der elektroschwachen Wechselwirkung.
Die Elementarteilchen lassen sich nach der Art ihrer Wechselwirkungen klassifizieren. Hadronen (schwere Teilchen — Protonen, Neutronen, Mesonen und andere) nehmen an allen vier Wechselwirkungen teil. Leptonen (vom Griechischen leptos — leicht; zum Beispiel Elektron, Neutrino und andere) sind nur an den elektromagnetischen, schwachen und gravitativen Wechselwirkungen beteiligt und nicht an den starken. Hypothetische Gravitonen fungieren ausschließlich als Träger der Gravitationskraft. In den starken Wechselwirkungen sind viele Hadronen ununterscheidbar; sie erscheinen einander gleich. Zum Beispiel sind Nukleonen — Neutronen und Protonen — untereinander nicht unterscheidbar, ebenso wie alle P-Mesonen (Pi-Mesonen), die als ein einziges Teilchen auftreten. Doch wenn elektromagnetische Kräfte ins Spiel kommen, spalten sich die Nukleonen in zwei Bestandteile, und die P-Mesonen in drei (P°, P+, P-). Diese Spaltung erlaubt es, die Teilchen als Manifestationen einer tieferen Struktur zu betrachten. Die Suche nach solchen Strukturen bildet das Hauptziel der modernen Physik. Auf diesem Weg strebt die Wissenschaft danach, die tiefen Eigenschaften und Zustände der Materie zu entdecken, die letztlich die Evolution des Universums und die besonderen Wechselwirkungen und Entwicklungen seiner Objekte bestimmen.
Der erste große Erfolg auf diesem Weg war die Entdeckung der Quarkstruktur der Hadronen. Quarks erwiesen sich als äußerst exotische Objekte, nicht nur aufgrund ihres Bruchteils elektrischer Ladung (1/3 oder 2/3 der Ladung eines Elektrons, das als 1 angenommen wird). Die Wechselwirkung zwischen den Quarks, die durch den Austausch von Gluonen erfolgt, ist so beschaffen, dass eine Vergrößerung der Entfernung zwischen den Quarks innerhalb eines Hadrons zu einer dramatischen Zunahme der Bindungskräfte führt. Daher wurden Quarks, im Gegensatz zu den zuvor bekannten Elementarteilchen (Protonen, Neutronen, Elektronen und anderen), bisher noch nicht im freien Zustand entdeckt. Sie scheinen innerhalb der Hadronen “eingeschlossen“ zu sein. Doch in Experimenten können sie sondiert werden: Bei der Kollision von Teilchen hoher Energie werden innerhalb der Hadronen mehrere charakteristische Zentren entdeckt, an denen die Teilchen gestreut werden, und diese werden von der Physik mit den Quarks identifiziert.
Quarks und Leptonen fungieren als die grundlegenden Objekte im System der Elementarteilchen. Sie sind das Hauptbaumaterial für die Materie unserer Welt, da die Atomkerne dank der Wechselwirkung der Quarks existieren und die Bildung der Elektronenhüllen um den Kern zur Bildung von Atomen führt.
Die moderne Physik hat bisher noch keine einheitliche Theorie der Elementarteilchen geschaffen, doch wurden bereits erste bedeutende Schritte auf diesem Weg gemacht. Die Entdeckung gemeinsamer tiefer Strukturen der Teilchen, die an den starken Wechselwirkungen beteiligt sind, und die Feststellung der Einheit von schwachen und elektromagnetischen Wechselwirkungen haben die Entwicklung der Idee angestoßen, starke, elektroschwache und gravitative Wechselwirkungen in einem einheitlichen theoretischen Rahmen zu vereinigen. Mit anderen Worten, es geht bereits um die Erforschung der subelementaren Ebene der Materieorganisation und die Untersuchung der einheitlichen Natur aller Elementarteilchen. Wahrscheinlich verbergen sich in den Gesetzmäßigkeiten dieser Ebene die grundlegenden Geheimnisse unseres Universums, die die Besonderheiten seiner Evolution bestimmen. Es ist ein allgemeines Merkmal der modernen Wissenschaft, dass, je tiefer sie in die Mikrowelt eindringt, desto mehr Möglichkeiten für das Verständnis der großräumigen Struktur des Universums eröffnet werden. Diese ist weder ewig noch unveränderlich, sondern stellt das Ergebnis der Entwicklung der Materie dar, eine besondere Verwirklichung jener Potenziale, die in den Tiefen der Mikrowelt angelegt waren.
