Philosophie des alten Indien
Ein Überblick über die philosophischen Schulen des alten Indien
Der Beginn der indischen Philosophie wird üblicherweise mit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in Verbindung gebracht. Doch wahrscheinlich sollte diese willkürliche Grenze nicht absolut gesetzt werden, da einige philosophische Schulen bereits mehrere Jahrhunderte davor zu entstehen begannen (Ajivika, Jainismus, Sankhya, Yoga).
Nach der traditionellen Einteilung werden die Schulen der indischen Philosophie in zwei Gruppen unterteilt: die orthodoxen (Astika) und die nicht-orthodoxen (Nastika). Das Kriterium der Trennung ist die jeweilige Haltung einer Schule gegenüber den Veden und der vedischen religiös-vorphilosophischen Tradition.
Die orthodoxen Schulen anerkennen die Autorität der Veden und damit auch die Existenz Gottes, die Unsterblichkeit der Seele, das Leben nach dem Tod, die Reinkarnation der Seele und die höheren Welten. Dazu gehören: Sankhya (Kapila), Yoga (Patanjali), Nyaya (Gotama), Vaishesika (Kanada, auch Uluka genannt), Mimamsa (Jaimini), Vedanta (Badarayana, Vyasa (?)). Die beiden letzten Schulen stützen sich direkt auf die Texte der Veden, während die ersten vier auf unabhängigen Grundlagen beruhen. Alle genannten Schulen sind idealistisch oder tendieren zum Idealismus.
Die nicht-orthodoxen Schulen anerkannten nicht die Autorität der Veden oder standen zumindest kritisch dem auf ihnen basierenden Brahmanismus gegenüber, der bis zu diesem Zeitpunkt bereits eine formell-rituellen, dogmatischen Charakter angenommen hatte. Dazu gehören: Ajivika (Makhali Gosala), Jainismus (Mahavira), Charvaka oder Lokayata (Brihaspati (?)), Buddhismus (Gautama Buddha).
Streng genommen unterscheiden sich die wichtigsten Aspekte des philosophischen Welt- und Menschenverständnisses im Jainismus und Buddhismus nicht wesentlich von der vedischen Philosophie. In diesen Schulen wurden auch eine transzendente Realität (die höheren Welten), das Leben nach dem Tod, die Reinkarnation und übermenschliche (göttliche) Wesen anerkannt. Ihre schärfste Kritik richtete sich gegen die religiös-kultische und soziale Praxis der Brahmanen (Priester), die die geistige Wahrheit monopolisierten und sie in ein leeres, jedoch sehr profitables Ritual verwandelten.
Die Ansichten der Ajivikas und Charvakas wiesen jedoch qualitativ bedeutende Unterschiede zum vedischen Weltverständnis auf. Anhänger der Charvaka-Schule etwa lehnten Gott, das Leben nach dem Tod, die Reinkarnation, die höheren Welten und die Existenz der Seele ab. Das Ziel des Lebens sahen sie im Streben nach Vergnügungen. Charvaka war eine naiv-materialistische Schule. Auch Ajivika tendierte in vielerlei Hinsicht zum Materialismus.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025