Fundamentaler Grundsatz: Die Gruppe existiert zum Wohl ihrer Mitglieder, nicht umgekehrt - Individualismus und soziale Industrie
Mittelalterliche Philosophen und Zivilisation - 2024 Inhalt

Individualismus und soziale Industrie

Fundamentaler Grundsatz: Die Gruppe existiert zum Wohl ihrer Mitglieder, nicht umgekehrt

Als Einleitung zur Erörterung wichtigerer Fragen, die die scholastische Sozialphilosophie behandelt — ein Thema, das wir für das nächste Kapitel aufheben —, möchte ich hier den grundlegenden Prinzipien betrachten. Dieser Grundsatz bildet das gemeinsame Fundament der politischen und gesellschaftlichen Theorie, auf dem das Staatsgebäude errichtet ist, ähnlich wie die Stockwerke eines Hauses auf dem Erdgeschoss ruhen. Der Grundsatz lässt sich kurz wie folgt formulieren: Der Staat existiert zum Wohl seiner Bürger, nicht umgekehrt; die Bürger existieren zum Wohl des Staates. Diese Aussage erlaubt eine Erweiterung.

Jede Art von Gruppe, sei es eine Familie, ein Dorf, eine Stadt, eine Provinz, ein Königreich, ein Reich, ein Kloster, eine Gemeinde, ein Bistum oder sogar die katholische Kirche selbst, rechtfertigt ihr Dasein durch das Wohl, das sie für ihre Mitglieder schafft. Mit anderen Worten, die Mitglieder existieren nicht zum Wohl der Gruppe. Die Fragestellung wird interessanter, da die Professoren des römischen Rechts in Bologna und andere Juristen, die im Namen der Souveräne (Hohenstaufen und Könige von England und Frankreich) argumentierten, sowie die Kanonisten, die dem Decretum Gratiani folgten, sich mit diesen heiklen Fragen befassten; dennoch gelang es den Philosophen, Klarheit und Präzision zu erreichen, die den Juristen in diesen Fragen fehlte.

Tatsächlich ist dieser Grundsatz — dass der Staat nur zum Wohl seiner Bürger existiert, während die Bürger nicht für das Wohl des Staates existieren — eng mit dem gesamten System der Scholastik verbunden. Als Fundament der Staatsdoktrin beruht dieser Grundsatz seinerseits auf einer ethischen Basis. Diese ethische Basis wiederum gründet sich auf einer tiefer liegenden metaphysischen Doktrin. So basiert die Sozialphilosophie tatsächlich auf einem doppelten Fundament: dem ethischen und dem metaphysischen. Lassen Sie uns kurz die Rolle betrachten, die jede dieser Grundlagen spielt.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025