Arten von Urteilen, Arten von Prädikatsobjekten und die Kategorien des Aristoteles - Einführung in die Philosophie Platons und Aristoteles
Ausgewählte Vorlesungen zur antiken, mittelalterlichen und modernen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Einführung in die Philosophie Platons und Aristoteles

Arten von Urteilen, Arten von Prädikatsobjekten und die Kategorien des Aristoteles

Wir haben bereits über „Was-Urteile“ und „Wie-Urteile“ gesprochen. Dies sind zwei Arten einfacher Urteile, die wir selbst eingeführt haben, unabhängig davon, wie moderne Logiker dies tun. Wenn man ein modernes Logik-Lehrbuch öffnet, findet man stattdessen folgende Einteilung einfacher Urteile:

  • Nach dem Inhalt des Prädikats: attributive Urteile, Verhältnisurteile, existenzielle und modale Urteile;
  • Nach der Ausdehnung (Menge, Allgemeinheit) des Subjekts: singuläre, partikuläre und allgemeine Urteile;
  • Nach der Qualität des Kopula: bejahende und verneinende Urteile.

Wir werden hier nicht näher darauf eingehen – Interessierte können dies in Standardlehrbüchern der Logik nachlesen. Unter Verwendung der genannten Klassifikationen lassen sich höchstens 24 Arten einfacher Urteile unterscheiden. Je nach Notwendigkeit kann diese Zahl geringer sein: Ignoriert man etwa die Unterscheidung zwischen bejahenden und verneinenden Urteilen, erhält man nur zwölf Arten; betrachtet man nur die Quantität des Urteils als wesentlich, gibt es drei Arten. Durch die Einteilung in „Was-Urteile“ und „Wie-Urteile“ haben wir nur zwei Hauptarten von Urteilen eingeführt. Diese beiden Arten lassen sich wiederum in Unterarten unterteilen.

Wenden wir uns Aristoteles zu. In den Kategorien unterteilt Aristoteles nicht die Urteile selbst, sondern die Prädikate der Urteile. Diese Prädikate betrachtet er losgelöst von konkreten Urteilen, von verallgemeinerten Arten von Urteilen oder von allen Urteilen überhaupt. Man kann jedoch sagen, dass durch die Einteilung der Prädikate auch eine Einteilung der Urteile nach der Art ihrer Prädikate erfolgt, ähnlich der modernen Klassifikation nach Prädikatsinhalt.

Aristoteles begründet seine Arten von Prädikaten auf deren Bedeutung – was sie ausdrücken oder implizieren – indem er die Frage stellt, auf die das jeweilige Prädikat eine Antwort geben soll. Insgesamt nennt Aristoteles in den Kategorien zehn Arten (oder besser: zehn höchste, allgemeinste Arten) von Prädikaten:

  1. Prädikat, das die Essenz bezeichnet („ousia“) – beantwortet die Frage: „Was?“ („Was ist dies?“). Beispiele: „Wassja ist eine Katze“, „Peter ist ein Mensch“, „Katze und Mensch sind lebendige Wesen“, „Weißheit ist eine Eigenschaft“, „Kraft ist unmittelbare Quelle einer Handlung“, „Handlung ist Ausdruck von Kraft“ usw.
  2. Prädikat, das die Quantität bezeichnet – beantwortet die Frage: „Wie viel?“
  3. Prädikat, das die Qualität bezeichnet – beantwortet die Frage: „Welche Art?“
  4. Prädikat, das das Verhältnis bezeichnet – beantwortet die Frage: „In Bezug worauf?“ („Wie in Bezug auf was?“). Beispiele: „Dieser Stein ist doppelt so schwer wie jener“, „Dieser Baum ist höher als jener“.
  5. Prädikat, das den Ort bezeichnet – beantwortet die Frage: „Wo?“
  6. Prädikat, das die Zeit bezeichnet – beantwortet die Frage: „Wann?“
  7. Prädikat, das die Stellung bezeichnet – beantwortet die Frage: „In welcher Stellung befindet sich etwas?“
  8. Prädikat, das den Besitz bezeichnet – beantwortet die Frage: „Worüber verfügt etwas?“
  9. Prädikat, das aktive Handlung bezeichnet – beantwortet die Frage: „Was tut es aktiv?“
  10. Prädikat, das passive Handlung bzw. Erleiden bezeichnet – beantwortet die Frage: „Was erfährt es passiv?“

Was Prädikate bedeuten, nennt Aristoteles „Kategorien“. Eine aristotelische Kategorie ist also die Bedeutung und das, was alle Prädikate einer bestimmten Art implizieren. Die zehn Kategorien in den Kategorien sind: Essenz, Quantität, Qualität, Verhältnis, Ort, Zeit, Stellung, Besitz, aktive Handlung und passive Handlung.

