Kulturell-historisches Verständnis des Lebens - Die Stellung der Lebensphilosophie im europäischen historisch-philosophischen Prozess - Sozial-ökonomische und geisteswissenschaftliche Wissenschaften
Geschichte und Philosophie Der Wissenschaft - Philosophie der Wissenschaft - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Sozial-ökonomische und geisteswissenschaftliche Wissenschaften

Die Stellung der Lebensphilosophie im europäischen historisch-philosophischen Prozess

Kulturell-historisches Verständnis des Lebens

In der Interpretation von W. Dilthey gewinnt die Lebensphilosophie neue Dimensionen. Vor allem beginnt die Kategorie des Lebens eine wichtige methodologische Funktion zu erfüllen. Dilthey betont, dass Leben eine Kategorie der sozial-humanistischen Wissenschaften und nicht der Biologie ist. Die Lebensphilosophie ist die Lehre vom Geist. Doch der Geist wird nicht in seiner traditionellen Gegenüberstellung von Körperlichkeit und Sinnlichkeit verstanden, sondern als die Ganzheit des menschlichen Daseins, die sowohl Gefühle als auch Vernunft umfasst.

Das Leben als grundlegende Realität wird durch Poesie, Geschichte und biografische Forschung erfasst. „Die Kraft der Poesie“, schreibt Dilthey, „liegt in der unmittelbaren Beziehung des Ereignisses zum Leben, daher wird sie zum unmittelbaren Ausdruck des Lebens…“

Dilthey, beeinflusst von der rationalistischen Philosophie Hegels, beschränkt sich nicht auf die poetische Wahrnehmung des Lebens. Seine Erkenntnis auf rationaler Ebene, die es erlaubt, die verstreuten Ereignisse und Eindrücke, deren Vielfalt die reale Geschichte zeigt, zu ordnen, wird durch die Geschichte als Wissensbereich ermöglicht. „Das Reich des Lebens“, bemerkt der deutsche Philosoph, „verstanden als Objektivierung des Lebens in der Zeit, als Organisation des Lebens in Übereinstimmung mit den Beziehungen von Zeit und Handlung, ist Geschichte.“ Ein weiteres geistiges Mittel, das das Leben in seiner konkreten Verkörperung und Individualisierung widerspiegelt, ist die biografische Darstellung.

Sowohl historische als auch biografische Forschungen sind nur teilweise rational; die Rolle des sinnlichen Elements ist ebenfalls bedeutend, da sie auf einem Verstehensverfahren beruhen, das eine sinnlich-rationale Rekonstruktion vergangener Ereignisse oder der geistigen Welt des Menschen voraussetzt. Zudem ist Dilthey weit entfernt vom hegelschen erkenntnistheoretischen Optimismus. Seiner Meinung nach bleibt das Geheimnis des Lebens niemals vollständig erfasst.

Die Lehre E. Husserls (1859–1938) über die Lebenswelt bewegt sich ebenfalls innerhalb des kulturell-historischen Verständnisses des Lebens. In seinem späten Werk „Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie“ stellte Husserl die Frage nach der Krise der Wissenschaft, die seiner Ansicht nach darin besteht, dass die Wissenschaft in ihrer Entwicklung von den realen Lebensgrundlagen losgelöst wurde und ihre abstrakten Konstruktionen die reale Lebenswelt ersetzt haben. Den ersten Schritt hierzu unternahm Galilei, der physikalisch-mathematische Beziehungen und Abhängigkeiten dem gesamten kolossalen Reichtum realer Zusammenhänge gegenüberstellte.

Die Welt der Wissenschaft, so Husserl, darf das Leben nicht verdecken oder ersetzen. Zudem müssen Wissenschaftler die Verwurzelung ihrer wissenschaftlichen Konzepte und Ideen in den Realitäten der Lebenswelt, also in der Welt der menschlichen Alltagserfahrung, erkennen, in der die grundlegenden Einstellungen, Orientierungen und Denkformen des Menschen entstehen. Somit geht es auch in Husserls Konzept um eine ganzheitliche und nicht fragmentarische Wahrnehmung des menschlichen Daseins.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 20/09/2025