Die elementare Ebene der Organisation der Materie umfasst neben den Elementarteilchen auch ein ungewöhnliches physikalisches Objekt — das Vakuum. Der physikalische Vakuumzustand ist keine Leere, sondern ein besonderer Zustand der Materie. Alle Teilchen und physischen Körper sind im Vakuum eingebettet. In ihm finden ständig komplexe Prozesse statt, die mit dem kontinuierlichen Entstehen und Vergehen sogenannter “virtueller Teilchen“ verbunden sind.
Virtuelle Teilchen sind gewissermaßen Potenziale entsprechender Arten von Elementarteilchen, ihre "Vakuumwurzeln", Teilchen, die bereit zur Entstehung sind, aber nicht entstehen, die in sehr kurzen Zeiträumen erscheinen und wieder verschwinden. Unter bestimmten Bedingungen können sie aus dem Vakuum hervortreten und sich in "normale" Elementarteilchen verwandeln, die relativ unabhängig von ihrer Entstehungsumgebung existieren und mit ihr interagieren können.
Die ersten Schritte auf dem Weg zur Erforschung der subelementaren Ebene der Materie führten zu grundsätzlich neuen Ideen über die qualitative Vielfalt des Vakuums. Es stellte sich heraus, dass das physikalische Vakuum in der Lage ist, seine Struktur sprunghaft umzubauen. Solche Übergänge von einem Zustand in einen anderen, die mit einer scharfen Veränderung der Eigenschaften eines Systems verbunden sind, bezeichnet man in der Physik als Phasenübergänge (ein bekanntes Beispiel ist der Übergang von Wasser zu Dampf und Eis). Auch das physikalische Vakuum erwies sich als fähig zu Phasenübergängen.
Diese neuen Ideen der modernen Mikrophysik bildeten die Grundlage für ungewöhnliche Vorstellungen über die Entwicklung unseres astronomischen Universums, über seine Entstehung durch eine Explosion, die mit der massenhaften Entstehung von Elementarteilchen als Ergebnis eines der Phasenübergänge des Vakuums verbunden ist. Die Interaktion von Objekten der subelementaren Ebene und den auf ihrer Basis entstehenden Elementarteilchen bildet das Fundament für die Entstehung komplexerer materieller Systeme. Aus den Elementarteilchen bauen sich Atome auf, die eine qualitativ spezifische Form der Materie darstellen.
Elementarteilchen, Atomkerne, Ionen (Atome, die einen Teil ihrer Elektronen auf den Elektronenhüllen verloren haben) können einen besonderen Zustand der Materie bilden, der einem Gas ähnelt und als Plasma bezeichnet wird. Riesige plasmapartikelne Körper, die durch elektromagnetische und gravitative Felder zusammengehalten werden, bilden Sterne, die eine besondere Ebene der Materieorganisation darstellen. In ihrem Inneren laufen Kernreaktionen ab, bei denen sich Teilchen in andere verwandeln, wodurch Sterne kontinuierlich Energie abstrahieren.
Sterne fungieren als eine Art Werkstatt der Atome. Dank der in ihnen stattfindenden Umwandlungen von Elementarteilchen entstehen Atomkerne, während an der Peripherie und in den Umgebungen der Sterne, bei abnehmender Temperatur und aufgrund von Materieauswürfen bei ihren Explosionen, Atome entstehen. Durch die Wechselwirkungen von Atomen bildet sich die nächste Ebene der Materieorganisation: Moleküle. Nach den Molekülen folgt die Ebene der Makroobjekte (flüssig, fest, gasförmig). Eine besondere Art von Makroobjekten, die als spezifische Form der Materie betrachtet werden kann, bilden Planeten — Körper mit einer komplexen inneren Struktur, die einen Kern, eine Lithosphäre und in einigen Fällen auch eine Atmosphäre und Hydrosphäre besitzen. Sterne und Planeten bilden planetarische Systeme.
Enorme Ansammlungen von Sternen, planetarischen Systemen sowie interstellarer Staub und Gas, die miteinander in Wechselwirkung treten, bilden besondere Objekte, die als Galaxien bezeichnet werden. Die Erde gehört zu einer dieser Galaxien, die ein riesiges, ellipsoidal-spiraliges System darstellt. Die Hauptmasse der Sterne, die zu unserer Galaxie gehören, ist in einer Scheibe konzentriert, die einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren und eine Dicke von 1.500 Lichtjahren aufweist (zum Vergleich: die Lichtgeschwindigkeit beträgt etwa 300.000 km/s). Unsere Sonne befindet sich am Rand der Galaxie und bewegt sich um ihren Kern, wobei sie einen vollständigen Umlauf in 200 Millionen Jahren vollzieht (dies wird als galaktisches Jahr bezeichnet).
