Geschichte der Philosophie
Westeuropäische Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
David Hume
Eine etwas andere Konzeption entwickelte der englische Philosoph David Hume (1711–1776), indem er sie in Richtung des Agnostizismus fortführte. Auf die Frage, ob eine Außenwelt existiert, antwortete Hume ausweichend: „Ich weiß es nicht.“ Denn der Mensch ist nicht in der Lage, die Grenzen seiner eigenen Empfindungen zu überschreiten und irgendetwas außerhalb seiner selbst zu verstehen. Es wird folgende Anekdote erzählt: Als Hume in Frankreich bei einem gesellschaftlichen Empfang anwesend war, wandte sich eine Dame mit der Frage an ihn: „Herr Hume, zweifeln Sie auch am realen Dasein Ihrer Ehefrau, wenn Sie mit ihr verkehren?“ Daraufhin bemerkte Hume, dass er im praktischen Leben nicht am objektiven Sein der Dinge zweifele.
Für Hume kann zuverlässiges Wissen nur logisch sein, während Forschungsgegenstände, die sich auf Fakten beziehen, nicht logisch bewiesen werden können, sondern aus der Erfahrung abgeleitet werden. Die Erfahrung interpretierte Hume als einen Strom von „Eindrücken“, deren Ursachen unbekannt und unergründlich sind. Da die Erfahrung nicht logisch begründet werden kann, kann das Erfahrungswissen auch nicht zuverlässig sein. So ist uns in der Erfahrung zuerst der eine Eindruck eines bestimmten Phänomens gegeben, und dann ein anderer. Aber daraus, dass ein Phänomen in der Erfahrung einem anderen vorausgeht, ist nicht logisch beweisbar, dass das eine, das erste, die Ursache des anderen ist. Denn das, was als Folge angenommen wird, ist, so meint Hume, nicht in dem enthalten, was als Ursache gilt. Die Folge ist aus der Natur der Ursache nicht ableitbar und ihr unähnlich. Wir beobachten lediglich, dass die Folge zeitlich der Ursache folgt, aber das ist ja ein rein psychologischer Fakt, aus dem keineswegs der Schluss gezogen werden darf: Post hoc ergo propter hoc, das heißt, danach, also deswegen. Diese Aussage an sich ist richtig und kann keine Einwände hervorrufen. Aber daraus zog Hume den falschen Schluss über die Unmöglichkeit der Erkenntnis des objektiven Charakters der Kausalität. Obwohl er die objektive Kausalität ablehnte, räumte er jedoch die Existenz einer subjektiven Kausalität in Form der Erzeugung von Ideen, Gedächtnisbildern, durch sinnliche Eindrücke ein. Hume bekräftigte, dass die Quelle unserer praktischen Gewissheit nicht das theoretische Wissen, sondern der Glaube ist. So sind wir uns des täglichen Sonnenaufgangs gewiss. Diese Gewissheit entspringt der Gewohnheit, dieses Phänomen sich wiederholend zu sehen.
Hume war nicht nur Philosoph: Er war auch Historiker, Ökonom und Publizist. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit, die wir unterschätzt haben. Humes Werke machten einen tiefen Eindruck auf ein Genie wie Immanuel Kant, der, obwohl äußerst pedantisch, seinen starren Tagesablauf unterbrach, um sich mit Begeisterung in die Lektüre von Humes Werken zu vertiefen. Der Skeptizismus und Positivismus von Hume wirkten sich auf die Werke Kants aus.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/10/2025