Das organisierte Anorganische
Er [Heraklit!] nennt es [= das Feuer] „Notwendigkeit und Überfluss“ (65 DK).
Wenn die Kybernetik versucht, die Gegensätze von Mechanizismus und Vitalismus zu überwinden, dann gerade deshalb, weil sie die rekursive Form als Form des Denkens systematisiert und dabei auf den Informationsverarbeitungsprozess zurückgreift. Indem wir diese verallgemeinerte Denkform – die Rekursivität – erfassen und ihr ein neues Verständnis geben, basierend auf Kants Begriff der reflektierenden Urteilskraft, können wir eine bedeutende materielle Transformation des 20. Jahrhunderts untersuchen. Kybernetische Maschinen, insbesondere die Turing-Maschine, erlangten einen neuen Status, da sie nicht mehr nur Mechanismen im Sinne von Descartes sind, aber gleichzeitig auch keine lebenden Wesen.
Eine solche Maschine ist tatsächlich eine organomechanische Schöpfung, also ein mechanisches Wesen in organischer Form. Letztere verleiht nicht nur Form an sich, sondern organisiert auch Materie, die durch ein streng definiertes oder relativ offenes Ziel bestimmt wird, eingebettet in einen rekursiven Algorithmus. Selbst wenn man Kant zustimmt und sagt, dass es unmöglich ist, die Geheimnisse eines einzelnen Grashalms oder einer Raupe vollständig zu erfassen, ist es notwendig, die Natur und ihre Beziehung zur Technik auf Grundlage der Kybernetik zu konzeptualisieren.
Dies bedeutet nicht, dass wir der allgemein akzeptierten Interpretation von John von Neumanns Automaten-Theorie folgen oder der Theorie der Selbstreproduktion, wie sie visuell in John Horton Conways „Game of Life“ dargestellt und später in den Theorien der „digitalen Physik“ von Autoren wie Edward Fredkin und Stephen Wolfram oder in der Informationstheorie der Biologie weiterentwickelt wurde. Solche Interpretationen erweisen sich oft als nichts anderes als reduktionistische Ansätze zum Leben. In manchen Fällen ist Reduktionismus strategisch notwendig, um zu verstehen, doch er sollte als Werkzeug betrachtet werden, nicht als vollwertiges Pendant zum Leben.
Seit Kant lässt sich eine innere Verbindung zwischen dem Leben des Begriffs und dem Begriff des Lebens erkennen; diese Verbindung durchzieht die Arbeiten postkantischer Idealisten, insbesondere Hegel, bei dem Leben mit dem Begriff identisch gesetzt wird. Erst 1948, mit dem Aufkommen der Kybernetik, wurde die Identität von Begriff und Leben erneut bestätigt, und damit auch die Notwendigkeit, ihre Beziehung im Hinblick auf Exteriorisierung zu überdenken.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 04/10/2025