Die Philosophie der Renaissance
Spezifik der philosophischen Kultur der Renaissance
Die philosophische Gedankenwelt der Renaissance erstreckt sich über drei Jahrhunderte: vom frühen Humanismus des 14. Jahrhunderts bis zur Naturphilosophie des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Sie lässt sich nicht nur als Ergebnis des Zerfalls der mittelalterlichen Scholastik verstehen, sondern stellt sich als eine fundamentale Gegenposition zur gesamten mittelalterlichen Philosophie dar, da sie auf prinzipiell anderen Grundlagen aufbaut, was jedoch nicht einen völligen Bruch zwischen beiden bedeutet.
Charakteristisch für die neue philosophische Kultur waren:
- ihr antischolastischer Charakter (obwohl die Scholastik für den Staat weiterhin als offizielle Philosophie galt und ihre Prinzipien in den meisten Universitäten gelehrt wurden);
- der Pantheismus als Hauptprinzip der Weltanschauung;
- Anthropozentrismus und Humanismus.
In der Renaissance entwickelte sich ein neuer Denkstil, der die Form der Darstellung von Ideen nicht mehr in den Vordergrund stellte, sondern vielmehr den Inhalt der Ideen selbst. Die scholastische Tradition, philosophische Werke zu schaffen, war mit einer dogmatischen, "belehrenden" Darstellungsweise verbunden, die auf der Interpretation eines autoritativen, religiös widerspruchsfreien Textes beruhte. Die Philosophen der Renaissance setzten diesem Ansatz einen literarisch-rhetorischen Genre entgegen, das auf die gebildeten, weltlichen Leserschichten abzielte und nicht nur auf das eng spezialisierte Publikum der professionellen Theologen.
Das hierarchische Weltbild wurde durch ein Konzept ersetzt, das die wechselseitige Durchdringung des Irdischen, Naturhaften und Göttlichen betonte. Die Natur wurde pantheistisch aufgefasst, was den Einfluss des Neuplatonismus mit seiner Lehre von der Weltseele widerspiegelte. Nach Ansicht eines herausragenden Vertreters dieser Richtung, Plotin, durchdringt und erleuchtet die Seele die gesamte Masse der Natur, wie die Sonne mit ihren Strahlen die dunklen Wolken erleuchtet. Auf diese Weise verleiht die Seele der Materie Sinn, Wert und Schönheit, ohne die der Welt das Dasein entzogen wäre.
Die Philosophie der Renaissance richtet sich vor allem auf den Menschen und nicht auf Gott, wie dies in der mittelalterlichen Kultur der Fall war. Augustinus von Hippo betrachtete das Hauptziel des menschlichen Lebens als das Streben nach Glück, wobei Glück das Wissen über Gott und das Erkennen seiner vollkommenen Abhängigkeit von ihm ist. Ohne die Hilfe Gottes könnte der Mensch die Welt nicht begreifen. Gott verleiht dem Menschen den freien Willen, unterwirft ihn jedoch den göttlichen Geboten und der göttlichen Führung. Adam verriet diesen freien, aber schon vom Hang zur Sünde belasteten Willen, und seither hat der freie Wille des Menschen eine Kluft zwischen ihm und Gott geschaffen. Moralisch wertvolle, gute Taten gehören nur einer Minderheit von Menschen. Ihre tadellose Moral verdanken sie der ewigen göttlichen Erwählung zu ihrem Heil. Diese Erwählung wird göttliche Gnade genannt und ist nicht von den Taten des Menschen abhängig, sondern führt die Erwählten direkt in das Paradies. Zum Guten wird der Mensch von Gott geführt, zum Bösen kann ihn aber auch der freie Wille leiten. Der menschliche Körper ist vergänglich und dem Verlangen nach den Versuchungen der sinnlichen Welt ausgesetzt. Deshalb hat die Seele Vorrang vor dem Körper. Je mehr die Seele die Forderungen des vergänglichen Körpers ignoriert, desto besser sind die Jenseitsgerichte des Menschen.
In der Renaissance wurde der Mensch selbst als schön und erhaben angesehen. Dies galt nicht nur für seine Seele, sondern auch für seinen Körper. Die Humanisten der Renaissance hielten es für Gottes Bestimmung, dem Menschen den freien Willen zu geben, um ihn dazu zu befähigen, „seinen eigenen Bildhauer und Schöpfer“ zu werden und sich zu einer grenzenlosen Vervollkommnung seiner Natur zu streben.
Die Philosophie der Renaissance lässt sich in drei Perioden unterteilen: I. Periode – Humanistisch (14. bis Mitte des 15. Jahrhunderts): Dante Alighieri, Francesco Petrarca, Lorenzo Valla II. Periode – Neoplatonisch (Mitte des 15. bis 16. Jahrhundert): Nikolaus von Kues, Giovanni Pico della Mirandola, Paracelsus III. Periode – Naturphilosophisch (16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts): Nikolaus Kopernikus, Giordano Bruno, Galileo Galilei.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025