Das Problem der Erkenntnismethode in der Philosophie der Neuzeit - Philosophie der Neuzeit
Philosophiegrundlagen - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Philosophie der Neuzeit

Das Problem der Erkenntnismethode in der Philosophie der Neuzeit

Symbolträchtig sind die Titel der Hauptwerke der Denker, die an den Anfängen der neuzeitlichen europäischen Wissenschaft standen: Francis Bacons „Novum Organum oder wahre Anweisungen zur Interpretation der Natur“ (lat. organum – Werkzeug, Instrument) und René Descartes' „Abhandlung über die Methode, um den Verstand richtig zu lenken und die Wahrheit in den Wissenschaften zu finden“. Dies erklärt auch, warum die Philosophen der Neuzeit (Bacon, Descartes, Locke, Berkeley, Hume, Leibniz) die wichtigste Aufgabe der Philosophie darin sehen, alles zu hinterfragen, was zuvor als unantastbare Wahrheit galt.

Die philosophische Position von Francis Bacon

Bei Francis Bacon (1561–1626) zeigt sich die philosophische Position in zweifacher Weise. Erstens: Laut dem Baron von Verulam hat das Streben nach Wissen keinen Sinn im Zusammenhang mit theologischen Bedürfnissen, sondern in Bezug auf seine praktische Anwendung. „So viel können wir, wie wir wissen“, pflegte er zu wiederholen; „Wissen ist Macht“. „Was im Handeln am nützlichsten ist, ist im Wissen am wahrsten.“ Die Wahrheit zieht Bacon aus der mittelalterlichen Hierarchie der Werte: Im Mittelalter wurde Wissen danach bewertet, wie nah sein Gegenstand an Gott war. Daraus folgte, dass die Theologie die höchste und edelste Wissenschaft sei, während die Rechtswissenschaft edler als die Medizin sei, da sie den Geist, nicht das verachtete Fleisch betreffe. „Die Wahrheit“, sagt Bacon, „ist die Tochter der Zeit, nicht der Autorität.“

Bacon unterscheidet „fruchtbare Experimente“ (die praktisch nützliches Wissen liefern) und „erleuchtende Experimente“ (die Licht auf die tiefen Zusammenhänge der Natur und auf Notwendigkeiten und Ursachen werfen). Der zweite Aspekt, in dem Bacons anti-scholastische Ausrichtung am deutlichsten wird, ist seine Lehre von den „Idolen“ oder „Phantomen“ des Geistes. Damit bezeichnet er Eigenschaften des menschlichen Geistes, die heimtückisch und unbemerkt zu Irrtümern führen können – schlechte Denkgewohnheiten. Er unterscheidet vier Arten von „Phantomen“, die allen Menschen eigen sind: Idole des Stammes, der Höhle, des Marktplatzes und des Theaters.

Beispielsweise sind die „Idole des Stammes“ allen Menschen angeboren und vererbt. Menschen neigen etwa dazu, eher auf positive als auf negative Fakten zu reagieren; die Abwesenheit von etwas beeindruckt weniger als seine Anwesenheit, und die Bestätigung bestehender Ansichten wird gerne angenommen, das Widerlegen hingegen weniger.

Deshalb, so sagt Bacon, handelte klug der Mensch, der im Tempel des Gottes – Schutzpatron der Seefahrer – beim Anblick von Tafeln mit den Namen derer, die diesem Gott geopfert und überlebt hatten, fragte: „Wo sind die Namen derer, die geopfert und dennoch gestorben sind?“

Doch nachdem man sich von der Macht der Phantome befreit hat, muss noch die Methode entschieden werden: „Ein Lahmer, der auf dem Weg geht, überholt den, der ohne Weg rennt.“ Allgemeingültige Regeln, die vor Irrtümern schützen, gibt es nicht; das einzige Mittel gegen Idole ist eine Art vernünftiger Weisheit.

