Anhang II. Die Philosophie von O. Spengler und ihre Evolution
Das Thema der Krise der gesellschaftlichen Entwicklung gehört zu den wichtigsten in den modernen philosophisch-historischen Untersuchungen. Der 20. Jahrhundert war geprägt von zahlreichen sozialen Umwälzungen, ständigen militärischen Konflikten (einschließlich zweier Weltkriege), der zunehmenden Gefahr einer ökologischen Katastrophe, der aus der „Kalten Kriegs“-Ära verbliebenen Angst vor einem weltweiten Atomkrieg sowie einem Gefühl der „Zerbrechlichkeit“ der Erde und der menschlichen Zivilisation.
Das Bewusstsein für die Komplexität der Lage der modernen Gesellschaft wurde von einem Teil der westlichen Philosophen als bevorstehende Apokalypse wahrgenommen. Der Sinn der Weltgeschichte für sie beschränkte sich auf die Idee der Ablehnung des Fortschrittsgedankens; die Bewegung der Geschichte erschien als zielloses Kreisen im Kreis.
Das besonders starke Gefühl der Krise trat in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen wie Revolutionen und Weltkriegen zutage. Der erste, der dies theoretisch „fixierte“, war Oswald Spengler, dessen historischer Pessimismus für viele philosophisch-historische Konzepte prägend wurde. Unter den „konzeptionellen Pessimisten“ nimmt Spengler eine besondere Stellung ein. Er formulierte am klarsten die Idee des „Untergangs“ der westlichen Kultur im Kontext eines umfassenden Bildes der Entwicklung der Geschichte als natürlichen Prozess. Gleichzeitig trug die von Spengler entwickelte Konzeption des Kreislaufs der Kulturen, wie keine andere Theorie dieses Strangs, zur Entstehung und Entwicklung der Philosophie der Geschichte und der Kulturwissenschaften im 20. Jahrhundert bei.
Die Konzeption der Philosophie der Geschichte Spenglers spiegelt die Widersprüche seiner Weltsicht wider, die sich in der relativ friedlichen Zeit des späten 19. Jahrhunderts bildete, einem Zeitraum, der nicht durch die wirtschaftlichen und militärischen Krisen des beginnenden neuen Jahrhunderts „gespalten“ war. Es ist kein Zufall, dass seine Sichtweise auf ein „goldenes“ vergangenes Zeitalter ausgerichtet war.
Die Ideen Spenglers trugen zur Formulierung der Ideologie des Nationalsozialismus bei; sie wurden in den politischen Konzepten der Neokonservativen der Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit genutzt, als die Ideologie der „Vereinigten Europa“ und des „Gemeinsamen Europäischen Hauses“ entwickelt wurde. Spengler stand auch am Ursprung der Theorie „Westen-Osten“, die später als Gegensatz zwischen sozialen Systemen und militärischen Blöcken verstanden wurde.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/01/2025