Die Ideologie der Aufklärung - Europäische Philosophie der Neuzeit: Aufklärung (18. Jh.)
Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Europäische Philosophie der Neuzeit: Aufklärung (18. Jh.)

Die Ideologie der Aufklärung

Im 17. Jahrhundert übten Bacon und Descartes Kritik an der theologischen mittelalterlichen Scholastik. Sie stellten das Wissen infrage, das nicht auf Erfahrung und Vernunft basiert, sondern auf schwankenden Konstruktionen von Dogmen und autoritären Meinungen. Die Vernunft begann sich über den Glauben zu erheben, und die Philosophie über der Theologie. Die Denker des 18. Jahrhunderts setzten diese Tradition fort, was schließlich zu tiefgreifenden Veränderungen sowohl im philosophischen Bereich als auch im gesellschaftlichen Leben führen sollte.

Im Zentrum der Ideologie der Aufklärung steht der Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten der Vernunft und den gesunden Menschenverstand, und zwar in seinem weitesten Sinne: sowohl in der Natur als auch im individuellen und gesellschaftlichen Leben des Menschen. Nach den Überzeugungen der Aufklärer sind “die Lichter der Vernunft“ allen Aspekten des Seins zugänglich. Wenn man beispielsweise die Natur des Menschen begreift, kann man sie durch vernünftige Erziehung und Bildung verbessern, und wenn man dazu noch die rationale Umgestaltung der Gesellschaft hinzufügt, eröffnen sich dem Menschengeschlecht vielversprechende Perspektiven — das Reich der allgemeinen Vernunft und Freiheit.

Es ist zu beachten, dass die Aufklärer nicht nur die Vernunft, sondern die wissenschaftliche Vernunft kultivierten. Gerade die Entwicklung der Wissenschaften sollte ihrer Meinung nach zur Lösung wirtschaftlicher, politischer und sozialer Probleme beitragen. Daraus resultierte der Drang, philosophische und wissenschaftliche Erkenntnisse zu popularisieren und zu verbreiten. Wissen, das zuvor nur einem kleinen Kreis von Philosophen, Wissenschaftlern, Literaten und Naturforschern zugänglich war, wurde unter der gebildeten Bevölkerung verbreitet und fand seinen Weg in weltliche Salons und auf die Seiten populärer Druckwerke.

Die Aufklärung entstand in England, dem damals dynamischsten Land (T. Hobbes, J. Locke, J. Toland, A. Collins, A. Shaftesbury u. a.). Später verlagerte sich das Zentrum nach Frankreich (F. Voltaire, J.-J. Rousseau, D. Diderot, J. d'Alembert, E. Condillac, P. Holbach u. a.). Auch in Deutschland fand die Aufklärung ihren Platz (X. Wolff, G. Lessing, J. Herder, I. Kant), doch die feudale Zersplitterung und die wirtschaftliche sowie kulturelle Rückständigkeit des Landes trugen nicht zur Verbreitung neuer Denkweisen bei. Eine ähnliche Situation herrschte in Russland, jedoch mit eigenen Besonderheiten. Das europäische “aufgeklärte Freidenkertum“ rief Besorgnis am kaiserlichen Hof hervor, und auch die russischen Aufklärer — M. V. Lomonossow, M. M. Scherbatow, A. N. Radischtschew — gaben in der Tat Anlass dazu. Im Neuen Weltteil waren die Ideale der Aufklärung im Vergleich zum feudalen Russland eher gefragt. Daher hatten die neuen Tendenzen der europäischen Kultur einen großen Einfluss auf die sich formierende amerikanische Gesellschaft und wurden in den Arbeiten bedeutender Wissenschaftler und Politiker weiterentwickelt (T. Paine, T. Jefferson, B. Franklin, J. Alley, B. Rush, C. Caldwell u. a.).





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025