Bacons grundlegende Methode zur Erkenntnis der Natur ist die Induktion. Vollständige Induktion ist jedoch praktisch unerreichbar: Es ist unmöglich, alle Fakten durchzugehen, auf deren Grundlage ein allgemeiner Schluss gezogen wird. Unvollständige Induktion – das bloße Aufzählen bekannter Fälle – liefert kein zuverlässiges Wissen. Die Lösung besteht darin, nicht die Vollständigkeit der Induktion, sondern die sorgfältige Berücksichtigung der negativen Fälle innerhalb der Gesamtheit zu verfolgen. Dies ist die eliminative (ausschließende) Induktion.

Die allgemeine Struktur empirischer Forschung nach Bacon sieht folgendermaßen aus: Die erste Phase jeder Untersuchung ist das Sammeln von Material. Um die Ursachen der in den Gegenständen ablaufenden Prozesse zu erkennen, müssen „einfache Naturen“ herausgearbeitet werden, also die grundlegendsten Eigenschaften wie Dichte, Wärme, Kälte, Schwere usw.

Anschließend erfolgt die Beobachtung des Materials in drei Richtungen, deren Ergebnisse in drei Tabellen eingetragen werden. Zum Beispiel bei der Untersuchung der Wärme: 1) Tabelle des „Vorhandenseins“ der Eigenschaft (Sonnenstrahlen, Flammen, Tierkörper usw.), 2) Tabelle des „Fehlens“ (Mondlicht, ungeheizte Flüssigkeiten, Pflanzengewebe usw.), 3) Tabelle des „Grades des Vorhandenseins“ der Wärme. Das Gesamtergebnis sollte die Schlussfolgerung liefern, dass die Ursache der Wärme die Bewegung von Materieteilchen ist.

In der Erkenntnistheorie ist Bacon Materialist. Materie ist die Urgrundlage und die Ursache alles Seienden. Ihre grundlegende Eigenschaft ist Bewegung. Nach Verulam gibt es insgesamt neunzehn Bewegungsformen: Widerstand, Trägheit, Schwingung usw. Damit wird ein weiterer Schritt zur mechanischen Weltauffassung deutlich.

Die Prozesse der Herausbildung der Wissenschaft als spezifischer Form der Erkenntnistätigkeit spiegeln sich in Bacons Klassifikation der Wissenschaften wider. Grundlage sind drei Hauptfähigkeiten der Seele: Gedächtnis, Vorstellungskraft und Verstand. Dem Gedächtnis entspricht die Geschichte (Naturgeschichte zur Beschreibung der Tatsachen der Natur und Zivilgeschichte zur Beschreibung menschlicher Gesellschaftsphänomene), der Vorstellungskraft die Dichtung, dem Verstand die Philosophie. Letztere verstand Bacon in einem Sinn, der der modernen Vorstellung von Wissenschaft näherkommt als der aristotelischen Klassifikation.

René Descartes: Probleme der Erkenntnismethode

Während Bacons Philosophie auf empirische Erkenntnis und empirische Wissenschaften ausgerichtet ist, richtet sich sein jüngerer französischer Zeitgenosse René Descartes (1596–1650), selbst Mathematiker und Begründer der analytischen Geometrie, auf die Erfahrung mathematischen Wissens und sieht darin das Ideal wissenschaftlichen Denkens überhaupt. Während Bacons induktive Methodologie wissenschaftliche Erkenntnis vom Besonderen zum Allgemeinen führte, stützt sich Descartes auf Deduktion. Wie Bacon betrachtet auch Descartes eine der Hauptaufgaben der Philosophie darin, das Denken von den falschen Überlagerungen und Irrtümern der Vergangenheit, insbesondere dem scholastischen Verbalismus, zu befreien.

Die Methode, die zu wahrer Erkenntnis führen soll, muss jedoch auf wahren Prämissen und Grundlagen beruhen. Doch wie bestimmt man, ob sie wahr sind? Descartes formuliert dazu seine Regeln der Methode:

  1. Nie etwas als wahr annehmen, das ich nicht mit Evidenz erkenne, d. h. Hast und Vorurteile vermeiden und nur das in meine Urteile einbeziehen, was meinem Geist so klar und deutlich erscheint, dass es keinen Zweifel zulässt.
  2. Jede Schwierigkeit in so viele Teile zerlegen, wie nötig, um sie besser zu lösen.
  3. Die Gedanken in einer bestimmten Reihenfolge ordnen, beginnend bei den einfachsten und leicht erfassbaren Gegenständen, und allmählich, wie auf Stufen, zu den komplexesten übergehen, selbst wenn sie im natürlichen Ablauf der Dinge nicht aufeinander folgen.
  4. Überall vollständige Übersichten und so umfassende Zusammenstellungen anfertigen, um sicherzustellen, dass nichts ausgelassen wird.

