Europäische Philosophie der Neuzeit: Aufklärung (18. Jh.)
Das Verhältnis von Zufälligkeit und Notwendigkeit
Eine Folge des mechanistischen Verständnisses der Natur war der mechanistische Determinismus — die Vorstellung, dass alle Prozesse in der Welt streng durch ihre physischen (genauer gesagt, mechanistischen) Ursachen vorbestimmt sind. Offensichtlich ist es nur ein kleiner Schritt von dieser Auffassung der Kausalität in der Natur zu der Vorstellung des Schicksals. Ein Beispiel hierfür ist die Bewegung eines physischen Körpers im Raum. Es wurde angenommen, dass, wenn die Anfangsbedingungen (Position, Geschwindigkeit, Masse usw.) bekannt sind, der Zustand und die Position des Körpers zu jedem beliebigen Zeitpunkt genau berechnet werden können, das heißt, die Ursachen (die Anfangsbedingungen) bestimmen eindeutig die Folgen (die Endbedingungen). Die Abhängigkeit ist hier direkt oder, mit mathematischer Sprache gesprochen, linear. Abweichungen hiervon, also Zufälligkeiten, werden nicht in Betracht gezogen. Dies ist der Grundsatz der Realisierung des mechanistischen Determinismus: Ein Phänomen beeinflusst das nächste, das nächste das übernächste und so weiter.
Die mechanistische Kausalität ist mit Unvermeidlichkeit oder notwendiger Vorbestimmung der Folgen verbunden. In Bezug auf den Menschen stellt sie dessen Freiheit und Verantwortung für sein Handeln infrage. Wenn seine Handlungen, wie Holbach sagte, durch die Bedingungen seiner Geburt, Erziehung und Lebensweise vorbestimmt sind, bleibt ihm nur, sich den unvermeidlichen Folgen zu stellen, wofür es sinnlos und unmoralisch wäre, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Selbst im Bereich des gesunden Menschenverstands ist es kaum möglich, dieser Sicht zuzustimmen. Holbach selbst stimmte solchen Schlussfolgerungen nicht zu, was ihn in Widerspruch zu seiner Überzeugung brachte, dass Notwendigkeit über den freien Willen des Menschen herrscht.
Indem die Aufklärer Zufälligkeit ablehnten, nahmen sie die Notwendigkeit unterschiedlich wahr. Für die Franzosen war sie eine innere, natürliche Macht, die über die Welt, den Menschen und die Gesellschaft herrscht. Für die Deutschen war sie mit dem Weltgeist verbunden, der nach Spinoza pantheistisch verstanden wurde. In der inneren Welt des Menschen wurde diese vernünftige Notwendigkeit mit dem moralischen Gesetz gleichgesetzt, im gesellschaftlichen Leben mit dem Recht.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025