Die realistische Richtung im Konfuzianismus – Xunzi
Irrtümer anderer Schulen
Xunzi betrachtete die meisten Argumente der „Schule der Namen“ und der späteren Mohisten als auf logischen Sophismen basierend und daher fehlerhaft. Er unterteilte diese Irrtümer in drei Arten.
Die erste Art nennt er „Fehler durch Verzerrung der Namen“. Dazu zählt er die Ansicht der Mohisten, dass „einen Räuber hinzurichten nicht bedeutet, einen Menschen zu töten“. Xunzi jedoch argumentiert: „Räuber zu sein setzt notwendig voraus, ein Mensch zu sein“, denn die Kategorie „Mensch“ umfasst die Kategorie „Räuber“. Daher impliziert die Rede über einen Räuber automatisch, dass er ebenfalls ein Mensch ist.
Die zweite Art bezeichnet Xunzi als „Fehler durch Verzerrung der Namen durch Tatsachen“. Dazu gehören Argumente wie „Berge und Abgründe befinden sich auf derselben Ebene“ (paraphrasiert nach Hui Shi: „Berge und Sümpfe befinden sich auf derselben Ebene“). Tatsachen sind konkrete Einzelfälle, Namen hingegen abstrakte, allgemeine Kategorien oder Regeln. Wenn allgemeine Regeln durch Einzelfälle widerlegt werden sollen, wird der Name durch die Tatsache verzerrt. So kann ein einzelner Abgrund in den Bergen tatsächlich auf derselben Höhe liegen wie ein Berg im Tal. Doch aus diesem Einzelfall lässt sich nicht schließen, dass alle Abgründe auf derselben Höhe liegen wie alle Berge.
Die dritte Art nennt Xunzi „Fehler durch Verzerrung der Tatsachen durch Namen“. Dazu gehört das Mohisten-Argument, dass „Büffelpferd kein Pferd ist“ – ähnlich dem Paradoxon von Gongsun Long: „Ein weißes Pferd ist kein Pferd“. Analysiert man den Namen „Büffelpferd“, wird deutlich, dass er nicht dem Namen „Pferd“ entspricht. Tatsächlich sind jedoch einige Wesen aus der Gruppe „Büffelpferd“ faktisch Pferde.
Xunzi folgert, dass das Entstehen all dieser Irrtümer darauf zurückzuführen ist, dass es keine vollkommen weisen Herrscher gibt. Hätte ein solcher Herrscher existiert, hätte er durch seine politische Autorität die Gedanken der Menschen geeint und auf den wahren Lebensweg geleitet, wo kein Raum für Streit und endlose Diskussionen wäre. Hier drückt Xunzi die geistigen Sehnsüchte seiner unruhigen Zeit aus. Es war eine Epoche, in der die Menschen mit ganzem Herzen nach politischer Einheit strebten, die ihren Leiden ein Ende setzen würde. Die Vereinigung Chinas wurde von den Menschen jener Zeit gleichgesetzt mit der Vereinigung der ganzen Welt.
Die bekanntesten Schüler von Xunzi waren Li Si und Han Fei Zi, die eine enorme Rolle in der chinesischen Geschichte spielten. Li Si wurde später Hauptminister des ersten Kaisers der Qin-Dynastie, der China 221 v. Chr. vereinte. Zusammen mit seinem Herrn kämpfte er unermüdlich nicht nur für die politische, sondern auch für die ideologische Einigung. Der Höhepunkt dieses Kampfes war die Bücherverbrennung im Jahr 213 v. Chr. Ein weiterer Schüler, Han Fei Zi, wurde der führende Vertreter der Legalistenschule, die die theoretische Grundlage für die politische und ideologische Einheit des Landes lieferte. Über diese Schule wird im nächsten Kapitel berichtet.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 05/10/2025