Extremitäten, die aus dem Gefühl der Notwendigkeit unbegrenzter Vereinfachung entstehen; geozentrisches System und anthropozentrisches Konzept - Tendenzen zur Universalisierung und kosmopolitischen Strömungen
Mittelalterliche Philosophen und Zivilisation - 2024 Inhalt

Tendenzen zur Universalisierung und kosmopolitischen Strömungen

Extremitäten, die aus dem Gefühl der Notwendigkeit unbegrenzter Vereinfachung entstehen; geozentrisches System und anthropozentrisches Konzept

Doch diese Leidenschaft für die Systematisierung, die an sich schon anziehend ist, führt manchmal sogar die fähigsten Philosophen ins Übermaß — hierin liegt der Grund für die bestimmte Spezifität des mittelalterlichen Geistes. Diese empfundene Notwendigkeit der Ordnung war so groß, dass es manchmal, mangels Motiven für Beweise, der einzige Ausweg war, auf Spekulationen zurückzugreifen, um Befriedigung zu erlangen.

Die astronomisch-philosophischen Konzepte des 13. Jahrhunderts bieten ein erstaunliches Beispiel für diese Tatsache. Für die Menschen jener Zeit war die Erde der Mittelpunkt des Universums, und der Mensch war der Herr der Erde. Man glaubte, dass der Mond und die Planeten an ihren Plätzen unbeweglich waren und in den fernen Sphären um die Erde kreisten; mit emsiger Sorgfalt versuchten sie, dieses Konzept mit den offensichtlichen Bewegungen am Himmel zu versöhnen. Was die fixen Sterne betrifft, so bildeten sie die letzte Sphäre der Welt, hinter der, so die Behauptung Aristoteles’, “der Ort oder locus nicht mehr existiert“ — man hielt sie für fest auf dem Himmel aus Kristallgenagelt, das der göttliche Verstand in seinem täglichen Lauf um unsere Erde und um den Menschen, der letztendlich der raison d'être (Sinn des Daseins) von allem ist, zum Rotieren bringt.

Hier folgt eine Reihe von Postulaten, die einfach geschaffen wurden, um ihr Bedürfnis nach Synthese zu befriedigen — Postulate, die nicht auf Fakten, sondern auf Empfindungen basieren. So hielt man es für angemessen, dass der Himmel, so beeindruckend in seiner ewigen Geheimnis, aus einer Essenz bestehen müsse, die alles, was unten ist, übertrifft. Und da sie die Höchsten sind, ist es ebenso angemessen, dass sie Einfluss auf irdische Objekte ausüben und das Schicksal des Menschen lenken. Thomas von Aquin fragt: Herrscht das Höhere nicht über das Niedrigere? Der selbst Ordnung der Dinge verlangt dies. Oder wiederum, da das Einheitlichere vollkommener ist als die Vielzahl, ist die Schöpfung vollkommen, folglich muss man an die Einheit der Schöpfung glauben; somit wird die Vielzahl der Welten als eine Diskreditierung der Werke Gottes abgelehnt.

Zweifellos sahen Menschen mit klaren Blicken durch dieses fragile und naive Konzept des Weltbaus hindurch; zweifellos bemerken in einigen wohlbekannten Zeilen Thomas von Aquin und sein Schüler Gilles de Lessines, dass das geozentrische System lediglich eine Hypothese ist und dass möglicherweise die himmlischen Bewegungen mit Theorien erklärt werden könnten, die der Mensch noch nicht entdeckt hat. Thomas von Aquin minimiert definitiv den Einfluss des Himmlischen; er beschränkt diesen Einfluss auf die Neigungen des menschlichen Körpers und lehnt einen solchen Einfluss auf Intellekt und Wille ab. Dennoch werden die astronomisch-philosophischen Doktrinen als Elemente des Ganzen zugelassen, weil ihre Einbeziehung dem Bedürfnis nach Einheit entspricht. Darüber hinaus sind sie notwendig für ein angemessenes Verständnis der Magie und Alchemie oder wieder für das Verbot der Universität von Paris, das Roger Bacon auf astrologische Lehren auferlegte, der ihren leitenden Einfluss auf die menschlichen Angelegenheiten übertrieben hatte.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025