Ordnungen und Moral - Neodaoismus – Die Rationalisten
Eine kurze Geschichte der chinesischen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Neodaoismus – Die Rationalisten

Ordnungen und Moral

Xiang-Guo gehen davon aus, dass der Kosmos sich in ständigem Wandel befindet. „Veränderung ist eine Kraft, unergründlich, aber grenzenlos. Sie wendet Himmel und Erde dem Neuen zu und trägt Hügel und Berge vom Alten hinweg. Das Alte verweilt keinen Augenblick, sondern wird sogleich neu. Myriaden von Dingen, Himmel und Erde verharren in ewigem Wandel. Alles, dem wir begegnen, verschwindet heimlich. Das ‚Ich‘ der Vergangenheit ist nicht das ‚Ich‘ von heute. Ich muss mit dem heutigen weitergehen, ohne einen Augenblick stillzustehen“.

Auch die Gesellschaft verändert sich unaufhörlich. Die Bedürfnisse der Menschen sind unbeständig. Ordnungen und Moral, die für eine bestimmte Zeit angemessen waren, können in einer anderen Zeit ungeeignet sein. Im Kommentar heißt es: „Die Ordnungen früherer Herrscher entsprachen ihrer Zeit. Wenn sie weiterbestehen, nachdem sich die Zeiten geändert haben, werden sie die Menschen erschrecken und künstlich wirken“. „Diejenigen, die den vollkommen Weisen nacheifern, imitieren, was von ihnen geschaffen wurde. Doch das, was geschaffen wurde, ist bereits vergangen und entspricht nicht dem Jetzt. Es ist nutzlos, ihm zu folgen. Die Vergangenheit ist tot, das Jetzt lebt. Wer versucht, mit dem Lebenden wie mit dem Toten umzugehen, wird unweigerlich scheitern“.

Die Gesellschaft wandelt sich zusammen mit den Umständen. Unter neuen Bedingungen müssen auch Ordnungen und Moral erneuert werden. Wenn dies nicht geschieht, werden sie künstlich und „erschrecken die Menschen“. Selbstverständlich sollen neue Ordnungen und Moral spontan entstehen. Neu und Alt unterscheiden sich voneinander, weil die Zeiten unterschiedlich sind. Beide erfüllen die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Zeit; daher übertrifft das eine das andere nicht. Xiang-Guo wenden sich nicht gegen Ordnungen und Moral als solche, ähnlich wie Laozi und Zhuangzi. Sie nehmen lediglich an, dass die Ordnungen der Vergangenheit für die Gegenwart unnatürlich sind.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 05/10/2025