Der Kosmologismus der frühen griechischen Philosophie - Antike Philosophie: Kosmozentrismus - Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen
Einführung in die Philosophie - 2024 Inhalt

Die Entstehung der westlichen Philosophie und ihre kulturell-historischen Typen

Antike Philosophie: Kosmozentrismus

Der Kosmologismus der frühen griechischen Philosophie

Ein charakteristisches Merkmal der antiken griechischen Philosophie, besonders in der Anfangsphase ihrer Entwicklung, ist das Bestreben, das Wesen der Natur, des Kosmos und der Welt im Allgemeinen zu verstehen. Es ist kein Zufall, dass die ersten griechischen Philosophen — Thales, Anaximander, Anaximenes, Vertreter der sogenannten Milesischen Schule (6. Jahrhundert v. Chr.) — etwas später auch die Pythagoreer, Heraklit, Empedokles als “Physiker“ bezeichnet wurden, ein Begriff, der vom griechischen Wort physis — Natur — abgeleitet ist. Ihre Interessen richteten sich in erster Linie nach der Charakteristik der Mythologie, der traditionellen heidnischen Glaubensvorstellungen und Kulte. Die antike griechische Mythologie war eine Religion der Natur, und eine der zentralen Fragen war die des Ursprungs der Welt. Doch zwischen Mythologie und Philosophie bestand ein wesentlicher Unterschied: Die Mythologie erzählte, wer das All erschaffen hatte, während die Philosophie fragte, aus was es hervorging. In der “Theogonie“ des ersten namentlich bekannten griechischen epischen Dichters Hesiod heißt es, dass ursprünglich das Chaos entstand, daraufhin die Erde, der Tartarus (das unterirdische Reich) und Eros — die Liebesbewegung. Das Chaos gebar die Nacht und die Finsternis, aus ihrer Vereinigung entstanden der Tag und der Äther. Die frühen Denker suchten nach einem Urprinzip, aus dem alles hervorging. Bei Thales war es das Wasser, bei Anaximenes die Luft, bei Heraklit (ca. 544—ca. 483 v. Chr.) war es das Feuer. Das Urprinzip selbst stellte dabei nicht einfach ein Materieelement dar, wie es in der modernen Physik oder Chemie verstanden wird, sondern etwas, aus dem das Leben und all die belebten Wesen hervorgehen. Daher sind Wasser oder Feuer in diesem Zusammenhang eine Art Metapher, sie tragen sowohl eine direkte als auch eine übertragene, symbolische Bedeutung.

Bereits bei den ersten “Physikern“ wird die Philosophie als Wissenschaft von den Ursachen und Ursprüngen des Seienden gedacht. Dieser Ansatz spiegelt den Objektivismus und Ontologismus der antiken Philosophie wider (der Begriff “Ontologie“ bedeutet aus dem Griechischen übersetzt “Lehre vom Sein“). Ihr zentrales Anliegen war es, zu ergründen, was wirklich existiert, mit anderen Worten, was in all seinen wandelbaren Formen unveränderlich bleibt und was nur als existierend erscheint. Schon in der frühen philosophischen Denkweise wird nach rationalen (oder als solche wahrgenommenen) Erklärungen für den Ursprung und die Essenz der Welt gesucht, wobei (wenn auch zunächst nicht vollständig) die personifizierenden Elemente der Mythologie abgelehnt werden und damit das Bild der “Geburt“ vom philosophischen Begriff der “Ursache“ verdrängt wird.

Die ersten “Physiker“ zeichnen sich durch eine besondere Art der spontanen Dialektik des Denkens aus. Sie betrachteten den Kosmos als ein sich ständig veränderndes Ganzes, in dem das unveränderliche und selbstdenselbe Urprinzip in verschiedenen Formen erscheint und unzählige Transformationen durchläuft. Besonders deutlich wird dies bei Heraklit, der das All als ein bewegtes Einheitsverhältnis und den Kampf der Gegensätze dachte; nicht zufällig betrachtete Heraklit das Feuer als das Urprinzip: Das Feuerelement ist das dynamischste und beweglichste unter den Elementen des Kosmos. Dennoch ist das Denken der ersten Philosophen noch nicht frei von bildhaft-metaphorischen Formen, die logische Bearbeitung der Begriffe hatte noch keinen nennenswerten Platz eingenommen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025