Das Zentrum der Galaxie, das aus einer sehr dichten Ansammlung von Sternen, heißem interstellarer Gas und Staub besteht und möglicherweise hypothetische superdichte Körper umfasst, können wir direkt nicht beobachten. Die Sonne bewegt sich gegenwärtig in dem Teil des galaktischen Raums, in dem der Kern von der Erde durch eine ausgedehnte Staubnebelhülle verdeckt wird. In einigen Millionen Jahren wird die Erde von diesem "Schild" befreit, und sie wird den Strahlungen ausgesetzt sein, die vom Kern ausgehen. Derzeit ist das Zentrum unserer Galaxie ruhig; es strahlt einen konstanten Energiefluss aus. Im Prinzip können die Kerne von Galaxien jedoch auch aktiv sein, in der Lage zu Ausbrüchen, bei denen innerhalb kurzer Zeit (einige Monate und sogar Wochen) enorme Energiemengen freigesetzt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass das Zentrum unserer Galaxie auch in regelmäßigen (wenn auch sehr langen) Zeiträumen explosive Aktivitäten zeigen könnte. Wäre die Erde während dieser explosiven Prozesse nicht von Staubnebeln abgeschirmt, sondern offen, so würden die Strahlungen des Kerns das Zustandekommen und die Entwicklung des Lebens beeinflussen. Es ist wichtig zu erkennen, dass sowohl das irdische Leben als auch die Menschheit als Teil dieses Lebens von der Organisation des Kosmos abhängen. Daher ist das Wissen um die Prinzipien seiner Organisation notwendig, um das Entstehen des irdischen Lebens und unsere Wechselwirkungen mit der Natur zu verstehen.
Galaxien verschiedener Typen bilden Ansammlungen — Galaxienhaufen, die besondere Objekte darstellen, die Eigenschaften der Ganzheit besitzen. Wenn man trotz der enormen Entfernungen zwischen den Galaxien (in Dutzenden, Hunderten von Millionen Lichtjahren oder mehr) eine Analogie zwischen Molekülen von Makroobjekten und Galaxien in Ansammlungen zieht, so stellt man fest: Solche Ansammlungen lassen sich mit einer sehr zähen Substanz vergleichen.
Schließlich gibt es neben den Galaxienhaufen noch eine höhere Ebene der Materieorganisation — die Metagalaxie, die ein System von miteinander wechselwirkenden Galaxienhaufen darstellt. Diese interagieren so, dass sie sich mit sehr großen Geschwindigkeiten voneinander entfernen. Je weiter sie voneinander entfernt sind, desto größer wird die Geschwindigkeit ihrer gegenseitigen Ausbreitung. Dieser Prozess wird als Expansion der Metagalaxie bezeichnet und stellt ein besonderes systemisches Merkmal dar, das ihr Dasein bestimmt. Die Expansion der Metagalaxie begann mit ihrer Entstehung. Laut der modernen Kosmologie entstand die Metagalaxie vor etwa 20 Milliarden Jahren als Ergebnis des Urknalls. Dieser Explosion selbst wird von der Wissenschaft mit Umbauten der Struktur des physikalischen Vakuums in Verbindung gebracht, mit Phasenübergängen von einem Zustand in einen anderen, die mit der Freisetzung enormer Energiemengen einhergingen. So ist die Entstehung unseres Universums (der Metagalaxie) nicht ein Akt seiner Schöpfung aus dem Nichts (wie es moderne Theologen zu erklären versuchen), sondern das Ergebnis einer Entwicklung, qualitativer Umwandlungen eines Zustands der Materie in einen anderen.
Die moderne Wissenschaft erlaubt die Möglichkeit der Entstehung und des Zusammenlebens vieler Welten, die unserer Metagalaxie ähnlich sind und als extrametagalaktische Objekte bezeichnet werden. Ihre komplexen Wechselbeziehungen bilden das mehrstufige Große Universum — die materielle Welt mit unendlicher Vielfalt an Formen und Arten von Materie. Dabei ist nicht in allen diesen Welten die Vielfalt an Materieformen möglich, die in der Geschichte unserer Metagalaxie entstanden ist.
