Spezifika des Klassischen Typs der Historiosophischen Reflexion
Nichtklassische Geschichtsphilosophie des 20. Jahrhunderts - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Spezifika des Klassischen Typs der Historiosophischen Reflexion

Die metaphysische Philosophie der Geschichte stellt eine Theorie des weltgeschichtlichen Prozesses dar. Die Ursprünge der klassischen Historiosophie liegen im christlichen Weltbild und in der christlichen Weltanschauung. Als Begründer der klassischen europäischen Geschichtsphilosophie gilt bekanntlich der selige Augustinus. In Augustins Lehre von den „zwei Städten“ lässt sich bereits klar das für jede Theorie des historischen Prozesses konstitutive Unterscheidungsmerkmal erkennen: die empirische Geschichte („irdische Geschichte“) und die ontologische Geschichte („himmlische Geschichte“). Die Verbindung dieser beiden Ebenen (Dimensionen) der Geschichte wird in Augustins Konzept durch die Persönlichkeit und die gottmenschliche Natur Jesu Christi gewährleistet.

Die klassische Philosophie der Geschichte strebt danach, den historischen Prozess als „Ablauf von Ereignissen, der einer einheitlichen Formel unterliegt“, zu verstehen. Der konkrete Inhalt dieser Formel kann unterschiedlich gedacht werden, was eine Vielzahl von Theorien zur Weltgeschichte hervorbringt und die Problemstellung der klassischen Historiosophie definiert.

Zu den wichtigsten attributiven Merkmalen einer metaphysischen Philosophie der Geschichte zählen insbesondere:

  1. Transzendentalismus und Apriorismus;
  2. die Annahme der „Einheit der Geschichte“ und die Feststellung der prinzipiellen Möglichkeit für den Menschen, den Sinn der Weltgeschichte als Ganzes zu erfassen;
  3. die Frage nach dem Anfang und der Entstehung der Geschichte, nach den außerhistorischen Grundlagen und Ursprüngen der historischen Realität;
  4. Teleologismus und Eschatologismus, die Frage nach dem „Ende der Geschichte“ und die Feststellung seiner prinzipiellen Erkenntnisfähigkeit.

Die genannten Merkmale der metaphysischen Historiosophie sind miteinander verknüpft. Ein rationales Erfassen der Geschichte als sinnvolle Ganzheit ist nur im Rahmen der transzendentalen Philosophie möglich, die eine Unterscheidung zwischen zwei Ebenen historischer Prozessualität voraussetzt: der transzendentalen, apriorisch erfassbaren und der empirischen. Die Vorstellung vom „Anfang“ der menschlichen Geschichte impliziert notwendigerweise auch die Idee eines „Endes der Geschichte“. Die Weltgeschichte kann „endet“ haben, weil sie einst „begonnen“ hat, und dieser „Anfang“ (Ursprung) der Geschichte ist rational erfassbar. Ebenso gilt das Umgekehrte: Über den Anfang der menschlichen Geschichte lässt sich nur im Hinblick auf die Idee des „Endes der Geschichte“ urteilen.

Die Kombination dieser Merkmale ermöglicht die Klassifizierung einer Historiosophie als klassisch (metaphysisch). Im Folgenden werden diese Merkmale genauer betrachtet.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 01/10/2025