Da unser Bewusstsein von zahlreichen unbewiesenen falschen Kenntnissen geprägt ist und Philosophie nur auf wahren Grundlagen beruhen darf, muss man mit dem Zweifel beginnen. Zunächst gilt es, an allem zu zweifeln. Gibt es jedoch etwas, das dem Zweifel nicht unterliegt? Ja. Der Akt des Zweifelns zeigt, dass ich denke, und da ich denke, folgere ich: Ich existiere – Cogito ergo sum. Da ich denke und existiere, ist das „Ich“ eine denkende Substanz, Seele, Geist. Descartes betrachtete diese Erkenntnis als die zuverlässigste Intuition, sogar noch sicherer als mathematische Intuition. Das Dasein des „Ich“ folgt aus dem Faktum des Denkens; ich existiere, wenn ich denke, und nur dann. Meine Essenz besteht ausschließlich im Denken, sie benötigt weder Raum noch materielle Dinge (Descartes betrachtete Raum bzw. Ausdehnung als Haupteigenschaft der Materie). Die Seele ist folglich völlig vom Körper getrennt. So gelangt Descartes zum Dualismus und folgert, dass zwei parallele, unabhängige Welten existieren: die Welt des Geistes und die Welt der Materie, die jeweils unabhängig voneinander untersucht werden können.

Die Grundlage menschlicher Erkenntnis bilden angeborene Ideen – einfache und intuitiv offensichtliche Vorstellungen. Sie lassen sich in Urteilen ausdrücken wie: „Jede Sache hat Ursachen“, „Das Ganze ist größer als die Teile“, „Eine Kugel hat nur eine Oberfläche“ usw. Entsprechend dieser Grundgedanken präsentiert Descartes das gesamte System menschlichen Wissens: „Die ganze Philosophie gleicht einem Baum, dessen Wurzeln die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Äste alle übrigen Wissenschaften bilden, die auf drei Hauptbereiche hinauslaufen: Medizin, Mechanik und Ethik… Wie Früchte nicht an den Wurzeln oder am Stamm, sondern nur an den Ästen geerntet werden, so hängt auch der besondere Nutzen der Philosophie von jenen Teilen ab, die erst zuletzt untersucht werden können.“

Descartes identifiziert also die Einheit wissenschaftlichen Wissens mit der Philosophie, deren Fundament die höchst allgemeinen Grundlagen (Metaphysik) bilden. Bacon hingegen unterordnet die Metaphysik der Physik, d. h. nach ihm werden die allgemeinsten Urteile über die Welt – die „generellen Axiome“ – aus „mittleren Axiomen“ abgeleitet, die wiederum auf einzelnen Fakten beruhen.

Aus Bacon und Descartes entstanden zwei Haupttraditionen der Erkenntnistheorie der Neuzeit: Empirismus und Rationalismus. Der Empirismus sieht die Hauptquelle der Erkenntnis in der Erfahrung, den Sinneswahrnehmungen, während der Rationalismus den Verstand als Quelle ansieht. Beide Argumentationslinien führten zu Problemen, die für die Philosophie der Neuzeit unlösbar blieben: Wie lässt sich aus der Erfahrung oder den Sinneseindrücken (Empirismus) beziehungsweise aus dem mit angeborenen allgemeinen Begriffen ausgestatteten Verstand (Rationalismus) logisch die Existenz einer äußeren materiellen Welt ableiten?

Um dieses Problem zu lösen, muss Descartes auf Gott zurückgreifen. Er argumentiert, dass wir eine starke Neigung haben, an die Existenz der äußeren Welt zu glauben. Dieses starke Überzeugung lässt sich nur dadurch erklären, dass Gott sie in meinen Verstand gelegt hat. Gott ist ein vollkommenes Wesen, das nicht täuschen kann.