Das Wesen der Materie auf biologischer und sozialer Ebene
In einem bestimmten Stadium der Entwicklung der Metagalaxie entstehen innerhalb einiger Planetensysteme Bedingungen, die es ermöglichen, aus den Molekülen der unbelebten Natur materielle Träger des Lebens zu formen. Wie die unbelebte Natur, so besitzt auch das Leben eine Vielzahl von Ebenen materieller Organisation. Man kann unterscheiden: Systeme auf dem präzellularen Niveau — Nukleinsäuren (DNA und RNA) und Proteine; Zellen als eine besondere Ebene der Bioorganisation, die in Form von einzelligen Organismen selbständig existiert; vielzellige Organismen (Pflanzen, Tiere). Besondere Ebenen der Organisation lebendiger Materie bilden überorganismische Strukturen. Zu ihnen gehören vor allem Populationen — Gemeinschaften von Individuen einer Art, die durch einen gemeinsamen Genpool miteinander verbunden sind, sich miteinander fortpflanzen und sich in der Nachkommenschaft fortpflanzen.
Jede Population stellt eine besondere systemische Ganzheit dar. Ein Wolfsrudel im Wald, ein Fischschwarm im See, ein Ameisenhaufen, Gruppen sich fortpflanzender Pflanzen einer Art (zum Beispiel ein sich ausbreitender Strauch) — all dies sind Populationen. Die Integrität einer Population regelt das Verhalten und die Fortpflanzung der einzelnen Organismen, die sie umfasst. Wenn zum Beispiel die Biomasse eines Heuschreckenschwarms einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, häufen sich die Begegnungen der einzelnen Tiere und es werden Mechanismen aktiviert, die ihre Fortpflanzungsprogramme hemmen. Wenn die Zahl der Bienen im Bienenstock ansteigt, beginnt die Population sich zu teilen (Schwärmen der Bienen). Bei vielen Tieren existieren komplexe Signalsysteme, die das Verhalten eines Individuums gegenüber einem anderen bestimmen, bestimmte Programme dieses Verhaltens aktivieren und damit die Beziehungen der Individuen innerhalb der entsprechenden Gemeinschaft regeln. Dies können akustische Signale, Gerüche, Posen usw. sein.
Neben Populationen gehören auch Arten und Biozönosen zu den überorganismischen Ebenen der Organisation lebendiger Materie. Letztere entstehen durch das Zusammenspiel mehrerer Populationen untereinander und mit der Umwelt. In der integralen Struktur der Biozönose sind diese Populationen so miteinander verbunden, dass die Lebensprodukte der einen die Lebensbedingungen der anderen schaffen. So ist der Wald eine Biozönose, in der die in ihm lebenden Tierpopulationen sowie Pflanzen, Pilze, Flechten und Mikroorganismen miteinander interagieren und ein gesamtes System bilden. Dank dieser Interaktionen und der komplexen Austauschprozesse zwischen den Lebensprodukten verschiedener Populationen entstehen Bedingungen für ihr gemeinsames Dasein. Viele Populationen können nur innerhalb einer bestimmten Biozönose existieren.
Schließlich bildet die Wechselwirkung zwischen den Biozönosen ein globales Lebenssystem — die Biosphäre. In diesem integralen System interagieren verschiedene Biozönosen nicht nur untereinander, sondern auch mit der Erdatmosphäre, über die der Wärmeaustausch zwischen der Erde und dem Kosmos erfolgt, mit der Wasserumwelt und mit den Gesteinsformationen. Bei einer Störung dieser Wechselwirkungen verändert sich die gesamte Lebenssphäre der Erde. Um ihr dynamisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, nicht nur bestimmte Lebensbedingungen für verschiedene Organismen, Populationen und Biozönosen zu reproduzieren, sondern auch ein gewisses Maß an Vielfalt. Wenn diese Vielfalt unter ein bestimmtes Niveau sinkt, beginnt die gesamte Biosphäre zu degenerieren.
Der Mensch ist Teil der Lebenssphäre der Erde. Durch die stetig zunehmende industrielle Beeinflussung der Umwelt kann der Mensch Störungen in die Dynamik der Biosphäre einbringen und tut dies (immer mehr). In der heutigen Zeit sind diese Störungen so gravierend, dass sie mit dem irreversiblen Verfall der Biosphäre drohen. Das Wissen um ihre Gesetze und das Verständnis der eigenen Position in ihrer Dynamik ist heute eine der Voraussetzungen für das menschliche Dasein und gewinnt daher eine immense weltanschauliche Bedeutung.
