Einführung in die Philosophie Platons und Aristoteles
Porphyrios’ Alternativen („Gabelungen“) im Verständnis von Gattungen und Arten (einschließlich aristotelischer Formen und platonischer Ideen)
Es sind drei zentrale Alternativen („Gabelungen“) bekannt, die geklärt werden müssen, bevor man darüber spricht, wie man die Existenz von Gattungen und Arten denkt. Diese Alternativen werden „Porphyrios’ Alternativen“ genannt, weil er sie in seinem Werk Isagoge („Einführung“), auch bekannt als „Einführung in die ‚Kategorien‘ des Aristoteles“, erstmals klar und eindeutig formulierte. Hier der betreffende Abschnitt der Isagoge:
„Sogleich sei gesagt – ich werde vermeiden, über Gattungen und Arten zu sprechen –, ob diese selbständig existieren oder nur in Gedanken; und wenn sie existieren, ob sie Körper oder unkörperliche Dinge sind, und ob sie ein getrenntes Dasein haben oder in den sinnlich wahrnehmbaren Dingen existieren und auf ihnen beruhen; denn eine solche Untersuchung führt sehr tief und erfordert eine andere, umfassendere Untersuchung.“
Mit anderen Worten: Vor uns stehen drei Fragen, auf die man zunächst eine Antwort finden muss, wenn man über eine Konzeption von Gattungen und Arten sprechen möchte:
- Existieren Gattungen und Arten objektiv, unabhängig vom Verstand, oder nur als Gedankenkonstrukte?
- Falls Gattungen und Arten objektiv existieren, was sind sie – Körper oder unkörperliche Objekte (Dinge im weiteren Sinn)?
- Falls Gattungen und Arten objektiv existieren, existieren sie getrennt von sinnlich wahrnehmbaren Dingen oder sind sie in ihnen und beruhen auf ihnen?
Die erste Gabelung ist klar und bedarf keiner weiteren Erklärung. Zum Beispiel betrachteten Platon und Aristoteles Gattungen und Arten als objektiv existent, während die Stoiker sie nur als gedankliche Vorstellungen ansahen, also im stoischen Sprachgebrauch als lekta.
Zur zweiten Gabelung: Körper verfügen nach Vorstellung der alten Griechen über Form (im Sinne von äußerer Gestalt, Struktur, Erscheinung usw.), über eine räumliche Lage – begrenzt – und über Gewicht. Körper sind grundsätzlich sinnlich wahrnehmbar. (Es sei angemerkt, dass Aristoteles eine besondere Materie für mathematische Objekte wie Kreise oder Dreiecke einführte – diese besondere Materie ist nach Aristoteles nicht sinnlich wahrnehmbar, aber vom Verstand erfassbar; auf diese Feinheiten werden wir hier nicht weiter eingehen.)
Unkörperliche Objekte, wie die aristotelischen Formen und platonischen Ideen, besitzen keine begrenzte räumliche Lage (Platons Ideen befinden sich überhaupt außerhalb der sinnlich wahrnehmbaren Welt) und sind nicht sinnlich wahrnehmbar, sondern nur durch Denken erfassbar. Sie haben auch kein Gewicht. Die aristotelischen Formen der Metaphysik und die sekundären Substanzen der Kategorien – das heißt Gattungen und Arten – existieren in dieser Welt als unsichtbarer Teil; sie sind nicht sinnlich wahrnehmbar, können jedoch durch Denken erfasst werden und sind überall präsent, ohne räumlich beschränkt zu sein. Solche Objekte lassen sich mit der Zeit vergleichen: Wie die neun Uhr auf der ganzen Erde gleichzeitig gegenwärtig ist (und überall gleichzeitig eintritt, ohne von einem Ort zum anderen transportiert werden zu müssen), so existieren die Formen der Metaphysik und die sekundären Substanzen der Kategorien. Um beispielsweise einen Baum entstehen zu lassen, braucht man die Form der „Eiche“ nicht zu transportieren – sie ist überall, sie ist ein Objekt, unbegrenzt im Raum, ähnlich der Zeit zwischen neun und zehn Uhr.
Zur dritten Gabelung: Platons Ideen sowie die Formen der Metaphysik und die sekundären Substanzen der Kategorien existieren unabhängig und getrennt von sinnlich wahrnehmbaren Dingen. Wenn diese Dinge durch die Formen geschaffen werden, dann existieren die Ideen, Formen oder sekundären Substanzen nicht auf der Grundlage der sinnlich wahrnehmbaren Dinge, sondern umgekehrt: Die sinnlich wahrnehmbaren Dinge existieren auf Grundlage der Ideen, Formen und sekundären Substanzen, denn ohne sie existiert nur die qualitätslose Materie, also die Urmaterie. Die Ideen, Formen und sekundären Substanzen sind nicht in den sinnlich wahrnehmbaren Dingen im Sinne von „Gefäßen“ enthalten, in denen sie existieren müssten; sonst müssten sie räumlich beschränkt und materiell sein.
Die zweite Gabelung hängt eng mit der dritten zusammen: Wenn man die Körperlichkeit, also die Materiellheit, von Gattungen und Arten anerkennt, dann liegt es nahe anzunehmen, dass sie in sinnlich wahrnehmbaren Dingen existieren und ihr Dasein darauf beruht.
Zu den drei berühmten „Gabelungen“ Porphyrios’ sollte zur Klarheit eine vierte hinzugefügt werden:
(iv) Falls Gattungen und Arten objektiv existieren, tritt die „äußerste“ oder „letzte“, also die am wenigsten allgemeine Art in das entsprechende Ding als dessen Teil ein oder nicht? Aristoteles’ Formen der Metaphysik, die solche „äußersten“ Arten darstellen, treten als Teile in die von ihnen geformten Dinge ein; Platons Ideen hingegen nicht. Porphyrios sprach nicht über diese vierte Alternative, da das Vorhergehende als allgemein bekannt und einleuchtend galt. Beachten Sie: Die Form der Metaphysik tritt als Teil in die sinnlich wahrnehmbaren Dinge ein (nur durch Denken wahrnehmbar), bleibt aber nicht in ihnen im Sinne eines Gefäßes – sie existiert überall und jederzeit, ohne räumlich beschränkt zu sein. Wird gefragt: „Befindet sich die Form im Ding?“, muss man klären, was gemeint ist: Ob die Form Teil des Dinges ist oder ob sie im Ding wie in einem Gefäß existiert. Über einen Teil des Dinges lässt sich natürlich sagen, dass er sich im entsprechenden Ding befindet, dessen Teil er ist.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 01/10/2025