Die klassische Periode der antiken Philosophie
Das übermenschliche Fundament der Moral
In Platons philosophischem System bildeten Ontologie, Kosmologie, Erkenntnistheorie und die Lehre von der Seele die methodologische und weltanschauliche Grundlage für die Begründung seiner Ethik. Seine ethischen Ansichten legte Platon in den Dialogen “Phaidon“, “Theaitetos“, “Gorgias“, “Philebos“, “Der Staat“ und anderen dar.
Laut Platon ist das Fundament der Moral eine übermenschliche, überempirische Welt der Ideen. Das Moralische im Menschen ist lediglich ein teilweises Abbild des göttlichen Guten in seiner Seele. Daher besteht das höchste Ziel menschlicher Tätigkeit im Erkennen des Guten. Wer die Idee des Guten erkannt hat, kann nicht unedel sein.
Platons Lehre von den Tugenden verknüpfte er mit der Struktur der Seele. Der größte Teil der Seele eines jeden Menschen besteht aus dem begehrenden Prinzip, das sich im Bauchraum befindet. Dieses Prinzip ist auch Tieren und Pflanzen eigen. Indem es ihnen eigen ist, strebt jedes lebende Wesen danach, seine körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Es ist ein Sklave des Körpers und hindert das höhere, geistige Leben.
Das affektive (zornige) Prinzip der Seele befindet sich in der Brust. Durch dieses Prinzip wird der Mensch “Verbundener dessen, was ihm als gerecht erscheint, und ist bereit, Hunger, Kälte und all die ähnlichen Qualen zu ertragen, nur um zu siegen; er wird nicht von seinen edlen Bestrebungen ablassen — entweder das Seine zu erreichen oder zu sterben, es sei denn, sein eigener Verstand wird ihn durch Argumente besänftigen, ähnlich wie ein Hirte seinen Hund zurückruft.“
Durch das vernünftige Prinzip, das sich im Kopf befindet, ist der Mensch fähig, zu vernünfteln.
Das menschliche Schicksal hängt davon ab, ob alle Teile der Seele in harmonischem Verhältnis zueinander stehen, mit der Vernunft als Herrscher. Wird diese Harmonie gestört, folgt Leiden; ihre Wiederherstellung führt zu Freude.