Philosophie, ihr Gegenstand und ihr Platz in der Kultur
Wesen und Struktur der Weltanschauung
Philosophie bedeutet wörtlich aus dem Griechischen übersetzt Liebe zur Weisheit (phileo – ich liebe, sophia – Weisheit). Dieser Begriff wurde erstmals vom altgriechischen Philosophen Pythagoras im 5. Jahrhundert v. Chr. verwendet. Um die Spezifik der Philosophie als einer besonderen Art der geistigen Erfassung der Welt zu verstehen, muss man sich den eigentlichen philosophischen (metaphysischen) Fragen zuwenden: Was ist die Welt? Wie entstehen Mensch und Gesellschaft? Ist eine adäquate Erkenntnis der Wirklichkeit möglich? Gibt es einen über diese hinausgehenden Sinn der Existenz der Welt, der Gesellschaft und des Menschen?
Die Spezifik philosophischer Fragen kann so ausgedrückt werden, wie es I. Kant tat:
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?
Die angeführten Fragen zeigen, dass die Philosophie recht ernsthafte Kenntnisse über die Welt, die allgemeinsten Charakters sind, und zugleich bewertende Momente, die mit dem Ausdruck der Beziehung des Menschen zur Welt und zu sich selbst verbunden sind, umfasst.
Folglich reicht zur Bestimmung der Philosophie die Berufung auf die Wissenschaft nicht aus. Daher wird eine solche Definition in der Regel über den Begriff der Weltanschauung gegeben.
Unter Weltanschauung versteht man die Gesamtheit allgemeiner Ansichten über die Welt und den Platz des Menschen in ihr.
Die Weltanschauung kann sich spontan unter dem Einfluss gewöhnlicher Lebenserfahrung, zufälliger Ereignisse, entwickeln, aber auch systematisch und zielgerichtet geformt werden. Daher können ihre Komponenten eklektisch verbunden oder systematisch sein. Um das Wesen der Weltanschauung zu erfassen, unterscheidet man ihre Ebenen und Elemente. Am häufigsten spricht man von zwei Ebenen der Weltanschauung – dem Weltgefühl und dem Weltverständnis (wobei die Zwischenebene – die Weltwahrnehmung – weggelassen wird).
Unter der ersten versteht man die spontan sich entwickelnde Fähigkeit des Menschen, sich in der Umgebung zu orientieren, die auf den Daten der Sinnesorgane basiert. Das Weltgefühl ist nicht immer bewusst, ein wesentlicher Teil davon beruht auf unbewussten Prozessen.
Das Weltverständnis ist eine höhere Ebene, die eine Verallgemeinerung der Erfahrungswerte und deren geistige Durchdringung darstellt. Das Weltverständnis gliedert sich wiederum in zwei Ebenen: die alltägliche oder lebenspraktische und die theoretische. Die erste Ebene beinhaltet die Verallgemeinerung der alltäglichen Lebenserfahrung, während sich die zweite auf Daten der Philosophie oder Wissenschaft stützt.
Das alltägliche Weltverständnis ist jedem Menschen eigen. Dies sind Vorstellungen über das wünschenswerte Lebensniveau, die Art der Arbeit, familiäre Beziehungen usw. Das theoretische Weltverständnis umfasst die allgemeinsten Fragen des Seins, der Erkenntnis, der Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Welt.
In Abhängigkeit von der Art und Weise des Weltverständnisses unterscheidet man auch die bildhaft-emotionale und die logisch-begriffliche Weltanschauung. Erstere enthält assoziativ verbundene Bilder, letztere operiert mit abstrakten, logisch miteinander verknüpften Begriffen.
Während die Ebenen der Weltanschauung eine bestimmte Hierarchie, ihre „vertikale“ Struktur, widerspiegeln, stellen die Komponenten die „horizontale“ Struktur dar, deren Elemente nicht in Unterordnungsverhältnissen stehen. Man kann zwei Hauptkomponenten der Weltanschauung unterscheiden – die kognitive und die wertend-normative (obwohl manchmal auch mehr unterschieden werden).
Die kognitive Komponente (das Weltbild) beinhaltet die allgemeinsten Kenntnisse über die Welt. Das Weltbild kann wissenschaftlich, religiös oder philosophisch sein, indem es die allgemeinsten Vorstellungen über die Welt aus der Wissenschaft oder Religion herausgreift oder sich auf die Philosophie stützt.
Die wertend-normative Komponente enthält Ideale, Absolute, Werte, Normen, lebenspraktische Einstellungen. Diese Komponente der Weltanschauung spiegelt die Beziehung des Menschen zur Welt wider, die letztendlich sein Verhalten reguliert.
Die Weltanschauung hat einen konkret-historischen Charakter und ändert sich in verschiedenen Epochen. Dies ist vor allem auf die Veränderung der Werte zurückzuführen.
Träger der Weltanschauung kann ein einzelner Mensch oder jede soziale Gemeinschaft sein. So kann man von einer nationalen, religiösen oder einer anderen Gruppen-Weltanschauung sprechen.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 14/10/2025