Descartes’ Gott ist jedoch nicht identisch mit dem christlichen Gott. Er legt lediglich die Naturgesetze fest und überlässt deren weitere Existenz sich selbst. Gott fungiert hier nur als Garant für die Erhaltung der Materie und ihrer Bewegungsregeln. Diese Auffassung bezeichnet man als Deismus (lat. deus – Gott). Gleichzeitig finden sich in Descartes’ Denken auch pantheistische Züge.

Descartes’ Position stieß sofort auf Kritik von materialistischen Philosophen und Empiristen. Seine Hauptgegner waren die englischen Philosophen Thomas Hobbes (1588–1679) und John Locke (1632–1704). Hobbes kritisierte Descartes dafür, dass er Subjekt und seine Fähigkeiten gleichsetzte. Denken ist nur eine Fähigkeit des Subjekts, neben anderen wie Gehen, Sprechen, Wärme empfinden etc. Man würde nie sagen: „Ich gehe, folglich bin ich ein Spaziergang.“ Gleiches gilt für das Denken. Entgegen Descartes müsste man folgern: „Ich denke, folglich bin ich ein denkendes, materielle Ding.“ Hobbes zufolge konnte Descartes auch nicht beweisen, dass die Idee Gottes dem Menschen angeboren ist. Daraus folgt: Im Bewusstsein kann kein angeborenes Bild oder Konzept Gottes existieren, da alle Vorstellungen (Empfindungen) Spiegelungen materieller Dinge (Körper) sind, die außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein existieren.

Empirismus nach John Locke

Die konsequenteste Linie des neuzeitlichen Empirismus, insbesondere im Verhältnis zum Rationalismus Descartes’, entwickelte John Locke. Beispielsweise lehnt Locke, unter Bezug auf das Bewusstsein und die Kultur der Urmenschen sowie die geistige Entwicklung des Kindes, das keine angeborene Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation besitzt, die Theorie der angeborenen Ideen Descartes’ ab. Tatsächlich ist die einzige Quelle des Wissens die Erfahrung – und nur die Erfahrung: Im Verstand gibt es nichts, was zuvor nicht in den Sinneswahrnehmungen vorhanden war.

Die Seele, der Verstand, ist von Geburt an tabula rasa (lat. leere Tafel), und erst durch Erfahrung und Erziehung erscheinen auf ihr die vielfältigen „Zeichnungen und Schriften“, also der Wissens- und Urteilsstoff. Neben der äußeren Erfahrung (Sinneswahrnehmung) erlaubt Locke jedoch auch eine innere Erfahrung, die er mit Reflexion gleichsetzt. Auf Grundlage dieser Prämissen entwickelt Locke seine Erkenntnistheorie, die den Kern seiner Philosophie bildet.

Die Grundlage des Wissens bilden einfache Ideen, die im Geist durch verschiedene Eigenschaften der Dinge hervorgerufen werden. Diese Qualitäten teilt Locke in primäre Eigenschaften, denen die Ideen ähnlich sind (Ausdehnung, Form, Dichte, Bewegung), und sekundäre Eigenschaften, denen die Ideen nicht gleichen (Farbe, Klang, Geruch, Geschmack). Abstraktionen, allgemeine Begriffe oder Universalien entstehen im Geist als Ergebnis der Verallgemeinerung einfacher Ideen, die aus einzelnen Dingen mittels Reflexion gewonnen werden. Diese abstrakten oder allgemeinen Ideen beziehen sich nicht mehr auf einzelne Dinge; im Geist sind sie ebenso individuell wie alles, was in der Welt existiert. Allgemeine Ideen werden vom Verstand zur Vereinfachung geschaffen.

