Leibniz – Monaden und die vorbestimmte Harmonie
Ziel und Ursache – eine neue Synthese
Leben. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646—1716) war ein Deutscher, doch als Philosoph zur Zeit von König Ludwig XIV. (1638—1715) schrieb er hauptsächlich in französischer Sprache und auch auf Latein. Sein Lebensstil stand in völliger Gegensatz zu dem zurückgezogenen Leben Spinozas. Leibniz war ein wahrhaft weltlicher Mensch, dessen Zuhause ganz Europa war. Er zeigte Talent in den unterschiedlichsten theoretischen und praktischen Bereichen. So beschäftigte er sich unter anderem mit Bergbau, politischen Reformen, Finanzen, Gesetzgebung, Optik, Verkehrsinfrastruktur und dem Aufbau wissenschaftlicher Gemeinschaften. Darüber hinaus reiste Leibniz viel und hinterließ ein epistolisches Erbe von über 15.000 Briefen. Er pflegte Kontakte zu verschiedenen Königshöfen und war mit Mitgliedern des Hochadels bekannt. Auf theoretischer Ebene arbeitete er in den Bereichen Philosophie, Theologie, Recht, Physik, Medizin, Geschichte und Philologie. Besonders bekannt wurde er durch die Erfindung der Differentialrechnung, die er etwa gleichzeitig mit Isaac Newton und unabhängig von ihm entwickelte.
Werke. Aus der Vielzahl seiner Schriften seien nur zwei erwähnt. In der Theodizee (Essais de Théodicée, 1710) behandelt Leibniz die Beziehung zwischen Gott und dem Teufel und versucht, Gott von der Verantwortung für das Böse in dieser Welt zu entlasten, die seiner Ansicht nach die beste aller möglichen Welten ist. In der Monadologie (Monadologie, 1714) geht es um den Aufbau des Universums, dessen grundlegende und fundamentale Elemente die "Monaden" sind. Leibniz unterzog außerdem die Epistemologie von John Locke einer kritischen Analyse in seinen Neuen Versuchen über den menschlichen Verstand (Nouveaux essais sur l’entendement humain, 1703).
Ziel und Ursache — eine neue Synthese
Leibniz strebte an, das mechanistische Weltbild mit der Idee einer teleologischen (zweckgerichteten) Welt zu versöhnen. Kurz gesagt, hielt Leibniz das mechanistische Weltbild für ein nur oberflächliches Erklärungsmodell des Universums, das auf einer tieferen Ebene teleologisch, also zielgerichtet, ist. Die scheinbar blind wirkenden mechanischen Ursachen setzen letztlich einen göttlichen Plan voraus. Aus dieser Sicht betrachtete Leibniz Dinge, die auf den ersten Blick als materiell und passiv erscheinen, in Wirklichkeit jedoch als Kräfte. So entwickelten sich die Grundlagen seines nicht-materiellen, teleologischen "Fundaments" für das mechanistische und materielle Universum.
Einzelne Dinge können so lange geteilt werden, bis man auf bestimmte physikalisch unteilbare Basiselemente stößt, die als Zentren von Kräften bezeichnet werden können. Leibniz nennt diese Elemente Monaden. Monaden sind die fundamentalen Bausteine, aus denen das Universum aufgebaut ist.
Monaden besitzen ein Bewusstsein, das in unterschiedlichem Maße allen existierenden Dingen eigen ist, beginnend bei den unorganischen Körpern bis hin zur menschlichen Seele. Monaden gehören somit zu einer bestimmten Hierarchie. Gleichzeitig ist jede einzelne Monade nicht dem Einfluss anderer Monaden ausgesetzt. Wie Studenten scherzen, haben Monaden keine Fenster oder Türen. Sie kommunizieren nicht miteinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig. Sie bewegen sich jedoch so harmonisch zueinander, dass eine Korrelation zwischen seelischen und körperlichen Zuständen entsteht. Dies geschieht aufgrund einer Art "Programmierung" aller Monaden. Alle Monaden werden gemäß demselben göttlichen Plan in Bewegung gesetzt. Gott fungiert als eine Art universeller Ingenieur, der das Weltall so entworfen hat, dass die Monaden — etwa Seele und Körper — miteinander koordiniert sind. In diesem Sinne kommunizieren alle Dinge, alle Monaden, durch Gott. Genau hierin liegt der teleologische Aspekt des Universums. Mit Leibniz’ Worten: Die Monaden sind Teil einer vorbestimmten Harmonie.
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Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025