Gedankliche Vorläufer - Der Positivismus des 20. Jahrhunderts und seine Spielarten
Die wichtigsten Phasen in der Entwicklung des philosophischen Wissens - 2024 Inhalt

Der Positivismus des 20. Jahrhunderts und seine Spielarten

Gedankliche Vorläufer

Der Positivismus des 20. Jahrhunderts wird als Neopositivismus bezeichnet. Er gehört zu den verbreitetsten und einflussreichsten Strömungen der modernen westlichen Philosophie.

Der Neopositivismus knüpft an die Tradition des klassischen Positivismus der 1830er-Jahre an. Als Begründer dieser Richtung gilt der französische Philosoph Auguste Comte (1798–1857). Wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung des Positivismus leisteten die englischen Denker John Stuart Mill (1806–1873) und Herbert Spencer (1820–1903). Sie strebten danach, eine Philosophie zu schaffen, die mit den Fortschritten der Naturwissenschaften in Einklang stand. Dies geschah vor dem Hintergrund der damals dominierenden hegelschen Philosophie, die die Einzelwissenschaften abwertete und Philosophie als „Wissenschaft der Wissenschaften“ verstand. Die positivistische Schule hingegen vertrat die Parole: „Die Wissenschaft ist ihre eigene Philosophie!“ Ihre Vertreter erklärten, dass die Wissenschaft nichts erkläre, sondern lediglich die Frage „Wie?“ beantworte, während sie die Frage „Warum?“ außer Acht lasse. Sie liefere positive Erkenntnisse und bedürfe keiner übergeordneten Philosophie, die sich mit „metaphysischen“ Abstraktionen beschäftige.

In der Ablehnung der traditionellen Philosophie wandten sich die Positivisten sowohl gegen den Materialismus und Idealismus als auch gegen die Dialektik. Sie erhoben den Anspruch, dass der Positivismus eine umfassende Bedeutung erlangen werde. Wissenschaft, so ihre Auffassung, habe die Aufgabe, Fakten zu beschreiben, wobei der „Fakt“ als das im individuellen sinnlichen Erleben Gegebene verstanden wurde. Comte, der selbst in den Bereichen Mathematik und Physik arbeitete, sowie seine Anhänger lösten die Philosophie in den Naturwissenschaften auf und schufen so eine verkappte Form des subjektiven Idealismus. Der Positivismus fand unter Naturwissenschaftlern breite Zustimmung und verbreitete sich international, auch in Russland.

Entwicklung im späten 19. Jahrhundert

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten Denker wie der österreichische Philosoph und Physiker Ernst Mach (1838–1916), der Schweizer Philosoph Richard Avenarius (1843–1896), der englische Mathematiker, Biologe und Philosoph Karl Pearson (1857–1936) sowie französische Wissenschaftler wie der Mathematiker Henri Poincaré (1854–1912) und der Physiker und Wissenschaftshistoriker Pierre Duhem (1861–1916) eine subjektiv-idealistische Variante des Positivismus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlossen sich russische Denker wie Alexander Bogdanov, Wladimir Bazarow und Pawel Juschkewitsch dieser Richtung an.

Der sogenannte Machismus legte seiner Konzeption das Prinzip der „Ökonomie des Denkens“ zugrunde, aus dem sich der Anspruch ableitete, die Wissenschaft solle sich auf „Beschreibung“ als Ideal beschränken. Nach Mach sollte der erklärende Teil der Wissenschaft aus Gründen der Denkökonomie entfernt werden. So wurde beispielsweise das Prinzip der Kausalität durch funktionale Abhängigkeiten ersetzt. Durch die Anwendung methodologischer Prinzipien der Denkökonomie und der reinen Beschreibung auf die Erkenntnistheorie gelangte der Empiriokritizismus zum Relativismus und zur Begründung der Bedingtheit aller menschlichen Erkenntnis. Er behauptete, dass die Wissenschaft keine objektive Realität widerspiegele. Dies markierte die zweite Entwicklungsstufe des Positivismus.





Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Quellen und Methodik

Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.

Zuletzt geändert: 12/01/2025