John Locke - Westeuropäische Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts - Geschichte der Philosophie
Philosophie: Mensch, Welt, Gesellschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Geschichte der Philosophie

Westeuropäische Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

John Locke

Der englische Philosoph John Locke (1632–1704) war ein Gegner der Unterordnung des Wissens unter die Offenbarung und bekräftigte, dass der Glaube angesichts klarer und offensichtlicher empirischer Daten keine Autorität besitzen kann. Zugleich schrieb Locke: „Wir können zuverlässig wissen, dass Gott existiert. Obwohl Gott uns keine angeborenen Ideen über sich gegeben hat, obwohl Er in unserem Geist keine ursprünglichen Zeichen eingeprägt hat, anhand derer man Sein Sein ablesen könnte, so hat Er uns doch die Fähigkeiten gegeben, mit denen unser Verstand ausgestattet ist, und dadurch ein Zeugnis von Sich hinterlassen. Gott hat uns reichlich mit Mitteln versorgt, Ihn zu entdecken und zu erkennen, soweit dies für den Zweck unseres Seins und für unser Glück notwendig ist.“

Indem Locke die Ansicht über angeborene Ideen ablehnte, nahm er an, dass wir unser gesamtes Wissen aus der Erfahrung, den Empfindungen, schöpfen. Menschen werden nicht mit fertigen Ideen geboren. Der Kopf des Neugeborenen ist eine leere Tafel, tabula rasa, auf der das Leben seine Muster zeichnet – das Wissen. So begründete Locke den Sensualismus im Gegensatz zum Rationalismus von René Descartes. Als er Descartes’ Ansichten über angeborene Ideen kritisierte, bekräftigte Locke: Wären die Ideen angeboren, wären sie sowohl dem Kind als auch dem Erwachsenen, sowohl dem Idioten als auch dem normalen Menschen gleichermaßen bekannt. Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in der Empfindung war, ist Lockes Hauptthese. Empfindungen entstehen infolge der Einwirkung äußerer Dinge auf unsere Sinnesorgane. Darin besteht die äußere Erfahrung. Die innere Erfahrung, die Reflexion, ist die Beobachtung des Geistes über seine eigene Tätigkeit und die Art und Weise ihrer Manifestation. Dennoch lässt Locke bei der Interpretation der inneren Erfahrung unter dem Einfluss des Rationalismus zu, dass dem Verstand eine gewisse spontane Kraft innewohnt, die von der Erfahrung unabhängig ist, und dass die Reflexion über die äußere Erfahrung hinaus die Ideen von Existenz, Zeit und Zahl hervorbringt. Während er angeborene Ideen als außerempirisches und vorempirisches Wissen ablehnte, erkannte Locke das Vorhandensein bestimmter Anlagen oder Prädispositionen im Verstand für die eine oder andere Tätigkeit an.

Er unterschied drei Arten von Wissen nach dem Grad seiner Evidenz: das ursprüngliche, sinnliche, unmittelbare Wissen, das Wissen um einzelne Dinge vermittelt; das demonstrative Wissen durch Schlussfolgerung, zum Beispiel durch den Vergleich und die Beziehung von Begriffen; die höchste Art ist das intuitive Wissen, das heißt die unmittelbare Bewertung des Verstandes über die Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung von Ideen untereinander.

Indem Locke die Ideen von Thomas Hobbes über die Verbindung von Sprache und Denken weiterentwickelte, führte er den Begriff der Semiologie als allgemeine Theorie der Zeichen und ihrer Rolle in der Erkenntnis ein. Er hatte nicht nur einen enormen Einfluss auf die spätere Entwicklung der Philosophie, sondern bestimmte durch die Aufzeigung der Dialektik des Angeborenen und des Sozialen auch maßgeblich die weitere Entwicklung der Pädagogik und Psychologie.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/10/2025