Augustinus – Glaube und Vernunft - Das Mittelalter
Hauptpunkte und Persönlichkeiten in der Geschichte der Weltphilosophie - 2024 Inhalt

Das Mittelalter

Augustinus – Glaube und Vernunft

Bereits zuvor wurde die Bedeutung epistemologischer Fragen für die Sophisten und Sokrates, für Platon und Aristoteles hervorgehoben. In der Spätantike war die Epistemologie besonders für die Skeptiker von Bedeutung.

Mit dem Auftreten des Christentums erweiterte sich der epistemologische Horizont. Neben den Fragen, was wir wissen können, entstanden auch Fragen darüber, woran wir im religiösen Sinne glauben können — das heißt, Fragen nach der Beziehung zwischen religiösem Glauben und weltlicher Weisheit, zwischen christlicher Offenbarung und griechischem Denken. Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt der christlichen Theologie.

Unter den christlichen Theologen gab es auch solche, die den christlichen Glauben und das griechische Denken als grundsätzlich unvereinbar ansahen und versagten jegliche Versuche, den christlichen Glauben durch Philosophie und Vernunft zu begründen oder zu verstehen. Tertullian (ca. 160-222) war ein solcher Denker und betrachtete die Philosophie mit deutlicher Abneigung. Ein Ausdruck seiner Haltung zu diesem Problem war der berühmte Ausspruch credo quia absurdum (ich glaube, weil es absurd ist). Für ihn war der Glaube unabhängig von der Vernunft. Wenn die Vernunft die Bedeutungslosigkeit des Glaubens behauptet, so kümmert sich der Glaube darum nicht. Diese Sichtweise stellt die extremste Position in Bezug auf das Verhältnis zwischen religiösem (christlichem) Glauben und weltlicher Weisheit dar.

Eine weniger strenge Position räumte dem Glaube und der Vernunft eine gemeinsame Sphäre ein. Einige frühe christliche Theologen vertraten diese Auffassung. Sie hielten im epistemologischen Sinne den Glauben für überlegen. Wenn ein Konflikt zwischen Glaube und Vernunft auftritt, hatte der Glaube Vorrang. Diese Position war typisch für die Mehrheit der christlichen Theologen — von Augustinus bis Thomas von Aquin. Innerhalb dieser Auffassung existierten jedoch verschiedene Herangehensweisen. Eine davon besagte, dass der Glaube insofern Vorrang hat, als er das Denken erst ermöglicht: credo ut intelligam (ich glaube, um zu verstehen). Das bedeutet, dass ohne Offenbarung und Glauben die Menschen blind gegenüber den wichtigsten Aspekten des Lebens wären. Augustinus vertrat diese Auffassung.

Eine andere Herangehensweise ging davon aus, dass der Glaube tatsächlich Vorrang hat, aber nur in Bezug auf die grundlegenden christlichen Wahrheiten. In allen anderen Bereichen sind sowohl der Glaube (auf der Basis der Offenbarung) als auch die Vernunft (auf der Basis der Erfahrung) unabhängig und besitzen denselben Status. Teilweise beschäftigen sie sich mit ihren eigenen spezifischen Problemen, teilweise mit solchen, die beide betreffen. In der gemeinsamen Sphäre von Glaube und Vernunft herrscht Harmonie. Ein Beispiel hierfür ist die Frage nach der Existenz Gottes, während die Frage nach seiner Natur zum Bereich des Glaubens gehört, der auf der Offenbarung basiert. Dieser harmonische Synthese von Glaube und Vernunft durchzieht die Theologie (Philosophie) von Thomas von Aquin.

Nun wollen wir uns mit Augustinus’ Ansatz befassen, und anschließend mit dem von Thomas von Aquin. Da Augustinus einen Großteil seiner Argumentation auf die Widerlegung des ihm zeitgenössischen Skeptizismus richtete, werden wir zunächst auf die wesentlichen Aspekte dieses Skeptizismus eingehen.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025