Der Reiz des Neoplatonismus für die Deutschen - Philosophie und nationaler Charakter im 13. Jahrhundert
Mittelalterliche Philosophen und Zivilisation - 2024 Inhalt

Philosophie und nationaler Charakter im 13. Jahrhundert

Der Reiz des Neoplatonismus für die Deutschen

Der westliche Neoplatonismus konnte mit der scholastischen Philosophie des 13. Jahrhunderts ebenso wenig konkurrieren wie der lateinische Averoismus. Die Lehren von der Emanation und der nebulösen Mystik des Proklos — insbesondere wie sie im Liber de Causis (“Buch der Ursachen“) beschrieben sind — stehen in direkter Opposition zum Wesen der Scholastik. Dennoch gelang es dem Neoplatonismus, eine Gruppe deutscher Philosophen anzuziehen; und angesichts seines Beitrags zu den Strömungen, die sich insbesondere im 14. und 15. Jahrhundert in Deutschland entwickelten, ist die Untersuchung seiner Einflüsse aus historischer Perspektive äußerst interessant. Eine detaillierte Betrachtung der neoplatoischen Bewegung des 13. Jahrhunderts fällt nicht in den Rahmen dieser Arbeit, was ein gesondertes Studium erfordern würde. Daher wollen wir nur einen kurzen Überblick geben und einige allgemeine Ergebnisse zusammenfassen.

Die ersten Übersetzer der neoplatoischen Werke, wie Robert Grosseteste, Alfred von Sereche und Wilhelm von Merbeke, hegten gegenüber dem Neoplatonismus keine Sympathien, die über die besondere Zuneigung hinausgingen, die jeder Übersetzer jener Zeit für das Werk verspürte, das er übersetzte. Dasselbe gilt für Albertus Magnus als Kommentator, der beim Kommentieren von Aristoteles und den neoplatoischen Schriften nacheinander zu jedem Autor neigt.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wandte sich jedoch eine Gruppe deutscher Philosophen gezielt bestimmten neoplatoischen Thesen zu. Diese Denker waren Zeitgenossen oder unmittelbare Nachfolger von Albertus Magnus, und einige von ihnen, wie Albert selbst, waren Würdenträger des Dominikanerordens in Deutschland. Ich spreche von Ulrich von Straßburg — einem unmittelbaren Schüler Alberts, von Erasmus von Vitelon, Theodorich von Freiberg (in Deutschland), Berthold von Moosburg (möglicherweise ebenfalls ein Schüler Alberts) und Meister Eckhart, dem bekanntesten von allen. Diese Denker gelangten zu einer Harmonisierung ihrer Doktrinen zu einem organischen Ganzen auf der Grundlage der neoplatoischen Gedanken. In unterschiedlichem Maße verbinden ihre Werke die emanative Auffassung der Realität, das Streben nach Wissen im Inneren der Seele unabhängig von der äußeren Welt und den mystischen Drang zur Unendlichkeit.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025