Grundlagen der allgemeinen Philosophie
Die Lehre vom Sein
Über die Metaphysik
Im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse an der religiösen Philosophie und der Neubewertung von Tendenzen, die auf die klassischen deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts zurückgehen, ist es angebracht, beim Begriff „Metaphysik“ innezuhalten, der eng mit der Kategorie des Seins verbunden ist.
Mit diesem Begriff vollzog sich eine unglaubliche Transformation. Etymologisch ist hier alles recht einfach: Meta griechisch bedeutet „über“, „jenseits“. Somit gehört alles, was jenseits der physikalischen Realität liegt, zur metaphysischen Realität. Und das kann nicht nur beispielsweise die geistige, sondern auch die biologische und soziale Realität sein, denn sie sind überphysikalisch. Aber unter Metaphysik verstand man eine besondere übersinnliche Realität, die jenseits der Grenzen der Erfahrung, des Experiments und der Beobachtung liegt, und zwar sowohl der direkten als auch der indirekten. Allerdings ist dem Experiment, der Beobachtung und der Erfahrung des Menschen und der Menschheit bisher nur ein äußerst kleiner Teil des Seienden zugänglich. Alles „andere“ befindet sich im Bereich, der für die menschliche Sinnlichkeit transzendent ist. Überlegungen darüber sind Metaphysik.
Verwirrung entstand, als man unter Metaphysik eine Methode zu verstehen begann, die der Dialektik entgegengesetzt ist, obwohl der Gegenstand der letzteren nicht nur die sinnliche, sondern auch die übersinnliche Realität ist. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich in nichts von der Metaphysik. Generell ist die metaphysische Realität eine hochangesehene Realität, die ein tiefes Studium verdient: Alles, was dem Experiment zugänglich ist, ist bisher nur eine äußerst kleine Insel der Realität.
Immanuel Kant verstand unter Metaphysik alle Urteile, die nicht auf sinnlichen Daten beruhen. Aber neben der erkenntnistheoretischen Interpretation ließ er auch ihre ontologische Interpretation als übersinnliche Realität zu und schätzte sie als primär ein, die Welt der sinnlichen Erscheinungen, die sogenannten Phänomene, bestimmend, während metaphysische Erscheinungen Noumena genannt werden. Dies ist die noumenale Realität, die unsere Sinnlichkeit affiziert, das heißt auf sie einwirkt, aber sowohl für die Sinne als auch für den Verstand unbegreiflich bleibt.
Der Gegenstand der Metaphysik in ihrem ursprünglichen Sinn sind die Überlegungen über das absolute Weltganze, das keinem Sinn zugänglich ist, sowie über Willensfreiheit, Gott, Unsterblichkeit, Ewigkeit und Unendlichkeit und Ähnliches. Max Planck sagt, dass „die exakte Wissenschaft niemals ohne das Reale im metaphysischen Sinne auskommen kann“.
Im Zusammenhang mit dem Gesagten ist es nützlich, die Kategorien transzendental und transzendent zu erwähnen. Dies sind zwei verschiedene Stufen der übersinnlichen Realität. Zweifellos ist das Sein übersinnlich, aber nicht unbedingt übernatürlich, überweltlich. Eine solche Realität, die über die Grenze der Empirie hinausgeht und nach Kant durch die sogenannten apriorischen, vorexperimentellen, Erkenntnisformen, wie Raum und Zeit als Form der sinnlichen Erkenntnis und Kausalität als Verstandeskategorie, gekennzeichnet ist, wird transzendental genannt.
Darüber steht die vollständig überexperimentelle Realität, die tatsächlich auch der theoretischen Erkenntnis unzugänglich ist. Dies ist die transzendente oder noumenale Realität Kants. Nach Ansicht aller religiös denkenden Philosophen ist Gott eine transzendente Realität, aber nicht alles Transzendente ist göttlich.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/10/2025