Die Natur der Philosophie - Die chinesische Philosophie in der modernen Welt
Eine kurze Geschichte der chinesischen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Die chinesische Philosophie in der modernen Welt

Die Natur der Philosophie

Die Methode von Xin li xue ist vollständig analytisch. Doch bereits beim Verfassen dieses Werkes begann ich, die Bedeutung der negativen Methode zu erkennen, die ich in Kapitel XXII erwähnt habe. Würde man mich heute fragen, was Philosophie ist, so würde ich wohl eine etwas ungewöhnliche Antwort geben: Philosophie, und besonders Metaphysik, ist ein Wissensbereich, der in seiner höchsten Entwicklung zu einem „Wissen, das kein Wissen ist“, wird. In einem solchen Fall muss die negative Methode angewendet werden. Philosophie, insbesondere Metaphysik, ist nutzlos für die Erweiterung unseres Wissens über Phänomene, doch sie ist unersetzlich für die Erhebung unseres Geistes. Diese Gedanken sind nicht nur meine persönliche Meinung, sondern, wie wir gesehen haben, auch ein Ergebnis der chinesischen philosophischen Tradition, das etwas zur künftigen Weltphilosophie beitragen kann. Im Folgenden werde ich versuchen, diese Ergebnisse näher zu erläutern.

Philosophie, wie andere Wissensgebiete, muss mit Erfahrung beginnen. Philosophie und Metaphysik unterscheiden sich jedoch von anderen Disziplinen darin, dass ihre endgültige Entwicklung zu einem „Etwas“ führt, das über Erfahrung hinausgeht. In diesem „Etwas“ liegt das, was logisch nicht erfahren, sondern nur gedacht werden kann. Beispielsweise kann man einen quadratischen Tisch wahrnehmen, doch nicht die Quadratzahl an sich – nicht, weil das Wahrnehmungsorgan unzureichend entwickelt ist, sondern weil „Quadratzahl“ ein Li ist, das nur logisch gedacht, aber nicht gefühlt werden kann. In diesem „Etwas“ gibt es auch das, was nicht nur unmöglich zu fühlen, sondern streng genommen auch unmöglich zu denken ist.

Ich sagte in Kapitel I, dass Philosophie systematisches, reflektierendes Denken über das Leben ist. Aufgrund ihrer reflektierenden Natur muss sie letztlich über das nachdenken, was logisch kein Objekt des Denkens sein kann. Zum Beispiel kann der Kosmos, als Totalität des Seienden, logisch nicht Objekt des Denkens sein. Das Schriftzeichen Tian (Himmel) wurde manchmal verwendet, um die Totalität zu bezeichnen, wie etwa bei Guo Xiang: „Himmel ist der Name aller Dinge.“ Da der Kosmos die Totalität des Seienden ist, muss das Denken über den Kosmos reflektierend sein, denn die Totalität umfasst sowohl das Denken selbst als auch den Denkenden. Doch wenn diese Totalität gedacht wird, umfasst sie nicht das Denken selbst, da es Objekt des Denkens ist und ihm gegenübersteht. Dann ist die gedachte Totalität tatsächlich nicht die Totalität des Seienden. Dennoch muss man die Totalität zunächst denken, um zu erkennen, dass sie undenkbar ist. Denken ist notwendig, um das Undenkbare zu begreifen, so wie manchmal ein Klang nötig ist, um die Stille zu erkennen. Das Undenkbare verschwindet sofort, sobald man beginnt, darüber nachzudenken. Dies ist der erstaunlichste und zugleich schwierigste Aspekt der Philosophie.

Was logisch nicht erfahren werden kann, liegt jenseits der Erfahrung; was weder erfahren noch gedacht werden kann, liegt jenseits des Verstandes. Über das, was über Erfahrung und Verstand hinausgeht, lässt sich wenig sagen. Deshalb muss Philosophie, oder zumindest Metaphysik, in ihrer Natur einfach sein. Andernfalls verwandelt sie sich wieder in schlechte Wissenschaft. Für sie genügen einfache Ideen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 05/10/2025