Die Entwicklung der Biosphäre, die mit dem Entstehen immer neuer Ebenen der Organisation verbunden ist, ist das Ergebnis ihres Funktionierens und ihrer Evolution als Ganzes innerhalb einer noch breiteren Ganzheit — der sich entwickelnden Universum (Metagalaxie). Und ebenso wie in der unbelebten Natur die Bildung jeder neuen Stufe materieller Systeme durch das Ganze der Metagalaxie bedingt ist, so ist auch die Differenzierung der Biosphäre in qualitativ spezifische Ebenen der Organisation lebendiger Materie durch ihre Entwicklung als komplexes, sich entwickelndes System bedingt. In einem bestimmten Stadium der Entwicklung entstehen innerhalb der Biosphäre besondere Populationen lebender Wesen, die durch ihre sich entwickelnde Werkzeugsnutzung ihre biologischen Formen des Daseins in das soziale Leben transformieren. Innerhalb der Biosphäre beginnt sich eine besondere Art materieller Systeme zu entwickeln — die menschliche Gesellschaft. Auch hier entstehen besondere Unterstrukturen — Familie, Klassen, Nationen und andere, von denen viele historisch variabel sind, nur in bestimmten Phasen der Menschheitsgeschichte existieren und sich in neue Unterstrukturen des sich verändernden und zunehmenden menschlichen sozialen Lebens umwandeln.
Als eine besondere Ebene der Materieorganisation existiert die menschliche Gesellschaft dank der Tätigkeit des Menschen und umfasst als notwendige Bedingung ihres Funktionierens und ihrer Entwicklung dessen geistige Existenz. Der Umgang mit der umgebenden Natur, den der Mensch in seiner Praxis vollzieht, stellt nicht einfach den Verbrauch von Naturmaterial dar, der durch menschliche Tätigkeit umgewandelt wird. Diese Umwandlung selbst beruht auf den Gesetzen der Weltenentwicklung und kann als Verwirklichung von Linien ihrer Entwicklung, die für die natürliche Umwelt höchst unwahrscheinlich sind, betrachtet werden.
Die meisten Gegenstände und Prozesse der vom Menschen geschaffenen “zweiten Natur“ können nicht spontan in unserer Metagalaxie entstehen. Die Natur hat weder das Rad noch das Auto noch den Computer erschaffen, obwohl einige, wenn auch entfernte, Analogien davon unter den Objekten der natürlichen Umwelt zu finden sind. Die Selbstmontage eines Autos oder einer Rechenmaschine auf Halbleitern ist ohne den Menschen in der Natur nicht möglich, doch als Verwirklichung menschlicher Ziele in der Materie der Natur, als Verkörperung des menschlichen Geistes, erhalten diese Objekte ihr reales Dasein. Die Evolution der vom Menschen geschaffenen künstlichen natürlichen Umwelt stellt eine besondere Entwicklungsrichtung der Materie dar, die nur innerhalb der menschlichen Gesellschaft möglich ist.
In der menschlichen Lebensweise scheinen verschiedene Linien der Selbstentwicklung der Materie aufeinanderzustoßen: auf der einen Seite die natürliche Evolution der unbelebten und belebten Natur, auf der anderen Seite die künstliche, nur in der Gesellschaft verwirklichte Evolution der Materie. Diese zweite Linie, die durch menschliche Tätigkeit entsteht, manifestiert sich nicht nur in den Formen der sich entwickelnden materiellen Umwelt, die der Mensch im Produktionsprozess erschafft, sondern auch in der Entwicklung des Menschen selbst, der seine natürlichen Möglichkeiten entfaltet, neue Formen der Kommunikation und sozialen Beziehungen aufbaut und sich dabei selbst verändert.
Das Verständnis der Menschheitsgeschichte als einen besonderen Abschnitt der grandiosen Entwicklung der Materie stellt faszinierende weltanschauliche Probleme bezüglich der Möglichkeit der Existenz anderer Zivilisationen, ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und der kosmischen Zukunft der Menschheit auf. Diese Probleme haben einen allgemein kulturellen Sinn und werden in der Philosophie diskutiert. Das wissenschaftliche Weltbild der modernen Ära erweitert das Verständnis des menschlichen Daseins und die Entwicklung des wissenschaftlichen Weltbildes bietet neues und oft unerwartetes Material für philosophische Überlegungen zu den ewigen Fragen der Weltsicht über den Platz des Menschen in der Welt und die Zukunft der Menschheit.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025