Aristotels Kategorien sind die Arten, in die sich die Objekte der Prädikate einteilen lassen. Beispiel: Im Urteil „Diese Katze ist rot“ ist das Objekt des Prädikats die Eigenschaft „Rotheit“ der Katze; im Urteil „Dieses Haus ist hoch“ ist das Objekt die Eigenschaft „Höhe“ des Hauses. Alle Objekte dieser Art gehören zur Art „Eigenschaft“. Aristotels Kategorien werden häufig als „höchste Gattungen des Seienden“ bezeichnet – die allgemeinsten Arten, in die alles Seiende einteilbar ist. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt: Die Kategorien sind vielmehr die höchsten Arten dessen, was die Prädikate ausdrücken und implizieren, oder anders gesagt: die höchsten Arten der Prädikatsobjekte.

Ein und dasselbe Element der Realität kann je nach Aussage in verschiedenen Urteilen unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden. Somit kann einem „höchsten Seienden“ mehrere Kategorien entsprechen, oder mehrere höchste Seienden können nur einer Kategorie zugeordnet sein. Ein Beispiel: Die ersten vier Arten von Seiendem – Essenz, kausale Eigenschaft, Kraft und Handlung – lassen sich jeweils durch verschiedene Kategorien darstellen. Ein kausales Merkmal entspricht z. B. der Kategorie „Eigenschaft“ („Dieser Ball ist weiß“) und auch der Kategorie „Besitz“ („Dieser Ball besitzt die Eigenschaft Weißheit“). Essenz entspricht der Kategorie „Essenz“ („Dieser Gegenstand ist eine Eiche“) und auch „Besitz“ („Dieser Gegenstand besitzt die Eichenessenz“) und sogar „Eigenschaft“ („Dieser Gegenstand ist eichenartig“). Kraft entspricht der Kategorie „Eigenschaft“ („Dieser Mensch ist stark“) und „Besitz“ („Dieser Mensch besitzt große Kraft“). Somit reflektieren die Kategorien primär Sprache und Denken, während die höchsten Arten des Seienden nur mittelbar über Sprache und Denken dargestellt werden.

Es ist wichtig, gleichnamige Kategorien von den höchsten Arten des Seienden zu unterscheiden. Die Kategorie „Essenz“ ist etwas anderes als die erste aristotelische Essenz der Kategorien oder die zweite Essenz; mittels Prädikaten der Kategorie „Essenz“ werden Urteile gebildet, die diese höchsten Arten des Seienden im Geist abbilden, wobei dasselbe durch Prädikate anderer Kategorien ebenso möglich ist.

Aristoteles selbst unterscheidet in den Kategorien nicht zwischen „(höchsten) Arten der Prädikatsbedeutungen“ und „höchsten Arten des Seienden“. So beschreibt er die Essenz genauer und bemerkt: „Essenz im primären, grundlegenden und unbedingten Sinn ist das, wovon nichts gesagt wird, das in keinem Subjekt ist, z. B. ein einzelner Mensch oder ein einzelnes Pferd. Sekundäre Essenzen sind die Arten, zu denen primäre Essenzen gehören, z. B. Mensch und lebendiges Wesen.“

Die Kategorie „Essenz“ umfasst demnach sowohl einzelne Dinge (erste Essenzen der Kategorien) als auch deren Arten und Gattungen (zweite Essenzen der Kategorien) im primären, grundlegenden Sinn. Sekundäre Aspekte wie kausale Eigenschaften, Kraft, Handlung, Quantität, Ort und Stellung fallen nicht unter den primären Sinn, können aber durch Urteile dargestellt werden.

Aristoteles versucht also, die Kategorie „Essenz“, ursprünglich auf Sprache und Denken ausgerichtet, zu einer Kategorie zu verengen, die primär auf die objektive Realität abzielt. Die traditionelle Auffassung der Kategorien als „höchste Gattungen des Seienden“ ist daher nicht ganz falsch. Es ist auch bekannt, dass Aristoteles seine Kategorien auf der Basis der Sprachteile entwickelte: Substantive – Essenz, Numerale – Quantität, Adjektive/Partizipien – Qualität, Verben – aktive und passive Handlung. Adverbien für Ort, Zeit und Stellung entsprechen den Kategorien „Ort“, „Zeit“ und „Stellung“. Besitz entspricht ebenfalls einem Verb.

Das Wort „Kategorie“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet „Anklage“ oder „öffentliche Verkündung“ auf der Agora. Aristoteles „klagte“ also Prädikate an, einer bestimmten Art anzugehören, daher der Name „Kategorien“.

Die zehn Kategorien in den Kategorien sind der Standardkanon. In der Metaphysik führt Aristoteles noch eine elfte Kategorie ein: „Bewegung“. Bewegung ist eine Form von Handlung, aber nicht jede Handlung ist Bewegung. Beispiele zeigen, dass Handlung und Bewegung unterschieden werden müssen: mechanische Veränderungen, biologische Prozesse oder geistige Erkenntnisbewegungen. Daher wird in der Metaphysik die Bewegung als eigene Kategorie hervorgehoben.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 01/10/2025