Hier stößt Locke auf zwei fundamentale Probleme. Erstens leitet er die Existenz der Welt außerhalb des denkenden „Ich“ aus dem Vorhandensein von Sinneseindrücken ab, indem er annimmt, dass Sinneswahrnehmungen Ergebnisse der Einwirkung der Dinge auf unsere Sinnesorgane sind, also durch äußere Ursachen bedingt. Doch wie lässt sich dies logisch beweisen? Descartes führte zu diesem Zweck Gott in seine Erkenntnistheorie ein, Locke nicht. Er behauptet einfach, dass die Seele selbst keine einfachen Ideen (Sinneseindrücke) hervorbringen kann; alle sind Produkte der Dinge, die auf die Seele wirken. In diesem Sinne ist Lockes Materialismus nicht ganz konsequent. Zweitens stellt sich die Frage: Wenn im Verstand von Geburt an nichts ist, was nicht zuvor in den Sinneswahrnehmungen vorhanden war, wie können dann allgemeine Begriffe entstehen? Allgemeine Begriffe und Urteile entstehen dadurch, dass der Verstand Sinneseindrücke – oder einfache Ideen, wie Locke sie nennt – auf bestimmte Weise kombiniert. Um zu verallgemeinern, muss bereits eine Vorstellung von Allgemeinheit im Geist vorhanden sein.

Philosophie von George Berkeley

Die inneren Widersprüche des Lockeschen Sensualismus treten besonders deutlich in der Philosophie von George Berkeley (1685–1753) zutage. Wenn man die Sinneswahrnehmungen als Ausgangspunkt der Erkenntnis nimmt, wie der Sensualismus es tut, kann man ebenso gut folgern, dass die Dinge, die die Wahrnehmungen hervorrufen, real existieren, oder dass die Welt selbst nur meine Wahrnehmung von ihr ist. Zu Letzterem gelangte Berkeley: Die Welt ist ein Komplex von Wahrnehmungen; zu existieren bedeutet, wahrgenommen zu werden. Wenn eine Hand heiß und die andere kalt ist, so erläutert Berkeley, und man taucht beide in warmes Wasser, fühlt eine Hand Kälte, die andere Wärme. Dasselbe Wasser kann jedoch nicht gleichzeitig heiß und kalt sein. Wärme und Kälte sind psychische Phänomene; sie existieren nur in unserem Geist. Abgesehen von diesen psychischen Erscheinungen und Wahrnehmungen ist dem Menschen nichts anderes gegeben.

Berkleys Hauptanliegen ist die Widerlegung des Atheismus. Er nahm zu Recht an, dass Atheismus logisch mit Materialismus verbunden ist. Nach Berkley gibt es keine und kann es keine sinnliche Wahrnehmung der Materie als solcher geben; unsere Wahrnehmung jeder einzelnen Sache zerfällt vollständig in die Wahrnehmung der bekannten Summe ihrer einzelnen Sinneseindrücke. Der menschliche Verstand kann eine allgemeine Idee der Sache, jedoch keine allgemeine Idee der Materie bilden, die für Wissenschaft und Philosophie nicht erforderlich ist, da die Idee der Materie den Eigenschaften der Dinge nichts hinzufügt, was über die Sinneswahrnehmung hinausgeht.

Berkleys Philosophie ist ein subjektiver Idealismus. Ausgehend von diesen Prämissen führt der konsequent logisch entwickelte subjektive Idealismus zum Solipsismus (lat. solus – allein, ipse – selbst), der Theorie, dass nur der Mensch und sein Bewusstsein existieren, während die übrige Welt, einschließlich aller Menschen, faktisch nicht existiert, sondern vom Bewusstsein und der Vorstellung des denkenden „Ich“ geschaffen wird. Berkeley versucht jedoch, die Extreme des Solipsismus durch gewisse Inkonsistenzen zu vermeiden. Er betont, dass das wahrnehmende Subjekt keineswegs allein ist; eine Sache, die von einem Subjekt nicht mehr wahrgenommen wird, kann von einem anderen wahrgenommen werden. Selbst wenn alle Subjekte verschwänden, würden die Dinge weiterhin als Summe der „Ideen“ im Geist Gottes existieren – eines Subjekts, das ewig existiert und den einzelnen Subjekten den Inhalt ihrer Wahrnehmungen einlegt. In diesem Sinne nimmt Berkeley eine Position ein, die der Descartes’ ähnelt.

