Konfuzius und der frühe Konfuzianismus
Grundprinzip der Ordnung des Staates – Herrschaft basierend auf de „Tugend“ („Moralität“)
Die Essenz von Konfuzius’ moralisch-politischer Lehre lässt sich kurz in folgendem Abschnitt aus den Lunyu ausdrücken:
Lunyu 12,22: „[Fan Chi] fragte nach Wissen. Der Lehrer antwortete: ‚Es bedeutet, die Menschen zu kennen (zhi ren).‘ Fan Chi verstand nicht. Da erklärte der Lehrer: ‚Wenn man die Aufrichtigen erhöht und über die Unaufrichtigen stellt, dann richten sich auch die Unaufrichtigen auf…‘“
Aus diesem Zitat wird deutlich, dass Konfuzius lebte in einer Zeit, in der der „Weg“ im Himmelsreich verfallen war, was er vor allem mit der Erschöpfung der Moral und der Verrohung menschlichen Verhaltens in Verbindung brachte (daher die „Unaufrichtigen“). Um das Himmelsreich zu retten und zu befrieden – beginnend natürlich mit einem konkreten Staat – müsse man die Menschen zu richtigem moralischem Verhalten zurückführen („richten“). Dies geschieht nur, indem man über das Volk eine moralisch vollkommene Persönlichkeit („Aufrichtige“) stellt, deren Einfluss das Himmelsreich ordnet. Die Herrschaft muss „moralisch“ sein.
Wer ist diese vollkommene Persönlichkeit? Lesen wir folgendes Zitat:
Lunyu 14,42: „Zi Lu fragte nach dem edlen Mann. Der Lehrer antwortete: ‚Vervollkommne dich selbst (xu ji), um ehrerbietig zu sein.‘ [Zi Lu] fragte: ‚Und das ist alles?‘ Der Lehrer antwortete: ‚Vervollkommne dich selbst, um anderen Ruhe zu bringen.‘ ‚Und das ist alles?‘ ‚Vervollkommne dich selbst, um dem Volk Ruhe zu bringen.‘ Sich selbst zu vervollkommnen, um dem Volk Ruhe zu bringen – war das nicht das Anliegen von Yao und Shun?“
Wer wird in diesem Abschnitt als derjenige bezeichnet, der das Volk „befriedet“? Es ist der junzi („edle Mann“). Der edle Mann ist also der ideale tugendhafte Herrscher oder Beamte, der den Staat zur moralischen Ordnung führt – ein spezieller technischer Begriff der konfuzianischen Lehre. Das Volk und andere Menschen, die er befriedet und richtet, werden xiao ren genannt – „kleine Menschen“. Junzi bedeutet wörtlich „Sohn des Herrschers“, doch bedeutet dies nicht, dass er ein Aristokrat ist und xiao ren einfache Leute. Schon bei Konfuzius, und noch deutlicher bei späteren Konfuzianern, kann jeder Mensch durch entsprechende Bildung und Bemühung zum junzi werden, während auch xiao ren jeder sein kann. So nannte Konfuzius wiederholt seine Schüler xiao ren, wenn sie in moralischen Fragen kleinmütig waren. Xiao ren kann sowohl ein ungeschickter Mensch als auch ein Herrscher sein. Diese beiden Begriffe sind also in erster Linie ethisch.
Daher kann junzi auch als „weise/r Herrscher/in“ übersetzt werden, xiao ren als „dunkler Mensch“ im Sinne von unaufgeklärt oder ungebildet. Der edle Mann beeinflusst also den kleinen Menschen, der sich unter seinem Einfluss korrigiert. Wie geschieht diese Einflussnahme? So wie der Wind das Gras bewegt. Der kleine Mensch ist buchstäblich von den moralischen Qualitäten des edlen Mannes fasziniert, versucht, ihm nachzueifern, wagt nicht, ihm zu widersprechen, wird gehorsam oder verlässt das Reich.
Die moralischen Qualitäten einer Person – ihr de – sind der Kanal, durch den der edle Mann auf andere einwirkt und sie korrigiert. „Tugend“ ist wie ein strahlender Strom, der vom unbewegten Herrscher auf die Untertanen fließt, die von ihm geblendet werden und wie Motten zum Licht herbeiströmen, im Staat leben und nachahmen, was der Herrscher tut, bis sie selbst moralisch vollkommen werden. Somit findet der Glaube an die wohltätige magische Kraft der Zhou auch bei Konfuzius ein Echo – jedoch nicht als Magie, sondern als moralische Kraft. Sie wirkt nicht nach magischen Gesetzen, sondern, ich betone, nach dem Prinzip der Nachahmung von unten nach oben. Der Herrscher verwandelt andere durch sein Beispiel.
Was umfasst nun die Tugend des Herrschers (oder Beamten), das konkrete Wirken seines de, das er auf seine Untergebenen ausstrahlt?
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 04/10/2025