Einige grundlegende Begriffe der indischen Philosophie - Philosophie des alten Indien
Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Philosophie des alten Indien

Einige grundlegende Begriffe der indischen Philosophie

Avidya — Unwissenheit, Ignoranz, Irrtum in Bezug auf die wichtigsten Wahrheiten des Seins.

Atman — Das höchste subjektive geistige Prinzip, das einerseits dem Brahman entgegensteht, andererseits mit ihm identisch ist. Atman hat zwei miteinander verbundene Aspekte. Der erste: der universelle, als ein kosmisches spirituelles Prinzip, das das Selbstbewusstsein des Brahman verkörpert. Der zweite: der individualisierte, als das höchste geistige Prinzip des Menschen, sein Funke des Geistes, der ein untrennbarer Teil des Feuers des kosmischen geistigen Prinzips ist. Atman (Jiv-Atman) — der höchste Gott, der in den Tiefen der Subjektivität jedes Menschen wohnt.

Brahman — Ein Begriff, der die höchste objektive Realität bezeichnet, ein unpersönlicher Absoluter Anfang, aus dem das gesamte Universum hervorgeht und in dem es wieder aufgelöst wird. Für die Bezeichnung des Absoluten als unaussprechliche, ursachenlose Ursache des Seins wird manchmal auch der nahe verwandte Begriff Para-Brahman (Parabrahman) verwendet, der wörtlich “jenseits von Brahman“ bedeutet.

Jiva — Im weitesten Sinne die göttliche Seele des Menschen oder der Funke des Lebens. In bestimmtem Sinne entspricht er dem europäischen Begriff “Monade“ im leibnizianischen und theosophischen Verständnis. Manchmal bezeichnet Jiva oder Jiv-Atman das eine universelle Lebensprinzip von geistiger Natur.

Dharma — Der moralische Gesetz, die Pflicht, die geistige Lehre. (Es gibt auch andere Bedeutungen.)

Karma — Das Gesetz der Vergeltung, im weiteren Sinne als Schicksal oder Bestimmung verstanden. In den philosophischen Lehren wird Karma hauptsächlich als ein geistiges Gesetz der Kausalität betrachtet, nach dem jedes Wesen früher oder später die Konsequenzen seiner guten und schlechten Gedanken, Worte und Taten erleidet. Vom Karma hängen nicht nur die Bedingungen des gegenwärtigen Lebens, sondern auch des zukünftigen Lebens (Leben) des Menschen ab.

Loka — Bereich, Ort, Sphäre, Welt. In der indischen Metaphysik werden verschiedene Systeme von Loka (Welten oder Sphären) erwähnt — drei Lokas, sieben Lokas, vierzehn Lokas. Dies drückt die Vorstellung von der Existenz vieler Welten aus — der materiellen irdischen und der spirituellen, überirdischen.

Maya — Illusion, Trugbild, die kosmische Macht, die die objektive Welt erschafft. In philosophischen Texten wird der Begriff verwendet, um das materielle Dasein zu bezeichnen, das als objektiv wahrgenommene Illusion gilt, d.h. als ein nicht wahres Dasein. Die wahre Realität ist nur das höchste geistige Dasein (Brahman-Atman). Ihre Erreichung ist nicht möglich, solange Maya, Avidya, Karma und Samsara nicht überwunden sind.

Mukti — Befreiung von Samsara und der Macht des irdischen Karmas. Mukti ist weitgehend ein sinngemäßes Äquivalent des Begriffs “Moksha“, der seinerseits dem buddhistischen Begriff “Nirvana“ nahekommt.

Nirvana — Ein Zustand höchster seelischer und geistiger Harmonie, der den Übergang des Nirvani (d.h. der Person, die Nirvana erreicht hat) in Sphären des höchsten überirdischen Seins umfasst. Aufgrund der wörtlichen Interpretation des Wortes (“Verlöschen“, “Erlöschen“) wird es oft missverstanden als “vollständiges Erlöschen allen Lebens“. In Wirklichkeit bedeutet es für die Eingeweihten des Buddhismus lediglich das Erlöschen der Flamme der sinnlichen Wünsche und der Bindung an das materielle, irdische Dasein.

Prakriti — Materielle Natur als Gegensatz zur geistigen Natur (Purusha).

Purusha — Der geistige Aspekt des Universums; das geistige Urbild des Menschen — der “himmlische Mensch“; manchmal das höchste geistige “Ich“ des Menschen.

Samsara — Der Kreislauf der ständigen Wanderschaft oder der Wiedergeburten der menschlichen Seele. Nach dem Tod, so die indischen Philosophen, geht die Seele in höhere Sphären des Seins (Lokas) über, existiert dort, kehrt dann aber wieder in die materielle Welt zurück und wird in einem neuen Körper wiedergeboren. Dieser Zyklus wiederholt sich unzählige Male, bis die Befreiung erreicht wird.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025