Skeptizismus bei David Hume

Ein weiterer Vertreter des englischen Sensualismus, David Hume (1711–1776), wies auf die Widersprüche in Berkeleys Argumentation hin. Sein Einwand lautet: Wenn man Sinneswahrnehmungen als Ausgangspunkt der Erkenntnis nimmt, ist es unmöglich, die Existenz irgendetwas über die Wahrnehmungen hinaus zu behaupten. Es gibt keine Überprüfung. Humes Schlussfolgerung lautet daher: Das Einzige, was man über die Existenz der Außenwelt sagen kann, ist: Ich weiß es nicht. Seine Position ist folglich ein konsequenter Skeptizismus oder Agnostizismus.

Beim Hume wird Skeptizismus zur Grundlage für die Untersuchung eines der zentralen Probleme wissenschaftlicher Erklärung – die Frage der Kausalität, also einer Verbindung von Phänomenen, bei der ein Phänomen (die Ursache) unter bestimmten Bedingungen notwendigerweise ein anderes Phänomen (die Wirkung) hervorbringt. Nach Hume kann es keine kausale Verbindung zwischen Eindrücken an sich geben. In der sogenannten äußeren Erfahrung fixieren Menschen lediglich die zeitliche und räumliche Abfolge von Eindrücken, z. B. Feuer – Wärme, Wolken – Regen. Wenn diese Abfolgen fälschlich als objektive kausale Zusammenhänge interpretiert werden, entsteht ein Irrtum, bekannt in der Logik als post hoc, ergo propter hoc („nach diesem, also wegen diesem“).

Warum verbreitet sich diese Illusion so weit? Nur durch Gewohnheit und Glauben. Doch weder das eine noch das andere gehört zur wissenschaftlichen Erkenntnis.

Leibniz’ Lehre

Ein Versuch, die Schwächen des Empirismus zu überwinden und zugleich die erkenntnistheoretische Opposition von Empirismus und Rationalismus zu überwinden, wurde vom deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) unternommen. Im Vergleich zu Lockes Philosophie lässt sich Leibniz’ Position folgendermaßen zusammenfassen: „Es gibt nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinneswahrnehmungen vorhanden war – mit Ausnahme des Verstandes selbst.“

Leibniz stimmt insofern mit Locke überein, als er anerkennt, dass der gesamte Inhalt des menschlichen Intellekts aus sinnlicher Tätigkeit stammt. Diese Tätigkeit wäre jedoch ohne die leitende Einwirkung des Intellekts unmöglich. Der Intellekt ist demnach ursprünglich und primär. Die menschliche Seele ist entgegen Locke keineswegs tabula rasa, sondern eine unendlich gehaltvolle Welt.

Die Seele gleicht einem Block weißen Marmors, in dem Adern und Ungleichmäßigkeiten verborgen sind. Um diese sichtbar zu machen, bedarf es der Mühe des Bildhauers, seiner Hand. Diese Funktion übernimmt in der Erkenntnis die Erfahrung. Menschen besitzen nicht angeborene Begriffe im Sinne Descartes’, sondern gewisse Anlageformen von Wissen, unbewusste Dispositionen zu bestimmten Tätigkeiten. Unser Wissen hängt auch von der Erfahrung vergangener Generationen ab und wird durch sie vermittelt. Notwendige Wahrheiten können durch deduktive Methoden aus dem Verstand abgeleitet werden, während Tatsachenwahrheiten durch induktives Vorgehen aus Erfahrung gewonnen werden.

Angeboren sind allgemeine Prinzipien, nicht spezifische Schlüsse oder Urteile. Mathematische Wahrheiten bedürfen beispielsweise nicht der Erfahrung; Arithmetik und Geometrie könnten „im eigenen Arbeitszimmer, sogar mit geschlossenen Augen, ohne Sehen oder Tasten erlernt werden“. Erfahrung ist jedoch entscheidend für die Erkenntnis von Tatsachen. Durch die Sinne erfassen wir konkrete Gegenstände: Farben, Gerüche, Geschmäcker, taktile Eigenschaften usw.

