Das Verhältnis zur Natur im Mittelalter - Mittelalterliche Philosophie: Theozentrismus - Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen
Einführung in die Philosophie - 2024 Inhalt

Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen

Mittelalterliche Philosophie: Theozentrismus

Das Verhältnis zur Natur im Mittelalter

Im Mittelalter entwickelt sich eine neue Auffassung von der Natur. Diese ist nun nicht mehr etwas Eigenständiges, wie es größtenteils in der Antike der Fall war. Die Lehre von der göttlichen Allmacht entzieht der Natur ihre Selbstständigkeit, da Gott nicht nur die Natur erschafft, sondern auch gegen den natürlichen Lauf der Dinge eingreifen kann, das heißt, Wunder wirken kann.

Im christlichen Glaubenssystem sind der Dogma von der Schöpfung, der Glaube an Wunder und die Überzeugung, dass die Natur “für sich selbst unzureichend“ ist (Augustins Ausdruck), sowie die Vorstellung, dass der Mensch berufen ist, über sie zu herrschen und “den Elementen zu gebieten“, miteinander innerlich verbunden. Aufgrund all dessen verändert sich im Mittelalter das Verhältnis zur Natur. Zum einen hört sie auf, das wichtigste Erkenntnisobjekt zu sein, wie es in der Antike der Fall war (mit Ausnahme einiger Lehren, wie der der Sophisten, Sokrates und anderer); nun richtet sich die Hauptaufmerksamkeit auf die Erkenntnis Gottes und der menschlichen Seele. Diese Situation verändert sich erst im späten Mittelalter, im 14. Jahrhundert. Zum anderen, auch wenn das Interesse an natürlichen Phänomenen erwacht, treten sie vor allem als Symbole auf, die auf eine andere, höhere Realität hinweisen und diese ansprechen; eine Realität, die religiös-moralisch ist. Kein Phänomen, kein natürliches Objekt offenbart hier sich selbst, sondern jedes weist auf eine jenseitige Bedeutung der empirischen Wirklichkeit hin, jedes ist ein Symbol (und eine Lehre). Die Welt wird dem mittelalterlichen Menschen nicht nur zum Nutzen, sondern auch zur Belehrung gegeben.

Der Symbolismus und Allegorismus des mittelalterlichen Denkens, der vor allem auf der Heiligen Schrift und deren Auslegungen basiert, war höchst ausgeklügelt und bis ins Detail entwickelt. Es ist verständlich, dass eine solche symbolische Interpretation der Natur wenig zum wissenschaftlichen Erkennen von ihr beitrug, und erst in der Zeit des späten Mittelalters wächst das Interesse an der Natur an sich, was den Anstoß zur Entwicklung von Wissenschaften wie Astronomie, Physik und Biologie gibt.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025