Menschlichkeit und Gerechtigkeit - Konfuzius – der erste Lehrer
Eine kurze Geschichte der chinesischen Philosophie - Sykalo Yevhen 2025 Inhalt

Konfuzius – der erste Lehrer

Menschlichkeit und Gerechtigkeit

Wenn es um menschliche Tugenden geht, legte Konfuzius besonderes Augenmerk auf Menschlichkeit und Gerechtigkeit, insbesondere auf die erste. Gerechtigkeit (yi) bedeutet die „Pflicht“ einer Situation. Sie ist ein kategorischer Imperativ. Jeder in der Gesellschaft hat etwas zu tun, und zwar um dieser Handlung willen, die moralisch „richtig“ ist. Wenn jedoch jemand dies aus anderen, nicht-moralischen Gründen tut, dann ist seine Handlung, selbst wenn er das Richtige tut, nicht gerecht. In diesem Fall handelt er aus „Eigennutz“ (li), ein Begriff, der von Konfuzius und seinen Nachfolgern oft mit Missachtung betrachtet wurde.

Yi (Gerechtigkeit) und li (Eigennutz) sind im Konfuzianismus zwei diametral entgegengesetzte Begriffe. Konfuzius sagt: „Der Edle erfasst yi, der Niedrige erfasst li“ (Lúnyǔ, IV, 16). Darin liegt das, was die späteren Konfuzianer als „Unterschied zwischen yi und li“ bezeichneten – ein Unterschied, der nach ihrer Auffassung von höchster Bedeutung für die moralische Lehre ist.

Der Begriff yi ist eher abstrakt, im Gegensatz zur Idee ren (Menschlichkeit), die konkreter ist. Die formale Essenz menschlicher Pflichten in der Gesellschaft liegt in ihrer „Pflichtmäßigkeit“, da diese Pflichten erfüllt werden müssen. Die materielle Essenz dieser Pflichten jedoch liegt in der „Liebe zu anderen“, also in ren, der Menschlichkeit. Der Vater handelt gemäß dem „Weg“, wie ein Vater handeln sollte, der seinen Sohn liebt; der Sohn handelt gemäß dem „Weg“, wie ein Sohn handeln sollte, der seinen Vater liebt. Konfuzius sagt: „Menschlichkeit heißt, andere zu lieben“ (Lúnyǔ, XII, 22).

Wer andere wirklich liebt, ist fähig, seine Pflicht in der Gesellschaft zu erfüllen. So sehen wir, dass Konfuzius im Lúnyǔ den Begriff ren nicht nur zur Bezeichnung einer besonderen Tugend, sondern für alle Tugenden insgesamt verwendet. Der Ausdruck „ein Mensch voller ren“ wird somit synonym mit „ein tugendhafter Mensch“. In diesem Zusammenhang kann ren als „vollkommene Tugend“ übersetzt werden.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 05/10/2025