Legalismus und Konfuzianismus - Han Fei Zi und die Schule der Legalisten
Eine kurze Geschichte der chinesischen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Han Fei Zi und die Schule der Legalisten

Legalismus und Konfuzianismus

Die Konfuzianer behaupteten, dass Menschen durch li und Moral, nicht durch Gesetze und Strafen, regiert werden sollten. Sie hielten am traditionellen Herrschaftsweg fest, erkannten jedoch nicht, dass sich die Bedingungen, die diesen Weg einst praktikabel machten, verändert hatten. In dieser Hinsicht waren sie zu konservativ. Gleichzeitig waren sie in anderer Hinsicht revolutionär, da ihre Ideen den Lauf der Zeit widerspiegelten. Sie hielten sich nicht länger an die traditionellen sozialen Unterschiede, die auf Zufall der Geburt oder Glück basierten. Konfuzius und Mengzi sprachen zwar von Unterschieden zwischen dem edlen Menschen und dem niedrigen Menschen, doch selbst für sie hingen diese Unterschiede in erster Linie von der moralischen Qualität des Individuums ab und waren nicht zwingend durch die vererbte soziale Stellung determiniert.

Zu Beginn des Kapitels hatten wir erwähnt, dass im frühfeudalen China die Aristokratie durch li und das einfache Volk durch Strafen regiert wurde. Das konfuzianische Gebot, dass nicht nur die Aristokratie, sondern alle Menschen durch li und nicht durch Strafen geführt werden sollten, war im Grunde ein Anspruch auf einen höheren Verhaltensstandard für alle. In diesem Sinne war der Konfuzianismus revolutionär.

Die Legalisten hingegen kannten keine Klassentrennung. Jeder war vor Gesetz und Herrscher gleich. Sie gingen sogar gegensätzlich vor: Sie hoben nicht alle Menschen zu einem höheren Standard an, sondern setzten die Aristokratie herab, indem sie li außer Acht ließen und sich ausschließlich auf Belohnungen und Strafen für alle stützten. Die Konfuzianer zeigten sich als Idealisten, die Legalisten als Realisten. Deshalb warfen die ersten den zweiten in der chinesischen Geschichte stets Grobheit und Vulgarität vor, während die zweiten den ersten Pedanterie und Unpraktikabilität vorwarfen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 05/10/2025