Der Mensch als Schöpfer seiner selbst - Philosophie der Renaissance: Anthropozentrismus - Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen
Einführung in die Philosophie - 2024 Inhalt

Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen

Philosophie der Renaissance: Anthropozentrismus

Der Mensch als Schöpfer seiner selbst

Schauen wir nun, wie das Verständnis des Menschen in der Renaissance sich vom antiken und mittelalterlichen unterscheidet. Ein Beispiel dafür finden wir in den Überlegungen des italienischen Humanisten Giovanni Pico della Mirandola (1463—1494) in seiner berühmten "Rede über die Würde des Menschen". Nachdem Gott den Menschen erschaffen und "ihn ins Zentrum der Welt gestellt hatte", sprach er laut diesem Philosophen zu ihm: "Wir geben dir, o Adam, weder einen festen Platz noch ein festgelegtes Aussehen noch eine besondere Aufgabe, damit du Platz, Aussehen und Aufgabe nach deinem eigenen Wunsch, gemäß deinem Willen und deiner Entscheidung haben mögest. Das Bild der anderen Geschöpfe ist durch die von uns gesetzten Gesetze bestimmt. Du aber, der nicht durch irgendwelche Grenzen eingeschränkt bist, wirst dein Bild nach deinem eigenen Entschluss bestimmen, dem ich dich unterstelle."

Dies ist ein ganz anderes Verständnis des Menschen als das der Antike. In der Antike war der Mensch ein Naturwesen, insofern seine Grenzen von der Natur bestimmt wurden, und es lag an ihm, ob er der Natur folgen oder von ihr abweichen würde. Daher ist die antike Ethik intellektualistisch und rationalistisch: Wissen ist notwendig für moralisches Handeln; der Mensch muss erkennen, was das Gute ist, und wird dann zwangsläufig dem Guten folgen. Bildlich gesprochen erkennt der antike Mensch die Natur als seine Herrin an und sich selbst nicht als Herr der Natur.

Bei Pico jedoch hören wir einen Echos des Gedankens vom Menschen, dem Gott freien Willen verliehen hat und der selbst über sein Schicksal entscheiden muss, seinen Platz in der Welt festzulegen. Der Mensch hier ist nicht einfach ein Naturwesen; er ist der Schöpfer seiner selbst und unterscheidet sich dadurch von anderen Naturwesen. Er ist Herr über die gesamte Natur. Dieses biblische Motiv wird hier jedoch entscheidend umgestaltet: In der Renaissance schwächt sich der mittelalterliche Glaube an die Sündhaftigkeit des Menschen und die Verderbtheit der menschlichen Natur zunehmend ab, sodass der Mensch nicht mehr auf göttliche Gnade für sein Heil angewiesen ist. In dem Maße, wie der Mensch sich selbst als Schöpfer seines Lebens und Schicksals erkennt, wird er auch zum uneingeschränkten Herrn über die Natur.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025