Die klassische Periode der antiken Philosophie
Der Gott als Handwerker
Die Ontologie Platons, seine Lehre von den Ideen, ist eng verbunden mit seiner Vorstellung von der Welt und ihrer Entstehung, also mit seiner Kosmologie und Kosmogonie. Das Bild des Kosmos zeichnet Platon in seinem Dialog Timaios, in dem er die schöpferische Tätigkeit des Demiurgen, des Weltgeistes, erklärt. Der Demiurg ist der göttliche Intellekt, der das Chaos ordnet, dem Weltgefüge Maß und Ordnung verleiht und so dem Kosmos seine vollkommene Gestalt gibt. Ausgestattet mit Ideen (Eidos) und Materie (Chora) erschafft er den sinnlich wahrnehmbaren Kosmos und verleiht ihm die Form der Sphäre. Ebenso erschafft er alle Dinge, indem er auf die Idee jedes einzelnen Gegenstandes zurückgreift und sie aus dem verfügbaren Material formt. Die Tätigkeit des Demiurgen gleicht der eines Handwerkers: Wie ein Töpfer, der die Gestalt eines Krugs im Geist trägt und ihn dann aus Ton formt, so schafft der Demiurg die Welt und die Dinge nach den Ideen als Vorbilder.
In seiner unendlichen Güte erschafft der Demiurg die Welt, um das Gute aus der Welt der Ideen in die sinnlich erfahrbare Welt zu überführen. Um dieses edle Werk zu vollbringen, erschuf er die Weltseele als Bindeglied zwischen der Welt der Ideen und der sichtbaren Welt. Durch sie formte er die vier Elemente — Erde, Luft, Wasser und Feuer — und verband sie, um aus ihrem Gemisch die körperliche Natur zu erschaffen. Es ist die Weltseele, die der Materie Bewegung, Form und Struktur verleiht. Sie lässt die Dinge den Ideen nachahmen und die Ideen in den Dingen gegenwärtig sein. Darüber hinaus ist die Weltseele der Ursprung des Verstandes in der menschlichen Seele und ermöglicht es dem Menschen, die Welt der Ideen zu erkennen.
Gemäß Platons kosmologischer Vorstellung ist der Kosmos eine Kugel, in deren Zentrum die Erde liegt, um die sich die anderen Planeten und Sterne bewegen. Die Bahnen der Planeten und Sterne folgen harmonischen mathematischen Verhältnissen. Alles im Kosmos ist zweckmäßig geordnet. Die Zeit verbindet die Welt mit der Ewigkeit. Sie entstand gleichzeitig mit den Himmeln und dem Kosmos. Die Planeten dienen als Maß für die Zeit, die Pflanzen ernähren die Tiere, und jedes Organ des Tieres erhält sein Leben. Die Vollkommenheit des Kosmos beruht darauf, dass sie die Vollkommenheit der Welt der Ideen widerspiegelt.