Sozial-ökonomische und geisteswissenschaftliche Wissenschaften
Kommunikativität in Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur
Kommunikation in der modernen Wissenschaft
Wissenschaftliche Kommunikation ist der professionelle Austausch von Wissenschaftlern, in dessen Verlauf Wissen erzeugt, erprobt und formiert wird. Wissenschaftliche Erkenntnis war niemals auf das einzelne Individuum beschränkt. Schon in der Antike bildeten Denker und Gelehrte philosophische Schulen, Strömungen und wissenschaftliche Gemeinschaften, in denen wissenschaftliche und philosophische Konstruktionen diskutiert und in gewissem Maße anerkannt wurden. Lange Zeit jedoch war diese Besonderheit des Funktionierens theoretischen Wissens nicht Gegenstand spezieller Analysen.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, im Zusammenhang mit der Entwicklung der wissenschaftlichen Tätigkeit zum Hauptfaktor sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts sowie angesichts der Anhäufung eines enormen wissenschaftlichen Informationsvolumens, das als „Informationsexplosion“ bezeichnet wird, stellte sich objektiv die Aufgabe einer Reform der Wissenschaft. Die Suche nach optimalen Wegen ihrer Entwicklung führte zu einem wachsenden Interesse an ihren soziokulturellen Voraussetzungen und Funktionsbedingungen, unter denen auch das Thema Kommunikation in den Vordergrund trat. Zunächst wurden die kommunikativen Aspekte der Wissenschaft besonders intensiv in den englischsprachigen Ländern diskutiert. 1966 wurde in den USA ein Komitee für wissenschaftliche und technische Kommunikation eingerichtet.
Philosophische Voraussetzung für die Untersuchung dieser Fragen war der Übergang von der positivistischen zur postpositivistischen Wissenschaftskonzeption. Im Positivismus wurde die Entwicklung der Wissenschaft als immanenter Prozess betrachtet, wobei der Einfluss äußerer Faktoren nicht berücksichtigt wurde. Der Postpositivismus hingegen hielt es für notwendig, die soziokulturellen Aspekte der Wissenschaft zu berücksichtigen. Sie wurden nicht nur als äußerer Hintergrund betrachtet, vor dem sich das Drama wissenschaftlicher Ideen entfaltet, sondern als Faktor, der weitgehend die Wahl der jeweiligen wissenschaftlichen Grundkonzeption bestimmt. Ein herausragendes Beispiel für diesen Ansatz ist T. Kuhns Buch „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ (1962).
Die Rolle der Kommunikation in der Wissenschaft ist äußerst vielfältig. Zunächst sei betont, dass im Prozess professioneller Interaktion die Persönlichkeit des jungen Wissenschaftlers gebildet und seine Sozialisation gefördert wird. Besonders wichtig in dieser Phase sind die Kontakte zum wissenschaftlichen Betreuer, der den jungen Forscher direkt in die wissenschaftliche Gemeinschaft einführt. Innerhalb der Tätigkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft wird eine einheitliche wissenschaftliche Sprache entwickelt, Standards festgelegt und bestimmte weltanschauliche Prinzipien verankert.
Kommunikationen lassen sich nach verschiedenen logischen Kriterien unterteilen:
- in formelle und informelle;
- in primäre und sekundäre;
- in mündliche und schriftliche;
- in unmittelbare und vermittelte;
- in interpersonale und unpersönliche.
Eine kurze Charakterisierung einiger dieser binären Oppositionen: Die Opposition „formell – informell“ bezieht sich auf die Art der Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse. Zur formellen Kommunikation gehören in erster Linie veröffentlichte Arbeiten: Artikel und Monographien. Informelle Kommunikation umfasst Gespräche von Wissenschaftlern zu fachlichen Themen, sowohl während der Arbeitszeit als auch außerhalb, sowie mündliche Vorträge auf wissenschaftlichen Sitzungen und Berichte, die nicht über die Einrichtung hinaus veröffentlicht werden. Selbstverständlich lässt die Terminologie weitere Interpretationen zu. Ein Gespräch von Wissenschaftlern am Rande einer Konferenz ist eindeutig informell, während die Diskussion derselben Fragen auf einer Konferenz eher als formelle Kommunikation zu werten ist, selbst wenn die Ergebnisse nicht veröffentlicht wurden. Die Veröffentlichung eines Artikels in einer Tageszeitung zählt eher zur informellen, in einer Fachzeitschrift zur formellen Kommunikation.
Die Unterteilung in primäre und sekundäre Kommunikation ist ebenfalls interessant. Allgemein gilt: Ein Artikel in einer Fachzeitschrift, eine Monographie oder ein Vortrag auf einer wissenschaftlichen Konferenz gehören zur primären Kommunikation. Material in Sammelbänden, Tagungsberichten oder Rezensionen zählt zur sekundären Kommunikation. Allerdings kann primäre Kommunikation Elemente sekundärer enthalten und auf diese Bezug nehmen, weshalb die Klassifikation als bedingt und relativ verstanden werden sollte.
Die Unterteilung der wissenschaftlichen Kommunikation in mündlich und schriftlich, unmittelbar und vermittelt, interpersonell und unpersönlich ist offensichtlich. Interpersonale Kommunikation richtet sich an konkrete Individuen, unpersönliche an die gesamte Fachgemeinschaft oder an alle Interessierten an einem Thema.
In der modernen philosophischen und wissenschaftstheoretischen Literatur wird der Begriff der Kommunikation sehr weit gefasst. Es hat sich ein ganzes wissenschaftliches Forschungsfeld entwickelt, das die Interaktion zwischen Wissenschaftlern, wissenschaftlichen Strömungen, zwischen Wissenschaft und anderen sozialen Institutionen sowie der Gesellschaft insgesamt untersucht und wissenschaftliche Konferenzen veranstaltet. So versammelten sich auf einer solchen Konferenz 2005 in Belgien 3.000 Wissenschaftler aus 56 Ländern. Hauptthema war die Offenheit und Verständlichkeit der Tätigkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft für die breite Öffentlichkeit. Außerdem wurde die Bildung eines einheitlichen wissenschaftlichen Raumes Europas bis zum 1. Januar 2007 diskutiert. Im Internet existiert eine Website, auf der über diese und ähnliche Konferenzen informiert wird. Probleme der Kommunikation, vor allem im soziokulturellen Aspekt, standen auch beim XXI. Weltphilosophiekongress (Istanbul, 2003) im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 20/09/2025