Philosophische Strömungen und religiös-mönchische Vereinigungen (Orden) im tibetischen Buddhismus - Die Entstehung und Entwicklung der tibetischen Philosophie - Die östliche Philosophie im postklassischen Zeitraum (Mittelalter und Neuzeit)
Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Die östliche Philosophie im postklassischen Zeitraum (Mittelalter und Neuzeit)

Die Entstehung und Entwicklung der tibetischen Philosophie

Philosophische Strömungen und religiös-mönchische Vereinigungen (Orden) im tibetischen Buddhismus

Der tibetische Buddhismus (Lamaismus) hat Elemente des Mahāyāna, Hīnayāna, des Schiwaistischen und buddhistischen Tantrismus, der Yoga-Lehren sowie der Bon-Religion in sich aufgenommen. Dieses skurrile Ineinandergreifen verschiedener Doktrinen und Praktiken wird oft als eigenständige Strömung innerhalb des buddhistischen Gesamtverständnisses betrachtet. Diese Strömung wird als Vajrayāna, die “Diamantene Fahre“, bezeichnet. Einige Forscher sehen das Vajrayāna als eine Variante des Mahāyāna an.

Jedoch ist das Vajrayāna in seiner strukturellen Zusammensetzung und ideellen Ausrichtung ein durchaus heterogenes Phänomen. Es umfasst vier Hauptmonastische Vereinigungen (Orden), die sich sowohl in ihren weltanschaulichen Positionen als auch in ihren Normen des praktischen Lebens unterscheiden. Fast alle von ihnen entstanden im 11. und 12. Jahrhundert, in einer Zeit der intensiven Festigung des Buddhismus in Tibet.

  1. Der Kadam-pa-Orden (“Die mit der Lehre verbundenen“) Der Gründer dieses Ordens, Dromtön, war der erste tibetische Schüler des indischen Gurus Atisha. Kennzeichnend für diesen Orden war ein strenger, asketischer Lebensstil, das tiefe Studium der Ethik und Metaphysik des Buddhismus sowie die Praxis der Meditation.
  2. Der Gelug-pa-Orden (“Die Anhänger des Weges der Tugend“) Dieser Orden, häufig als “Gelbe Hüte“ bezeichnet, entstand auf Grundlage des Kadam-pa und festigte sich im 14. und 15. Jahrhundert unter dem Einfluss des Reformers Tsongkhapa. Hier wird besonderer Wert auf das Studium der buddhistischen Philosophie in all ihren Aspekten gelegt. Der Dalai Lama und der Tashi Lama gehören dem Gelug-pa-Orden an.
  3. Der Kagyü-pa-Orden (“Diejenigen, die das Wort weitergeben“) Der Gründer dieses Ordens, Gampopa, war einer der Schüler des mystischen Dichters Milarepa. In diesem Orden wurde besonders Wert auf Yoga und mündliche Überlieferungen gelegt, in denen die geheimen Essenzen der spirituellen Lehre enthalten sein sollten. Später teilte sich dieser Orden in mehrere Schulen, darunter die Bru-pa- und die Karma-pa-Schulen.
  4. Der Nyingma-pa-Orden (“Die Anhänger der alten [Tantras]“) Seine Anhänger wurden häufig als “Rote Hüte“ bezeichnet. Diese Vereinigung geht auf die ersten monastischen Gemeinschaften zurück, die von Padmasambhava gegründet wurden. In diesen Gemeinschaften existierte keine strenge Hierarchie und Asketismus; den Mönchen war es erlaubt, Familien zu haben. Die Anhänger dieses Ordens legten besonderen Wert auf Meditationen und magische Praktiken.

Die Entwicklung des Lamaismus in Tibet war nicht nur ein ideologischer Wettstreit zwischen dem Buddhismus und der Bon-Religion, sondern auch ein Konflikt zwischen den beiden Hauptströmungen des Lamaismus: dem Gelug-pa (“Gelbe Hüte“) und dem Nyingma-pa (“Rote Hüte“). In den Reihen der letzteren versammelten sich eine erhebliche Anzahl von Zauberern, Beschwörern, Nekromanten und Tāntrikas — mit anderen Worten, Anhängern ritueller Magie, die oft zu weniger hehren Zwecken verwendet wurde. Solche Praktiken wurden von den “Gelben Hüten“ scharf kritisiert, die ein strenges, asketisches Leben nach höchsten moralischen Maßstäben führten. Sie glaubten, dass die “Roten Hüte“ die Prinzipien der buddhistischen Dharma (moralische Lehre) verfälschten und widersetzten sich entschieden der Verbreitung schwarzer Magie und tantrischer Sexualrituale.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025