Leibniz’ Erkenntnistheorie richtet sich stärker als bei seinen Zeitgenossen und Vorgängern auf die Analyse der Grundlagen wissenschaftlicher Erkenntnis und weniger auf die Erkenntnisaktivität des Subjekts allgemein. Leibniz selbst war ein herausragender Mathematiker, Physiker, Logiker und Sprachwissenschaftler. Unabhängig von Newton entdeckte er das Differential- und Integralrechnungssystem, zeigte in der Physik, dass bei der gegenseitigen Kollision von Körpern das Produkt aus Masse und Quadrat der Geschwindigkeit (mv²) das Maß der Bewegung ist. Diese Größe nannte er „vis viva“ („lebendige Kraft“) im Unterschied zur „vis mortua“ („tote Kraft“) des Drucks eines ruhenden Gewichts.

Leibniz stellte insbesondere zwei methodologische Probleme der Wissenschaftsphilosophie auf, die bis heute relevant sind:

  • Die erste betrifft das Verhältnis von theoretischer und empirischer Forschungsebene. In früheren Traditionen war dies noch nicht vom allgemeinen Kontext des Verhältnisses von sinnlichem und rationalem Wissen getrennt. Die theoretische Forschung dient der Entwicklung von Begriffssystemen (Theorien), die empirische Forschung dem Abgleich mit der Realität. Die Erkenntnismechanismen beider Ebenen unterscheiden sich tatsächlich.
  • Die zweite betrifft die Beziehung der empirischen Wissenschaften – Mathematik, deren Gegenstand, die Natur mathematischer Objekte. In der modernen Mathematik existieren zwei alternative Auffassungen ihres Gegenstandes: Zum einen „hat die reine Mathematik räumliche Formen und quantitative Beziehungen der realen Welt zum Gegenstand“, zum anderen, nach Nicolas Bourbaki, „sind die einzigen mathematischen Objekte tatsächlich mathematische Strukturen“. Beide Definitionen inspirieren weiterhin zu Forschungsfragen, die noch ungelöst sind.

Innerhalb seiner Erkenntnistheorie musste Leibniz die Schwierigkeiten anerkennen, die sowohl Empirismus als auch Rationalismus hatten: Wie verhält sich Denken zur Realität, was ist die Natur des Bewusstseins? Descartes’ Dualismus trennte Materie und Geist. Dies hing auch mit dem Mechanizismus Descartes zusammen, der im 17.–18. Jahrhundert das vorherrschende Prinzip und Modell der Welterklärung war. Die Welt wurde einer großen Maschine gleichgesetzt, die ohne Uhrmacher läuft. Auch der Mikrokosmos, der menschliche Körper, wurde mechanisch erklärt, wobei Materie mit Ausdehnung gleichgesetzt wurde. Dies ermöglichte Descartes, die Physik auf Geometrie zu reduzieren, ließ aber Eigenschaften wie Widerstand, Struktur und Dynamik von Körpern unerklärt.

Leibniz erkannte die Begrenztheit des Mechanizismus sowohl epistemologisch als auch ontologisch. In seiner Monadologie schrieb er: „Es muss allgemein anerkannt werden, dass alles, was vom Verstand abhängt, nicht mechanisch erklärt werden kann, d. h. nicht durch Figuren und Bewegungen.“ Die „einfachen Substanzen“ der Monadologie – Monaden – sind das Schlüsselkonzept seines Systems. Monaden sind einfach und unteilbar, eine Art Atom, in dem der Gegensatz von Geist und Materie aufgehoben ist. Ihre Essenz ist Tätigkeit; ihre zwei Hauptmerkmale sind Wille und Wahrnehmung. Die Essenz der Welt liegt in den durchdringenden Kräften. So viele Kräfte, so viele Substanzen. Sie sind unendlich zahlreich. Uns werden nicht die Kräfte selbst gegeben, sondern ihre Folgen und Erscheinungen. Da die Kräfte nicht sinnlich und nicht materiell sind, ergibt sich folgende Kette: Substanz → Kraft → Leben → Geist. Die allgemeine Harmonie und Kohärenz der Welt wird durch das von Leibniz eingeführte Prinzip der prästabilierten Harmonie gewährleistet. Monaden, als psychische Einheiten, können physisch nicht interagieren; doch ihre Existenz steht von Anfang an in einer von Gott vorgegebenen Beziehung zu allen anderen Monaden der Welt.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 27/09/2025